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Benutzername: 
Tefelz
Wohnort: 
67459 Böhl-Iggelheim

Bewertungen

Insgesamt 108 Bewertungen
Bewertung vom 21.09.2022
Bullauge
Ani, Friedrich

Bullauge


ausgezeichnet

Starker Realismus

"Einfach lesen und dann vermutlich Ani Fan werden" An diesem Ausspruch von Christine Westermann vom WDR2 ist irgendwie alles passend. So ging es mir letztes Jahr als ich meinen ersten Friedrich Ani Roman las.

Geschichte: Auf einer Demo bekommt Kay Oleander eine Bierflasche ins Auge und ist seitdem auf dem einen Auge blind. Krank geschrieben, hadert er mit dem Schicksal und lässt sich stark gehen. Sein Beruf als Polizist kann er zumindest im Außendienst nicht mehr nachgehen. Um wieder auf andere Gedanken zu kommen, versucht er die Videos der Demo nochmal zu schauen, ob er vielleicht Personen sieht, die eine Bierflasche geworfen haben könnten, denn die beiden mutmaßlichen Täter, die ihm sein Chef präsentieren will, waren zum Zeitpunkt nicht mal in der Nähe von ihm. In einem Interview während der Demo sieht er eine Frau mit einem Mann, die in Frage kommen könnten. Er kommt durch Zufall mit Frau Glaser ins Gespräch und stellt fest, dass auch sie behindert ist, Fahrradunfall ausgelöst durch einen Polizeiwagen...

Schreibstil und Personen: Die Stärke jedes Ani Romans ! Darsteller , jede Szene ist absolut schlüssig und klar und schon nach den ersten Zeilen ist klar : er hat mich wieder gepackt und es ist mir völlig egal von was er schreibt. Wir begleiten Oleander in seine tiefsten und trübsinnigsten Gedanken und sind gedanklich voll bei ihm, wie er die Welt sieht und die Hoffnungslosigkeit langsam weicht. Der angeblich böse Bulle ist dann doch auch nicht so wie Sylvia sich einen Polzisten vorstellt, denn sie sieht den Mensch der hinter der Fassade steckt und unverdient sein Augenlicht verliert.

Meinung : Es gibt kein Gut und kein Böse. Jeder hat seine Bedeutung und glaubt an das was ihm richtig erscheint. Durch die Bekanntschaft mit Sylvia entdeckt Oleander das es wichtigeres gibt als den Schuldigen zu suchen. Es ist absolut nicht spektakulär aber dieser Schreibstil löst eine Menge bei mir aus und selbst Banalitäten sind wie Gewürze, die eine Zutat zu einem gelungenen Roman sind.
Ich denke, dass er die Menschheit spalten kann und entweder man ist Fan oder findet ihn langweilig oder langatmig.

Fazit: Friedrich Ani ist für mich seit seinem letzten Buch 2021 eine Entdeckung für mich. Die ersten Teile der Tabor Süden Reihe sind ein Genuss und dieses Buch ist durch seine Erzählweise wieder etwas Besonderes, das bei mir hängen bleibt. 5 Sterne sind die logische Folge. Empfehlung an alle, die auch gerne psychologische Krimis mögen, wobei der Krimi hier eher der Nebenschauplatz ist. Für mich einfach stark !

Bewertung vom 04.09.2022
Wer mit den Toten spricht / Raven & Flyte ermitteln Bd.2
Turner, A. K.

Wer mit den Toten spricht / Raven & Flyte ermitteln Bd.2


ausgezeichnet

Die Vergangenheit birgt Überraschungen
Nach einem wirklichen Highlight mit dem ersten Teil von Cassie Raven, war ich so gespannt auf den zweiten Teil und vor allem ob er das Niveau halten kann?

Das Cover sticht schon schön ins Auge und es fühlt sich gut in den Händen an. Auch die Taschenbuch Version überzeugt mit absoluter Wertigkeit.

Geschichte: Cassie Raven hat eigentlich nur noch Ihre alte Großmutter und Ihren Job, für den Sie alles stehen und liegen lässt. Als Sie eines Tages eine sehr junge Leiche auf den Seziertisch bekommt, ein junger Mann der sich aufgehängt hat, kann sie irgendwie kaum an Selbstmord glauben, zumal sie wieder glaubt etwas von dem Toten gehört zu haben. Doch die wirkliche Geschichte beginnt mit einem leichten Schlaganfall Ihrer Oma , die Ihr aus Angst vorzeitig zu sterben, offenbart, dass Ihre Mutter nicht bei einem Unfall gestrorben ist, sondern dass Ihr Vater sie umgebracht hat und jetzt nach 20 Jahren wieder frei ist. Cassies gesamte Vergangenheit bricht in sich zusammen und lässt Ihr keine Ruhe...

Der Schreibstil ist das Hauptargument, warum bereits der erste Teil solch einen starken Eindruck auf mich hatte. Dieses mal ist die Geschichte weit weniger spektakulär und trotzdem ist es wie ein nach Hause kommen und weiterlesen.
Auch dabei ist wieder DS Phyllida Flyte, die Gesetzestreue Polizistin, die nicht versteht, warum gerade sie für Cassie immer wieder die Gesetze umgeht und selbst unbedingt wissen muss, warum Ihre ungeborene Tochter bereits sterben musste. Alles ergibt immer wieder Sinn und ist logisch aufgebaut, so auch das Ende, daß nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Cassie hat nicht viele Freunde, aber die sie hat, sind loyal und realistisch dargestellt.

Meinung: Ich bin eigentlich immer wieder überrascht, warum diese Serie so einen Eindruck bei mir hinterlässt. Der zweite Teil ist schwächer aber immer noch so stark, dass es andere Romane um Längen schlägt. Cassie ist sympathisch, stur und in vielen Fällen unsicher, was sie absolut menschlich wirken lässt. Die Aufopferung, die sie den Toten entgegenbringt und vor allem auch ihre Hilfsbereitschaft den Hinterbliebenen, lässt einen irgendwie den Glauben an die Menschheit wieder herstellen, wenn auch leider nur Fiktiv.

Fazit: 5 Sterne, weil mir diese Serie einfach zu gut gefällt. Krimi ja, Thriller eher nein, aber dafür wunderbar gemacht und mit viel Herz geschrieben. Ich liebe es !

Bewertung vom 21.08.2022
Vega - Der Wind in meinen Händen
Perko, Marion

Vega - Der Wind in meinen Händen


ausgezeichnet

Genial und Spannend
Schon das Cover zieht mich in seinen Bann. Jugendbuch oder auch für Erwachsene. Da ich mich für Erwachsen halte und die Seiten nur so fliegen, scheint es auch für Erwachsene gut zu sein.



Geschichte: Deutschland 1952. Irgend eine große Stadt. Der Klimawandel hat alles komplett verändert. Es gibt Wettermacher, die dafür sorgen, dass es obwohl es wenig Wasser gibt, regnet. Dafür gibt es sogar eine Organisation, welche die Wettermacher kontrolliert und Genehmigungen erteilt. Vega ist eine Minderjährige junge Dame , die mit Ihrem Freund Esper, ohne Genehmigung gegen Geld das Wetter macht. Als auf einer Veranstaltung im Kleingartengebiet dann alles schief läuft, versteht Vega die Welt nicht mehr. Irgendjemand hat die Dosis der Chemikalien überhöht und anstatt Regen, fällt saurer Regen, der 2 Kindern den Rücken verätzt. Die Wettermacher arbeiten mit Drohnen und Chemikalien, die sie in den Himmel schießen.Die Organisation verfolgt plötzlich Vega als Terroristin, da niemand außer Esper weiß, dass Vega nicht mit technischen Geräten arbeitet, sondern mit einer sehr außergewöhnlichen Fähigkeit. Es kann keine Chemikalie falsch berechnet sein und Esper verschwindet nach dem Vorfall spurlos….



Schreibstil und Personen: Sehr spannender Schreibstil und vor allem auch eine sehr spannende Geschichte. Ich will eigentlich nur schnell 10 Seiten lesen und ertappe mich dabei, wie ich mich sinnlos verrenke, weil ich im stehen anstatt 10 Seiten , dann doch 40 Seiten gelesen habe.Vega nimmt einen in Ihrer Geschichte mit und Leo als Ihr zufälliger Retter hat eine sehr gute Rolle und füllt diese gut aus.



Meinung: Es ist ein sehr gut geschriebenes und vor allem sehr spannendes Buch, das sich aktuell mit dem Klima auseinandersetzt, ein Teil Endzeit vereint, ein Teil Fantasy , ein Teil SciFi und ein Teil Abenteuer. Die Kombination ist sehr gelungen und ich bin jetzt schon auf die Fortsetzung gespannt, da mit Vega die Klima Saga startet.



Fazit: 5 Sterne ob Jugendbuch oder was auch immer. Sehr gute Unterhaltung mit einem fesselnden Abenteuer in der Zukunft, die hoffentlich nie so sein wird.

Bewertung vom 14.08.2022
Die Passage nach Maskat
Rademacher, Cay

Die Passage nach Maskat


ausgezeichnet

Wunderbare Stimmung
Schon bei der Leseprobe zieht einen das Cover in seinen Bann und ja, so stellt man sich die Kreuzfahrt um 1929 vor und denkt sofort an Agatha Christie. Die Vorfreude ist also sehr groß.

Geschichte: Dora leitet die Außenstelle Berlin einer großen Gewürzfirma in Hamburg, die Ihrem Vater gehört. Gemeinsam mit dem Prokuristen und den Eltern, wollen sie nach Makat und dort im großen Stil einkaufen. Theodor Jung, ihr Mann und ungeliebter Schwiegersohn, arbeitet als Fotoreporter beim Bei der Berliner Illustrierten und lässt sich vom Verlag die Reise bezahlen, um unterwegs Bilder zu machen und seine Frau zu begleiten, die er seit einiger Zeit immer seltener sieht, da sie Geschäftlich oft in Hamburg ist. Es soll einfach eine Reise werden, die beide wieder enger zusammen rückt. Als Dora jedoch einfach verschwunden ist, weiß Theodor nicht mehr was real und was komplett verückt ist. Die ganze Familie behauptet, Dora wäre nie auf dem Schiff gewesen und Theo weiß nicht ob er verrückt wird....

Schreibstil und Personen: Es ist wie ein Abenteuerbuch geschrieben und um möglichst viele Verdächtige zu haben, sind auf dem Schiff doch erstaunlich viele bekannte aus Berlin, als auch neue Personen, die durchaus sympathisch wirken, doch genauso gut auch in einer Verschwörung stecken können. Theodor ist sehr gut dargestellt. Träumt er alles ? Nach der Rückkehr aus dem Krieg als U-Boot Fahrer, nimmt er starke Tabletten, gegen das erlebte Trauma. Er ist trotz allem sehr naiv und kümmert sich auch nicht um das Gewürzgeschäft seiner Frau. Schön auch die Personen die ihm helfen, der Wahrheit auf die Sprünge zu kommen.

Meinung: Es ist ein wirklich sehr kurzweiliges Buch, das viel Spaß gemacht hat. Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen klassischer Krimi mit einem Augenzwinkern an "Tod auf dem Nil". Die Spannung steigert sich zum Ende und auch die Auflösung lässt mich zufrieden das Buch zur Seite legen.

Fazit: Für 5 Sterne fehlt mir vielleicht noch ein kleiner Funken , der etwas sehr besonderes ausmacht, dass ich auch nach Tagen, daran denken mag. Doch ist das Buch einfach nur sehr gut und wirklich jedem der klassische Krimis mag, sehr zu empfehlen.

Bewertung vom 31.07.2022
Die Cellistin / Gabriel Allon Bd.21
Silva, Daniel

Die Cellistin / Gabriel Allon Bd.21


sehr gut

Russische Geldwäsche
Es fällt mir etwas schwer dieses Buch zu beurteilen, da ich normal kein Freund von Agentenromanen bin und James Bond hasse, aber irgendwie läuft das durch, ist schnell gelesen und bietet kurzweilige Unterhaltung.

Geschichte: Als ein Exilrussischer Geschäftsmann trotz vieler Sicherheitsmaßnahmen mit einem Nervengift ermordet wird, ist klar dass der russische Geheimdienst einen unermüdlichen Kritiker ruhig gestellt hat. Die Frage ist nur wie es gelungen ist, das Gift sogar durch eine Freundin überbringen zu können. Als sich herausstellt, dass ein unbekannter Informant in der Schweiz an verschiedenen Stellen Nachrichten hinterlassen hat, die darauf schließen, dass Russland in der Schweiz in großem Stil Geld wäscht, will Gabriel Allon, der Chef des Israelischen Geheimdienstes das Rätsel lösen und den Informanten finden, als auch die Geldwäsche beenden....

Schreibstil und Personen: Der Schreibstil ist flüssig und das Cover zieht Aufmerksamkeit an. Der Plot ist klar und die Auflösung logisch. Die Personen sind an sich gut dargestellt, obwohl es sich um eine Fortsetzung handelt, kann der Roman gut alleine gelesen werden. Natürlich sind Geheimagenten alle wesentlich schlauer und machen so gut wie keine Fehler. Dazu haben sie fast unbegrenzte Möglichkeiten. Wer das ertragen kann, macht nichts falsch.

Meinung: Neutral zu sein, ist nicht so ganz einfach, da mir das Genre überhaupt nicht liegt. Agenten die alles wissen und bereits 3 oder 4 Schritte im Voraus planen, verlieren eigentlich nur gegen die Gegner, die bereits 5 oder 6 Schritte im Voraus geplant haben. Manchmal empfinde ich das als sehr anstrengend. Gabriel Allon, kennt jeder und jeden und er darf fast alles , sei es ein Irakisches Sprengstofflager zu vernichten oder seinen Privatkrieg gegen den russischen Präsidenten zu führen.

Fazit: 4 Sterne von mir, da ich das ganze flüssig durchgelesen habe und die Spannung wirklich in den teils kurzen Absätzen gut durchkommen konnte. Es ist alles dabei von Täuschung, Mord, Überwachung etc. und konnt sogar mich erreichen. Alles nicht alles falsch gemacht...

Bewertung vom 23.07.2022
Sturmrot / Eira Sjödin Bd.1 (eBook, ePUB)
Alsterdal, Tove

Sturmrot / Eira Sjödin Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Auftakt einer Trilogie aus Schweden, der sogar in Schweden und Skandinavien mit einem Preis versehen wird, sollte ich als Skandinavien Buch Fan wirklich lesen und wie fast immer,gibt es keine Enttäuschungen....

Geschichte: Vor 23 Jahren wurde in Nordschweden ein Mädchen umgebracht und nie gefunden. Der damals 14 Jährige Olof geriet sofort in Verdacht und nach langen Verhören, gestand er damals den Mord . Die Leiche hat er ins Meer geworfen. Seine Eltern haben ihn sofort weit von sich in eine Jegendanstalt gesteckt, da er für die Tat als Minderjähriger nicht verurteil werden konnte. 23 Jahre später fährt Olof an seinem Elternhaus vorbei und findet seinen Vater aufgeschlitzt in seinen Haus auf. Er weiß, das glaubt ihm niemand und will flüchten, doch ein Nachbar hält ihn auf. Eira Sjödin war damals 9 Jahre alt und ist heute bei der Polizei und muss an diesem Tatort ermitteln. Anscheinend ist auch in der Vergangenheit einiges falsch gelaufen, das bis heute noch Auswirkungen hat....

Schreibstil und Personen: Schon das Cover sticht ins Auge und das Buch beginnt ganz langsam und auch langsam erweitert sich der Personenkreis. Eiras Mutter, die gegen Demenz kämpft, Olof der mit seinen eigenen Erinnerungen hadert, Eiras Bruder , der damals mit seinem Bestenn Freund, das verschwundene Mädchen auch kannte und nie davon erzählt hatte. Eiras Kollegen und alte Bekannte aus der Gegend, die immer ein Stückchen mehr, Ihre Geschichte zu zeigen bereit sind. Das Buch ist nicht reißerisch geschrieben und genau das beeindruckt mich. Es sind die ruhigen Töne, die mich treffen und ehe ich mich versehe, habenich bereits weitergelesen und verfolge wie gebannt die Hauptdarstellerin mit Ihrer gesamten Gefühlswelt und Ihrer Denkweise.

Meinung: Tiefgründige Personen, dunkle Stimmung, freudlose Realität bei der man sich oft fragt, was treibt diese Menschen dazu, täglich aufzustehen? Auf der anderen Seite überzeugen die Akteure genau durch den nicht 08/15 Charakter sondern fordern Bewunderung für ihre Hartnäckigkeit, Loyalität und Ihre Aufopferungsgabe. So werden außergewöhnliche Kriminalromane geschrieben, in denen der Leser komplett wie in einem Film verschwindet und mitleiden kann.

Fazit: Wahnsinnig guter Start, der mich total begeistert und den ich jedem Fan von skandinavischen Krimis empfehlen kann. Ich kann es kaum erwarten , daß Oktober/November der nächste Teil erscheinen soll. 5 Sterne !

Bewertung vom 12.07.2022
Als das Böse kam
Menger, Ivar Leon

Als das Böse kam


sehr gut

Vom Autor habe ich bislang noch nie etwas gehört, da stellt sich mir die Frage, warum dér Verlag das Buch als Spitzentitel bewirbt und andere nicht... Wer oder was macht den Unterschied? Überhaupt nicht umgehen kann ich mit Sprüchen wie : "Ich schreibe Geschichten , die ins Herz gehen. Bis es stehen bleibt."Einen größeren Blödsinn habe ich noch nicht gelesen, ausgerechnet von einem Darmstädter Autor. Da ich in Darmstadt geboren bin, ärgere ich mich noch mehr...Ist aber zum Glück die einzige größere Kritik an diesem Roman.

Geschichte: Mutter, Vater, Juno und Boy leben in Nordland auf einer kleinen Insel. Auf dem Festland leben die Wächter, die auf Sie aufpassen und 1 x pro Woche die Post bringen. Es gibt noch die Fremdlinge, vor denen sie sich auf der Insel verstecken, da diese, alle von Ihnen umbringen wollen. So ist der Tagesablauf von Juno und Ihrem Bruder mit Testalarmen, Übungen zum verstecken, Schnelles töten mit dem Messer etc. festgelegt. Als Juno 16 Jahre wird, regt sich naturgemäß die rebellische Ader und auch die Neugier und so ist es kaum verwunderlich, daß Juno Entdeckungen macht, die ihre Eltern lieber Geheim gehalten hätten...

Meinung: Der Autor kommt aus dem Jugendbereich und legt seinen ersten Roman für Erwachsene vor. Es tut dem Buch gut, da es spannend geschrieben ist, detailliert und trotzdem weiss der Leser schnell wo das alles hinführen wird. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir nicht gefallen würde.Juno hat meine volle Sympathie und ist eine wunderbare Alltagsheldin. Natürlich ist es immer schwer etwas neues zu erfinden, aber es ist sehr gute Unterhaltung. Eine Mischung aus Krimi/Thriller/ Fantasy und Horroranteilen und Realität, wobei auch ein paar logistische Probleme auftauchen, doch sehen wir darüber hinweg...

Fazit: Ein durchaus gelungener Roman, der jetzt eher gemächlich beginnt und auch nicht wirklich mit Speed gesegnet ist, aber zum Ende dann doch noch Fahrt aufnimmt und in einen Showdown mündet. 4 Sterne für gute Unterhaltung.

Bewertung vom 26.06.2022
Der Mann, der vom Himmel fiel
Tevis, Walter

Der Mann, der vom Himmel fiel


ausgezeichnet

Walter Tevis sagte mir auf Anhieb erst mal gar nichts, aber als ich dann las, das er für das Damengambit verantwortlich ist, Farbe des Geldes und Haie der Großstadt, war ich etwas verschämt, dass ich die Filme mochte aber mich nie gefragt habe, wer dahinter steckt und die Bücher geschrieben hat. Unvorbelastet kann ich an dieses Buch gehen, da ich die damalige Verfilmung mit David Bowie nicht gesehen habe und auch nicht wollte....Zum Glück...

Geschichte: Thomas Jerome Newton ist merkwürdig. Er ist groß, hat blasblaue Augen und wiegt nur 40 kg. Noch merkwürdiger ist, dass er aus dem Nichts auftaucht und schnell erschöpft ist. Als er bei einem Schmuckhändler seinen Ring verkauft , ist es das erste Geld dass er in Kentucky verdient, doch es soll nicht das letzte bleiben. Wir erfahren zunächst nur, dass er Lebensmittel kauft, das Fleisch jedoch wegwirft und in einem Zelt lebt. Als er kurze Zeit später einen Anwalt für Patentrechte engagiert und ihm eine Vollzeitstelle anbietet, kann die Welt noch nicht ahnen, was Thomas an Patenten alles anbieten kann...Es wird die Welt verändern....

Schreibstil und Personen: Ich liebe den Schreibstil dieser Zeit und das völlig unspektakuläre daran. Völlig unaufgeregt wird eine schöne und interessante Geschichte erzählt, die alles in sich hat, was sein muß! Spannend, die Entwicklung zu sehen, Rührend vor allen die Einzelpersonen. Alle getrieben von innerer Unzufriedenheit und trotzdem wunderbar gezeichnet. Jeder kaputt mit seinen Dämonen und nahezu alle dem Alkohol verfallen. Trotzdem Loyal und immer da für Thomas. Die Atmosphäre ist ähnlich dem Damengambit und hinterlässt bei mir einen wohligen Schauer, weil alles so detailliert und nachvollziehbar dargestellt ist. Hier wird nicht mit dem mahnenden Zeigefinger agiert oder sinnlose Ratschläge verteilt. Soll Thomas seine Welt retten oder braucht er eher selbst Hilfe ?

Meinung: Obwohl bereits fast 60 Jahre alt, ist diese Neuübersetzung wunderbar und ein purer Genuss. Es schlägt bei weitem viele der heute neu geschriebenen Bücher alleine schon wegen dem Schreibstil und der Menschlichkeit. Kluge, zurückhaltende Töne und die Idee, die dahinter steckt. Thomas ist nicht der supersympathische Alleskönner sondern eher ein absoluter Einzelgänger und er achtet auch nicht besonders auf die Probleme seiner Mitarbeiter, doch trotzdem muss man sie in der Gesamtheit alle lieben. Als die CIA und das FBI auftauchen, glaubt man den weiteren Verlauf zu kennen, doch auch hier geschieht etwas überraschendes ...

Fazit: Ein Stück Nostalgie zum Leben erweckt. Ein wunderbar geschriebener Roman, der mich gut unterhalten hat. 5 Sterne schon alleine für den Stil!

Bewertung vom 12.06.2022
Die Leiche am Deich (eBook, ePUB)
Jensen, Joost

Die Leiche am Deich (eBook, ePUB)


sehr gut

Und schon wieder ein Ostfriesen/Küsten Krimi von der Sorte die wie Pilze aus dem Boden wächst und war nicht so gespannt wie ich normal auf neue Bücher bin. Doch Freitag per Post angekommen, war das Buch Samstag Abend bereits gelesen. Spricht schon mal für den Schreibstil...

Geschichte: Als am Strand Kerstin Burmeister von einem Unbekannten erstochen wird, kann niemand ahnen, welche Auswirkungen das auf die kleine Gemeinde Sünum hat, deren gesellschaftliches Leben sich hauptsächlich im "Kroog" abspielt. Die Dorfkneipe, in der Gesine ihr Bier "Tüdelbräu" selbst herstellt, und die Anlaufstelle für alle Sünnumer ist. Wiebke, Ihre Tochter abeitet bei der Polizei und soll den Fall untersuchen. Ein möglicher Täter ist schnell gefunden, doch Gesine ist sich sicher, dass Eno unschuldig ist und fängt gegen den Willen der Tochter selbst an zu ermitteln...

Schreibstil und Personen: Es ist unglaublich, wie gut ich mir jede einzelne Person vorstellen kann und fühle mich beim lesen, wie in einem vor meinen Augen abgespielten Film als lebender Zuschauer. Die Personen sind detailliert und von der Gemeinschaft geliebt. Doch wie schnell sich Liebe in Haß wandeln kann, zeigt sich an vielen Beispielen , als einige wenige aus der Dorfgemeinschaft ausscheren und eigene Ziele verfolgen. Das Ende ist überraschend und somit alles richtig gemacht!

Meinung: Kurzweilie gute Geschichte mit tollen Charakteren auf typisch Norddeutsch gestimmt. Der blöde Polizist, der gierige und böse Bauer und die sture Mutter sind dabei, so dass jedes Klischee auch voll bedient wird.

Kritik: Schon sehr nervend das permante Gehabe um das "Tüdelbräu". Was bei Werner und seinem Bölkstoff noch witzig ist, geht einem hier irgendwann voll auf den Zeiger und führt zu einem Stern Abzug. Man hat den Eindruck, dass manche überhaupt nur gerade laufen können, wenn sie Bier trinken. Es kann irgendwie nicht so schnell nachgefüllt werden, wie es ausgetrunken wird. Gesine hat zudem alles im Griff und das ist schon hart an der Grenze.

Fazit: Starker Regionalkrimi mit einer guten Geschichte und auch einem überraschenden Ende, das durch einige falsch gelegte Spuren auch immer spannend bleibt.4 Sterne und eine Empfehlung, dass mit dem endlosen Besäufnis bei weiteren Folgen zu reduzieren.

Bewertung vom 27.05.2022
City on Fire
Winslow, Don

City on Fire


ausgezeichnet

Unfassbar, wie diese Geschichte einen in seinen Bann zieht

Auch wenn es der Auftakt zu einer Trilogie sein soll, so steht das Buch alleine für sich schon erstklassig da, ob mit oder ohne Fortsetzung!

Geschichte: Danny Ryan`s Vater war früher das Oberhaupt der Iren in Rhode Island und führte die Geschicke der Docks und der Gewerkschaften, dazu gehörten der Raub an eingehender Ware oder auch Überfälle auf LKW. Dem gegenüber stehen die Italiener die für Prostitution, Drogen und Schutzgelder zuständig sind. Beide vereint durch einen langjährigen Friedenspakt. Als sich Marty Ryan mehr dem Alkohol zuwendet übernehmen die Murphys alles und Danny wächst mit den Söhnen auf und Ihn verbindet eine starke Freundschaft zu Pat Murphy. Als Danny dann noch die Tochter von John Murphy heiratet, genügt sich Danny in der Rolle als Helfer, der aber nichts zu melden hat. Doch dann tritt eine wunderschöne Frau in das Leben in Rhode Island und die Welt, wie sie war ändert sich für alle....

Personen und Schreibstil: Von Beginn an fesselt der Schreibstil und der Leser wechselt in die Zeit um 1986 und ist mitten im Geschehen. Und zwar so stark, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Die Personen haben Ihr Macken und man ist Hin und Hergerissen zwischen den Personen und auch den verschiedenen Gruppen, bei denen jeder irgendwelche Polizisten, Richter oder aber im Fall der Italiener, die Mafia hinter sich hat. Alles ist detailliert, ohne zu langweilen oder langatmig zu sein.

Meinung: Ein Highlight 2022 in jeder Beziehung. Ob nun Mafia-Buch oder Freundschaften, Ehrencodex und Liebe. Es ist alles zu finden und man leidet oder ärgert sich mit den handelnden Personen. Selten, dass eine Geschichte einen so in den Bann ziehen kann, doch ich bin begeistert. Das Buch steht auch alleine für sich mit einem sehr starken Ende, so dass mancher Autor davon träumen könnte, so ein Einzelbuch zu schreiben. Hier ist es anscheinend nur der Auftakt...

Fazit: Weltklasse aus meiner Sicht und glatte 5 Sterne ohne darüber nachzudenken. Wer Don Winslow kennt, kann ohne überlegen zugreifen. Wer Ihn noch nicht kennt, erst recht !