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duenefi
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Bünde

Bewertungen

Insgesamt 80 Bewertungen
Bewertung vom 19.02.2024
Die Burg
Poznanski, Ursula

Die Burg


sehr gut

Fesselnd, beklemmend und ungeheuer atmosphärisch!

"Die Burg" von Ursula Poznanski ist als Hardcover mit 400 Seiten bei Droemer Knaur erschienen. Es handelt sich um einen brisanten, hochaktuellen Thriller zum Thema KI.

Der Milliadär Nevio hat eine mitteralterliche Burg in eine Escape-Welt mit allen Schikanen ausbauen lassen und lädt ein Experten-Team ein, seine Kreation vor der offiziellen Eröffnung auf Herz und Nieren zu prüfen und ausgiebig zu testen. Faszinierend, dass die KI die Räume nach den Vorstellungen und Bedürfnissen der User individuell erschafft! Tückisch nur, wenn nach dem Lösen der Rätsel sich die Türen nicht öffnen, sondern die Künstliche Intelligenz das Heft in die Hand nimmt...

Das Setting ist einfach grandios und die Fähigkeiten der KI scheinen nahezu endlos - klasse gemacht, zumal hier nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten, sondern insbesondere die Gefahren besonders gut zutage treten. Die Kombination aus mitterlalterlichen Gemäuern gepaart mit hochmoderner Technik find ich extrem reizvoll, und die ebenfalls vorhandenen Fantasyelemente haben das atmosphärische Feeling positiv unterstützt.

Der Spannungsbogen ist hoch, es knistert permanent und man spürt förmlich selbst, wie sich die Wände der Räume nach und nach stetig um einen zusammenziehen und die Luft zum Atmen immer weniger wird.

Was mir leider nicht besonders gefallen hat, sind die Charaktere - sie sind recht klischeehaft und bleiben allesamt etwas flach, da wäre definitiv deutlich mehr drin gewesen - darum von mir einen Stern Abzug!

Ein absolut fesselnder Thriller mit hochaktueller Thematik vor grandiosem Setting, sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 03.01.2024
Der Spurenfinder
Kling, Marc-Uwe;Kling, Johanna;Kling, Luise

Der Spurenfinder


ausgezeichnet

Spannender, magischer und erfrischender Genre-Mix für (fast) jedes Alter!

"Der Spurenfinder" von Marc-Uwe, Johanna & Luise Kling ist als Hardcover mit 336 Seiten bei Ullstein erschienen.
Das Cover ist optisch und haptisch klasse und die Ausstattung des Buches durch das Lesebändchen (ich liebe Lesebändchen!) und vor allem durch die großartigen Illustrationen von Bernd Kissler ausgesprochen hochwertig.

In den Buchdeckeln befindet sich eine Übersichtskarte der Verlorenen Provinzen, so dass man den Wegen Elos von Bergens und seiner Kinder bestens folgen kann.

Der einstige Spurenfinder Elos von Bergen hat sich zum Schutz seiner 12-jährigen Zwillinge zur Ruhe gesetzt und ist mit ihnen ins beschauliche (oder langweilige?!) Friedhofen gezogen, wo er derweil den 20. Band seiner Memoiren verfasst. Die Geschwister Ada und Naru langweilen sich fürchterlich, bis endlich etwas Aufregendes passiert - es geschieht ein brutaler Mord und es gibt einen Vermisstenfall - Grund genug, die Instinkte des Spurenfinders erneut zu aktivieren, und auch seine Kinder lassen sich nicht davon abhalten, sich auf Tätersuche zu begeben...!

Man merkt ganz genau, dass dieser Roman, der Elemente und Figuren der unterschiedlichsten Genres auf neuartige Weise kombiniert, sowohl von Marc-Uwe Kling als auch von seinen (Überraschung: 12-jährigen Zwillings-) Töchtern geschrieben wurde.
Dadurch ist der Inhalt erfrischend anders und wirklich für alle Altersklassen geeignet, denn die Sicht der Dinge und in Folge auch die Dialoge und Handlungsweisen erfolgen aus verschiedenen Perspektiven. Das verleiht dem Buch eine unglaubliche Authentizität und es macht riesigen Spaß, "Der Spurensucher" zu lesen.

Die entstehende Atmosphäre ist einzigartig und kombiniert Fantasy, historischen Roman, Krimi und Magie zu einem sehr gelungenen,besonderen Märchen, in dem der Leserschaft mystische Wesen, Kobolde, Monster und vielerlei mehr Gestalten begegnen, die durch die tollen Illustrationen im Buch aufs Feinste hervorgehoben werden.

Die Charaktere sind liebevoll, sehr facettenreich und detailliert angelegt, wobei mir besonders die wißbegierigen Zwillinge gefallen haben, von denen Ada eher etwas nerdig und meist wohlüberlegt herüberkommt, während ihr Bruder Naru mutig, dafür eher impulsiv handelt - ziemlich Mädchen- bzw. Jungstypisch eben...

Die Ereignisse sind abwechslungsreich und voller Abenteuer, der Schreibstil einfallsreich, magisch und durchgängig spannend und der komplette Plot ist einfach unglaublich lesenswert - ich bin definitiv begeistert!
Wenn ihr neugierig geworden seid und genau wissen wollt, um was es geht, lest das Buch doch einfach selbst - und wer nicht so gern liest, es gibt den Spurenfinder auch als Hörbuchversion :o) !

Bewertung vom 18.12.2023
Der Spion und der Verräter
Macintyre, Ben

Der Spion und der Verräter


ausgezeichnet

Faszinierend, spannend und vor allem authentisch!

In "Der Spion und der Verräter" erzählt Ben Macintyre die Geschichte des sowjetischen Geheimagenten Oleg Gordijewski - eine wahre Geschichte, die sich wie ein Spionagekrimi liest!

Das heimliche Doppelagentenleben und die unterschiedlichen Methoden des sowjetischen, britischen und amerikanischen Geheimdienstes haben mich total fasziniert, denn ich bin in diesem Metier überhaupt nicht firm und so konnte mich Vieles überraschen und verblüffen.

Die politischen Auswirkungen bzw. die Einflüsse auf mögliche Geschehnisse sind natürlich enorm und als Otto Normalverbraucher ist man sich der möglicherweise durch Spionage abgewendeten oder veränderten politischen Ereignisse sicherlich meist so gar nicht bewusst.
Das machte für mich das Ganze wirklich spannend und obwohl es sich bei der Lektüre um ein Sachbuch handelt, ist es so facettenreich und bildhaft geschrieben, dass es die Leserschaft in dermaßen brisante Details einweiht, dass es sich ebensogut um einen Krimi handeln könnte!

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt und mit Fotos versehen, das (und natürlich seine Flucht bzw. sein knappes Entkommen) hat mir nochmal besonders bewusst gemacht, was Oleg Gordijewski riskiert hat - Respekt!

Unbedingt empfehlenswert, sogar oder vielleicht besonders für Jene, die mit der Materie wenig vertraut sind...

Bewertung vom 27.11.2023
Der Mentor
Diel, Svenja

Der Mentor


ausgezeichnet

Wo bist Du noch sicher?!...Spannender Nervenkitzel!

"Der Mentor" von Svenja Diehl ist als Taschenbuch mit 480 Seiten bei Ullstein erschienen.

Ein Unwetter fördert in Heidelberg zwei verscharrte Frauenleichen zu Tage, brutal ermordet und mit im Nacken eingeritzten römischen Ziffern - die I bzw. die III. Außerdem wird, wie ein fliegender Vogel in einem Baum in Szene gesetzt, Opfer Nummer IV gefunden.
Wo ist die zweite Leiche? Warum wurde die letzte junge Frau so abartig inszeniert? Wieso ein abweichender Modus Operandi?
Diese Fragen und noch viele mehr fordern den Kommissar Jakob Krohn und sein Team sehr, und so wird ihnen ein Sonderermittler-Team aus München an die Seite gestellt, wobei sich die Zusammenarbeit anfangs recht kompliziert gestaltet.
Bei den Ermittlungen findet die Polizei schnell heraus, dass alle Hinweise auf eine Gemeinschaft mehrerer Täter hindeutet. Sie geben Alles, um die Mörder zu finden und weitere Taten zu verhindern...

Svenja Diehl schreibt megaspannend und sehr detailliert, so dass ich mich beim Lesen wirklich gegruselt habe. Die Grundidee des Plots hat mir super gefallen, perfide und clever ausgeklügelt, im Verlauf der Handlung steigert sich die Spannung stetig, es gibt zahlreiche Überraschungen und das Ende ist nicht vorhersehbar (zumindest nicht für mich) und absolut überzeugend.
Die kurzen, knackigen Kapitel sorgen für atemlose Spannung und dafür, dass ich diesen Thriller gar nicht mehr aus der Hand legen mochte...

Ebenfalls ausgesprochen gut haben mir die einzelnen Charaktere gefallen, die allesamt facettenreich und sorgfältig ausgearbeitet sind. Ob sympathisch oder unsympathisch, Svenja Diehl versteht es, dem Leser sämtliche Emotionen beim Lesen herauszukitzeln...
Die Autorin hält auch perfekt die Waage zwischen den Schilderungen der Ermittlungsarbeiten, den Einblicken in die Täterkreise und das Privatleben der Ermittler. So perfekt ausbalanciert, dass der Lesefluss stetig bleibt und der Spannungsbogen immerhöher gehalten wird.

So muss ein Thriller sein, voller Nervenkitzel und atemloser Spannung - unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung vom 17.10.2023
Kajzer
Kaiser, Menachem

Kajzer


gut

Auf Großvaters Spuren...!

Mich hatte "Kajzer" sehr interessiert, da der Autor, Menachem Kaiser, nach einer Polennreise dazu inspiriert wird, die Familiengeschichte zu recherchieren und auf den Spuren seines Großvaters zu wandeln.
Das Cover ist andersartig und dadurch sehr reizvoll, noch dazu für ein Sachbuch.
Mitzuverfolgen, wie Kaisers Großvater enteignet wurde sowie das Bemühen um eine Eigentumsrückführung an die Familie war schon sehr interessant, denn die Judenverfolgung und das Naziregime wurden hier nicht nur unter rein politischen Aspekten betrachtet, sondern auch juristisch beleuchtet.
Allerdings schweifte der Autor weit ab, es folgten Exkurse in ein von den Nazis erschaffenen Höhlensystem etc.
Der Schreibstil ist definitiv nicht leicht zu lesen und der Anklang von Emotionalität, der in der Leseprobe vorhanden war, sowie der feine Humor blitzten leider nur noch vereinzelt durch.
Ich hatte von dem Buch etwas Anderes erwartet - für Menschen, die sehr an Geschichte interessiert sind, sicherlich reizvoll, für Interessierte an persönlichen Schicksalen der Nachkriegszeit in meinen Augen leider eher nicht empfehlenswert.

Bewertung vom 22.09.2023
Ich, Sperling
Hynes, James

Ich, Sperling


ausgezeichnet

Schonungslos ehrlich und brutal offen, geht an die Nieren!

Das Cover von "Ich, Sperling" hat mich fasziniert und die Lebensgeschichte des namenlosen Waisenjungen, der im Hurenhaus von Carthago Nova als Sklave aufwächst erst recht! Dieser packende Roman von James Hynes ist bei dtv als Hardcover mit 592 Seiten erschienen.

Der Autor erzählt absolut ungeschönt und sehr detailliert die Geschichte von Jakob, der als Ich-Erzähler fungiert und im hohen Alter über sein Leben spricht, beginnend als kleiner Junge von vier oder fünf Jahren.

Im Kreis der Prostituierten wächst er auf in einer sehr begrenzten, von harten Regeln bestimmten Welt, lange Zeit ohne Namen. Sein Horizont erweitert sich mit der Zeit und irgendwann gehört es auch zu seinen Aufgaben, zu den Huren ins Obergeschoss zu gehen - und dort widerfährt ihm Schreckliches.
Doch seine Ziehmutter Euterpe nennt ihn Sperling und in dessen Gestalt gelingt es dem Jungen, wenn die Realität besonders furchtbar wird, im Geiste seine Flügel zu spreizen und der Situation davonzufliegen...

Es hat mich sehr beeindruckt, wie die erfahrene Zuneigung durch die Bewohnerinnen des Bordells und Jakobs zuversichtliches Wesen es Zeit seines Lebens geschafft haben, ihm trotz aller brutalen Erfahrungen und negativen Erlebnisse nicht die positive Lebenseinstellung zu rauben.

Das Römische Reich im 4. Jahrhundert n.Chr. und die dargestellten Schauplätze und Lebensumstände der Menschen in der damaligen Zeit sind offensichtlich gründlich recherchiert und so detailliert und bildhaft beschrieben, dass der Autor es scheinbar mühelos geschafft hat, eine sehr authentische, oftmals beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die mich von Beginn an gepackt und auch emotional sehr gefesselt hat.

Ein beeindruckender, außergewöhnlicher historischer Roman, der für mich ein echtes Highlight ist!

Bewertung vom 19.09.2023
Als wir an Wunder glaubten
Bürster, Helga

Als wir an Wunder glaubten


sehr gut

Nachkriegsjahre und dörflicher Aberglaube im Moor - düster und fesselnd.

Bei "Als wir an Wunder glaubten" von Helga Bürstner handelt es sich um einen Roman, der in den Nachkriegsjahren in dem ostfriesischen Dorf Unnenmoor spielt. Dort ticken die Uhren noch anders...

Es geht um unterschiedliche Bewohner des Dorfes, z.B. Edith und Anni, deren Männer nach wie vor nicht aus dem Krieg zurückgekehrt sind und Ediths Tochter Betty. Die Nähe zum unheimlichen Moor und die Sehnsucht nach Hoffnung treiben die Menschen zu Wunderheilern und es wird verbreitet geglaubt, dass im Moor Hexen und Teufel leben. Zeitgleich rückt der Fortschritt an, denn es ist von einer Trockenlegung des Moors die Rede.

Die Autorin hat die schweren Zeiten, die düstere Atmosphäre des Dorfes und den Aberglauben der Dorfgemeinschaft, der nahezu mittelalterlich anmutet, sehr authentisch herübergebracht und so eine Grundstimmung erzeugt, die mich fesseln konnte.

Die Charaktere sind , passend zur Rückständigkeit dort im Moor, etwas schwergängig und ich konnte nicht alle als sympathisch wahrnehmen oder liebgewinnen - aber das wäre wohl auch nicht realistisch ;)

Ein etwas anderer Nachkriegsroman, der die Stimmung jener Zeit toll vermittelt und dennoch ganz untypische Ansatzpunkte aufweist. Besonders reizvoll: Das Geschehen basiert auf wahren Begebenheiten.

Ein wirklich sehr lohnenswerter und abwechslungsreicher Roman.

Bewertung vom 12.06.2023
Das Restaurant der verlorenen Rezepte / Die Food Detectives von Kyoto Bd.1
Kashiwai, Hisashi

Das Restaurant der verlorenen Rezepte / Die Food Detectives von Kyoto Bd.1


gut

Auch Erinnerungen gehen durch den Magen...Japanische Küche mit Herz!

"Das Restaurant der verlorenen Rezepte" von Hisashi Kashiwai ist als gebundene Ausgabe mit wunderschönem Schutzumschlag beim List Verlag erschienen und umfasst 256 Seiten.

Das Restaurant “Kamogawa Shokudō” in Kyoto, das Nagare und seine Tochter Koishi betreiben, ist etwas sehr Besonderes. Denn hier wird nicht nur gekocht, sondern der Ex-Polizist und seine Tochter spüren in detektivischer Manier Rezepte auf, die ihren Klienten intensiv in Erinnerung geblieben sind und die sie unbedingt noch einmal essen möchten.
Koishi nimmt die Kundenerinnerungen und -wünsche auf, Nagare spürt ihnen nach und bereitet das gewünnschte Gericht dann zu.

Hisashi Kashiwai hat einen schönen ruhigen, unaufgeregten Schreibstil, der mich direkt mitgenommen hat in das kleine, unscheinbare Restaurant, dessen einzige Werbung eine einzeilige Anzeige im Gormet Insider ist. Dort sind jedoch keinerlei Kontaktdaten enthalten, so dass tatsächlich nur diejenigen das Kleinod finden, die es wirklich benötigen.
Seine Charaktere hat der Autor liebevoll und vielfältig angelegt und es hat Spaß gemacht, die unterschiedlichen Personen kennenzulernen.

Die Beschreibungen der zubereiteten Gerichte sind für mich als Europäer exotisch und spannend, dazu kommt eine sinnliche Komponente und vor allem macht der Autor vortrefflich, wenn auch auf dezente und ... Weise klar, in welch wichtiger Beziehung Wahrnehmung (Geist) und Genuss (Körper) zueinander liegen. Die Verknüpfungen und Gründe sind vielfältig und faszinierend, die einzelnen Geschichten warm und menschlich, und das hat mir auch wirklich gut gefallen.

Die Grundidee zum Roman finde ich absulot klasse, das Buch ist an sich schön und anrührend, Vieles spielt sich auch zwischen den Zeilen ab, wunderbar - aber...!

...enttäuschend finde ich higegen leider den Verlauf des Geschehens. Es handelt sich eher um eine Aneinanderreihung von Episoden / Kurzgeschichten, die jeweils in sich abgeschlossen sind, als um einen klassischen Roman. Dreh- und Angelpunkt ist jeweils das verlorene Rezept, dem Nagare und Koishi nachspüren.
Leider hat der Autor komplett im Dunkeln gelassen, wie die Suche nach solch einem Rezept verläuft, und das hätte mich absolut interessiert und die Geschichte(n) perfekt abgerundet.
Die Story spielt ausschließlich innerhalb des Restaurants, und diverse Teile der Handlung werden bei jedem Klienten nahezu wortgleich wiederholt.
Somit fehlt ebenfalls eine Weiterentwicklung der Charaktere, diese findet ebenfalls lediglich in einem äußerst begrenzten Rahman statt...!

Schade, ich hatte hier definitiv mehr erwartet...!

Bewertung vom 13.04.2023
Der treue Spion / Offizier Gryszinski Bd.3
Seeburg, Uta

Der treue Spion / Offizier Gryszinski Bd.3


ausgezeichnet

"Keine große Sache" - ein weiterer spannender Fall für Major von Gryszinski!

"Der treue Spion" von Uta Seeburg ist als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Harper Collins Germany erschienen und bietet 400 Seiten spannende Lektüre.

Es handelt sich bereits um Gryszinskis dritten Fall, der jedoch problemlos ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden kann!

München, 1896: Aus dem Münchener Hotel Vier Jahreszeiten verschwindet ein französischer Diplomat spurlos. Er hatte Wissen über eine wichtige technische Erfindung, welches ihm vermutlich zum Verhängnis wurde. Das, was Gryszinskis Vorgesetzter als "sicherlich keine große Sache" abtat, führt den Ermittler quer durch Europa.
1916, zwanzig Jahre später also, mitten in den Wirren des ersten Weltkrieges, stößt Gryszinskis Sohn Fritz in seiner Funktion als Spion auf weitere Indizien zu dem ungelösten Fall. Wird er die Lösung im großen Fall seines Vaters finden?

Uta Seeburg hat eine ausgesprochen bildhafte, detaillierte Art zu erzählen und die historischen Hintergründe sind vortrefflich recherchiert.
So erzeugt die Autorin für ihre Leserschaft zunächst eine absolut authentische Atmosphäre, in die man voll und ganz abtauchen kann, bevor man mit Mord und Totschlag konfrontiert wird.
Schauplätze, Personen und gesellschaftliche Hintergründe werden höchst interessant und unterhaltsam beschrieben.

Der Spannungsbogen entwickelt sich also langsam, aber stetig, und durch den stetigen Wechsel zwischen den Zeiten und zwischen den Ermittlungen des Majors bzw. seines Sohnes entsteht ein Sog, dem ich mich gar nicht mehr entziehen konnte.

Die unaufgeregte, eher geruhsame Erzählweise und die sehr anschauliche Schilderung sämtlicher Geschehnisse konnten die damalige Zeit bestens vor meinem inneren Auge aufleben lassen und auch dieser dritte Band der Reihe um Major von Gryszinski vermochte mich vollends zu überzeugen.

Mein Fazit: Ausgesprochen empfehlenswert!

Bewertung vom 27.02.2023
Die Klinik / Erdmann und Eloglu Bd.2
Borck, Hubertus

Die Klinik / Erdmann und Eloglu Bd.2


ausgezeichnet

Ins Krankenhaus? Jetzt erst recht nicht mehr... Gänsehaut pur...!

"Die Klinik" von Hubertus Borck ist als Taschenbuch mit 400 Seiten bei Rowohlt erschienen.
Das Cover ist genial gemacht, schlicht und dennoch absolut eindringlich...

Es handelt sich um den zweiten Fall für das Hamburger Ermittlerduo Franka Erdmann und Alpay Eloğlu - dieser ist in sich abgeschlossen und kann somit unabhängig von Band 1 gelesen werden. Auch ich war hier Neueinsteiger und hatte nicht das Gefühl, dass mir Vorkenntnisse fehlen.

Nach einem Fahrradunfall schwebt Malte Ostersetzer zuerst in Lebensgefahr, bald aber sind die Ärzte der Überzeugung, dass Malte den Unfall überleben wird, wenn auch mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Dann verstirbt er plötzlich und unerwartet doch. Seine Ehefrau Anna ist davon überzeugt, dass das nicht mit rechten Dingen zugegangen ist und besteht auf einer Obduktion. Und das Ergebnis ruft dann die Hamburger Ermittler auf den Plan...Schnell kommen Verdachtsmomente auf und je tiefer die Ermittler graben, desto mehr Todesfälle mit ungeklärter, teils mysteriöser Ursache dringen ans Tageslicht. Wie ist Intensivschwester Mecki in die Vorfälle verwickelt? Und was sagt die Klinik zu den Vorfällen?

Kriminalkommissarin Franka Erdmann und ihr noch recht unerfahrener Assistent Alay bekommen alle Hände voll zu tun, und sie bleiben hartnäckig und engagiert an ihren brisanten Ermittlungen dran.
Die Einblicke, die und der Autor in die Verhörtaktiken gewährt, sind hochinteressant und lassen psychologisch tief blicken!

Auch der Handlungsstrang um die Krankenschwester Marion "Mecki" Kramer ist superspannend und wechselt zwischen zwei Zeitebenen. Vor 10 Jahren, noch in einem Soltauer Krankenhaus beschäftigt, erlöste sie Patienten und half ihnen, zu sterben. War sie auch bei Malte der Todesengel?

Hubertus Borck schreibt fesselnd und eindringlich, so dass ich mich beim Lesen höchst unwohl in meiner Haut fühlte und alles vor meinem inneren Auge vor mir gesehen habe - dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und wollte permanent wissen, wie es weitergeht.
Glaubte ich anfangs, die Lösung sei recht einfach, baute Borck diverse unerwartete und packende Twists in seinen Plot ein, und die Auflösung lag plötzlich alles andere als nahe...

Clever durchdacht, fesselnd und detailliert geschrieben, ein Pageturner mit unbedingter Leseempfehlung!