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Benutzername: Hanka


Bewertungen

Insgesamt 6 Bewertungen
Bewertung vom 15.02.2019
Der Fall Collini
Schirach, Ferdinand von

Der Fall Collini


ausgezeichnet

Ein zutiefst berührendes Buch, zugleich verstörend ob der geschilderten Geschehnisse in Collinis Vergangenheit und auch ob manchen Gesetzes. Traurige Geschichte- im Sinne von der des Herrn Collini als auch im Sinne von Historie.
Der Schreibstil ist hervorragend. Es ist alles stimmig.

Mir hat das Buch allerdings in der Ausgabe aus dem Piper Verlag vorgelegen.

Bewertung vom 06.02.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


gut

Ein durchaus spannender Krimi, der sich fast von selbst liest und den man teilweise gar nicht aus der Hand legen mag. Die Idee ist gut, und originell wird sie für mich nur dadurch, dass der Autor die Russenmafia sich ins Buch einlädt und deren verschlungene Wege und Möglichkeiten.
Mit den Protagonisten, speziell mit dem Ermittlerduo konnte ich mich nicht so recht anfreunden, da sie mir zu klischeebeladen gewesen sind. Beruflich und privat. Derer gibt es schon einige Ermittler auf Papier.
Zudem kommen diese beiden hier in ihrem Fall so richtig nicht voran und dann urplötzlich finden sich doch alle bis dato losen Enden zusammen- ohne wirkliche Ermittlerarbeit, denn wenn ich so resümiere- tatsächlich gearbeitet haben Milo und Hanna tatsächlich nicht. Und dennoch-ohne bislang etwas in der Hand und vorzuweisen zu haben- Bling! Fall geklärt. Es ist nicht zu erkennen, wie es dazu kam. Das war mir summa summarum zu unglaubwürdig.
Die vorkommende Gewalt ist sehr brachial und brutal, einfach weit mehr als nur ein Tick zu viel; da wäre mir weniger sehr lieb gewesen; viel hilft nicht immer viel.

Was das Sprachliche im vorliegenden Buch angeht, so finde ich, dass sich manche Wendung auffällig zu oft wiederholt.

Ein paar herrlich normale Ermittler mit handelsüblichen 0/8/15 Allerweltsmacken wären mir wesentlich lieber gewesen, in sie könnte man sich hineinversetzen und ihre Arbeit nachvollziehen zu können, wäre ebenso schön. Solche Ermittler hätte ich mir auch hier gewünscht, das wäre mal wieder was anderes gewesen. Die hätten sich hier durchaus gut gemacht.

Spannend war es trotzdem, das kann ich nicht leugnen.

Bewertung vom 21.11.2018
Traum des Lebens
Archer, Jeffrey

Traum des Lebens


gut

Noch mehr als der Klappentext hat mich die Kurzbeschreibung angesprochen und das tut sie noch immer, wenngleich ich das Buch inzwischen zu Ende gelesen habe.
Dies war mein erstes Buch aus der Feder von Jeffrey Archer und es lässt sich nicht leugnen, dass dieser sein Handwerk versteht. Obschon es sich um einen Roman von 700 Seiten handelt, lässt er sich flüssig und einwandfrei verständlich lesen.
Das ca. erste Drittel des Buches finde ich von der Atmosphäre her sehr ansprechend. Der Autor beherrscht es in diesem Part, mich einzuweben in die -unabhängig der Situation der Protagonisten-dichte warmweiche Atmosphäre von Leningrad, New York und Vereinigtem Königreich. Weil es bis hierhin durchweg stimmig und glaubhaft mitreißt.
Leider geht ebendiese Atmosphäre verloren und wird ersetzt durch eine gewisse Kühle und Härte-nicht von den Personen ausgehend- und der Sog ging etwas verloren. Ich denke, dies geschah ab dem Moment, da es fast überwiegend nur noch um Geld und Politik ging.
Die letzten ca. 200 Seiten ließen sich etwas zäher an, was aber dem bis dahin Gesamtfluss des Textes nicht weiter schädlich war.
Was mir aufgefallen ist, ist, das nahezu alle Probleme jedweder Art, denen Alex/Sascha begegnet, sich beinah von selbst lösen bzw. durch andere Hand- das erinnerte mich etwas an einen Lucinda Riley Roman, den ich unlängst las.
Da es sich hier um einen Roman handelt, der zwei mögliche Leben ein- und derselben Person ausgehend von demselben Punkt handelt, kommt es mitunter zu Ähnlichkeiten/Doppelung von einigen wenigen Sätzen.
Die Personen allesamt- ob Freund ob Feind sind sehr gut gezeichnet und harmonieren in ihrem Auftreten, heißt, ihr Agieren und Auftreten ist stimmig- jedem ist eine Rolle vom Autor zugeschrieben. Und obwohl die meisten doch recht sympathisch sind und nicht jeder Ecken/ Kanten hat, fehlt keinem von ihnen in der charakterlichen Darstellung etwas. Es ergänzt sich. Die Stimmigkeit ist da.
Was zu flüchtig und kurz gefasst daherkommt, ist das Familienleben- so erfährt man zwar, dass ein Kind geboren wurde, doch ist dieses beim nächsten in Erscheinung Treten bereits jugendlich.
Zum Ende hin wird es für mich etwas unglaubwürdig.
Dieser Roman ist recht vielschichtig und birgt von mehreren Sparten etwas. So gibt es Krimielemente, leicht rührselige Momente/ Gefühl, polithistorische Einschübe, Dramatik, Tragik und eben auch einen Hauch von Fantasy.

Die Darstellung von sowohl Kommunismus als auch Demokratie finde ich beide je ziemlich einseitig, vereinfacht und klischeehaft ausfallend. Doch da es sich um eine Roman und nicht um ein historisches Sachbuch handelt, könnte man darüber hinwegsehen.

Trotz dass der Roman sich sehr gut lesen lässt wäre es mir lieber gewesen, Jeffrey Archer hätte nur eine Möglichkeit gewählt oder aber zwei separate Bücher daraus gemacht. Denn so strömt eine Fülle von Personen, Geschehnissen und dergleichen auf den Leser ein, sodass es durchaus schwerfällt alles im Überblick zu behalten. Und sich jedes Mal sofort bei Erscheinen eines schon da gewesenen Namens sich zu erinnern, wer das war und welche Rolle ihm zuteil ist und wo er hingehört. So kommt es schon mal zu Irrungen und Wirrungen im Gedächtnis und völligen Verwechslungen beim Versuch zu erinnern.
Diese anfängliche mich einwebende Atmosphäre hätte ich mir über einen größeren Teil des Buches hinweg verspüren mögen.

Bewertung vom 17.09.2018
Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit
Douglas, Claire

Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit


weniger gut

Mich konnte das Buch nicht überzeugen. Zum Teil lag es daran, dass doch einige althergebrachte und schon oft verschiedentlich verwendete Elemente vorkamen, zum anderen ist es oftmals auch zu vorhersehbar, was geschehen wird. Manchmal wird auch zu viel und zu oft auf etwas herumgeritten bzw. immer wieder eine Anspielung zu jemandes Schicksal gemacht, doch wenn dann das dritte oder vierte mal eine solche Anspielung kommt, verliert sich die Spannung, was es denn nun damit auf sich hat und der Leser kann es sich dann bereits denken, sodass es kein Überraschungsmoment gibt, wenn er die Aufklärung erfährt.
Die Protagonistin Frankie ist mir von Beginn an unsympathisch. Sophie hingegen kommt sympathisch daher, bekommt allerdings wenig Raum im Buch, zu oft drängt sich Frankie dazwischen, was vermutlich von der Autorin auch so gedacht ist, doch da Frankie ein ich-bezogener Mensch ist, mag man an mancher Stelle einfach grade mal nicht von ihr lesen.
Das Ende wollte überraschen, vermochte es aber nicht. Zu viel schon der Andeutungen übers gesamte Buch, sodass es gewissermaßen vorhersehbar ist, da der Leser 1 und 1 zusammenzählen kann.
Der Schreibstil ist nicht hervorstechend, doch aber flüssig zu lesen. Es gibt verhältnismäßig wenig Dialoge, da es Tagebucheinträge der beiden Protagonistinnen sind. In diesen finden sich die von Frankie bzw. Sophie wiedergegebenen vereinzelten und kurzen Dialoge. Das Fehlen tasächlicher Dialoge machte es manchmal recht trocken zu lesen.
Für einen Thriller fehlt es mir an Spannung; so richtige Spannungselemente blieben aus.
Die Idee, die hinter dem Buch steckt, die wiederum finde ich durchaus gelungen.

Bewertung vom 17.09.2018
Handkantenschlag
Nors, Dorthe

Handkantenschlag


sehr gut

Betörend. Verstörend. Unterhaltsam. Abwechslungsreich. Vielseitig. Kurzweilig. Sprachlich einwandfrei. Einladend. Verschreckend. Anspruchsvoll.
Dieses Buch ist alles- nur nicht einseitig oder gar langweilig
Davon hätte ich gern mehr.
Absolut empfehlenswert.

Bewertung vom 29.08.2018
Feinde
Saygin, Susanne

Feinde


sehr gut

Ein Thriller, der sich sehr gut lesen lässt. Allerdings gilt es, zunächst durch das erste Kapitel zu kommen. Das liest sich etwas zäh. Eine der wenigen Schwachstellen des Buches. Die folgenden Kapitel lassen sich in einem Fluss lesen.
Was mir im Verlauf des gesamten Buches sehr gut gefallen hat, ist, dass die Autorin nicht ein einziges mal auf irgendetwas ewig herumreitet, um künstlich(e) Spannung zu erzeugen. Nein, sie schafft es auch so, echte Spannung hervorzulocken. Da erinnert sie ein klein wenig an Jussi Adler Olsen. Nur mit dem Unterschied, dass die von ihr ausgelöste Spannung leise und unterschwellig kribbelnd daherkommt da sie einen anderen Verlauf ihres Spannungsbogens gewählt hat.
Schreibstil und Ausdrucksweise sind gut gewählt und tragen zum Lesefluss bei. Dass sich Susanne Saygin nicht scheut auch unflätige Sprechweise zu verwenden, wenn es angebracht ist, nämlich aus den Mündern einiger ihrer dargestellten Milieucharaktere, macht diese glaubwürdig und haucht ihnen Leben ein.

Was die Protagonisten betrifft, da wiederum wirkt Simone, Cans Vorgesetzte, am glaubwürdigsten.
Überzogen, doch deshalb nicht unsympathisch, wirkt gelegentlich Isa. Sie hat mich mit ihren Möglichkeiten an mancher Stelle erinnert an Mari aus Pekka Hiltunens "Die Frau ohne Gesicht".
Allen Protagonisten gemein ist, dass sie Ecken und Kanten haben und nicht einfach nur dahergeschlendert kommen, sondern Charakter haben und ihren eigenen Weg unbeirrt gehen. So bleibt es auch nicht aus, dass es zu manchen überraschenden Wendungen oder Gesprächsinhalten kommt, wo etwas nicht Vorhersehbares geschieht oder gesagt wird, und dem Leser ein "wow, das hätte ich nicht gedacht" abluchst.

Durchweg hat sich die Autorin für eine gewisse Art Reinheitsgebot ihres Flechtwerkes entschieden. Es ist alles stimmig und greift ineinander. Es gibt nichts Überflüssiges und kein Faden hat ein loses Ende.

Dass die Autorin die Themen sehr gut recherchiert hat, ist zweifelsohne sichtbar, denn das Realitätsnahe des Buches ist durchaus als authentisch anzuerkennen.

Ein Thriller, der die Genrebezeichnung meiner Meinung nach zu recht trägt. Mich hat er angesprochen und mitgerissen.
Er hat wenige Schwachstellen, ist glaubwürdig, sehr gut zu lesen und würde mich weitere Bücher -in der oder ähnlicher Richtung- von Susanne Saygin lesen lassen.