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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Koriander
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Bewertungen

Insgesamt 37 Bewertungen
Bewertung vom 18.10.2018
Alchimie einer Mordnacht
Black, Benjamin; Banville, John

Alchimie einer Mordnacht


sehr gut

"Alchimie einer Mordnacht" - ein verheissungsvoller Titel! Und ein grausiger Mord an einem jungen Mädchen in einer dunklen, verschneiten Gasse im alten Prag, ein vielversprechender Anfang für einen Kriminalroman! Christian Stern, ein kluger junger Mann, der gerade seine Studien in Bayern erfolgreich beendet hat, will im Ausland Erfahrung sammeln. Er ist es, der in der ersten Nacht die Tote findet und gerät prompt selbst unter Mordverdacht. Nur durch Zufall und Glück gerät er in die Aura des Kaisers Rudolf, der ihn mit Wohlgefallen in seine Kreise aufnimmt. Und ihn mit der Suche nach dem Mörder beauftragt.
John Blanville alias Benjamin Black erzählt unglaublich detailreich, anschaulich und sehr beeindruckend, wie der junge Gelehrte seinen Weg durch das finstere Prag findet. Dieser Christian Stern glänzt mit Überheblichkeit und einem starken Ego, wird dann aber wieder von Zweifeln befallen. Er wird zum Geliebten der kaiserlichen Mätresse, gerät in die Intrigen am Hof und wird zum Beauftragten des Kammerherren. Ein sehr farbiger Roman, vielfältig und malerisch! Allerdings finde ich, das es eher ein wunderbarer historischer Roman als ein Kriminalroman ist. Die Ermittlungen geraten angesicht des üppigen Sittengemäldes leider völlig in den Hintergrund, man ist selbst durch das Geschehen abgelenkt, und ich hatte fast erwartet, das es zu keiner Auflösung kommt. Aber diese kommt dann doch und ist eine Überraschung. Ein sehr beeindruckender Roman vor geschichtlichem Hintergrund.

Bewertung vom 07.10.2018
Ca. 750 g Glück - Das kleine Buch über die große Lust sein eigenes Sauerteigbrot zu backen
Stoletzky, Judith; Geißler, Lutz

Ca. 750 g Glück - Das kleine Buch über die große Lust sein eigenes Sauerteigbrot zu backen


ausgezeichnet

Ein unspektakuläres Cover - unter dem sich eine liebevolle Anleitung zum Glücklichsein verbirgt. Minimalismus! Das ist es, was die Menschen wieder suchen, etwas, das man selbst (er)schaffen kann! Und hier ist es das Grundnahrungsmittel schlechthin: Sauerteigbrot. Wer erinnert sich nicht an die Kindheit und ein köstliches Schnittlauch- oder Tomatenbrot?
“ca. 750 g Glück” ist kein Backbuch im üblichen Sinn. Das Rezept nimmt nur einen geringen Anteil der 100 Seiten ein. Und das Inhaltsverzeichnis ist der Wegweiser zum Glück, zur Liebe und Achtsamkeit, den Tugenden, die das Leben ausmachen, und die im Alltag meistens untergehen. Die Kapitel sind sehr humor- und liebevoll geschrieben; die Beispiele sind selbstverständlich an der Freude am Backen ausgerichtet, gehen aber tiefer und erinnern den Leser daran, was im Leben wirklich wichtig ist und wie man selbst wieder einen Bezug herstellen kann. Psychologisch tiefsinnig, ein bisschen philosophisch, sehr unterhaltsam, humorvoll und auf unaufdringliche Art lehrreich. Man kommt auf jeden Fall zu dem Schluss, es selbst zu probieren - und da ist es dann auch: das Rezept! Und all die vielfältigen Möglichkeiten, wunderschön ins Bild gebracht von Hubertus Schüler. Lutz Geißlers “Gedanken beim Mischen des Sauerteigs” sind zwar - ohne Punkt und Komma - etwas gewöhnungsbedürftig zu lesen, aber ja, man gerät dann doch in einen gewissen Flow…
Ein in jeder Hinsicht empfehlenswertes Buch, das schon beim Lesen ein Lächeln auf die Lippen zaubert!

Bewertung vom 01.10.2018
Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1
Raab, Thomas

Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Thomas Raab ist allseits für seine (bereits verfilmten) “Metzger-Krimis” bekannt - umso neugieriger war ich auf seinen neuen Fall!
Frau Huber, um die siebzig Jahre alt und davon 53 Jahre mit ihrem Walter verheiratet, muss nun von ihm Abschied nehmen. Zwar ist er auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen, aber Hanni ist eher erleichtert, als in Trauer versunken. Dennoch gibt es ihr ordentlich zu Denken, als da an Walters Grab eine weitere, ehrlich trauernde Witwe weint…
Hanni ist eine gute Beobachterin und eine kluge dazu. Gekonnt gelingt es ihr, einem makaberen Betrug auf die Schliche zu kommen - und erlebt am Ende auch noch eine Überraschung!
Thomas Raab überrascht mit einer resoluten, alten Dame, die erst langsam ihre Gefühle wieder ausgräbt und Nähe zulässt. Knorrig, knarzig, ein bisserl bärbeissig, aber irgendwie auch total liebenswert ist sie, und der Leser begleitet sie durch Höhen und Tiefen, voller Humor und Situationskomik, aber auch Sentiment, Tiefgang und Lebensweisheit. Man taucht sofort ein in die romantische Umgebung Glaubenthals, die so im krassen Gegensatz zu den Geschehnissen steht.
Thomas Raab ist echt ein Meister des Humors und Wortwitzes, er versteht es, skurrile Geschichten mit viel Spannung, aber auch Gefühl und leisen Tönen zu erzählen. Ich habe diesen Krimi voller viel Spaß und Spannung gelesen und kann ihn nur empfehlen!

Bewertung vom 24.09.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19


sehr gut

Ein düsteres Cover - und ein beklemmender Kriminalroman, in dem Friedrich Ani seinen Privatdetektiv Tabor Süden auf die Suche nach einem Schriftsteller schickt. Eigentlich hat Süden bereits alle Brücken hinter sich abgebrochen, steht unentschlossen auf dem Bahnsteig im Hauptbahnhof und wird von seiner (ehemaligen) Chefin gerade noch abgefangen. Er lässt sich überreden, den vermisst gemeldeten Linus Hallig aufzuspüren. Eine Suche, die ihn in die Tiefen seines eigenen Lebens blicken lässt…
Friedrich Ani beschreibt ganz raffiniert das Leben beider Männer, durch Zeugen und Beobachter erfährt man über die traurige und wirklich beklemmende Existenz des ehemals unglaublich erfolgreichen Hallig, der - erst recht nach dem Tod seiner Mutter - dem Alkohol verfällt und vergeblich versucht, wieder Fuß zu fassen. Und darf gleichzeitig lesen, wie es Tabor Süden ergeht, der zwar erfolgreich seiner Arbeit nachgeht und doch grundlegende Probleme mit sich und seiner Zukunft hat. Einsam und verlassen, das trifft auf beide zu, obwohl Hallig im Hotel, in dem er lebt, doch irgendwie Freunde hat.
Ein Roman mit psychologischem Tiefgang, gut zu lesen, aber demonstrativ negativ, düster, beklemmend. Man liest ihn relativ schnell - auch in der Hoffnung, an ein gutes Ende zu gelangen… Kein Krimi, der zufrieden macht, aber absolut spannend zu lesen ist!

Bewertung vom 18.09.2018
Ein Winter in Paris
Blondel, Jean- Philippe

Ein Winter in Paris


ausgezeichnet

“Ein Winter in Paris” - ein verträumter Titel und ein ansprechendes Cover, und dann ist die Geschichte, die Jean-Philippe Blondel erzählt, so gar nicht romantisch.
Victor, Student im zweiten Jahr an einer renommierten Uni, kommt aus einfachen Verhältnissen. Er ist knapp neunzehn, jung, unscheinbar und einsam. Mathieu, ein Jahrgang unter ihm, geht es ebenso und bei einer gelegentlichen gemeinsamen Zigarette bahnt sich ein erster Kontakt an. Dieser zerbricht, als Mathieu völlig unvorhergesehen im Treppenhaus in den Tod springt. Victor ist einer der ersten am Unfallort. Aus Beklemmung, Trauer und Neugier scharen sich die Kommilitonen bald um Victor, der die neu gewonnene Beachtung genießt und in Folge sogar sein Studium vernachlässigt.
Jean-Philippe Blondel ist ein Meister der feinen Töne. Er beschreibt sehr eindringlich und berührend die Gefühlswelt seines zart besaiteten Protagonisten. Victor ist ein kluger Kopf, befindet sich aber genau in dem wankelmütigen Zustand eines Teenagers, der auf dem Weg ins Erwachsenenleben ist. Er hat jede Menge Pläne, die er mit niemandem teilen kann, Erwartungen an die Zukunft, aber auch Befürchtungen und Ängste. Mathieus Tod lässt ihn sein Leben neu überdenken, er trifft Menschen, die ihn beeindrucken, ihm Einblick in ihr Leben geben, und in mit neuen Zweifeln hinterlassen. Auch wenn ihn Mathieus Selbstmord nie loslässt, findet er doch den Weg in ein erfülltes, zufriedenes Leben.
“Ein Winter in Paris” ist ein sehr gefühlvolles, fast poetisches Buch, das sehr beeindruckt und berührt, das man fast nicht aus der Hand legen kann. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 15.09.2018
Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1
Ullberg Westin, Gabriella

Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1


ausgezeichnet

“Der Schmetterling” von Gabriella Ullberg Westin überzeugt mich nicht unbedingt mit dem Cover (ist ehrlich gesagt etwas typisch für die Schweden-Krimis: rotes Häuschen, karge Landschaft und/oder Schnee plus dunkle Wolken) oder Titel, aber das Buch selbst ist wirklich umwerfend!
Am Weihnachtsabend wird im Norden Schwedens die Ehefrau des beliebten und berühmten Fußballspielers Mats Sandin vor den Augen ihrer beiden Kinder erschossen. Natürlich gerät ihr Mann in Verdacht, kann aber mit einem Alibi überzeugen. Diverse Umstände deuten auf weitere mögliche Täter hin und das Ermittlerteam, personell knapp besetzt, kämpft am Rande der Erschöpfung und unter starkem Druck der Chefin und des Staatsanwalts um kleinste Schritte in der Aufklärung…
Der Krimi erinnert mich sehr stark an die ersten Mankell-Krimis (nicht vom Thema her, sondern von dem unheimlich starken Aufbau). Hier laufen erst zwei, drei Erzählstränge parallel, es kommen weitere hinzu, während man mehr von den ersteren erfährt. Hinzu kommen Rückblenden in die Vergangenheit, die aber so mysteriös sind, dass man als Leser - genau wie die Ermittler - im Dunklen tappt. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Ganz verschiedene Charaktere arbeiten gemeinsam an der Lösung, und jeder trägt nach seinen Möglichkeiten dazu bei. Man spekuliert als Leser mit Kriminalinspektor Rokka mit und fiebert mit Janna, die trotz starker Erkältung nicht lockerlässt. Bis zum Ende ist die Geschichte absolut spannend und undurchsichtig, man zweifelt, ob der oder die Täter überhaupt gefunden werden können und staunt dann über die überraschenden Wendungen, die die Fälle letztendlich zusammenführen. Super gut geschrieben, dicht, undurchsichtig, spannend, einfach klasse und absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 30.08.2018
Das andere Haus
Fleet, Rebecca

Das andere Haus


ausgezeichnet

Rebecca Fleet beschreibt die harmlose Geschichte eines Haustausches. Caroline und Francis lassen ihren kleinen Sohn für eine Woche bei der Großmutter und nehmen sich in der Nähe von London eine Auszeit. Aber die beiden haben schwere Zeiten hinter sich, ihre Ehe ist ein fragiles Konstrukt, an deren Erhalt beide arbeiten. In Rückblenden erfährt man die Details - psychologisch super spannend erzählt, der Plot ist oft so, dass man das Schlimmste erwartet und nimmt dann doch wieder eine andere Wendung. Wenn man meint, man durchschaut die Geschichte allmählich, gibt es neue Aspekte, die Spannung bleibt bis zum Ende erhalten und flaut nie ab! Fantastisch aufgebaut und erzählt, teilweise atemberaubend und auf jeden Fall spooky! Gänsehaut garantiert!

Bewertung vom 22.08.2018
Tiergeister AG - Achtung, gruselig!
Iland-Olschewski, Barbara

Tiergeister AG - Achtung, gruselig!


ausgezeichnet

“Tiergeister AG” - Achtung, gruselig! - Ein fantastischer Titel von Barbara Iland-Olschewski und dazu ein absolut ansprechendes Cover, von Stefanie Jeschke gestaltet. Diesen kleinen Rauhaardackel muss man doch gleich ins Herz schließen - besonders, wenn man von seinem traurigen Schicksal hört, das ihm selber erst gar nicht so bewusst ist. Aber viele kleine, große und sehr ungewöhnliche Tierfreunde helfen ihm schnell, seinen Kummer zu überwinden und mutig stürzen sich alle gemeinsam in ein aufregendes Abenteuer.
Die Geschichte von Arik ist einerseits absolut unterhaltsam, wirklich liebe- und humorvoll geschrieben und ganz schön spannend! Da passieren wirklich unglaubliche Sachen, die für Schauer und ein bisschen Gänsehaut sorgen, aber alles bleibt kindgerecht im Rahmen und geht natürlich auch immer gut aus. Mut und Einsatz werden belohnt, Freunde helfen sich gegenseitig. Andererseits ist es aber auch eine Geschichte zum Nachdenken - Haustiere sterben (hier auf die unterschiedlichsten Arten, die eigentlich sogar witzig klingen), und diesen Verlust müssen Kinder erst einmal verkraften. Und so ist Barbara Iland-Olschewski vielleicht sogar ein Buch gelungen, das dazu beitragen kann. Ist doch eine schöne Vorstellung, das unser Haustier noch ein bisschen spuken kann!?
Ein Buch, das berührt, voller Charme und sehr einfühlsam geschrieben, aber durchaus witzig, spannend und ein bisschen gruselig - mit wunderschönen, einfallsreichen Illustrationen!

Bewertung vom 19.08.2018
Schatten über dem Odenwald
Roßbach, Susanne

Schatten über dem Odenwald


sehr gut

Man kann schon am Cover erkennen, das es sich bei Susanne Roßbach’s Buch eher um einen “freundlichen” Krimi handelt, hier schweben weiße Wölkchen im blauen Himmel, und auch die Burg sieht malerisch aus.
Und genau so verhält es sich auch: Alexandra König, die mit Tom Brugger zusammenlebt, hat Urlaub - und macht sich prompt mit zwei alten Freunden auf Verbrecherjagd. Alex ist eine unternehmungslustige junge Dame; ihre sehr liebevolle Beziehung zu Tom ist noch von leichten Unsicherheiten überschattet, die sich aber am Ende der Ermittlungen bei einer traumhaften Überraschung in Wohlgefallen auflösen. Überhaupt lebt dieser Krimi von humorvollen Dialogen, mutiger Action (die auch mal schief geht), und sehr freundlichen und wohlwollenden Protagonisten. Spaß und Unterhaltung ist garantiert, Grusel-Potential nicht wirklich vorhanden! Ein lockerer, witziger und sehr unterhaltsamer Krimi, den man gut in einem Rutsch lesen kann! Absolut humorvolle Sommerlektüre!

Bewertung vom 30.07.2018
Ein unvergänglicher Sommer
Allende, Isabel

Ein unvergänglicher Sommer


ausgezeichnet

Wenn Isabel Allende zur Feder greift, darf man sicher sein, dass eine wunderbare Geschichte entsteht. In ihrem neuen Buch “Ein unvergänglicher Sommer” erzählt sie die Geschichte von Lucía, die Vorträge an der Uni hält, “ihrem” Professor Richard und der jungen Evelyn, die nach einer Odyssee illegal bei einer reichen Familie in Brooklyn den behinderten Sohn pflegt und behütet. Durch ein kleines Missgeschick werden ihre Schicksale im eisigen, tiefsten Winter für immer miteinander verbunden.
Isabel Allende gelingt es, mit einer etwas skurrilen Ausgangssituation ein spannendes Abenteuer, ja fast ein Roadmovie zu kreieren. Sie beschreibt so anschaulich und detailliert, das Protagonisten und Situationen direkt vor dem inneren Auge entstehen, sehr fesselnd! Warm, einfühlsam und mitreißend erzählt, erfährt der Leser von den unterschiedlichen Lebensgeschichten der drei Hauptpersonen und erlebt, wie meisterhaft und nur mit gegenseitiger Hilfe möglich, sie ihr Abenteuer bestehen. Eine unerwartet kuriose Wendung sorgt für ein Happy End und man versteht, wie “Ein unvergänglicher Sommer” mitten im Winter entstehen kann. Ein fantastisches Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann!