Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Ute54
Wohnort: Tostedt
Über mich:


Bewertungen

Insgesamt 19 Bewertungen
12
Bewertung vom 17.02.2020
Was wir sind
Hope, Anna

Was wir sind


ausgezeichnet

Was aus uns geworden ist

Anna Hope geht in ihrem Roman „Was wir sind“ der Frage nach „ Was wollen wir, und was möchten wir wirklich sein“.
Im Jahre 2004 lebten Hannah, Lisa und Cate gemeinsam in London in einer viktorianischen Villa. Als sie Ende 20 waren, hatten sie noch Träume von ihrem zukünftigen Leben.
Aber im Jahre 2010 hat sich vieles verändert. Hannah hat zwar einen guten Job und ist mit ihrer großen Liebe verheiratet, gerät aber wegen ihrer Kinderlosigkeit in eine Krise, die auch ihre Ehe bedroht.
Cate lebt mit ihrem Ehemann und dem Baby in einem schönen Eigenheim in Canterbury, ist jedoch von ihrer Rolle als Mutter und der fremden Umgebung völlig überfordert, so das sie depressiv wird.
Lisa ist ebenfalls unglücklich, denn aus der tollen Karriere als Schauspielerin ist nichts geworden. Zum Überleben muss sie sich mit diversen Jobs abquälen.
Die Autorin arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven was den Roman lebendig macht. Hope legt die Emotionen der drei Protagonistinnen schonungslos dar, und es wird deutlich, wie stark diese modernen, jungen Frauen, die alle Möglichkeiten hatten, von ihrem Leben enttäuscht wurden. Darüber geht auch ihre Beziehung zueinander kaputt.
Die Identifikationsmöglichkeiten sind gelungen, denn etlichen jungen Frauen von heute dürfte es ähnlich ergangen sein. Mann muss das Leben halt so nehmen, wie es kommt.
Sprachlich wirkt das Werk eher einfach. Vieles ist aber zwischen den Zeilen versteckt und lässt die Charaktere in ihrer Vielfältigkeit schillern. Ein Roman voller Emotionen, der dazu anregen soll, auch das eigene Leben zu überdenken.

Bewertung vom 05.02.2020
Die Bagage
Helfer, Monika

Die Bagage


sehr gut

Monika Helfers Roman „ Die Bagage“ handelt von ihrer Familie, deren beschwerliches und ungewöhnliches Leben über drei Generationen erzählt wird.
Eine besondere Beachtung erfährt Monika Helfers Großmutter, die auf dem Cover in halbnackter, verschwommener Pose dargestellt ist. Diese sehr schöne und heißblütige Frau, welche zur Zeit des 1. Weltkrieges mit ihren 4 Kindern außerhalb eines Bergdorfes unter sehr ärmlichen Verhältnissen lebt, muss ohne Ehemann auskommen, da er zum Wehrdienst eingezogen wurde. Sie wird während seiner Abwesenheit von 2 Männern umschwärmt bzw. bedrängt. Die strikten Moralvorstellungen der Dorfbewohner und die Allmacht der katholischen Kirche werden dargelegt, was wohl zu der damaligen Zeit vorherrschend war. Erschreckend ist auch , dass das Thema „Empfängnisverhütung“ wohl mit einem Tabu versehen zu sein scheint. Besonders unter dem Aspekt, dass Maria schwanger wird, aber wohl nicht von ihrem Ehemann.
Die vielzähligen Personen werden nur grob skizziert; deren Schicksale sind sicherlich nicht ungewöhnlich für Angehörige der Unterschicht.
Der Text ist nur durch Absätze gegliedert. Die Autorin arbeitet mit direkten Assoziationen, die den Erzählstrang auf mehreren Ebenen unterbrechen.
Der Schreibstil ist von Redewendungen, Vokabeln und Grammatik der Gegend um Bregenz gekennzeichnet, was für den Leser das Lokalkolorit betont und es es ihm möglich macht, die Personen, auch sozial, einzuordnen. Es gibt in der direkten Rede viele Wiederholungen, wodurch der Text besonders authentisch wirkt.
Ich denke, diese Art zu erzählen, macht das 159 Seiten dünne Werk lebendig und schnell zu lesen. Sicherlich könnte auch ich, wie diverse andere Leute, viele beeindruckende und grausame Fakten, die oft unter den Tisch gekehrt wurden, über meine Vorfahren zu Tage fördern.
Es war aber ein erfrischendes Leseerlebnis.

Bewertung vom 28.07.2019
Das Rezept unserer Freundschaft
Killoren, Kelly

Das Rezept unserer Freundschaft


sehr gut

Lust am Leben

das Cover wirkt leicht verspielt und fröhlich, was durch die besondere Haptik und teils frische Farbgebung unterstrichen wird. Es passt in jedem Fall zu der locker- flockigen Geschichte.
Es ist ein typisches Frauenbuch, liebenswert und leicht verrückt. Billy, die Protagonistin, erzählt in der Ich-Perspektive. Sie lebt zuerst in der hektischen Glamour-Welt von New York, flieht als Teil ihrer Sinnkrise ins beschauliche Hudson Valley, wo sie eine Art Metamorphose durchmacht, jedoch erkennen muss, dass auch dort die Existenz nicht ohne Probleme ist. Die Charaktere Ihrer Frauenclique wirken teils aufgesetzt und affig. Es geschehen immer wieder Dinge, die übertrieben wirken.
Die Autorin ist um ein aufgepepptes Werk mit witzigen, lockeren Sprüchen bemüht, was zwar kurzweilig für die Ferien ist, ansonsten aber an mangelndem Tiefgang leidet.
Die Identifikationsmöglichkeiten mit den Charakteren sind nicht immer vorhanden.

Bewertung vom 06.05.2019
Mörderisches Lavandou / Leon Ritter Bd.5
Eyssen, Remy

Mörderisches Lavandou / Leon Ritter Bd.5


ausgezeichnet

Grauen in der Provence
Das Cover mit dem schönen provenzalischen Dorf und dem strahlend blauen Himmel stimmt den Leser perfekt auf die beschauliche Atmosphäre in der Nachsaison und die angenehme französische Lebensart ein. Die Geschichte fängt im Prolog aber sehr rasant an. Eine junge Frau joggt durch das einsame Hinterland und fühlt sich verfolgt. Mit letzter Kraft kommt sie an ihrem Wagen an, kann sich jedoch nicht mehr retten. Sie wird ermordet! Wer ist der Mörder ?
Die Story hat viele Wendungen und bleibt bis zum Schluss spannend. Der ansprechende Schreibstil liest sich perfekt. Spannung und Grauen werden verstärkt durch die Brutalität der Morde, anders als bei dem Vorgängerwerk von Remy Eyssen, welches ich auch verschlungen habe, jedoch mit mehr Muße. Auch in diesem Werk wird der Handlungsstrang durch die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen aufgewertet.
Für mich, als Südfrankreichliebhaberin, schafft das eine tolle Atmosphäre. Auch Dr. Leon Ritter ist von dieser Landschaft fasziniert und er, als Rechtsmediziner, macht es sich bei der Aufklärung der Verbrechen nicht so leicht, wie es der cholerische Polizeichef Zerna gerne hätte. Er wird unterstützt von seiner Lebensgefährtin, Isabelle Morell, Capitaine bei der örtlichen Polizei und Dr. Claire Leblanc, einer Psychologin.
Alle Charaktere sind differenziert dargestellt, Zernas Äußerungen haben ein gewisses Humorpotential.
Generell ein spannendes, tolles Werk!
Ich freue mich schon auf den nächsten Provencekrimi von Remy Eyssen

Bewertung vom 28.04.2019
Das wilde Leben der Cheri Matzner
Barone, Tracy

Das wilde Leben der Cheri Matzner


ausgezeichnet

Höhen und Tiefen im Leben von Cheri Matzner
Das Cover passt nicht zu dem Titel und ist irreführend. Man stellt sich ein mondänes Luxusweibchen vor, denn die Protagonistin ist im Stil der Sechziger aufgebrezelt, im Bikini und mit Palmen im Hintergrund. Cheri ist jedoch völlig anders: Piercings, Tattoos, Second Hand Klamotten in ihrer wilden Studentenphase. Auch als Ehefrau und Universitätslehrerin nicht angepasst, in jeder Hinsicht.
In jedem Fall ist das Buch aber lesenswert durch den mitreißenden Schreibstil, durchsetzt mit
italienischen Wörtern, denn die vielschichtige Charakterdarstellung der Protagonistin macht ihre Entwicklung in den einzelnen Lebensphasen sehr authentisch.
Dieser Roman besteht aus vier Teilen, dabei dreht sich der erste Teil um Cheri als Baby.
Das ungleiche Ehepaar Cici und Solomon ist durch die Totgeburt des Sohnes traumatisiert. Solomon adoptiert daraufhin ein kleines Mädchen, Cheri genannt, welches von der Mutter völlig vereinnahmt und verhätschelt wird, da sie selbst keine Kinder mehr bekommen kann. Solomon fühlt sich aber ausgeschlossen und entwickelt eine distanzierte Beziehung zu seiner Adoptivtochter.
Der zweite Teil springt dann auf Cheri mit 40 Jahren um. Nur in ständigen Retrospektiven werden die verschiedenen Lebensphasen der Protagonistin im Folgenden dargestellt.
Cheri erfährt durch einen Zufall als kleines Mädchen, dass sie adoptiert wurde. Das erklärt auch, warum sie anders als ihre „Eltern“ aussieht und sich auch völlig anders verhält. Immer unangepasst und aufmüpfig, lehnt sie sich gegen die gutbürgerliche Welt ihrer Adoptiveltern auf. Als Jugendliche hat sie nur eine Freundin und will einfach nur weg. Ihr Leben als Studentin der Religionswissenschaften wird von Drogen und Sex bestimmt, daher auch der Titel: „ Das wilde Leben...“. Sie verdient sich ihren Lebensunterhalt selbst und fühlt sich zu Leuten aus niederen sozialen Schichten und auch Outcasts hingezogen. Nach einigen Jahren schmeißt sie ihr Studium und geht zur New Yorker Polizei, muss dort aber erfahren, dass sie als Frau aus einer höheren sozialen Schicht mit Studium von ihren Kollegen nicht anerkannt wird. Sie kehrt also zur Uni zurück, lehrt dort sehr erfolgreich, heiratet einen weitaus älteren Mann und muss sich den Schwierigkeiten stellen, die dieser Altersunterschied mit sich bringt, besonders als dieser lebensbedrohlich erkrankt. Leider kann sie keine Kinder bekommen, was für sie umso schmerzlicher ist, da sie das Doppelleben ihres Vaters entdeckt hat. Cheri ist oft verbittert und verloren, da sie mit Betrug, Tod und Einsamkeit konfrontiert ist. Depression und neue Hoffnung bestimmen ihr Leben.
Wir sind mit ihrer Achterbahn der Gefühle konfrontiert, denn Cheri kann nicht aus ihrer Haut. Am Ende des Romans tritt noch eine positive Wendung ein, die ihr neue Hoffnung gibt. Man braucht psychologisches Einfühlungsvermögen, um die einzelnen Charaktere zu verstehen und diese nicht nur als Stereotypen einzuordnen.
Das Werk hat mich nachdenklich gemacht!
Es hat insgesamt 5 Punkte verdient.

Bewertung vom 13.04.2019
SCHWEIGEPFLICHT / Stockholm-Reihe Bd.1
Lapidus, Jens

SCHWEIGEPFLICHT / Stockholm-Reihe Bd.1


sehr gut

Bandenkriminalität in Stockholm
Das unspektakuläre Cover ist in Grau-/Grüntönen gehalten und zeigt als Luftaufnahme wohl das Sommerhaus auf den Stockholmer Schären, in dem ein übel zugerichteter Toter gefunden wurde. Dieses ist der Aufhänger des Werkes:
Das Buch besteht aus 637 Seiten, und es wird deutlich, dass Jens Lapidus eigentlicher Beruf als Strafverteidiger wichtige und direkte Einblicke in die Stockholmer Unterwelt mit ihren Bandenkriegen ermöglicht. Jedoch wird durch die sehr große Anzahl an Charakteren, die zwar für sich jeweils detailliert und authentisch beschrieben sind, der Lesefluss deutlich eingeschränkt, denn ein sehr konzentrierter und ausdauernder Leser wird vorausgesetzt, dem es gelingt, mehre parallel verlaufende Handlungsstränge, die zwar miteinander verbunden sind, zu verfolgen und die zentrale Story nicht aus den Augen verlieren.
Der Schreibstil ist zwar abwechslungsreich, aber auch gewöhnungsbedürftig, bedingt durch viele umgangssprachliche Redewendungen, ja sogar arabische Elemente und teilweise holprige Formulierungen.
Die zwei Protagonisten, Emelie, die junge aufstrebende Juristin, hat mich nicht gänzlich überzeugt. Teddy, der Ex-Knacki, hat ebenso gewisse Unglaubwürdigkeiten in seiner Charakterzeichnung. Beide sind völlig gegensätzlich. Ist deshalb eine vernünftige Zusammenarbeit möglich?
Die Lektüre war für mich nicht immer spaßbehaftet, da durch das ganze ausufernde Drumherum die Spannung auf null zu sinken drohte. In der Kürze liegt die Würze! Das sollte Lapidus beherzigen, falls er noch einen Thriller schreiben sollte. Von mir daher nur knappe 4 Punkte

Bewertung vom 16.03.2019
Niemals ohne sie
Saucier, Jocelyne

Niemals ohne sie


ausgezeichnet

Zusammen sind wir perfekt
Dieses beeindruckende und fesselnde Buch wird durch die unterschiedlichen Erzähler sehr abwechslungsreich. Der Schreibstil von Jocelyne Saucier ist sehr detailliert und bildhaft, so dass man sich die Natur und die wilde Unterwelt der Berge gut vorstellen kann.
Eine Familie mit 21 Kindern ist etwas ganz Besonderes. Es herrscht eine genaue Hierarchie unter den Kindern vor, die aber in allen Lebenslagen zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Bis auf Matz, das jüngste Kind, sind alle Cardinals von robuster Gesundheit, und sie müssen schon frühzeitig lernen sich durchzuboxen.
Das Leben der Großfamilie in den 60er Jahren in einer frankokanadischen Kleinstadt namens Norcoville ist von Armut und gesellschaftlicher Unterdrückung geprägt. Die erschöpfte Mutter ist ständig am kochen, um die Familie satt zu bekommen. Die Welt des Vaters in dieser Bergbaustadt ist von der unermüdlichen Suche nach Bodenschätzen geprägt. Als ihm ein Zinkfund gelingt, träumt die ganze Familie von einem besseren Leben, jedoch prellt sie die „ Northern Consolidated“ um ihren Gewinn. Die Kinder schmieden daraufhin einen Plan, jedoch kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung.
Schon zu Anfang des Buches wird dieses „ dunkle Geheimnis“ erwähnt und zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Somit wird Spannung aufgebaut. Man muss einfach weiterlesen, bis am Ende alles genau aufgeklärt wird.
Die Charaktere werden mit Tauf- und Spitznamen vorgestellt, wodurch der Leser zur Konzentration gezwungen wird. Im Fokus stehen der intellektuelle Geronimo, der mich besonders angesprochen hat, Matz, Angèle, Magnum und Tommy, die detailliert beschrieben werden.
Generell beeindruckend durch die Selbstständigkeit der Kinder, die auch grausam zueinander sind, und die mangelnde Zuwendung durch die Eltern, die nur ums Überleben kämpfen. Sehr lesenswert, besonders für unsere sehr verwöhnte Jugend.

Bewertung vom 17.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

Ausländer in Angst
Dieser Thriller ist an vielen Stellen an Brutalität kaum zu übertreffen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Ich hätte mir allerdings eine Stockholm-Landkarte zur besseren Orientierung gewünscht.
Es gibt vier Erzählstränge mit gut gewählten Akteuren, die am Schluss zusammengeführt werden.
Der „Patriot“, Carl Cederhielm, der in seinem rechtsradikalen Empfinden alles tun will, um den Flüchtlingsstrom nach Schweden zu unterbinden, ist äußerst real und beängstigend beschrieben, ebenso seine Stadtguerillagruppe.
Madeline Winther, eine sehr kokette und karrierebesessene Nachrichtenredakteurin hat ebenfalls eine Schlüsselrolle inne.
Der Taxifahrer, Ibrahim Chamsai , ist ein gut integrierter Syrer, der vor vielen Jahren nach Schweden immigriert ist. Carl und seine Gang benutzen ihn auf infamste Weise für ihre Taten. August Novak, ein ehemaliger Fremdenlegionär, kehrt aus dem chilenischen Exil nach Schweden zurück. Er ist der Einzige, der sich den Nazis entgegenzustellen wagt.
Durch den Wechsel der Handlungsorte in 58 recht kurzen Kapiteln, wird das Tempo gesteigert und die Hochspannung bis zum Schluss erhalten.
Der Autor schafft es, die Beweggründe und Motive aller Beteiligten realistisch nachvollziehbar darzulegen.
Oftmals ist die Handlung bedrückend und lässt den Leser befürchten, dass ähnliche Ereignisse Wahrheit werden könnten, auch in Deutschland. Ein Werk, das sehr zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 14.10.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.21
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.21


sehr gut

Kann man den Tod betrügen?
Das Cover ist zwar dunkel und recht einfach, aber trotzdem wirkungsvoll dargeboten. Das Buch ist recht dünn und somit schnell gelesen, die Spannung hält aber bis zum Schluss an. Der Text ist zwar flüssig geschrieben, enthält jedoch Stolpersteine. Die wenigen Personen sind so beschrieben, als würde man sie schon ewig kennen.
Die Einblicke in das jeweilige Leben von Tabor Süden ( Ex-Polizist) und Cornelius Hallig ( Krimiautor) sind sehr erhellend und hervorragend beschrieben.
Eigendlich wollte Tabor Süden nicht mehr als "Menschendetektor" arbeiten, jedoch kann er von seiner Chefin überredet werden, Cornelius Hallig aufzuspüren. Dieser will einfach nur untertauchen. Süden und Hallig verbindet eine ähnliche Lebenssituation, geprägt duch vergleichbare Vorerfahrungen. Wie werden die beiden sich annähern?
Dieser Krimi war meine Urlaubslektüre. Er ist empfehlenswert, jedoch macht das Ende etwas nachdenklich. Anzumerken ist auch, dass es ein Krimi ohne Mörder ist.

Bewertung vom 21.08.2018
Manhattan Beach
Egan, Jennifer

Manhattan Beach


ausgezeichnet

Das Buchcover mit der New Yorker Skyline gefällt mir gut. Es passt zum Thema. Die Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch ist prima geglückt, denn sie wirkt aufgelockert und ungekünstelt.
Wir werden in die Zeit des 2. Weltkrieges versetzt, und es gefällt mir, dass dieser aus amerikanischer Sicht beleuchtet wird. Der Roman thematisiert die Bereiche der Brooklyn Navi Yard, der Handelsmarine, des Tiefseetauchens und des organisierten Verbrechens.
Inmitten der großen Wirtschaftskrise in den USA begegnen wir zunächst der 12-jährigen Anna, der Protagonistin, die ihren Vater oft bei seinen Arbeitsbesuchen begleitet. Er arbeitet für Dexter Styles, den New Yorker Unterweltboss. Als sie 14 alt Jahre ist, verschwindet ihr Vater plötzlich.
Seitdem muss sie für ihre Mutter und die pflegebedürftige Schwester sorgen. Mit 19 Jahren muss sie nun, wie die meisten Frauen, in einer Fabrik arbeiten, denn die Männer sind im Krieg. Anna hat eine natürliche, sehr direkte Art und weiß, sich durchzusetzen. Ihrem Chef gegenüber ist das nicht immer passend, jedoch ermuntert er sie, sich als Taucherin auf der Werft zu bewerben, um die riesigen Kriegsschiffe in den New Yorker Docks zu reparieren. Das ist jedoch für eine Frau in den 1940ern nicht realisierbar, da das Tauchequipment sehr schwer ist. Anna ist jedoch sehr hartnäckig und sie wird die erste weibliche Marine-Taucherin. Sie bietet also perfekte Identifikationsmöglichkeiten, denn sie bricht aus traditionellen Rollenbildern aus. Neben der Arbeit sucht Anna nach ihrem Vater, der in Dexter Styles' Machenschaften verstrickt gewesen zu sein scheint. Nach etlichen Jahren kann sie ihn aufspüren. Ihr Leben nimmt eine plötzliche Wende und sie bricht mit ihrer Tante nach Kalifornien auf.
Anna ist sehr selbstbewusst, schafft es zum einen ihre Ziele voller Verbissenheit durchzusetzen, andererseits widmet sie sich voller Mitgefühl ihrer jüngeren pflegebedürftigen Schwester Lydia.
Mein Lesevergnügen war groß, denn es gelingt der Autorin perfekt, den Leser teil der inneren Monologe und Reflexionen ihrer Charaktere werden zu lassen. Durch die vielen Details wird vom Leser Konzentration erwartet, denn er muss sich oft fragen, wer wer ist und wer was getan hat. Generell ein sehr lesenswerter, vielschichtiger, historischer Roman mit einer bewundernswerten Protagonistin. 5 Sterne

12