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Benutzername: Ute54
Wohnort: Tostedt
Über mich:


Bewertungen

Insgesamt 16 Bewertungen
12
Bewertung vom 06.05.2019
Mörderisches Lavandou / Leon Ritter Bd.5
Eyssen, Remy

Mörderisches Lavandou / Leon Ritter Bd.5


ausgezeichnet

Grauen in der Provence
Das Cover mit dem schönen provenzalischen Dorf und dem strahlend blauen Himmel stimmt den Leser perfekt auf die beschauliche Atmosphäre in der Nachsaison und die angenehme französische Lebensart ein. Die Geschichte fängt im Prolog aber sehr rasant an. Eine junge Frau joggt durch das einsame Hinterland und fühlt sich verfolgt. Mit letzter Kraft kommt sie an ihrem Wagen an, kann sich jedoch nicht mehr retten. Sie wird ermordet! Wer ist der Mörder ?
Die Story hat viele Wendungen und bleibt bis zum Schluss spannend. Der ansprechende Schreibstil liest sich perfekt. Spannung und Grauen werden verstärkt durch die Brutalität der Morde, anders als bei dem Vorgängerwerk von Remy Eyssen, welches ich auch verschlungen habe, jedoch mit mehr Muße. Auch in diesem Werk wird der Handlungsstrang durch die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen aufgewertet.
Für mich, als Südfrankreichliebhaberin, schafft das eine tolle Atmosphäre. Auch Dr. Leon Ritter ist von dieser Landschaft fasziniert und er, als Rechtsmediziner, macht es sich bei der Aufklärung der Verbrechen nicht so leicht, wie es der cholerische Polizeichef Zerna gerne hätte. Er wird unterstützt von seiner Lebensgefährtin, Isabelle Morell, Capitaine bei der örtlichen Polizei und Dr. Claire Leblanc, einer Psychologin.
Alle Charaktere sind differenziert dargestellt, Zernas Äußerungen haben ein gewisses Humorpotential.
Generell ein spannendes, tolles Werk!
Ich freue mich schon auf den nächsten Provencekrimi von Remy Eyssen

Bewertung vom 28.04.2019
Das wilde Leben der Cheri Matzner
Barone, Tracy

Das wilde Leben der Cheri Matzner


ausgezeichnet

Höhen und Tiefen im Leben von Cheri Matzner
Das Cover passt nicht zu dem Titel und ist irreführend. Man stellt sich ein mondänes Luxusweibchen vor, denn die Protagonistin ist im Stil der Sechziger aufgebrezelt, im Bikini und mit Palmen im Hintergrund. Cheri ist jedoch völlig anders: Piercings, Tattoos, Second Hand Klamotten in ihrer wilden Studentenphase. Auch als Ehefrau und Universitätslehrerin nicht angepasst, in jeder Hinsicht.
In jedem Fall ist das Buch aber lesenswert durch den mitreißenden Schreibstil, durchsetzt mit
italienischen Wörtern, denn die vielschichtige Charakterdarstellung der Protagonistin macht ihre Entwicklung in den einzelnen Lebensphasen sehr authentisch.
Dieser Roman besteht aus vier Teilen, dabei dreht sich der erste Teil um Cheri als Baby.
Das ungleiche Ehepaar Cici und Solomon ist durch die Totgeburt des Sohnes traumatisiert. Solomon adoptiert daraufhin ein kleines Mädchen, Cheri genannt, welches von der Mutter völlig vereinnahmt und verhätschelt wird, da sie selbst keine Kinder mehr bekommen kann. Solomon fühlt sich aber ausgeschlossen und entwickelt eine distanzierte Beziehung zu seiner Adoptivtochter.
Der zweite Teil springt dann auf Cheri mit 40 Jahren um. Nur in ständigen Retrospektiven werden die verschiedenen Lebensphasen der Protagonistin im Folgenden dargestellt.
Cheri erfährt durch einen Zufall als kleines Mädchen, dass sie adoptiert wurde. Das erklärt auch, warum sie anders als ihre „Eltern“ aussieht und sich auch völlig anders verhält. Immer unangepasst und aufmüpfig, lehnt sie sich gegen die gutbürgerliche Welt ihrer Adoptiveltern auf. Als Jugendliche hat sie nur eine Freundin und will einfach nur weg. Ihr Leben als Studentin der Religionswissenschaften wird von Drogen und Sex bestimmt, daher auch der Titel: „ Das wilde Leben...“. Sie verdient sich ihren Lebensunterhalt selbst und fühlt sich zu Leuten aus niederen sozialen Schichten und auch Outcasts hingezogen. Nach einigen Jahren schmeißt sie ihr Studium und geht zur New Yorker Polizei, muss dort aber erfahren, dass sie als Frau aus einer höheren sozialen Schicht mit Studium von ihren Kollegen nicht anerkannt wird. Sie kehrt also zur Uni zurück, lehrt dort sehr erfolgreich, heiratet einen weitaus älteren Mann und muss sich den Schwierigkeiten stellen, die dieser Altersunterschied mit sich bringt, besonders als dieser lebensbedrohlich erkrankt. Leider kann sie keine Kinder bekommen, was für sie umso schmerzlicher ist, da sie das Doppelleben ihres Vaters entdeckt hat. Cheri ist oft verbittert und verloren, da sie mit Betrug, Tod und Einsamkeit konfrontiert ist. Depression und neue Hoffnung bestimmen ihr Leben.
Wir sind mit ihrer Achterbahn der Gefühle konfrontiert, denn Cheri kann nicht aus ihrer Haut. Am Ende des Romans tritt noch eine positive Wendung ein, die ihr neue Hoffnung gibt. Man braucht psychologisches Einfühlungsvermögen, um die einzelnen Charaktere zu verstehen und diese nicht nur als Stereotypen einzuordnen.
Das Werk hat mich nachdenklich gemacht!
Es hat insgesamt 5 Punkte verdient.

Bewertung vom 13.04.2019
SCHWEIGEPFLICHT
Lapidus, Jens

SCHWEIGEPFLICHT


sehr gut

Bandenkriminalität in Stockholm
Das unspektakuläre Cover ist in Grau-/Grüntönen gehalten und zeigt als Luftaufnahme wohl das Sommerhaus auf den Stockholmer Schären, in dem ein übel zugerichteter Toter gefunden wurde. Dieses ist der Aufhänger des Werkes:
Das Buch besteht aus 637 Seiten, und es wird deutlich, dass Jens Lapidus eigentlicher Beruf als Strafverteidiger wichtige und direkte Einblicke in die Stockholmer Unterwelt mit ihren Bandenkriegen ermöglicht. Jedoch wird durch die sehr große Anzahl an Charakteren, die zwar für sich jeweils detailliert und authentisch beschrieben sind, der Lesefluss deutlich eingeschränkt, denn ein sehr konzentrierter und ausdauernder Leser wird vorausgesetzt, dem es gelingt, mehre parallel verlaufende Handlungsstränge, die zwar miteinander verbunden sind, zu verfolgen und die zentrale Story nicht aus den Augen verlieren.
Der Schreibstil ist zwar abwechslungsreich, aber auch gewöhnungsbedürftig, bedingt durch viele umgangssprachliche Redewendungen, ja sogar arabische Elemente und teilweise holprige Formulierungen.
Die zwei Protagonisten, Emelie, die junge aufstrebende Juristin, hat mich nicht gänzlich überzeugt. Teddy, der Ex-Knacki, hat ebenso gewisse Unglaubwürdigkeiten in seiner Charakterzeichnung. Beide sind völlig gegensätzlich. Ist deshalb eine vernünftige Zusammenarbeit möglich?
Die Lektüre war für mich nicht immer spaßbehaftet, da durch das ganze ausufernde Drumherum die Spannung auf null zu sinken drohte. In der Kürze liegt die Würze! Das sollte Lapidus beherzigen, falls er noch einen Thriller schreiben sollte. Von mir daher nur knappe 4 Punkte

Bewertung vom 16.03.2019
Niemals ohne sie
Saucier, Jocelyne

Niemals ohne sie


ausgezeichnet

Zusammen sind wir perfekt
Dieses beeindruckende und fesselnde Buch wird durch die unterschiedlichen Erzähler sehr abwechslungsreich. Der Schreibstil von Jocelyne Saucier ist sehr detailliert und bildhaft, so dass man sich die Natur und die wilde Unterwelt der Berge gut vorstellen kann.
Eine Familie mit 21 Kindern ist etwas ganz Besonderes. Es herrscht eine genaue Hierarchie unter den Kindern vor, die aber in allen Lebenslagen zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Bis auf Matz, das jüngste Kind, sind alle Cardinals von robuster Gesundheit, und sie müssen schon frühzeitig lernen sich durchzuboxen.
Das Leben der Großfamilie in den 60er Jahren in einer frankokanadischen Kleinstadt namens Norcoville ist von Armut und gesellschaftlicher Unterdrückung geprägt. Die erschöpfte Mutter ist ständig am kochen, um die Familie satt zu bekommen. Die Welt des Vaters in dieser Bergbaustadt ist von der unermüdlichen Suche nach Bodenschätzen geprägt. Als ihm ein Zinkfund gelingt, träumt die ganze Familie von einem besseren Leben, jedoch prellt sie die „ Northern Consolidated“ um ihren Gewinn. Die Kinder schmieden daraufhin einen Plan, jedoch kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung.
Schon zu Anfang des Buches wird dieses „ dunkle Geheimnis“ erwähnt und zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Somit wird Spannung aufgebaut. Man muss einfach weiterlesen, bis am Ende alles genau aufgeklärt wird.
Die Charaktere werden mit Tauf- und Spitznamen vorgestellt, wodurch der Leser zur Konzentration gezwungen wird. Im Fokus stehen der intellektuelle Geronimo, der mich besonders angesprochen hat, Matz, Angèle, Magnum und Tommy, die detailliert beschrieben werden.
Generell beeindruckend durch die Selbstständigkeit der Kinder, die auch grausam zueinander sind, und die mangelnde Zuwendung durch die Eltern, die nur ums Überleben kämpfen. Sehr lesenswert, besonders für unsere sehr verwöhnte Jugend.

Bewertung vom 17.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

Ausländer in Angst
Dieser Thriller ist an vielen Stellen an Brutalität kaum zu übertreffen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Ich hätte mir allerdings eine Stockholm-Landkarte zur besseren Orientierung gewünscht.
Es gibt vier Erzählstränge mit gut gewählten Akteuren, die am Schluss zusammengeführt werden.
Der „Patriot“, Carl Cederhielm, der in seinem rechtsradikalen Empfinden alles tun will, um den Flüchtlingsstrom nach Schweden zu unterbinden, ist äußerst real und beängstigend beschrieben, ebenso seine Stadtguerillagruppe.
Madeline Winther, eine sehr kokette und karrierebesessene Nachrichtenredakteurin hat ebenfalls eine Schlüsselrolle inne.
Der Taxifahrer, Ibrahim Chamsai , ist ein gut integrierter Syrer, der vor vielen Jahren nach Schweden immigriert ist. Carl und seine Gang benutzen ihn auf infamste Weise für ihre Taten. August Novak, ein ehemaliger Fremdenlegionär, kehrt aus dem chilenischen Exil nach Schweden zurück. Er ist der Einzige, der sich den Nazis entgegenzustellen wagt.
Durch den Wechsel der Handlungsorte in 58 recht kurzen Kapiteln, wird das Tempo gesteigert und die Hochspannung bis zum Schluss erhalten.
Der Autor schafft es, die Beweggründe und Motive aller Beteiligten realistisch nachvollziehbar darzulegen.
Oftmals ist die Handlung bedrückend und lässt den Leser befürchten, dass ähnliche Ereignisse Wahrheit werden könnten, auch in Deutschland. Ein Werk, das sehr zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 14.10.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19


sehr gut

Kann man den Tod betrügen?
Das Cover ist zwar dunkel und recht einfach, aber trotzdem wirkungsvoll dargeboten. Das Buch ist recht dünn und somit schnell gelesen, die Spannung hält aber bis zum Schluss an. Der Text ist zwar flüssig geschrieben, enthält jedoch Stolpersteine. Die wenigen Personen sind so beschrieben, als würde man sie schon ewig kennen.
Die Einblicke in das jeweilige Leben von Tabor Süden ( Ex-Polizist) und Cornelius Hallig ( Krimiautor) sind sehr erhellend und hervorragend beschrieben.
Eigendlich wollte Tabor Süden nicht mehr als "Menschendetektor" arbeiten, jedoch kann er von seiner Chefin überredet werden, Cornelius Hallig aufzuspüren. Dieser will einfach nur untertauchen. Süden und Hallig verbindet eine ähnliche Lebenssituation, geprägt duch vergleichbare Vorerfahrungen. Wie werden die beiden sich annähern?
Dieser Krimi war meine Urlaubslektüre. Er ist empfehlenswert, jedoch macht das Ende etwas nachdenklich. Anzumerken ist auch, dass es ein Krimi ohne Mörder ist.

Bewertung vom 21.08.2018
Manhattan Beach
Egan, Jennifer

Manhattan Beach


ausgezeichnet

Das Buchcover mit der New Yorker Skyline gefällt mir gut. Es passt zum Thema. Die Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch ist prima geglückt, denn sie wirkt aufgelockert und ungekünstelt.
Wir werden in die Zeit des 2. Weltkrieges versetzt, und es gefällt mir, dass dieser aus amerikanischer Sicht beleuchtet wird. Der Roman thematisiert die Bereiche der Brooklyn Navi Yard, der Handelsmarine, des Tiefseetauchens und des organisierten Verbrechens.
Inmitten der großen Wirtschaftskrise in den USA begegnen wir zunächst der 12-jährigen Anna, der Protagonistin, die ihren Vater oft bei seinen Arbeitsbesuchen begleitet. Er arbeitet für Dexter Styles, den New Yorker Unterweltboss. Als sie 14 alt Jahre ist, verschwindet ihr Vater plötzlich.
Seitdem muss sie für ihre Mutter und die pflegebedürftige Schwester sorgen. Mit 19 Jahren muss sie nun, wie die meisten Frauen, in einer Fabrik arbeiten, denn die Männer sind im Krieg. Anna hat eine natürliche, sehr direkte Art und weiß, sich durchzusetzen. Ihrem Chef gegenüber ist das nicht immer passend, jedoch ermuntert er sie, sich als Taucherin auf der Werft zu bewerben, um die riesigen Kriegsschiffe in den New Yorker Docks zu reparieren. Das ist jedoch für eine Frau in den 1940ern nicht realisierbar, da das Tauchequipment sehr schwer ist. Anna ist jedoch sehr hartnäckig und sie wird die erste weibliche Marine-Taucherin. Sie bietet also perfekte Identifikationsmöglichkeiten, denn sie bricht aus traditionellen Rollenbildern aus. Neben der Arbeit sucht Anna nach ihrem Vater, der in Dexter Styles' Machenschaften verstrickt gewesen zu sein scheint. Nach etlichen Jahren kann sie ihn aufspüren. Ihr Leben nimmt eine plötzliche Wende und sie bricht mit ihrer Tante nach Kalifornien auf.
Anna ist sehr selbstbewusst, schafft es zum einen ihre Ziele voller Verbissenheit durchzusetzen, andererseits widmet sie sich voller Mitgefühl ihrer jüngeren pflegebedürftigen Schwester Lydia.
Mein Lesevergnügen war groß, denn es gelingt der Autorin perfekt, den Leser teil der inneren Monologe und Reflexionen ihrer Charaktere werden zu lassen. Durch die vielen Details wird vom Leser Konzentration erwartet, denn er muss sich oft fragen, wer wer ist und wer was getan hat. Generell ein sehr lesenswerter, vielschichtiger, historischer Roman mit einer bewundernswerten Protagonistin. 5 Sterne

Bewertung vom 19.08.2018
Solange wir uns haben
Ulmer, Andrea

Solange wir uns haben


gut

Der tragische Hintergrund dieses Romans hat mich sehr angesprochen, da ich ähnliche Fälle in meinem Kollegenkreis habe.
Obwohl das Cover eher positiv wirkt, ist Jessicas plötzlicher Zusammenbruch sehr angstbeladen. Der ansprechende Schreibstil ist direkt, faktenbezogen und flüssig. Man fühlt sofort mit der verzweifelten Protagonistin mit, die beim Autofahren eine Panikattacke hat . Es wird eine Angsterkrankung diagnostiziert , Autofahren und Berufstätigkeit sind nicht mehr möglich. Psychotherapie und Antidepressivum bringen keine schnelle Hilfe. Aber Jessica Hanser als alleinerziehende Mutter, mit der Abzahlung eines Bankkredites belastet und bedroht vom Verlust ihres Jobs in einer Werbeagentur, befindet sich in einer Zwickmühle. Sie muss Stress abbauen und ihr Leben ändern. Sie wohnt jedoch in einem Dorf, recht weit von Frankfurt entfernt, wo man ohne Auto aufgeschmissen ist. Miriam, die 16-jährige Tochter ist sehr verwöhnt und egozentrisch und sie hat wenig Verständnis für ihre Mutter. Sie will die Ferien bei ihrem Vater, Jessicas Ex-Mann, in Brasilien verbringen, dem es nach einer burn-out Erfahrung dort gutgeht mit seiner jungen Freundin. Er schlägt vor, Miriam zu sich zu nehmen, was Jessica total verzweifelt macht, denn ihre Tochter ist Teil ihres Lebens. Obwohl sie krankgeschrieben ist, wird sie von ihrem Chef zu Arbeit daheim aufgefordert. Die „Katzennachbarin“ jedoch zeigt Verständnis und bietet Hilfe an. Wie wird Jessica den Konflikt mit ihrer Tochter meistern?
Der weitere Verlauf der Handlung wirkt auf mich sehr unrealistisch. Man hat das Gefühl eine Angsterkrankung soll in eine Art Abenteuerreise eingebettet werden, um das Buch interessant. Die Tochter haut nach Brasilien ab, später dann in den Dschungel. Die schwerkranke Mutter folgt ihr jeweils, um sie zur Rückkehr zu bewegen. Die „Katzenfrau“ wird als Person mit einem übermenschlichen Helfersyndrom dargestellt, welche Jessica in allen Lebenslagen unterstützt. Das recht abrupte Ende wirkt noch unrealistischer. Man kann nicht einfach alles hinwerfen und dann, sehr naiv an das Gute glaubend, problemlos von vorne anfangen. Die Zwänge der Gesellschaft sind zu groß. Die Bewältigung einer Depression dauert meistens mehrere Jahre und kann oftmals nicht ganz geheilt werden.
Also Punktabzug! 3 Punkte

Bewertung vom 19.07.2018
Kampfsterne
Hennig von Lange, Alexa

Kampfsterne


ausgezeichnet

Nicht wie meine Eltern
Das Cover ist ungewöhnlich, macht von daher neugierig, verrät jedoch nichts über den Inhalt. Es werden dreidimensionale geometrische Figuren in Grau- Schwarz-und Rottönen gezeigt, die an eine 70er Jahre Tapete erinnern.
Der Schreibstil ist frisch und ungekünzelt. Die Charaktere sind 3 Ehepaare mit ihren 5 Kindern. In den kurzen Kapiteln findet ein ständiger Perspektivwechsel statt, wodurch das Leseerlebnis abwechslungsreich gestaltet wird und die Protagonisten sehr lebendig dargestellt werden.

Die Familien gehören dem Bildungsbürgertum an, wohnen in einer Vorstadtsiedlung und konkurrieren hinsichtlich der Intelligenz und Attraktivität der Kinder.

Ella kann sich im Kunsthandwerk ein wenig verwirklichen wird jedoch von ihrem Mann betrogen, Rita ist mit ihrem wenig vorzeigbaren und sehr langweiligen Gatten, Georg, unzufrieden. Sie ist mit Ulla, einer Nachbarin, befreundet, die unter ihrem gewalttätigen sexhungrigen Mann leidet, der sie schlägt und unterdrückt, dem sie aber hörig ist. Sie hat kein eigenes Geld, obwohl sie in der Firma ihres Gatten mitarbeitet. Für Cotsch, ihre ältere Tochter, ist klar, dass sie selbst niemals so enden will. Sie ist der „Kampfstern“ aus dem Titel; sie würde eher zur Killerin werden, als eine Gefangene ihres Gatten und der Siedlung.
Die Lektüre ist teilweise beklemmend, denn alle, bis auf das kleine Lexchen, sind oft unzufrieden. Die erwachsenen Mitglieder der Familien sind gebildet. Die Männer haben gute Berufe, die Mütter, obwohl sie studiert haben, sind unglücklich in ihrer Rolle als Hausfrauen und Mütter, denn sie führen ein eintöniges Leben, teilweise ohne eigenes Auto und eigenes Geld. Die Protagonisten sind beeinflusst durch die Aufbruchstimmung der 60er Jahre. Die Frauen haben die emanzipatorischen Werke einschlägiger Autorinnen gelesen. Die Kinder werden instrumentalisiert, um die nicht erfüllten Wünsche der Eltern eventuell in die Tat umzusetzen. Allen geht es um die Entfaltung des Ichs. Den Kindern soll das durch das Erlernen von Cello oder Flöte ermöglicht werden. Zusätzlich werden sie zu Intelligenztests geschickt. Probleme werden durch analysiert, jedoch nicht bewältigt. Der Besuch beim Therapeuten ist an der Tagesordnung, denn Frustration, Neid und Eifersucht müssen therapiert werden.
Nach der Leseprobe hatte ich eine andere Wendung erwartet. Diesen Frauen geht es wohl zu gut in ihrer Idylle! Das beschriebene Dasein erinnert mich eher an die 50er/60er Jahre, als die Ehefrauen nur Hausfrauen waren. Warum gelingt es diesen gebildeten, aufgeklärten Frauen nicht, sich von ihren Männern zu lösen und Befriedigung im Beruf zu erlangen?
Befremdlich habe ich auch gefunden, dass Cotsch mit 15 Jahren bereits zahlreiche sexuelle Erfahrungen mit teilweise älteren Männern gehabt hat, und das mit Wissen der Eltern.
Generell ein Werk, welches zum Nachdenken anregt, mir persönlich aber wenig Identifikationsmöglichkeiten geboten hat.

Bewertung vom 26.06.2018
Schweigegelübde / Emma Vaughan Bd.2
Bierach, Barbara

Schweigegelübde / Emma Vaughan Bd.2


ausgezeichnet

Morde in Irland

Das Cover zeigt eine romantische, typisch irische Landschaft. Der geheimnisvolle Titel „ Schweigegelübde“ erinnert an die tiefe Religiosität der Iren. Der Konflikt zwischen Protestanten und den Katholiken wird von Emma, der Kommissarin und Protagonistin, dargestellt und könnte somit auch zur Erklärung der „Schuldgefühle“ beitragen. Emma ist Karrierefrau, alleinerziehend und Mannerhasserin, sie ist tablettensüchtig und Exfrau eines vermeintlichen IRA-Terroristen. Dienstlich geht sie gern eigene, unabgesprochene Wege und führt in die Praktiken der Heimerziehung sogenannter „ gefallener Mädchen“ ein, denen man die Babys wegnimmt oder diese, mangels schlechter Pflege, einfach sterben lässt. Und das bis in die 70er Jahre hinein! Diese Problematik hat mich sehr bewegt.
Emma soll nun den „Todesengel“ aufspüren, der im Krankenhaus Sligo vermeidlich todkranke Patienten umbringt. Die Lösung gelingt ihr, zusätzlich verfolgt sie aber noch eine weitere Spur in England, denn auch dort hat es rätselhafte Morde gegeben.
Das Werk ist in kurze Kapitel mit jeweils einer Überschrift aufgeteilt. Der lockere Schreibstil ermöglicht zusätzlich eine problemlose entspannte Lektüre innerhalb einiger Tage. Der Perspektivwechsel, auch aus der Sicht des Täters, erzeugt Spannung und Leselust. Das Ende ist unvorhersehbar, und somit ist dieser Irlandkrimi von Anfang bis Ende spannend.

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