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Romanika_1

Bewertungen

Insgesamt 3 Bewertungen
Bewertung vom 16.06.2025
Brandis, Katja

Windwalkers (1). Verborgene Flügel


sehr gut

Die Gestaltwandlerin Sierra – ein schwarzer Wolf in zweiter Gestalt – hat es nicht leicht an ihrer kalifornischen Menschenschule. Umso begeisterter ist sie von dem Vorschlag ihres Vaters, eine eigene Wandlerschule zu eröffnen: die Redcliff-High. Sie freut sich darauf, Wandlerfreunde kennenzulernen und jene Dinge beigebracht zu bekommen, die sie für ihren Wandleralltag wirklich gebrauchen kann. Doch wie sich herausstellt, ist nicht alles so rosig, wie Sierra sich das erträumt hat. Die anderen Wolfswandler, mit denen sie ein Rudel bildet, degradieren sie ausgerechnet auf den Omega-Rang, den niedrigsten Rang im Rudel. Es gibt Schwierigkeiten, gute Lehrer zu finden, und zu allem Überfluss formieren sich die Windwalker, die fliegenden Gestaltwandler, zu einer gesonderten Gruppe, die sich von den anderen Schülern abspaltet. Zusätzlich hat Sierra mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Sie findet heraus, dass sie über eine zweite Tiergestalt verfügt. Als dann auch noch in der Umgebung von mysteriösen Leuten Knochen ausgegraben werden, Sierra mit ihren neuen Freunden einen schrecklichen Fund macht und kurz darauf sogar der einflussreiche Rat der Wandler eingeschaltet wird, da einige furchtbare Ereignisse überhandzunehmen drohen, geht erst recht alles drunter und drüber …
„Windwalkers – Verborgene Flügel“ ist der erste Band der sechsteiligen „Windwalker“-Staffel. Vorläufer sind die Beststeller-Reihen „Woodwalkers“ und „Seawalkers“.
Das Buch ist wirklich wunderschön – nicht nur vom Cover, den Innenklappen und den lebendig wirkenden Illustrationen her –, und nicht nur für Kinder.Gleich zu Beginn kann ich behaupten, dass „Verborgene Flügel“ ein gelungener Auftakt ist. Das Buch ist sehr spannend und brilliert mit unvorhergesehenen Wendungen, über die im Vorhinein immer wieder spannungsgeladene Andeutungen fallen. Selbst die Passagen, die weniger spannend sind, weisen auf alle Fälle einen hohen Unterhaltungswert auf. Es macht unglaublich viel Spaß, zu verfolgen, wie die Redcliff-High entsteht – wie sie von einer bloßen Idee zu einem großen Projekt wird, bei dem alle mitanpacken müssen, um es gelingen zu lassen.
Die bestehende Atmosphäre knüpft an die der anderen Wandler-Bücher an, ist zeitgleich aber ein wenig verschieden und gibt der Geschichte einen ganz neuen Geschmack. Nicht nur die Handlung trägt zu der Atmosphäre bei, auch der einmalig schöne Schauplatz. Von felsigem Terrain, über Schluchten, staubige Straßen und Wälder bis hin zu Sandstränden ist alles dabei. Auch über die vielen Erlebnisse, die die Charaktere durchmachen, habe ich mich gefreut. Es geht nicht ausschließlich um den Schulalltag oder um die gewagten Pläne, die die Figuren schmieden, auch begleitet man sie bei vermeintlich alltäglichen Geschehnissen wie dem Feiern einer Halloween-Party, beim Lernen, Streiten und Freundschaften schließen. Fast hat man das Gefühl, selbst an der Redcliff-High und mittendrin im Geschehen zu sein.
Über Sierra kann ich nur sagen, dass sie sehr sympathisch ist, nahbar und authentisch. Sie ist wie eine beste Freundin, deren Entwicklung man mit höchstem Interesse verfolgt.
Die Nebenfiguren sind in hoher Zahl vorhanden und anfangs befürchtete ich, ein bisschen durcheinanderzukommen mit den vielen Namen und Gesichtern, aber das war glücklicherweise nicht der Fall – nicht nur aufgrund der Charakterliste am Ende des Buches. Vor allen Dingen deshalb, weil sie alle über Alleinstellungsmerkmale verfügen, die sie vollkommen individuell und größtenteils sympathisch machen. Das Gesamtbild der Klasse ist auf jeden Fall sehr rund, da alle Rollen, die es braucht, um diesen authentischen Gesamteindruck zu schaffen, ausgefüllt sind. Sehr geliebt habe ich auch die Beziehungen zwischen den Figuren. Selbstverständlich darf auch eine kleine Prise Verliebtheit nicht fehlen.
Darüber hinaus finden Begegnung mit alten Bekannten aus den Wood- und Seawalkers-Staffeln statt, was der neuen Umgebung direkt zu heimeliger Vertrautheit verhilft.
„Windwalkers – Verborgene Flügel“ hat alles, was es für eine schöne, runde Lektüre braucht, die dem Leser ein Lächeln ins Gesicht zaubert: wundervolle Schauplätze, tolle Charaktere, die man umgehend ins Herz schließen muss, Spannung und unerwartete Wendungen. Hinzu kommen lehrreiche Bemerkungen über in Kalifornien beheimatete Tierarten sowie wichtige Anregungen, wie man Tiere schützt und sorgsam mit der Natur umgeht. Das alles ist in einem herrlich leichten, flüssigen Schreibstil verfasst, der einen immer sofort in das Buch hineinfinden lässt. Generell braucht es nicht die geringste Anlaufzeit, um mit den Windwalkers warm zu werden – es geschieht ganz automatisch, dass man sich mit ihnen anfreundet und sehnsüchtig den nächsten Band herbeifiebert. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, und zwar nicht nur Wood- und Seawalkers-Fans. Es steckt viel Wärme und spürbares Herzblut zwischen den Zeilen.

Bewertung vom 22.04.2025
Brandis, Katja

Die Ewigen von Calliste (eBook, ePUB)


sehr gut

Ileana lebt auf einer besonderen Insel: auf Calliste, die neben Menschen von versteinerten Kreaturen bevölkert wird. Von Magie angehaucht, erwachen diese Wesen alle siebzehn Jahre für zwei Tage zum Leben. Da Ileana während des vergangenen Erwachens geboren wurde, ist sie nun besonders gespannt darauf, die Versteinerten kennenzulernen, die sie als Neugeborenes erlebten. Das gegenwärtige Erwachsen entwickelt sich jedoch ganz anders, als Ila sich das vorgestellt hat. Gemeinsam mit ihren Freunden schlittert sie von einer gefährlichen Situation in die nächste. Und damit nicht genug. Noch immer hängt Ileana an Rheo, einem Jungen, den sie bereits im Kindesalter liebte. Hinzu kommt nun der Tourist Taron, zu dem sie ebenfalls eine Verbindung verspürt und der ein verheerendes Geheimnis zu hüten scheint. Auch ihre Eltern verheimlichen ihr etwas – etwas, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen wird. Neben atemloser Gefahr, aufklärenden Gesprächen und zu lüftenden Geheimnissen, führt Ila ihre ganz eigene Mission: herauszufinden, weshalb die Ewigen überhaupt versteinern.
„Die Ewigen von Calliste“ ist ein Fantasy-Roman mit eindrucksvoller Atmosphäre. Sobald der Leser das Buch aufschlägt, taucht er ein in das “Inselfeeling“ von Calliste, das geprägt ist von sandigen Pinienwäldern, prächtigen Steinformationen, düsteren Höhlen und überirdisch blauem Meereswasser. Das Lesen gleicht einer Urlaubsreise auf unbekanntem, aber höchst magischem und imponierendem Terrain.
Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen. Es ist immer etwas los, nie wird einem langweilig. Die Spannung geht gleich von mehreren Komponenten aus – von der Handlung an sich, vom Schauplatz und von den Figuren. Es gibt mehrere Geheimnisse, die zu Anfang im Hintergrund schwelen und sich schließlich zunehmend nach vorne drängen; die Neugierde des Lesers wecken. Die Geheimnisse sind größtenteils undurchschaubar und dadurch umso erstaunlicher, sobald sie gelüftet werden.
Wer sich zwischenrein Atempausen wünscht, wird diese allerdings nicht bekommen. Da das Erwachen der Versteinerten lediglich zwei Tage andauert, ist die Handlung größtenteils in ebendiesen Zeitraum “gequetscht“. Es geht von einer abenteuerlichen Situation zur nächsten, dazwischen bleibt keine Gelegenheit zu Verschnaufen oder um die bereits gelüfteten Geheimnisse zu verdauen.
Eines ist sicher: Wer das Buch aufschlägt, bleibt bis zur letzten Seite darin gefangen.
Die Figurenwelt ist facettenreich und trägt zu der einzigartigen Stimmung bei. Die Protagonistin Ileana ist dem Leser hochsympathisch, da sie sehr authentisch ist und man sich perfekt in sie hineinversetzen kann. Sie ist keine klischeehafte Romanheldin, die restlos von sich überzeugt ist, und gerade das macht ihren Mut und ihre Entschlossenheit dermaßen beeindruckend und fesselnd.
Es kommen sehr viele Nebenfiguren vor, die allesamt höchst unterschiedliche Charaktere und Herkunftsländer mitbringen, was die Truppe bunt und anschaulich macht. Es fallen sehr viele fantasiereiche Namen, aber zum Glück kann man diese schnell den Gesichtern zuordnen und kommt nicht durcheinander.
An dieser Stelle haben auch die Versteinerten auf jeden Fall eine Erwähnung verdient. Man könnte annehmen, sie alle seien eintönige Steinfiguren, aber das Gegenteil ist der Fall. Sobald sie erwacht sind, sind sie Lebewesen mit Bedürfnissen und Seelen, die unterschiedlichen nicht sein könnten. Ihre Eigenschaften reichen von hilfsbereit über zurückgezogen bis hin zu neugierig und missfällig. Die Versteinerten bei ihrem Erwachensprozess zu verfolgen, ist unglaublich unterhaltsam.
Auch die Dreiecksbeziehung, die zwischen Ila, Rheo und Taron herrscht, unterstützt das abwechslungsreiche Gesamtpaket des Romans. Ich persönlich wusste bis zum Ende hin nicht, für welchen der beiden sie sich entscheidet. Um ehrlich zu sein, habe ich auch keine heimliche Hoffnung gehegt, sie möge einen bevorzugen, da ich sowohl Rheo als auch Taron sehr sympathisch und durch ihre vielen Facetten und Geheimnisse anziehend fand.
Was das Lesen von „Die Ewigen von Calliste“ ebenfalls vielfältig gestaltet, sind die Perspektivwechsel. Auf diese Weise erhält man unterschiedliche Blickwinkel auf das Geschehen.
„Die Ewigen von Calliste“ ist ein magischer Fantasy-Roman mit naturnahen, angenehmen Figuren, einer atemberaubenden Kulisse, ganz viel Spannung, tollen Geheimnissen und einer außerordentlich besonderen Atmosphäre. Den Roman kann ich jedem empfehlen, der sein Herz an das Fantasy-Genre gehängt hat, gleichzeitig jedoch etwas anderes als die üblichen Klischees zu lesen bekommen möchte. Wer eine große Portion Spannung auf einen Schwung verträgt, der wird sich an dem Buch auf jeden Fall erfreuen.
Liebesbuch-Fans werden womöglich nicht gänzlich befriedigt, da die Liebesgeschichte eher in einem Nebenstrang der Handlung abläuft und nicht im Vordergrund steht.
Unabhängig davon werden sowohl jüngere als auch ältere Leser mit dem Roman glücklich sein.