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Brombeere

Bewertungen

Insgesamt 245 Bewertungen
Bewertung vom 22.08.2025
Hart, Emilia

Unbeugsam wie die See


sehr gut

Frauen im Fokus

Worum geht es?
Um zwei verurteilte Frauen im 19. Jahrhundert, die von Irland nach Australien in eine Strafkolonie gebracht werden sollen. Um eine junge Frau in der heutigen Zeit, die nach einem traumatischen Erlebnis ihre Sachen packt und zu ihrer Schwester flieht. Und um eben jene Schwester, als sie vor einigen Jahren jünger war und sich anders als der Rest fühlte und dafür die Liebe zur Malerei entdeckte.

Worum geht es wirklich?
Geheimnisse, Frauen und sichere Orte.

Lesenswert?
Ja, auch wenn es mir nicht vollumfänglich zugesagt hat. Das Cover und auch der Klappentext wecken definitiv Interesse. Das Cover sieht nicht nur toll aus, sondern fühlt sich haptisch auch besonders an. Kann man super verschenken.

Ich war sehr gefesselt von der Handlung und habe das Buch in gerade mal zwei Tagen durchgesuchtet. Sprachlich (Übersetzung Julia Walther) sehr angenehm, wobei ich an 2-3 Stellen kurz an der Wortwahl/Schreibweise hängen geblieben bin. Die Kapitel sind eher kurz und es gibt mehrere Zeitsprünge. Die Menge an Namen hält sich jedoch in Grenzen, sodass man auch diesen Sprüngen sehr gut folgen kann.

Wie erwähnt macht die Kurzbeschreibung definitiv Lust auf das Buch, finde sie jedoch teilweise nicht ganz passend.

Das Buch ist zwar primär ein realistischer Roman, besitzt jedoch übersinnliche und fantastische Elemente, die mich nicht immer überzeugen konnten. Auch kann man relativ viel vorher sehen oder erahnen, was sich dann später bewahrheitet.

Nun mag das alles eher negativ klingen, ich habe mich jedoch super durch die Lektüre unterhalten gefühlt. Die Figuren sind toll, das Miteinander der Frauenfiguren größtenteils ebenfalls. Überhaupt die Tatsache, wie viele Frauen in dieser Geschichte eine Rolle spielen und zu Wort kommen. Hier liegt definitiv der Fokus.

Die Handlungen sind spannend und wunderbar erzählt, es fügt sich alles ineinander und die Personen werden nicht einseitig dargestellt. Das Buch sorgt für viele Bilder im Kopf und auch ohne lange Beschreibungen kann man sich so viel vorstellen!

Ich denke, dass mir das erste Buch der Autorin im Vergleich besser gefallen hat, ich aber auch ihr zweites Buch empfehlen würde.

Bewertung vom 22.08.2025
Voosen, Roman;Danielsson, Kerstin Signe

Schwüre, die wir brechen / Svea Karhuu & Jon Nordh Bd.2


sehr gut

richtig gut!

Worum geht es?
Es wird eine Leiche gefunden, der der menschliche Kopf fehlt und die stattdessen einen Krokodilskopf angenäht bekommen hat. Nordh und Karhuu ermitteln, dabei wollten eigentlich beide einen großen Bogen um diesen Fall machen. Zu beschäftigt sind sie mit ihrer eigenen Vergangenheit. Aber ihnen wird keine Wahl gelassen, denn der Mörder macht weiter.

Worum geht es wirklich?
Macht, Hoffnungslosigkeit und Misstrauen.

Lesenswert?
Ja, absolut! Ich bin richtig positiv überrascht. Zuerst war ich skeptisch, auch weil mich die Art des Titels so an Hjorth&Rosenfeld erinnert.

Man bekommt hier aber alles, was man klassischer Weise in einem guten skandinavischen Thriller findet: Ermittler*innen, die selbst an einem Abgrund stehen und mit ihrem eigenen Leben umgehen müssen, dadurch nicht immer die notwendige Professionalität an den Tag legen. In ebenfalls gewohnter Manie fließt hier teilweise der Alkohol in rauen Mengen. Dann ein verstörender brutaler Fall, der das Team in menschliche Abgründe tauchen lässt und dessen Ausweitung viel tiefer geht, als man erwartet. Die persönliche Situation der Ermittler*innen, die einen eigenen Handlungsstrang füllt und genau so spannend wie der eigentliche Fall ist.

Es gibt wilde Kämpfe, fast jedes kurze Kapitel ist voller Action und Spannungsaufbau.

Ich fand die beiden Hauptfiguren sehr spannend: Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, die aber nicht immer gut mit sich selbst umgehen oder vor moralischen Zwiespalten stehen. Nordhs Geschichte bringt Trauer und Elternsein ein, während es be Karhuu eher um Karriere, Identität und dem Umgang ihrer Mitmenschen mit ihr geht. Beide habe ich aber als angenehm empfunden, wenn auch oft unvernünftig.

Der eigentliche Fall ist spannend und nach und nach wird auch mit Hilfe von Rückblicken alles zusammen gesetzt. Diverse weitere Handlungsstränge verlaufen zeitgleich und spielen auch immer wieder eine Rolle. Manchmal war es hier gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten.

Bei den beiden Autor*innen handelt es sich um ein deutsch-schwedisches Ehepaar. Da ich nirgends den Hinweis auf Übersetzung finde, scheint das Buch wohl im Original auf deutsch erschienen zu sein. Sprachlich ist mir nichts negativ aufgefallen, was für mich bei Thrillern einfach immer das beste ist. Ebenfalls kein Problem bereitete es, dass es sich hierbei um den zweiten Band einer Reihe handelt. Den ersten hatte ich nicht gelesen, werde ich vermutlich aber nachholen.

Besonders positiv ist mir die Modernität aufgefallen. Das Buch arbeitet nicht mit den klassischen Stereotypen und zeigt Menschen in vielen Facetten.

Wer gerne Thriller aus dem hohen Norden liest, aber nicht die ewig gleichen Autor*innen lesen möchte und es ein bisschen zeitgemäßer haben möchte, ist hier absolut richtig und gut bedient!

Bewertung vom 22.08.2025
Engler, Leon

Botanik des Wahnsinns


sehr gut

interessant und doch ohne Aussage

Worum geht es?
Eine Familiengeschichte, geprägt von psychischen Krankheiten, wird von einem jungen Mann aufgerollt und begutachtet, während er seine eigene Gesundheit in Frage stellt.

Worum geht es wirklich?
Einsamkeit, Abhängigkeit und Erbe.

Lesenswert?
Ja, aber auf keine gewöhnliche Art und Weise. Alleine bei dem Gedanken, um was es in diesem Buch denn genau geht, gerate ich ins Schwanken. Die Erzählung ist teilweise bruchstückhaft, der genaue Ablauf nicht immer klar verständlich. Im Mittelpunkt steht jedoch der junge Erzähler, der auf seine Familiengeschichte blickt und auf die psychischen Erkrankungen, der sich daher schon selbst in der Psychiatrie wähnt.

Die eigentliche Handlung war mir ein bisschen zu wild und durcheinander, damit sie mich hätte überzeugen können.

Stattdessen konnten mich folgende Dinge überzeugen: Das Cover ist ein echter Hingucker und passt sehr gut zu dem Buch, es hat mich direkt neugierig gemacht. Dann finde ich die Perspektive und das Auseinandersetzen mit dem Thema sehr spannend. Es ist zeitgleich ehrlich und trotzdem nicht kalt bewertend. Diese Mischung empfinde ich als recht gelungen.

Mein Hauptgrund, warum ich dieses Buch aber wirklich gerne gelesen habe, ist die Sprache. Es handelt sich hierbei um den Debütroman des Autors und es konnte mich sprachlich einfach richtig überzeugen. Es war irgendwie schön geschrieben, absolut stimmig und den österreichischen Einschlag fand ich ebenfalls sehr angenehm.

Nach diesem Buch kann man definitiv greifen, man muss sich nur eventuell ein bisschen auf eine ungewöhnliche Erzählstruktur einlassen.

Bewertung vom 13.08.2025
Wesseling, Antonia

Loverboy - Niemand liebt dich so wie ich


sehr gut

Worum geht es?
Lola und Vivian sind Mitbewohnerinnen, doch eines Tages verschwindet Vivian. Hat deren neuer Freund Pascal damit zu tun? Plötzlich trifft Lola auf Vivians Bruder Elias - doch den hatte ihre Mitbewohnerin noch nie zuvor erwähnt.

Worum geht es wirklich?
Macht, Liebe und Besitz.

Lesenswert?
Ja, spannend und schockierend. Beschrieben teilweise als romantischer Spannungsroman oder Romance-Thriller.
Man begleitet Lola, die zurückgelassene Mitbewohnerin auf der Suche nach ihrer Freundin Vivian. Immer wieder erhält man Rückblicke in die gemeinsame Zeit, in Lolas Leben und in Vivians Entwicklung.
Lola geht aufs Ganze um ihre Freundin zu finden und überschreitet dabei öfters jegliche logische Grenze und vergisst den Selbstschutz teilweise total. Das war mitunter ein wenig anstrengend.
Die handelnden Personen sind größtenteils Anfang 20, teilweise im Studium.
Es gibt einige spicy Szenen, die mit Konsens zwischen Menschen stattfinden, allerdings spielt an mehreren Stellen auch fehlender Konsens eine Rolle. Irgendwie ein bisschen schwierig zu verarbeiten, wenn man auf der einen Seite von einer gesunden Sexualität liest und es auf der anderen Seite dann um schwere gewaltvolle Themen geht. Ich denke es ist sehr individuell, ob man das beim Lesen trotzdem okay findet.
Ich würde auf jeden Fall die Content Notes empfehlen, denn dieses Buch beinhaltet teils heftige Themen.
Es ist ein wenig schwierig, dieses Buch ohne Spoiler zu bewerten, aber es wird teils auch um eine toxische Verbindung gehen und um die Frage, wieviel man für die Liebe bereit ist zu geben.
Ich kann das Buch empfehlen, weil es einen super wichtigen aufklärenden Teil beinhaltet und mehr Menschen diesen lesen sollten und es zeitgleich echt gut und spannend geschrieben ist. Aber passt beim Lesen auf euch auf!

Bewertung vom 13.08.2025
Williamson, S. F.

Die Sprache der Drachen


sehr gut

man fliegt durch die Seiten

Worum geht es?
Vivian Featherswallow würde alles tun um auf der Universität für Drachensprachen zu lernen und die beste Sprachwissenschaftlerin zu werden. Doch plötzlich findet sie sich in Rebellenkämpfen wieder und muss ihr Wissen für die aktuelle Regierung einsetzen. Wie viele Regeln zählen dann noch?

Worum geht es wirklich?
Wissen, Egoismus und Familie/Freundschaft

Lesenswert?
Absolut. Ich hab dieses Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen, was vermutlich nicht zuletzt an der gelungenen Sprache (Übersetzung Nina Rieke) liegt. Ein solches Werk, in dem Sprache eine wesentliche Rolle spielt, stelle ich mir hinsichtlich Übersetzung noch viel schwerer vor.
Optisch hätte ich das Buch klassischer Highfantasy zugeschrieben, es spielt jedoch im historischen Großbritannien in den 1920er Jahren. Als Zielgruppe würde ich junge Erwachsene, vielleicht auch Jugendliche sehen. Es ist jedoch auch für ältere Fantasyleser*innen eine wunderbare Lektüre - nur eben mit jüngeren Protagonist*innen.
Im Mittelpunkt steht Vivian, die bisher streng jede Regel befolgt hat, die nicht hinterfragt, die eine gute Bürgerin der zweiten Klasse ist. Im Laufe der Handlung wird es darum gehen, Regeln nicht mehr zu befolgen und Dinge in fragen zu stellen - etwas, wozu Vivian nicht bereit ist. Dieses Verharren auf ihrer Position macht sie oftmals zu einer unsympathischen Protagonistin und ich war regelmäßig genervt von ihr und ihren Entscheidungen, ihrem Egoismus und ihrer Opferhaltung.
Gerade die Figuren in ihrer direkten Nähe haben mir aber unglaublich gut gefallen. Familie spielt eine große Rolle und auch Gefühle für andere Personen.
Den Spannungsaufbau finde ich gut, wobei zwischendrin auch mehrere Kapitel kein Handlungsfortschritt stattfindet.
Die Welt, die die Autorin hier erdacht hat, fasziniert mich sehr und ist wirklich gelungen. Es hat mich positiv an die Drachenbücher von Heitz denken lassen.
Bei dem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe, wobei ich den Cliffhanger okay empfinde und die Handlung in sich rund für diesen Band.
Die ein oder andere Szene kann durchaus für Emotionen sorgen, da die Autorin nicht gerade zimperlich mit ihren Figuren umgeht und auch Todesfälle stattfinden.
Kann ich definitiv empfehlen, wenn man eine spannende Drachenfantasy lesen möchte!

Bewertung vom 13.08.2025
Campbell, Bonnie Jo

Moorlande


weniger gut

Worum geht es?
Hermine (genannt Herself) zieht auf einer Insel im Sumpf, umgeben von Klapperschlangen, drei Töchter und eine Enkeltochter groß. Als naturkundige Heilerin wird sie zeitgleich verehrt und verachtet und von den anderen Menschen misstrauisch beäugt.

Worum geht es wirklich?
Wissen, Familiensuche und Flucht.

Lesenswert?
Nein, hat meine Erwartungen leider absolut nicht erfüllt. Vergleiche mit „Die Unbändigen“ und auch die Covergestaltung und der Klappentext haben mich auf ein tolles Buch hoffen lassen.
Das Setting in den Sümpfen, umgeben von der Moorlandschaft und den Klapperschlangen, klingt ziemlich gut und auch die Tatsache, dass es eine heilkundige Frau gibt, die auf Grund ihrer Kenntnisse vor allem von den Männern misstrauisch beäugt wird, ebenfalls.
Es geht jedoch gar nicht so viel um diese vier Frauen und das Mädchen. Stattdessen spielen Vaterrolle, bzw. Vatersehnsucht, und auch andere Männer eine große Rolle in der Geschichte. Zwar werden sie grundsätzlich eher negativ dargestellt, aber präsent sind sie trotzdem andauernd. Das hätte ich mir bei einem solchen Buch anders gewünscht.
Auch ist die Beziehung der Protagonistinnen untereinander eher schwierig, kaum zuverlässig oder liebevoll. Sie leben alle in unterschiedlichen Welten und vertrauen anderen Dingen. Sind oftmals auch harsch und abweisend zueinander. Hier hatte ich eigentlich so etwas wie Frauensolidarität erwartet und einen Fokus auf wenigstens teilweise gutes Miteinander.
Selbstverständlich kann in einem Buch auch Gewalt ein Thema sein, allerdings war es schwer verarbeitbar, wie hier Tiere zu Schaden kommen (und teilweise nicht überleben) und auch von allen Beteiligten über Gewalt gegenüber Frauen gesprochen wird. Da sagt selbst der noch halbwegs okay dargestellte Mann, dass Männer ja mal Dampf ablassen müssen. Und die Frau, die sexualisierte Gewalt erlebt hat, sieht das positive in diesem Erlebnis. Das war mir einfach alles zu viel oder wahlweise zu wenig!
Vieles erfährt man aus der Sicht des jungen Mädchens Donkey, das als letzte auf der Insel großgezogen wurde. Sie ist mathematisch interessiert, ein cleverer Kopf, muss aber zunehmend so viel Verantwortung tragen und wie eine Erwachsene agieren. Viele Erlebnisse werden daher von ihr auch nicht eingeordnet und auch von niemand anderem. Themen werden angeschnitten, aber dann nicht zu Ende geführt.
Auch sprachlich (Übersetzung Cornelia Holfelder-von der Tann) war es für mich eher uninteressant und anstrengend. Die langen Sätze, die man manchmal mehrfach lesen musste und die ungewöhnlichen Begriffe haben die Lektüre nicht verbessert. Trotz einiger Naturbeschreibungen ist für mich keine richtige Szenerie entstanden.
Alles in allem also leider eine (für mich) Enttäuschung. Ich glaube schon, dass das Buch auch gefallen kann. Aber für mich war es mit der o.g. Erwartungshaltung leider nichts.

Bewertung vom 13.08.2025
Spinney, Laura

Der Urknall unserer Sprache


sehr gut

Worum geht es?
Um die Entwicklung der Sprache Indoeuropäisch, quasi der gemeinsamen Sprache in unserer Vergangenheit.

Worum geht es wirklich?
Veränderung, Flucht und Erkenntnis

Lesenswert?
Ja, auf jeden Fall. Man lernt in diesem Buch viel über die Geschichte der Menschen, ihre Reiserouten und wie Ereignisse die Entwicklung beeinflusst haben. An Hand von verschiedenen abzweigenden Sprachästen von der großen gemeinsamen Sprache ausgehend, wird erklärt woher Gemeinsamkeiten in einigen heutigen Sprachen kommen, wie die Entwicklung in diesem Bereich war und wo man zum Beispiel diesen Ursprung noch erkennen kann.
Die Autorin (eine britische Wissenschaftsjournalistin und Autorin) geht dabei auf super viele Dinge ein, sei es historisch, seien es jüngere Entwicklungen im Bereich der Forschung oder auch Erklärungen zum Sprachorgan. Es fallen ziemlich viele Namen, gerade von Völkern und Orten, die ich nicht immer automatisch einordnen konnte. Kann man nebenbei recherchieren, man versteht jedoch den Großteil auch ohne dieses Wissen. In den einzelnen Kapiteln gibt es auch nochmal eine kleine Karte für den groben Überblick.
Manchmal werden Dinge doppelt erwähnt und erklärt und nicht auf vorherige Kapitel verwiesen. Das war stellenweise irritierend, weil man sich dann mitunter wundert. Allerdings kann es bei dieser Vielzahl an Informationen vermutlich auch nicht schaden, wenn man einige Tatsachen erneut erläutert bekommt.
Die Lektüre war unglaublich faszinierend und ich werde sie vermutlich ein zweites Mal lesen. Denn trotz sprachwissenschaftlichem Hintergrund war mir sehr viel nicht klar. Für mich war es richtig spannend, all diese Informationen zu lesen. Die angenehme Sprache (Übersetzung Stephanie Singh) war dabei ebenfalls hilfreich.
Vermutlich ist dieses Buch eher für Leute geeignet, die sich schon für Sprachen interessieren oder einen Beruf in der Richtung anstreben. Dann kann ich es aber absolut empfehlen! Es ist augenöffnend, wenn man erfährt, auf wieviel Gemeinsamkeit unsere Sprache beruht und wie weitreichend diese Tatsache ist.

Bewertung vom 20.07.2025
Graham, David A.

Der Masterplan der Trump-Regierung


gut

furchtbare Aussichten

Worum geht es?
Journalist Graham erklärt Project 2025 und woran sich Trump in seiner zweiten Regierungszeit orientiert.

Worum geht es wirklich?
Macht(erhalt) und Rückschritt

Lesenswert?
Ja, inhaltlich definitiv ein wichtiges Thema. Für mich waren die Hintergründe, wie bereits vor einer Regierung ganze Abläufe und Pläne entworfen werden, neu. Aber für das gesamte Verständnis und das Weltbild definitiv eine wichtige Information. Hierbei geht es dann aber weniger um konkrete Inhalte als um übergeordnete Tatsachen.
Inhaltlich ist das ganze dann ziemlich verstörend und vergangenheitsorientiert.
Das Buch ist gut strukturiert und behandelt die wichtigen Themenfelder. Immer wieder wird Bezug auf die Umsetzung seitens Trump-Regierung verwiesen.
Sprachlich (Übersetzung Stephanie Singh) war das Buch gut lesbar, aber jetzt auch nicht besonders erwähnenswert.
Ich hadere glaube ich mit dem Umfang des Buches. Für einen kurzen Überblick war es mir zu lang und zu detailreich, für eine ausführliche Auseinandersetzung haben mir dann aber Aspekte gefehlt. Wie bereits erwähnt wird schon immer wieder ein Bezug zu Trumps tatsächlicher Politik hergestellt, hier fehlt mir dann aber der weitere Verlauf und die Folgen der Entscheidungen. So bleibt es einfach immer nur bei einer Gegenüberstellung, die allerdings nur in Textform stattfindet. Ich hätte mir hier an manchen Stellen Dinge wie Zeitstrahlen oder vielleicht prozentuale Umsetzungsanteile (wenn auch nur grob geschätzt für die Veranschaulichung) gewünscht.
So hatte ich bei dem Buch öfters das Gefühl, dass es weder Fisch noch Fleisch ist.
Davon losgelöst möchte ich jedoch noch einmal betonen, wie unfassbar wichtig ich den Inhalt finde und wie notwendig es ist, diese Informationen und Hintergründe zu veröffentlichen. Gerade bei einem Politiker, der anderen immer Einflussnahme etc. vorwirft.
Generell strotzt dieser ganze Plan nur so von Widersprüchen und Machterhaltungsfantasien für ein rückwärts gewandtes Amerika.
Auch wenn ich das Buch für mich also bei 3 Sternen einordne, möchte ich die Lektüre nicht missen und konnte einiges mitnehmen - auch wenn man sich manchmal wünscht, dass das alles nur schlechte Fiktion ist.

Bewertung vom 20.07.2025
El-Arifi, Saara

Faebound


sehr gut

spannender Auftakt

Worum geht es?
Yeerans erster Einsatz als Anführerin läuft mächtig schief und zur Strafe wird sie verbannt. Doch ein Soldat und ihre kleine Schwester folgen ihr, nicht ahnend dass alle drei direkt der nächsten Gefahr in die Hände laufen.

Worum geht es wirklich?
Schicksal, Macht und Familie

Lesenswert?
Ja, absolut. Hat mich wirklich positiv überrascht. Die drei Völker Elfen, Fae und Menschen beherrsch(t)en die Welt und führen gegeneinander Krieg, aber auch die verfeindeten Stämme innerhalb eines Volkes untereinander.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Yeeran, einer befehlsführenden Soldatin, und ihrer kleinen Schwester Lettle, die Prophezeiungen tätigen kann, erzählt. Yeeran ist dabei dickköpfig und äußerst loyal, Lettle eher aufbrausend und emotional. Beide sind nicht durchgängig sympathisch, im Lauf der Handlung habe ich sie aber beide davon unabhängig als interessant empfunden.
Teilweise entsteht jedoch Drama, weil Figuren nicht miteinander kommunizieren und gerade Yeerans Loyalität im Verlauf der Handlung ist doch sehr verwunderlich. Beides hat mir nicht so gut gefallen.
Zu Beginn gibt es einige überraschende Wendungen, den späteren Verlauf würde ich trotz Überraschungen aber als klassisch bezeichnen. Bei dem Buch handelt es sich um Band 1 einer Trilogie und das Ende ist ziemlich offen. Ich würde also empfehlen, nicht nur den ersten Band zu lesen.
Hauptsächlich überzeugt hat mich der Fokus auf die weiblichen Protagonistinnen, die dezenten (teilweise queeren) Romance-Anteile, die Verwendung von Neopronomen und die Diversität hinsichtlich Hautfarbe, Identität und körperlichen Gegebenheiten. Die Übersetzung (Kerstin Fricke) ist äußerst gelungen und passt sehr gut ohne aufdringlich zu sein.
Zwischendrin (Konversationen mit Pila) gibt es auch einige humorvolle Szenen, die das ganze wunderbar aufgelockert haben.
Ich hatte bei diesem Buch irgendwie kein Problem in die Handlung zu finden und auch die Figurenmenge war absolut klasse und kein Problem. Anders als bei vielen anderen Fantasybüchern habe ich hier nicht den Faden verloren und das Buch innerhalb eines Wochenendes verschlungen! Band 2 wird sehnsüchtig erwartet!
Über das wunderschöne Cover muss man vermutlich gar nicht sprechen - ich kann mir das Buch als ideales Geschenk vorstellen!
Das Buch würde ich Menschen ans Herz legen, die klassische High Fantasy lieben und trotzdem genug von männlichen Protagonisten und deren Themen haben!

Bewertung vom 20.07.2025
Hincenbergs, Sue

Very Bad Widows


gut

überraschend amüsant

Worum geht es?
Ein Ehemann kommt ums Leben und das Leben der Witwe ändert sich danach positiv. Nun überlegen auch ihre drei Freundinnen, ob sie ihre Männer ermorden lassen, um ebenfalls in einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Ungünstig jedoch, dass auch die Männer einen Killer engagiert haben.

Worum geht es wirklich?
Miteinander, Geldgier und überraschende Wendungen

Lesenswert?
Ja, auch wenn es mich nicht komplett überzeugen konnte. Tatsächlich hat mich gerade die Ausgangssituation gestört. Natürlich ist es alles Fiktion und auch humorvoll, aber davon losgelöst: Hier werden Morde geplant, weil die Ehe nicht mehr richtig gut läuft. Das finde ich neutral betrachtet schon recht geschmacklos.
Trotzdem habe ich der Handlung dann eine Chance gegeben und war positiv von den vielen Wendungen und dem weiteren Verlauf überrascht. Gerade die Szenen, die aus zwei Blickwinkeln erzählt und von der jeweiligen Person (komplett unterschiedlich!) interpretiert werden, sind sehr spaßig und humorvoll.
Mit den Figuren selbst bin ich größtenteils nicht warm geworden und konnte die Reaktionen schwer nachvollziehen. Positiv sei aber gewähnt, dass man hier eine Gruppe älterer Frauen als Protagonistinnen hat.
Der Spannungsbogen ist sehr unterhaltsam und die Handlung geht weit über den Klappentext hinaus. Immer wieder gibt es neue Wendungen und auch einige kitschige Szenen.
Sprachlich (Übersetzung Charlotte Lungstrass-Kapfer) war es absolut in Ordnung.
Einige Figuren kamen mir schon sehr klischeehaft und stereotyp vor, was ich dann eher vorhersehbar und schade fand und ein weiterer Negativpunkt war.
Das Buch ist ganz gut für eine kurzweilige Unterhaltung, man muss jedoch bei einigen Punkten die Augen echt verschließen.
Definitiv positiv: Dem Hund geht es gut ;)