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Benutzername: Fornika
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Bewertungen

Insgesamt 194 Bewertungen
Bewertung vom 21.03.2019
Die Farben des Feuers
Lemaitre, Pierre

Die Farben des Feuers


gut

Madeleine Péricourt hat es nicht leicht Ende der 1920er: der Ehemann im Gefängnis, der Vater verstorben, der einzige Sohn Paul verkrüppelt. Doch statt sich in Trauer und Verzweiflung ergehen zu können, wird sie statt ihres Vaters an der Spitze der familieneigenen Bank stehen müssen. Sie verlässt sich auf Freunde und Mitarbeiter… und wird verlassen.

Ich habe ein bisschen gebraucht, um mit Lemaitres Roman warm zu werden. Das lag vor allem an dem Erzählstil, der etwas angestaubt und steif wirkt. Man gewöhnt sich daran, aber wirklich gut gefallen hat er mir nicht. Madeleine hat mir dagegen sehr gut gefallen, ihre Verwandlung vom Frauchen, das quasi keine Ahnung vom Leben und noch viel weniger von wichtigen Entscheidungen hat, hin zu einem cleveren, geduldigen Racheengel war wirklich lesenswert. Ihre „Gegenspieler“ sind etwas sehr auf ihre Rolle reduziert, sie und auch die weitere Handlung wirken dann doch ab und an konstruiert. Die Einbettung in das Zeitgeschehen gelingt dem Autor wirklich gut, bei verschiedensten Ereignissen neigt man dazu Näheres zu googlen und stellt fest, dass es sich um Fiktion handelt; oder eben umgekehrt. Die Atmosphäre stimmt also und so kann man richtig in die Zeit eintauchen. Ich mochte den Roman ganz gerne, habe mich aber bis zum Schluss etwas am Stil und auch an so mancher Wendung gestoßen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.03.2019
Das gefälschte Siegel
Ilisch, Maja

Das gefälschte Siegel


gut

Ich war vom Klappentext und auch dem Beginn der Story wirklich angetan, leider hat sich die Begeisterung im Verlauf der Geschichte etwas abgekühlt. Die Grundidee rund um die Schriftrolle fand ich echt gelungen, aber die Handlung zieht sich zwischenzeitlich dann leider doch etwas. Zudem neigt die Story etwas zu Wiederholungen, seit es inhaltlich oder in der Ausdrucksweise; manche Begriffe gingen mir aufgrund ihrer Häufung regelrecht auf die Nerven. Ansonsten fand ich den Erzählstil aber recht angenehm, nicht immer wird der Ton getroffen, doch unterm Strich liest sich das Buch sehr flüssig. Mit den Figuren war ich nur teilweise glücklich, richtig gelungen finde ich nur Kevron (der Kev genannt wird, was in Zeiten des Kevinismus eine mehr als unglückliche Namenswahl ist – zumindest für meinen Geschmack). Kevron also, den versoffenen und todunglücklichen, trotzdem aber genialen Fälscher mochte ich wirklich gerne. Er wirkt sehr echt, man kann sein Handeln immer nachvollziehen und das macht ihn mir mehr als sympathisch. Auch Lorcan finde ich sympathisch, er bleibt aber einfach noch zu blass als dass man sich wirklich eine Meinung bilden kann. Blass ist auch die einzige Frau im Bunde, man kann nur hoffen, dass Enidin in den nächsten Bänden etwas mehr Fleisch auf die literarischen Rippen bekommt. Tymur ist eine undurchsichtige Nervensäge, auch wenn er dafür seine Gründe hat. Wegen mir darf er gerne demnächst den Heldentod sterben, und das Heldenzepter an Kevron weitergeben. Insgesamt fand ich diesen Trilogieauftakt doch eher durchwachsen, zwar interessiert mich schon das ein oder andere, so richtig gepackt hat mich die Story aber nicht.

Bewertung vom 13.03.2019
Schatten der Toten / Judith Kepler Bd.3
Herrmann, Elisabeth

Schatten der Toten / Judith Kepler Bd.3


gut

Judith Kepler könnte ein einfaches Leben haben, wäre ihr Vater nicht Bastide Larcan; einst Doppelagent der BRD & DDR, jetzt völlig abgetaucht in halbseidene Geschäfte und handfeste Verbrechen. Eigentlich haben die beiden keinen Kontakt, und doch holt Judith jetzt die Verbindung zu ihm ein.
„Die Schatten der Toten“ ist der Abschlussband der Trilogie rund um die Tatortreinigerin Judith Kepler. Ich kenne die vorherigen Bände nicht, da scheint mir dann doch das eine oder andere zum großen Verständnis gefehlt zu haben. Was mich aber mit oder ohne Vorwissen wirklich gestört hat ist, dass zwar groß mit Keplers Beruf „geworben“ wird, es aber quasi null Einblick in die Welt eines Tatortreinigers gibt. Vielleicht naiv, das zu erwarten, aber im Endeffekt hätte Judith auch eine 08/15-Putzfrau sein können, das hätte an der Handlung nichts geändert. Die entwickelt sich mehr und mehr zu einem Verwirrspiel rund um Spione, Spionage, Doppelagenten, Verrat und… erwähnte ich schon kaltgestellte Spione? Ich hatte ziemlich schnell den Spionageoverload, und nach mehreren hundert Seiten auch zunehmend den Überblick verloren. Vielleicht habe ich nicht gut genug mitgedacht, vielleicht hätte die Handlung auch etwas weniger labyrinthartig konzipiert sein können, ich war auf jeden Fall nicht so recht überzeugt. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr zugesagt, sie hat ein Auge für Details und legt ihren Figuren immer das richtige Wort in den Mund. Trotzdem war „Die Schatten der Toten“ für mich einfach nicht das richtige Buch.

Bewertung vom 03.03.2019
Das Echo der Wahrheit
Chirovici, Eugene

Das Echo der Wahrheit


gut

Seit Jahrzehnten wird der vermögende Joshua Fleischer von einem Dämon getrieben. Mitte der Siebziger war er mit einem Freund in Paris, lernte dort die attraktive Simone kennen. Doch eine Nacht in einem Hotel sollte diese nicht überleben. Oder doch? Auf dem Sterbebett sucht Joshua mithilfe von Psychiater James Cobb nach der Wahrheit.

Ich hatte mir von der Geschichte ein geschicktes Spiel mit Wahrheit, Einbildung und falscher Erinnerung erhofft, ein Puzzlespiel, das den Leser lange zum Narren hält. In Ansätzen war das alles da, insgesamt blieb es aber weit hinter meinen Erwartungen zurück. Der Autor hat es einfach nicht geschafft, die Suche nach der Wahrheit so zu gestalten, dass man sich als Leser bei der dritten Version von was-geschah-wie nicht doch ein bisschen langweilt. Gefühle wie etwa Verzweiflung über die eigene Unwissenheit sucht man bei den Protagonisten weitgehend vergebens; zumindest können sie vom Autor nicht recht transportiert werden. Trotz der Ich-Perspektive bleiben die Hauptfiguren fremd, der Erzählstil ist recht distanziert und kalt. Die Handlung ist hauptsächlich durch Gespräche von Therapeut Cobb mit verschiedenen Figuren geprägt, sonst passiert nicht sonderlich viel. Ich habe das Buch schon mit einem gewissen Interesse gelesen, fesseln und wirklich überzeugen konnte es mich nicht.

Bewertung vom 03.03.2019
Worauf wir hoffen
Mirza, Fatima Farheen

Worauf wir hoffen


sehr gut

Amar ist der jüngste Sprössling und einzige Sohn einer gläubigen schiitischen Familie. Seine Eltern sind einst aus Haiderabad nach Kalifornien ausgewandert, haben jedoch viele ihrer Traditionen mitgebracht und so ist das Familienleben kein typisch amerikanisches. Während Amar relativ viele Freiheiten genießt, sind seine Schwestern Haida und Huda zu guten, gehorsamen Mädchen erzogen worden. Doch Amar kommt immer weniger mit der religiösen Strenge klar, rebelliert auf seine Weise.

Die Autorin gewährt uns mit ihrem Roman tiefe Einblicke in das Familienleben dieser Parallelgesellschaft. Zwar geht der Vater Rafik einer Arbeit nach, die Mutter Laila bleibt wie viele andere zu Hause um für die Familie zu sorgen. Gleichzeitig aber dürfen die Kinder ihre Freunde nur in der Schule sehen, der Hijab wird den Mädchen zwar nicht direkt aufgezwungen, gleichzeitig wird ihnen aber vermittelt, welch große Enttäuschung es für die Eltern wäre, trügen sie ihn nicht. Religion und Tradition wird in dieser Familie groß geschrieben, allerdings vergessen diese dabei, dass nicht jede Regel unbedingt Gutes für die eigene Familie bedeuten muss. Es war wirklich traurig mit anzusehen, wie Eltern, die ihre Kinder wirklich lieben, so völlig an deren Bedürfnissen und Neigungen vorbeierziehen können. Die „braven“ Töchter erfahren nur sehr selten spürbare Zuneigung, gleichzeitig aber sehr wohl Strenge und Härte. Der goldene Sohn kennt kaum Regeln, Fehlverhalten wird gerne mal schöngeredet. Klingt jetzt alles erst einmal recht einfach gestrickt und klischeebehaftet, ist aber so viel mehr. Die Autorin arbeitet noch die kleinsten Nuancen der familiären Beziehung heraus, lässt den Leser auch auf den letzten Seiten noch neue versteckte Charakterzüge entdecken. Das und die verschachtelte, auf mehreren Zeitebenen angelegte Erzählstruktur machen für mich den großen Reiz dieses Debütromans aus. Sicherlich lässt sich die Geschichte nicht einfach so weglesen, gerade der nichtlineare Aufbau braucht schon etwas Aufmerksamkeit. Auch braucht die Handlung etwas Anlaufzeit, doch die positiven Aspekte machen das wieder wett. Insgesamt mochte ich „Worauf wir hoffen“ sehr, eine Autorin, die man sich merken sollte.

Bewertung vom 03.03.2019
Die Mauer
Lanchester, John

Die Mauer


gut

Joseph muss wie alle erwachsenen Briten zwei Jahre auf der Mauer dienen, die Großbritannien vor der Außenwelt, den Anderen schützt. Viel gibt es hier nicht. Beton, aus dem die Mauer gefertigt ist. Himmel, der am Horizont irgendwann in Wasser übergeht. Und der unbarmherzige Wind, der jede 12stündige Schicht zur Hölle macht. Doch es gibt auch Lichtblicke: den Tee, den die Köchin Mary vorbeibringt. Die Kameradschaft zwischen den einzelnen Verteidigern. Und die Zeit, die langsam aber sicher verstreicht, bis endlich, endlich die Zeit nach der Mauer gekommen ist.

John Lanchesters Dystopie spielt in der nahen Zukunft; der Klimawandel ist endgültig da, der Meeresspiegel gestiegen, viele Landstriche deswegen oder auch wegen ungewöhnlicher Dürre nicht mehr bewohnbar. Diese Informationen fließen nur am Rande ein, der Autor muss nichts erklären, die Fakten sind jedem Erwachsenen heutzutage bewusst. Und das macht seinen Roman auch so erschreckend, denn ganz unrealistisch erscheint sein Szenario nicht. Das arbeitet am Leser, der eigentliche Fortgang der Handlung nicht so sehr, denn wirklich viel passiert nicht. Man kann sich mit Joseph gut identifizieren, er wirkt etwas haltlos im Leben und so schrecklich der Dienst auf der Mauer ist, so gibt er ihm auch eine Stütze. Die anderen Figuren bleiben blass, nur wenige können überraschen, mit keinem der Nebenfiguren wurde ich richtig warm. Sprachlich bleibt immer eine Distanz zwischen Leser und Geschehen, das zwar als „Roman der Stunde“ betitelt wird, aber doch hinter meinen Erwartungen zurückbleibt. Den nahen Brexit und die Flüchtlingsströme vor Augen, kann man natürlich einen Bezug zur Gegenwart erkennen, trotzdem bleibt Lanchesters Roman nicht aktueller oder bedrückender als andere Dystopien. Die mir dann unterm Strich doch besser gefallen haben.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.03.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


sehr gut

Aus der stinkenden Kloake Stockholms wird das gezogen, was einmal ein Mensch gewesen ist. Grausam zugerichtet, verstümmelt, zum Krüppel gemacht und letztendlich einfach entsorgt. Der Häscher Mikkel, selbst als Krüppel aus dem Krieg heimgekehrt, soll zusammen mit dem tödlich erkrankten Cecil die Herkunft der Leiche klären. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn den beiden läuft die Zeit davon.

Niklas Natt och Dag reißt den Leser von seiner gemütlichen Couch direkt mit ins Stockholm von 1793. Düster, dreckig, hässlich und unmenschlich geht es zu, das spürt man sofort. Man hat direkt lebendige Bilder vor Augen, riecht den Gestank, hört wie sich die Armen die Seele aus dem Leib husten; der Autor beschönigt nichts. Ein authentisches Bild jener Zeit zu schaffen, das gelingt dem Autor also scheinbar mühelos, obwohl sicherlich massig Recherchearbeit in der Geschichte steckt. Der historische Anteil dieses Buches hat mich somit schon mal vollständig überzeugt. Auch die beiden Hauptfiguren sind sehr gut gelungen, jeder hat so seine Eigenheiten und Geheimnisse, beide sind clever und wirklich daran interessiert dem Mordopfer Gerechtigkeit widerfahren zu lassen (wie einem schnell klar wird, keine Selbstverständlichkeit in jenen Zeiten). Mir kam der kriminalistische Anteil dann doch etwas zu kurz, ich hätte Mikkel und Cecil gerne in Höchstform erlebt; die Ermittlungen laufen oft gefühlt nur mit halber Kraft, dem Spannungsbogen wird zwischenzeitlich so ein Dämpfer verpasst. Schade, denn die Story hätte das Zeug zu einem grandiosen historischen Krimi gehabt, der mich zwar so auch schon sehr gut unterhalten, aber eben nicht völlig mitgerissen hat.

Bewertung vom 02.03.2019
Der Mann, der Sherlock Holmes tötete
Moore, Graham

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete


sehr gut

Harold hat es geschafft: als begeisterter Fan, Leser und Verfasser mehrerer Artikel über Sherlock Holmes, als glühender Anhänger von Sir Arthur Conan Doyle ist er endlich, endlich Mitglied des weltweit elitärsten – naja – Fanclubs selbigen geworden. Die Sherlockianer heißen ihn in ihrer Mitte willkommen, sogar deren führendes Mitglied Alex Cale lernt Harold persönlich kennen. Kurz bevor der das lange verschollene Tagebuch von Conan Doyle enthüllen will; und noch kürzer bevor er ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird.
Ein Jahrhundert zuvor hat Conan Doyle seinen berühmten Detektiv gerade den Reichenbachfall hinuntergeschickt, endlich hat er sich dieser ihm so ungeliebten Figur entledigt. Doch die Menschheit kann anscheinend nicht ohne, und so wird er immer wieder auf ihn angesprochen. Statt Holmes wieder auf Spurensuche zu schicken, findet sich Conan Doyle plötzlich selbst als Detektiv wieder, auf der Suche nach dem Mörder einer jungen Braut.

Graham Moore hat mich mit „Die letzten Tage der Nacht“ mehr als überzeugt, und so war ich sehr auf seinen neuen (weil jetzt erst übersetzten) – alten (weil vor den letzten Tagen der Nacht geschriebenen) Roman gespannt. Sherlock Holmes und das viktorianische London finde ich als literarische Aufhänger auch immer sehr spannend, es durfte bei der Lektüre eigentlich nichts schief gehen; ein bisschen tat es das dann aber doch, und das lag ausnahmslos am Harold-Erzählstrang. Dieser konnte mich einfach nicht recht überzeugen. Harold als Hauptfigur wirkt etwas verschroben, er geht völlig in seiner Leidenschaft für Holmes auf. So weit so gut, doch er macht im Laufe der Handlung eine Entwicklung durch, die einfach sehr unrealistisch anmutete. Die ganze Suche nach Cales Mörder gerät immer mehr zur Schnitzeljagd auf einem Kindergeburtstag, war zwar amüsant zu lesen, aber nicht wirklich ein fesselnder Krimi. Der Erzählstrang rund um Doyle und Stoker hat mir dagegen unglaublich gut gefallen: die Atmosphäre stimmte, der Zeitgeist auch; kleine Querverweise zum aktuellen Geschehen wie dem Leben von Oscar Wilde, der Suffragettenbewegung u.ä. sorgen dafür, dass der Leser so richtig in den 1890ern ankommt. Die kriminalistischen Versuche der beiden waren glaubwürdig, spannend und stimmig. Dieser Teil hätte etwas ausgeschmückt einen 5-Sterne-Krimi abgegeben, in Kombination mit der Jetzt-Zeit fehlte mir dann doch etwas.

Bewertung vom 02.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


gut

Angst geht um in Schweden. Die einen fürchten sich, dass durch die vielen Einwanderer das „echte“ Schweden ausstirbt, fürchten Islamisierung, Massenvergewaltigungen und Terror. Die anderen fürchten sich vor der immer größer werdenden Gefahr von rechts. Und wieder andere geraten als Mitglied der „Lügenpresse“ mitten in deren Visier…

Autor Pascal Engman hat selbst einiges von dem erlebt, wovon er in diesem Thriller erzählt. Als Journalist war er selbst massiven Drohungen aus dem rechten Milieu ausgesetzt; das merkt man seiner Geschichte an, die gerade in entsprechenden Szenen unglaublich realistisch wirkt und wohl leider auch ist. Leider kann er diese Authentizität nicht komplett durchhalten, einiges wirkt doch sehr konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Seine Tätersicht ist ebenfalls nicht immer realistisch, auch wenn er den Ton sicherlich gut getroffen hat. Ich fand das quasi völlige Fehlen von ernsthaften Polizeiermittlungen sehr störend, man sollte doch annehmen, dass bei mehreren Morden in Serie zumindest irgendwelche Maßnahmen ergriffen werden. So bleibt zwar während der Story klar, dass der Autor ein Zeichen gegen rechts und für klares Denken setzen, sowie auf die Gefahren der Anonymität im Internet hinweisen will, allerdings wirkt eben die darum gestrickte Geschichte… naja gestrickt eben. Den Erzählstil fand ich oft etwas plump, wie sehr das an der Übersetzung liegt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Insgesamt ein Thriller, der mich nicht recht überzeugen konnte, auch wenn er ein sehr aktuelles und wichtiges Thema behandelt.

Bewertung vom 31.01.2019
Schund und Sühne
Basener, Anna

Schund und Sühne


ausgezeichnet

Anna Baseners Roman hat mich schon mit seinem Klappentext überrascht und sehr neugierig gemacht. Die Welt des Adels und erst Recht der Groschenromane, romantischer Wegelchen in Rosengärten und der frühmorgendlichen Pirsch im eigenen Jagdgebiet, all das ist mir eigentlich fremd und irgendwie abseits meines üblichen Leseschemas. Warum sollte man Schund und Sühne trotzdem lesen? Weil es witzig ist. Ich habe selten so oft beim Lesen gelacht, geschmunzelt und gekichert. Originelle Szenen, kleine verschmitzte Seitenhiebe und der lockere, oft süffisant bis sarkastische Erzählstil haben mich wirklich begeistert. Die Dialoge sind schlagfertig, lassen sich aber auch bei ernsten Themen gut lesen. Die Figuren sind einerseits überspitzt gezeichnet, andererseits aber auch realistisch. Sie überraschen, und bewegen sich abseits der üblichen 08/15-Charaktere. Die Autorin spielt gekonnt mit Klischees, zeigt auf, wo sie wirklich zutreffen, und widerlegt sie an anderer Stelle. Der Alltag auf Schloss Rosenbrunn ist einerseits so alltäglich wie der von Otto Normalverbraucher, hat aber auch so seine Eigenheiten. Es hat Spaß gemacht die zu entdecken. Man hat lange Zeit sich in Rosenbrunn einzuleben, langweilig wird es nie. Selbstredend ist dann auch der Showdown so überraschend, wie die vielen kleinen Wendungen zuvor. Ich hatte mächtig Spaß mit Schund und Sühne, und kann den Roman nur jedem empfehlen, der Lust auf eine skurrile Geschichte der etwas anderen Art hat.