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Benutzername: krissi6302
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Bewertungen

Bewertung vom 21.01.2020
Aus dem Leben eines Taugenichts
Eichendorff, Joseph Freiherr von

Aus dem Leben eines Taugenichts


gut

,,Nun, wenn ich ein Taugenichts bin, so ist es gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen (Z.14 S.5). Mit diesem Zitat lässt sich erahnen, dass Wanderlust ein prägendes Motiv des Reclam Buches ,, Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff ist. Mit der Sehnsucht nach der Ferne begibt sich der Taugenichts auf Wanderschaft und gelangt nach Wien, wo er seine Liebe des Lebens, welche unerreichbar für ihn ist, findet. Um diesen Schmerz zu vergessen, verlässt er Wien und zieht frohen Mutes nach Italien. Nach einigen Abenteuern und neuen Bekanntschaften muss er sich eingestehen, dass seine Sehnsucht zu der unerreichbaren Frau größer ist, als seine Wanderlust und begibt sich wieder nach Wien.
Der Taugenichts ist ein sehr lebensfroher, offener und emotionaler Charakter. Er ist ein Mensch, der sich nicht von dem typischen Leben eines Arbeiters binden lässt und somit bereit ist, sein Glück in der Liebe und in der Natur zu finden, anstatt in der Arbeit. Die Beschreibung der Natur innerhalb des Buches passt immer zu den Gefühlen, welche der Taugenichts gerade hat. Durch dieses Stilmittel schafft der Autor eine Bindung zwischen der Hauptperson und dem wichtigsten Leitmotiv des Buches. Generell findet man die typischen Symbole der Romantik in diesem Buch wieder. Eichendorff hat einen flüssigen und einfachen Schreibstil, welcher mir persönlich sehr gut gefallen hat. Da diese Novelle im Jahr 1826 geschrieben wurde, habe ich mit Verständnisproblemen gerechnet und war somit um so mehr begeistert, dass man den Inhalt ohne große Hindernisse verstehen konnte. Die häufige Beschreibung der Natur sehe ich als weiteren positiven Punkt an. Teilweise ist bei mir das berühmte Kopfkino entstanden, welches mir ermöglicht hat, mich in eine bestimmte Szene besser hineinzuversetzen zu können. Dieses Werk ist beispielhaft für die Spätromantik und somit wusste ich von Anfang an, dass er mit seiner großen Liebe am Ende zusammenkommen wird. Der Autor hat versucht mit verschiedenen Ereignissen das Zusammentreffen zwischen dem Taugenichts und Aurelie, seiner Liebe, hinauszuzögern. Allerdings hat dies bei mir keinen Spannungsbogen verursacht und ich war somit teilweise von den Nebencharakteren genervt. Wenn ich Herr Eichendorff gewesen wäre, hätte ich den Aufenthalt des Taugenichts in Wien verlängert und die Szene mit den Malern weggelassen. Diese Nebenhandlung hat von dem eigentlichen Inhalt des Buches abgelenkt. Die Liebe zwischen dem Taugenichts und der Aurelie wurde nicht so ausgeschmückt, wie ich es mir vorgestellt habe. Herr Eichendorff hätte ruhig noch mehr Herzschmerz und Leidenschaft miteinbauen können. Des Weiteren fand ich das Wiedersehnen von den beiden Hauptcharakteren etwas enttäuschend. Eine große Wiedersehensfreunde habe ich nicht gespürt und das ewige Zusammenbleiben wird auch nicht zu 100 Prozent garantiert. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir der Schreibstil sehr gut gefallen hat nur der Inhalt beziehungsweise die Liebesgeschichte war ein wenig enttäuschend. Wenn ich die berühmten Sternchen vergeben müsste, würde ich der Nouvelle 3 von 5 Sternen geben.
Ich persönlich würde das Buch an alle weiterempfehlen, die Szenen-, und Naturbeschreibungen innerhalb eines Buches mögen. Wer mehr Herzschmerz und Dramatik in einem klassischen Werk sucht, sollte ,, Die Leiden des jungen Werthers“(Sturm und Drang) von Goethe lesen. Beide Epochen haben die Liebe als Leitmotiv, welche aber einen unterschiedlichen Ausgang hat.

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