Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Greenie_Apple


Bewertungen

Insgesamt 50 Bewertungen
Bewertung vom 30.11.2020
Die Morde von Wickenham - Marsh & Daughter ermitteln-Reihe, Band 1 (Ungekürzt) (MP3-Download)
Myers, Amy

Die Morde von Wickenham - Marsh & Daughter ermitteln-Reihe, Band 1 (Ungekürzt) (MP3-Download)


sehr gut

Auf den Spuren eines alten Verbrechens

Georgia und ihr Vater Peter Marsh, ehemals Polizist, schreiben Bücher über alte, ungelöste Verbrechen. Und auch diesmal scheinen sie wieder einem Fall auf der Spur zu sein, als ein Skelett in einer Kalkhöhle bei Wickenham unweit von London aufgefunden wird. Doch hat diese auch etwas mit dem Mord vor rund siebzig Jahren an Ada Proctor zu tun? Vater und Tochter ermitteln und stoßen auf ungeahnte Verwicklungen und eine alte Dorffehde.
Es handelt sich hier um den ersten Band der Reihe um „Marsh & Daughter“, von daher hätte ich mir für den Anfang mehr Details gewünscht. Man wurde quasi mittenhinein gestoßen und bekam einige Antworten häppchenweise nachgeliefert. Allerdings wirkte es eher so als wären diese Dinge bereits in einem Vorgängerband erwähnt worden. Den hätten die Einwürfe nämlich absolut gefüllt. Eigentlich verlorenes Potenzial, schade! Das behinderte das Verständnis ein wenig, zumal man sich eigentlich auch voll und ganz auf den eigentlichen Fall konzentrieren musste, um nicht den Faden zu verlieren. Das gelang mir anfangs noch gut, wurde aber gegen Ende durch viele Hypothesen des Ermittlerduos erschwert. Dabei hat mir gefallen, wie die eigenen Erfahrungen von Georgia immer wieder in die Detektivarbeit einflossen und man so einen sehr differenzierten Blick auf die Figuren bekam.
Die Idee zur Geschichte gefiel mir prinzipiell richtig gut und auch die Sprecherin verstand es, den einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen, indem sie durch zum Teil winzige Veränderungen in der Stimme deutlich machte, wen man vor sich hatte. Das war für mich ein großer Pluspunkt, da ich mich normalerweise mit Hörbüchern sehr schwer tue. Meistens schalte ich irgendwann ab und bekomme einen Großteil nicht mehr mit. Das war hier gar nicht der Fall. Schade nur, dass es am Ende so konfus wurde. Ich für meinen Teil würde gerne noch weitere Folgen hören und sehen, wie sich auch Georgia weiterentwickelt, zumal einige Details ihrer eigenen Vergangenheit als Cliffhanger fungieren könnten und vielleicht auch sollten.

Bewertung vom 30.11.2020
Der Spiegelmann / Kommissar Linna Bd.8
Kepler, Lars

Der Spiegelmann / Kommissar Linna Bd.8


ausgezeichnet

In den Fängen eines Psychopathen

Am helllichten Tag verschwindet spurlos ein Mädchen auf der Straße, ein anderes scheint beim Eisangeln mit dem Stiefvater ertrunken zu sein. Fünf Jahre später wird eines der Mädchen tot aufgefunden – erhängt auf einem Spielplatz. Und der einzige Zeuge ist nicht vernehmbar, da er mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Es handelt sich um Martin, den Stiefvater des ertrunkenen Mädchens, der deren Tod und den seiner Brüder in der Kindheit nicht verkraftet hat.
Joona Linna übernimmt den Fall und deckt nach und nach das Werk eines Psychopathen auf, der noch weitere Mädchen in seiner Gewalt hat. Wird es Joona gelingen, ihn rechtzeitig aufzuspüren, bevor er sein perfides Spiel beenden kann?
„Der Spiegelmann“ ist der nunmehr achte Band der Reihe von Lars Kepler um den Ermittler Joona Linna. Prinzipiell ist er auch unabhängig von den anderen Teilen lesbar, allerdings werden immer wieder Informationen und kleine Details aus den vorhergehenden Bänden aufgegriffen, die den Lesefluss bei Nichtkennen mitunter stören können. Wie gewohnt sind die einzelnen Kapitel meist gut überschaubar und der Beginn ohne Vorgeschichte, so dass man rasch im Geschehen ist und schnell mitgerissen wird.
Und auch die Handlung ist wieder typisch Kepler - voll von psychischer und physischer Gewalt mit vielen vorher- und unvorhersehbaren Wendungen und Cliffhangern. Wer die Reihe kennt, kann sich auf das Wiedersehen mit einigen alten Bekannten freuen. Aber auch die neuen Figuren wurden detailliert und sehr individuell entworfen, so dass ein vielschichtiges Bild mit einem für mich mal wieder extrem hohen Spannungsbogen entstand. Im Gegensatz zu „Lazarus“, dem Vorgängerband, den ich schon großartig fand, hat mir das Setting hier noch einmal besser gefallen, war für mich irgendwie runder.
Für alle Fans von Kepler und denen, die Thriller lieben und nicht zu zart besaitet sind, ein unbedingtes Muss!

Bewertung vom 22.11.2020
Die Farbe von Glück
Bagus, Clara Maria

Die Farbe von Glück


ausgezeichnet

Ein Buch der leisen Töne

Jules ist verzweifelt. Seine Frau hat bereits einige Babys verloren. Und auch diesmal scheint ihr Kind keine Überlebenschancen zu haben. Also erpresst er die Krankenschwester Charlotte, sein Baby mit einem gesunden zu vertauschen. Dafür wird er Stillschweigen darüber bewahren, dass Charlotte ein Kind zur Pfleg aufgenommen hat, das nicht ihr eigenes ist. Doch wird Jules auf Dauer mit dieser Lüge leben können? Und wie entwickelt sich das Leben der vertauschten Tochter?
Dieses Buch ist das, was ich gerne ein ‚Buch der leisen Töne‘ nenne. Es ist intensiv, ohne aufdringlich zu wirken. Es stimmt einen traurig und ist gleichzeitig tröstend und ruhig. Es regt zum Nachdenken über eines der wichtigsten Themen der Menschheit an – der Frage nach dem Glück. Macht es glücklich, wenn sich meine Wünsche erfüllen? Kann man es an materiellen Dingen messen? Kann man Glück beeinflussen? Gibt es Schicksal? Wie hängen die vermeintlich so verschiedenen Lebenswege der Protagonisten doch unweigerlich zusammen? Gibt es den einen richtigen Weg? Was wäre aus mir geworden, wenn ich einen anderen Weg eingeschlagen hätte? Clara Maria Bagus schafft eine dichte und sinnliche Atmosphäre. Sie beschreibt die unterschiedlichen Perspektiven der Figuren in einer unglaublichen Klarheit. Jede Szene hat sich eindrücklich in mein Gedächtnis gebrannt, gleich, in welchem Umfeld man sich gerade aufhielt. Die Farben des Ostens, die Wesen der Menschen, die dort leben, ihre Auffassung von Glück und ihre Weisheit. In völligem Gegensatz dazu die westliche Art zu denken und zu leben. Diese jeweilige Sicht auf die Dinge war für mich besonders eindrücklich.
Die sehr kurzen Kapitel ließen einen nur so über die Seiten fliegen. Abgerundet wird alles durch dieses wunderschöne harmonische und auch haptisch toll gestaltete Cover, das mich sofort angesprochen hat. An vielen Stellen fühlte ich mich ein wenig ertappt in meiner Denkweise und hoffe, dass ich viele dieser erhellenden Momente tief in meinem Herzen behalten werde.

Bewertung vom 07.10.2020
Gefährliches Vertrauen (eBook, ePUB)
Härtl, Cornelia

Gefährliches Vertrauen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Erschreckend glaubwürdig

Lena Borowski ist Sozialarbeiterin, die vom Jugendamt in einen sozialen Brennpunkt in Offenbach versetzt wird. Nach anfänglicher Skepsis, ob es sich dabei nicht nur um politische Machtspielchen handelt, geht sie jedoch voll in ihrer neuen Aufgabe auf. Aber sie begibt sich auch auf private Ermittlungsarbeit, denn eine alte Schulfreundin meldet sich bei Lena. Sie bittet um deren Mithilfe, da ihre Schwägerin verschwunden zu sein scheint. Die Spur führt Lena in die SM-Szene Frankfurts. Plötzlich taucht die Leiche einer jungen Frau auf. Handelt es sich dabei um die Vermisste?
Die Arbeit mit den heruntergekommenen Familien und vor allem verwahrlosten Kindern ist erschreckend glaubwürdig beschrieben. Die Geschehnisse um die kleine Samantha nehmen einen mit und stimmen traurig, da es leider viel zu häufig so passiert. Und auch die eigentliche Geschichte rund um die vermisste Sabrina ist gut und durchaus realistisch beschrieben. Was mich ein bisschen stört, ist das Erklären einiger Begriffe, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass Lena noch nie davon gehört hat. Hier ein Beispiel: „Was bedeutet das denn – extrem devot … sucht absolut dominanten Mann, der sie unterwirft und über ihre Grenzen führt … 24/7 angestrebt?“ Vielleicht habe ich aber mittlerweile auch selbst so viel darüber gelesen und gehört, dass ich das als normale Begriffe ansehe. Das tut dem Buch generell aber keinen Abbruch.
Die Story ist flüssig geschrieben, ein ums andere Mal musste ich einfach weiterlesen, weil es so spannend beschrieben ist. Dabei wurde ich mit den einzelnen Figuren eigentlich gar nicht so warm. Sie sind alle toll und detailliert beschrieben, aber selbst die Protagonistin Lena selbst ist mir nicht hundertprozentig sympathisch, obwohl ich ihre Arbeit wirklich bewundere. Das könnte unter anderem auch an ihrer Beziehung zu einer Japanerin liegen, die sehr introvertiert dargestellt ist, was aber im Laufe des Buches erklärt wird, weshalb. Lena selbst kommt mir auch immer etwas oberflächlich rüber, obwohl sie das eigentlich gar nicht ist. Ihre Hintergrundgeschichte macht dieses Verhalten deutlich. Und die Tatsache, dass ich nicht alle Charaktere mag ist für mich eher ein Zeichen, dass man sich mit der Story beschäftigen muss und zum Nachdenken kommt, woran das liegt und vielleicht auch eigene Vorurteile ausräumen kann.
Insgesamt trotz meiner kleinen Kritikpunkte ein spannendes Buch mit einem interessanten Hintergrund. Lena Borowskis erster Fall und bestimmt nicht mein letzter.

Bewertung vom 06.10.2020
Das Gift deiner Lügen
Blackhurst, Jenny

Das Gift deiner Lügen


gut

Die „Desperate Housewives“ von Severn Oaks

Vor einem Jahr kam Erica Spencer bei einer Gartenparty ums Leben. Ein dummer Unfall, den die Polizei damals recht schnell zu den Akten legte. Oder vielleicht doch nicht? Plötzlich taucht ein Podcast auf, der behauptet, es sei Mord gewesen. Und der Täter jemand aus der engen Nachbarschaft. Nach und nach werden Details aufgedeckt, die die Bewohner von Seven Oaks in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. Und über allen schwebt Erica, die ihre Kommentare zu den aktuellen Ereignissen abgibt…
Das neue Buch von Jenny Blackhurst gilt als Psychothriller, aber dafür erinnert es wirklich zu sehr an die Serie „Desperate Housewives“. Eine Geschichte, die unterhaltsam ist, die einige ungeahnte Wendungen aufweist, die einen aber auch eher schmunzeln lässt anstatt richtige Spannung aufzubauen. Ich habe mittlerweile viele Bücher aus diesem Genre gelesen, ein Psychothriller ist es für mich leider nicht einmal ansatzweise.
Die Protagonisten, nämlich die engsten Freunde und Nachbarn Ericas, zählen nicht gerade zu den Sympathieträgern des Jahres. Die eine will eine perfekte Hausfrau sein, die nächsten die perfekten Eltern, Geschäftsleute, arme, vom Leben gebeutelte und sich hochgearbeitete Paare usw. Eigentlich bestehen sämtliche Bewohner nur aus Fassaden, die mit dem Verlauf des Buches bröckeln und einstürzen.
Der Schreibstil ist recht flüssig, allerdings ist es zu Beginn wegen der vielen Personen schon recht anstrengend, sich zu orientieren. Insgesamt finde ich die Idee wirklich gut, aber teilweise zu langatmig und konfus.
Fazit: Unter einem anderen Genre eine durchaus amüsante Lektüre.

Bewertung vom 20.09.2020
Love will find us
Bennett, Ben

Love will find us


sehr gut

Was wäre, wenn…

Penny Lane ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. An ihrem 40. Geburtstag lässt sie, die ihre Eltern vor langer Zeit verloren und nie Zeit für Freunde hatte, ihr Leben Revue passieren, denn sie erhält nach einem Zusammenbruch eine Diagnose, die alles verändern wird. Wie wäre es verlaufen, wenn sie fünfzehn Jahre zuvor ihrer großen Liebe nach Paris gefolgt wäre? Da geschieht das Unfassbare - ein Riesenrad verspricht sie in die Vergangenheit reisen zu lassen, um diesen Fehler, wie es für Penny unwiederbringlich feststeht, zu korrigieren. Aber kann man wirklich alles einfach hinter sich lassen und nochmal neu beginnen?
Die Geschichte von Penny auf der Suche nach dem wahren Glück finde ich wirklich wunderschön umgesetzt. Die Kapitel werden rückwärts gezählt und haben für mich die perfekte Länge, die bewirkt, dass man immer weiterlesen möchte. Die Zeitsprünge kann man gut nachvollziehen, da sie zu Beginn jeden Kapitels gekennzeichnet sind. Der Schreibstil gefällt mir gut, man erfährt viel über Pennys Innenleben und vor allem die Szenen, die in ihrem Elternhaus spielen, haben mich sehr berührt. Es gibt einige Wendungen, die nicht auf den ersten Blick zu erwarten waren und einen zunächst stutzen lassen und die Geschichte etwas unrealistisch erscheinen lassen, aber im Nachhinein völlig logisch und nachvollziehbar sind.
Das Riesenrad passt perfekt auf das Cover, weil es eine große Rolle im Buch spielt. Mit Personen auf Covern habe ich allerdings meist so meine Probleme, da ich mir beim Lesen immer ein eigenes Bild der Protagonisten mache, das in den seltensten Fällen mit den Vorgaben übereinstimmt. Von der Beschreibung her wäre Jay wenigstens vom Aussehen her eigentlich eher gar nicht mein Fall, das habe ich im Laufe der Story aber ausblenden können. Hier liegt die Covervorgabe tatsächlich eher an meinen Erwartungen, Penny aber so gar nicht.
Insgesamt auf jeden Fall eine Geschichte, die nachdenklich stimmt und den auf das eigene Leben lenkt - würde ich alles nochmal genauso machen? Macht mich das, was ich erreicht habe, wirklich glücklich? Was braucht man eigentlich, um wirklich glücklich zu sein? Und was würde ich opfern, um wieder neu zu beginnen oder andere dadurch zu retten?

Bewertung vom 10.09.2020
Last Wish
Bell, Karin

Last Wish


sehr gut

Familienessen mit Folgen

Luke hat seiner Familie den Rücken gekehrt, weil er als Musiker groß rauskommen will. Sein Vater ist wütend, weil Luke einmal die Farm übernehmen soll, statt sich mit brotloser Kunst abzugeben. Und auch seine große Liebe Charlotte versteht ihn nicht und lässt ihn ziehen. Als Lukes Mutter stirbt, hat er sich schon längst eine große Karriere erarbeitet – was aber außer seiner Mutter niemand weiß. Die versucht jetzt durch ihr Testament, die Familie wieder zu vereinen – mit fünf Familienessen, die sie vor ihrem Tod geplant hat. Werden dabei auch Charlotte und Luke wieder zueinander finden? Denn eigentlich haben sie nie aufgehört, einander zu lieben…
Die Idee zu diesem Buch fand ich toll und war gespannt, ob Beckys Plan aufgeht. Die Figuren mochte ich sehr gern, selbst Lukes Vater hatte etwas an sich, das man gernhaben musste, denn ich konnte mir gut vorstellen, wie es in ihm aussah. Die Geschichte war gut und flüssig zu lesen. Besonders schön dabei waren die Einwürfe Beckys, die von oben auf die Situation herabschaute. An der ein oder anderen Stelle hätte das Buch ruhig etwas mehr Tiefgang vertragen, hier zogen mir die Ereignisse etwas zu schnell vorüber, vor allem der Schluss kam dann doch recht schnell und hätte noch mehr Potenzial gehabt. Einiges war mir zu einfach unkompliziert, nachdem die Situation anfangs so verfahren war. Zu gerne hätte ich den besonderen Song von Luke einmal wirklich gehört und da ich auch Countrymusik mag, bin ich mit der Atmosphäre des Buches verschmolzen.
Für mich insgesamt trotz kleiner Mängel eine durchaus lohnende Geschichte, die auch zum Nachdenken über das eigene Leben anregen kann mit der Frage, ob man seinem Herzen oder den Wünschen der anderen folgen sollte.

Bewertung vom 10.09.2020
Einmal Cornwall und für immer (eBook, ePUB)
Sonntag, Kerstin

Einmal Cornwall und für immer (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Wo das Herz zu Hause ist

Um ihre Beziehung zu überdenken und in der Hoffnung, dass ihr Freund Nick sich wieder mehr Mühe gibt, nimmt Jonna eine Auszeit bei ihrer Freundin Liz, die vor Jahren nach Cornwall ausgewandert ist. Im Flugzeug lernt sie den charmanten Ryan Bennett kennen – allerdings steht diese Bekanntschaft von Anfang an unter keinem guten Stern. Sehr zum Bedauern Jonnas treffen sich Ryans und ihre Wege immer wieder. Doch während Jonna an Nicks Liebe festhalten will, schleicht sich Ryan immer mehr in ihr Herz – für wen soll sie sich entscheiden?
Eine wunderbare kleine und kurzweilige Geschichte, die ans Herz geht. Zauberhafte, erfrischende und warmherzige Nebenfiguren wie die alte Mable oder Cassandra. Auch in Liz und Ryan habe ich mich sofort verliebt. Obwohl Ryan eigentlich schon wieder zu gut und schön für diese Welt war, kam er so sympathisch rüber, dass man ihn einfach mögen musste. Lediglich bei der Protagonistin selbst hatte ich etwas Startschwierigkeiten. Vielleicht lag es auch daran, dass Jonna teilweise von Ängsten und Zwängen begleitet wurde, deren Ursache nur am Rande Erwähnung fand. Da hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.
Insgesamt aber ein sehr schöner und flüssiger Schreibstil, bei dem die Seiten nur so dahinflogen. Und dies vor der Kulisse Cornwalls – ein nahezu perfekter Sommerroman!

Bewertung vom 01.09.2020
Die Saga von Vinland
Lorentz, Iny

Die Saga von Vinland


sehr gut

Expedition ins Ungewisse

Die Tochter des norwegischen Jarls Ulfar wird bei einem Überfall auf dessen Anwesen von ihrem ehemaligen Verlobten Jarl Eyvind entführt. Mit ihr, Sigrid, und einer großen Zahl Bauern und Krieger, die er um sich geschart hat, will er neues Land jenseits der bisher gekannten Regionen, auch Vinland genannt, erobern. Andreas und Ailmar, zwei Sachsen, die bei Jarl Ulfar zu Gast waren, werden von Eyvind als Sklaven mit in die neue Welt verschleppt. Zu dessen Pech verliebt sich Sigrid auch noch in Andreas, statt sich auf ihren Gemahl einzulassen, doch sie darf sich dies auf keinen Fall zu deutlich anmerken lassen. Gemeinsam mit der jungen Grönländerin Ingridur träumen Sigrid, Andreas und Ailmar von ihrer Freiheit, während Eyvind seinen Plan weiter verfolgt, in Vinland zu siedeln und die Ureinwohner dort zu bekriegen. Doch die Mission steht unter keinem guten Stern…
Die Geschichte entführt uns in die Zeit der Wikinger und der ersten Entdeckungen des nordamerikanischen Kontinents. Leider gibt es keine genaue zeitliche Einordnung, allerdings wurden historische Figuren am Rande in die Story eingebettet, so dass man eine gewisse Orientierung bekam. Auch eine Karte wäre schön gewesen, um die Entfernungen noch besser abschätzen zu können. Iny Lorentz beschreibt in schillernden Farben sehr deutlich die damaligen Ständeunterschiede und die unterschiedlichen Lebenswelten der Nordmänner und der Indianer. Gerade die Darstellung dieser völlig im Widerspruch stehenden Kulturen war toll beschrieben. Einerseits die mittlerweile christianisierten Nordmänner mit ihren Bräuchen und Denkweisen, andererseits die der Ureinwohner, die sehr viel mehr mit der Natur verbunden waren und wie sie jeweils über den anderen gedacht und miteinander kommuniziert haben, fand ich sehr schön geschildert. Das Buch war keine Minute langweilig und man zitterte in den verschiedensten Situationen mit den Protagonisten. Dennoch hatte ich ein wenig Probleme, mich mit Sigrid und Andreas anzufreunden. Während sie immer als für eine Frau ungewöhnlich groß und zumindest bis auf den letzten Abschnitt eher kühl dargestellt wurde, war mir Andreas teilweise fast schon zu weich beschrieben. Vielleicht habe ich den Namen aber auch einfach mit eigenen Erinnerungen assoziiert. Auch das Cover fand ich eher unglücklich gewählt, da die abgebildete Frau in keinster Weise einer der Protagonistinnen ähnelte und auch nicht das eigentliche Thema des Buches repräsentierte, obwohl es sonst ansprechend gestaltet war.
Aber selbst wenn immer wieder ähnliche Dinge geschahen, flogen für mich die Seiten nur so dahin, was auch an dem flüssigen Schreibstil und den oft sehr kurzen Kapiteln lag. Gleichzeitig wurden aber auch viele Szenen wiederholt, so dass man sich beispielsweise fragte, ob die Männer früher wirklich so viel mehr mit anderen Körperteilen dachten als heutzutage. Was mich gelegentlich ein wenig störte, waren Redewendungen oder Begriffe, die in dieser Form im Mittelalter noch gar nicht bekannt gewesen sein dürften, wie „den Bock zum Gärtner machen“. Dennoch habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt in dieser Welt zwischen den Gletschern Grönlands, den Weiten Islands, den Urwäldern Amerikas und der Geschichte, die sich darum spann.

Bewertung vom 23.08.2020
Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
Jebens, Franziska

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand


ausgezeichnet

Mitten rein ins Chaos und zur wahren Liebe

Sophies größter Traum ist ein Foodtruck. Doch stattdessen studiert sie auf Wunsch ihres Vaters BWL, statt wie ihre verstorbene Mutter ihren Traum zu leben. Und auch ihr Freund Tim hält nicht viel von ihrer Idee, sich selbst zu verwirklichen. So landet Sophie bei einer Filmverleihfirma am Empfang, bis sie eines Tages unerwartet zur Produktmanagerin befördert wird. Von da an überschlagen sich die Ereignisse und sie findet sich bei Dreharbeiten in Dänemark wieder, die ihr Leben für immer verändern.
Zu Beginn der Geschichte dachte ich erst, dass ich es mal wieder mit einer völlig durchgeknallten jungen Frau zu tun habe, die ihr Leben nicht in den Griff bekommt. Und wegen der Kollegen, mit denen es Sophie zu tun hat, verstärkte sich dieser Eindruck auch immer mehr. Aber je länger ich gelesen habe, desto mehr wuchs sie mir ans Herz, denn irgendwie hat doch (fast) jeder irgendeinen kleinen oder großen Traum, der immer wieder die Freiheit sucht. Was mir manchmal ein bisschen zu viel war, war die Beschreibung des Bauchgrummelns. Man hatte den Eindruck, dass Sophies Magen nie Ruhe geben würde und wirklich extrem auf jede kleinste Veränderung anspricht. Ich weiß nicht, ob es das so massiv tatsächlich gibt. Dennoch passt es aber auch irgendwie zur Story, da es so sehr deutlich wurde, dass Sophie häufig auf ihr Bauchgefühl gehört hat. Ob das jetzt immer gut war, mag dahingestellt sein. Auf jeden Fall hat mir die Entwicklung gut gefallen und spätestens als dann noch Nick mit seinem tollen Haus in Dänemark, wo ich auch so gerne meine Urlaube verbringe, auftauchte, war es endgültig um mich geschehen.
Sophies Freundin Sasha und ihr Kollege Claudio waren so herzerfrischend, jeder einzelne Charakter war mit viel Liebe und detailliert beschrieben. Schade, dass man von Sandrine nicht mehr erfahren hat, was sie zu bedrücken scheint.
Für mich war alles dabei, was ein schöner Sommerroman braucht: Witz, eine tolle Kulisse, Zeit und Raum für Träume und vor allem Liebe!