Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Bücherfee
Danksagungen: 11 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 223 Bewertungen
Bewertung vom 02.06.2021
Frauchens Glücksjournal
Hollweg, Clara

Frauchens Glücksjournal


ausgezeichnet

Meine Vorstellung von absolutem Glück ist es, an einem regnerischen Tag mit meiner Decke, meiner Katze und meinem Hund im Bett zu liegen. (Anne Lamott)

Diesem schönen Spruch möchte ich mich aus vollem Herzen anschließen. Auf meinem Lebensweg bin ich von vielen Hunden und Katzen treu begleitet worden, und an unsere gemeinsam verbrachte Zeit denke ich mit tiefer Dankbarkeit zurück.

In unserer modernen Welt setzen wir auf digitale Fotoalben, die unsere schönsten Momente im Leben für die Ewigkeit festhalten sollen. Doch können sie unsere Empfindungen für unsere Lieblinge wirklich spiegeln?

"Frauchens Glücksjournal" ist ein wunderschön gestaltetes Tagebuch, in dem man seine persönlichen Wau-Momente im Leben festhalten kann. Auf den ersten Blick wirkt es relativ unauffällig; in einer Buchhandlung ist es kein optischer Hingucker. Dafür punktet es mit einer zurückhaltenden Eleganz, die durch den hellen Einband und die goldenen Lettern betont werden. Wenn man darin blättert, staunt man über die liebevolle Aufmachung. Man lernt achtsam und dankbar zu sein, die gemeinsame Zeit wertzuschätzen und die vielen kleinen und großen Augenblicke mit seiner treue Fellnase zu genießen.

Was für eine tolle Idee! Und was für eine zauberhafte, bleibende Erinnerung an den besten Freund, den man sich in seinem Leben wünschen kann!

Bewertung vom 31.05.2021
Muschelspiel
Baumann, Margot S.

Muschelspiel


ausgezeichnet

England ist immer eine Reise wert. Mein letzter Aufenthalt liegt schon mehrere Jahre zurück. Deshalb fühlte ich mich von dem zauberhaften neuen Roman "Muschelspiel" der Bestsellerautorin Margot S. Baumann gleich angesprochen, der sich um ein malerisches Cottage, ein altes Geheimnis und eine verbotene Liebe dreht.

Drei Monate Auszeit in den englischen Cotswolds, weg von dem stressigen Anwaltsjob in New York und ihrem Verlobten, der auf Heirat drängt: Kira will die Zeit nutzen, um sich endlich über ihre Zukunft klar zu werden. Sie hätte allerdings nicht damit gerechnet, dass ihr die Ruhe und Abgeschiedenheit so zu schaffen machen würden … Jedes kleinste Geräusch im Cottage lässt sie aufschrecken. Als sie glaubt, einen Einbrecher zu hören, sucht sie bei ihrem Nachbarn Matt Vellacott Unterschlupf. Matt ist Schriftsteller und hilft ihr, mehr über die Vergangenheit des Hauses und dessen Vorbesitzerin herauszufinden, die 1944 plötzlich im Dorf auftauchte. Ihre gemeinsame Suche lässt in Kira unerwartete Gefühle für Matt aufkommen. Während ihr Verlobter in New York auf sie wartet …

Schon das hübsche Cover ist in feine Pastelltöne gehaucht und lädt zum Träumen ein. Eine junge Frau mit langen dunklen Haaren schaut sinnend auf eine traumhafte Landschaft in der Abenddämmerung. Auch der interessante Titel regt die Phantasie des Lesers an.

Für ihr neues Buch hat Margot S. Baumann ein wunderschönes Setting gewählt. Die Cotswolds sind eine Region Englands, die mitunter auch als das Herz Englands bezeichnet wird. Es handelt sich um eine hügelige Landschaft, die von Südwesten nach Nordosten durch sechs Grafschaften verläuft. Hier steht das malerische Cottage, das die unter einem drohenden Burnout leidende selbstbewusste amerikanische Anwältin Kira für ihre geplante Auszeit angemietet hat.

Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert, nämlich aus der Sicht von Kira und Matt, einem britischen Schriftsteller, der seine gefühlvollen historischen Liebesromane unter einem geschlossenen weiblichen Pseudonym veröffentlicht. Es lebt von dem starken Kontrast der zwei liebenswerten Protagonisten, die eine starke Neigung zueinander entwickeln, über einige Ungereimtheiten in der Vergangenheit einer in hohem Alter verstorbenen Nachbarin stolpern und sich auf die Suche nach der Wahrheit machen.

Was für eine charmante, humorvolle, schöne Liebesgeschichte! Ich habe meine literarische Reise nach England sehr genossen. Mir hat der Roman "Muschelspiel" ausgezeichnet gefallen und viele angenehme Lesestunden beschert. An welchem Sehnsuchtsort wird wohl das nächste Werk von Margot S. Baumann spielen?

Bewertung vom 29.05.2021
Dein böses Herz (eBook, ePUB)
Buderath, Paul

Dein böses Herz (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Mit seinem brillanten Debüt "Der Künstler" hat Paul Buderath für großes Aufsehen gesorgt. Nun präsentiert er den packenden Psychothrilller "Dein böses Herz", der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Eigentlich hatte sich Kommissarin Sandra Rehbein auf ein freies Wochenende mit ihrem Sohn gefreut. Doch dann wird sie zu einem Tatort gerufen: Auf einem verlassenen Parkplatz liegt ein toter Mann - ihm wurde das Herz herausgeschnitten. Als Sandra und ihr Team die Ehefrau des Opfers verständigen, finden sie heraus, dass diese ein Video erhalten hat, auf dem ihr Ehemann beim Sex mit einer auffällig tätowierten Frau zu sehen ist. Gibt es da einen Zusammenhang? Kurz darauf wird eine weitere Leiche gefunden - ebenfalls ohne Herz. Bei ihren Ermittlungen deckt Sandra ein dunkles Geheimnis auf, das die Opfer miteinander verbindet. Und das Morden ist noch nicht vorbei ..

Das schlichte Cover erlaubt keine Rückschlüsse auf den Inhalt dieses Psychothrillers. Es wirkt modern und passt gut in die heutige Zeit. Dagegen regt der einprägsame Titel klar die Phantasie des Lesers an, die durch den spektakulären Klappentext weiter geschürt wird.

Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Auf diese Weise kann man sich gut in die handelnden Protagonisten einfühlen, die aus allen gesellschaftlichen Schichten stammen, und man hat sogar die Chance, in die verworrene Gedankenwelt eines psychisch kranken Menschen einzutauchen, der von extremen Rachegedanken getrieben wird.

Meine Lektüre hat mir ausgezeichnet gefallen. Paul Buderath liefert mörderisch gute Unterhaltung, die wegen der vielen schockierenden blutigen Taten garantiert nichts für schwache Nerven ist.

Bewertung vom 29.05.2021
Stürmische Zeiten / Palais Heiligendamm Bd.2
Grünig, Michaela

Stürmische Zeiten / Palais Heiligendamm Bd.2


ausgezeichnet

Selten habe ich einer Fortsetzung so entgegengefiebert wie dem zweiten Band der Reihe "Palais Heiligendamm". Nach den dramatischen Ereignissen im Deutschen Kaiserreich entführt Michaela Grünig ihre LeserInnen in die von vielen Krisen geschüttelte Weimarer Republik, der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland.
Der historische Roman "Palais Heiligendamm" pendelt zwischen zwei zentralen Schauplätzen, nämlich Berlin und Bad Doberan, an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Hier ist der Sitz des Palais Heiligendamm, des Luxushotels, das von der Familie betrieben wird. Das Wiedersehen mit den vertrauten Protagonisten macht großen Spaß. Im Laufe der Zeit haben alle Charaktere eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich gebracht, die man ihnen im ersten Band der Familiensaga gar nicht zugetraut hätte. Wer hätte gedacht, dass Elisabeth sich zu einer selbstbewussten Geschäftsfrau und liebevollen Mutter mausern würde? Sie passt sich den modernen Zeiten an und trennt sich von alten Zöpfen (im wahrsten Sinne des Wortes). Sie pflegt eine freundschaftliche Beziehung zu Julius, dem Vater ihrer einzigen Tochter, dem sie sich nach wie vor eng verbunden fühlt, und hat ihr Leben im Griff, ganz im Gegensatz zu ihrem homosexuell veranlagten Bruder Paul. Nach der "Vernunftehe" mit seiner konservativen Ehefrau Helene stürzt er sich in eine verhängnisvolle Affäre mit einem rechtsradikalen Politiker, der um jeden Preis Karriere bei der NSDAP machen will. Sein Freund ist auf ein "makelloses" Privatleben angewiesen; eine Schein-Ehe mit Luise, der jüngsten Schwester von Paul, die nach einer gescheiterten ersten Ehe als geschiedene Frau gesellschaftlich "unten durch" ist und eine künstlerische Laufbahn als Schauspielerin anstrebt, ist für ihn die perfekte Lösung. Paul ist kein schlechter Mensch, er ringt mit seinem Gewissen, doch er lässt sich ausnutzen - von Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen. Was die politische Gesinnung angeht, hält sein Bruder, ein renommierter Arzt an der Charité in Berlin, sich weitgehend bedeckt, während seine Frau Margot sich auf dem Gebiet der Rassenhygiene engagiert, was ihre gefährliche Nähe zur NSDAP andeutet. Von diesen folgenschweren antidemokratischen Entwicklungen betroffen ist Johanna, die älteste Schwester von Paul, die nicht nur mit Samuel, einem tüchtigen Kinderarzt, verheiratet ist, sondern auch seinen jüdischen Glauben angenommen hat. Aufgrund der rechtsradikalen Strömungen in Berlin schwebt ihre Familie in Lebensgefahr - ihr bleibt nur die Flucht ins rettende Ausland. Michaela Grünig erzählt nicht nur von den Reichen und Schönen, sondern gewährt auch einen klaren Einblick in das Leben von Menschen, die am unteren Ende der sozialen Hierarchie stehen. Die tüchtige Köchin Minna, welche nach ihrem Einsatz als Kindermädchen wieder das Zepter in der Küche des Palais Heiligendamm schwingen darf, träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Albert, einem überzeugten Kommunisten. Doch ihre Wünsche werden sich kaum erfüllen. Für ein ruhiges bürgerliches Leben kann Albert sich nicht erwärmen, der politische Klassenkampf steht für ihn an erster Stelle. Eine klare Entscheidung, für die er einen hohen Preis zahlen wird.
Was für eine packende Lektüre! Michaela Grünig hat eine brillant geschriebene, faszinierende Fortsetzung vorgelegt, die mich (fast) noch mehr mitgerissen hat als der erste Band. Ihr neues Buch hat mich tief beeindruckt; ich mochte gar nicht mehr mit der Lektüre aufhören. Michaela Grünig hat die politischen Strömungen der Zeit anschaulich vermittelt; man erlebt die ständigen Wirtschaftskrisen, die hohe Arbeitslosigkeit, den politischen Terror und das mangelnde Vertrauen in die junge Demokratie hautnah mit. Während meiner Lektüre sind Fiktion und Realität miteinander verschwommen; ich habe mit allen Protagonisten gehofft, gelacht, gelitten und geweint - und fiebere dem letzten dritten Band entgegen. Kann man sich mehr von einem historischen Roman wünschen?

Bewertung vom 23.05.2021
Sehnsucht in Aquamarin
Covi, Miriam

Sehnsucht in Aquamarin


ausgezeichnet

Lies dich in die Ferne - ist das erklärte Motto von Miriam Covi, die sich mit ihren romantischen Wohlfühl-Roman in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben hat. In ihrem aktuellen Buch "Sehnsucht in Aquamarin" dürfen wir sie an die wilde Küste von Maine begleiten.

Das hübsche Cover verbreitet heiteres Urlaubsfeeling; der eingängige Titel fügt sich harmonisch in die Reihe der bereits erschienenen Werke von Miriam Covi.

Was das Setting angeht, hat Miriam Covi alles richtig gemacht. Bar Harbor auf Mount Desert Island ist zum Verlieben; und der gut 19.000 ha große Acadia -Nationalpark bildet die perfekte Kulisse für einen romantischen Roman. Auch wenn man diese beeindruckende Landschaft noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man sich alle Schauplätze dank der wunderschönen, atmosphärisch dichten Beschreibungen von Miriam Covi deutlich vorstellen.

Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Jette und Polly, die sich in den USA auf die Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Mutter. Dieses frühkindliche Trauma hat deutliche Spuren in ihrem Leben hinterlassen; sie sind zu zwei psychisch kranken, beziehungsunfähigen Frauen herangereift, die zwei unterschiedliche (Über-) Lebensstrategien entwickelt haben. Jette ist eine flatterhafte Weltenbummlerin, die stets an die große Liebe glaubt, aber es nie lange an einem Ort (und mit einem Mann) aushält, während Polly in Stuttgart lebt und sich als (schlecht bezahlte) Übersetzerin von erotischen Romanen durchschlägt. Für Liebe ist in ihrem Leben kein Platz; sie geht verbindlichen Beziehungen aus dem Weg und setzt auf One Night Stands. In den USA treffen sie auf weitere Protagonisten, die von Miriam Covi liebevoll ausgearbeitet worden sind. Ausnahmslos alle Charaktere weisen Ecken und Kanten auf; sie haben schwere Schicksalsschläge in ihrem Leben ertragen müssen und sind durch ihre traumatischen Erlebnisse zu geerdeten Menschen herangereift. Hierbei sind der zuverlässige Fischer Owen und der hilfsbereite Ranger Liam als klare Sympathieträger konzipiert, die man ebenso in sein Herz schließt, wie die aufgeweckte achtjährige Izzy, die einzige Tochter von Liam.

Alles in allem hat mir "Sehnsucht in Aquamarinblaut" sehr gefallen. Miriam Covi hat einen emotional aufwühlenden, komplexen Wohlfühl-Roman vorgelegt, der von schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen und dysfunktionalen Familien, aber auch von großen Gefühlen und wahrer Liebe erzählt. Genau der richtige Lesestoff für kühle Tage!

Bewertung vom 22.05.2021
Der Sommer hat doch Meer zu bieten (eBook, ePUB)
Erlenkamp, Barbara

Der Sommer hat doch Meer zu bieten (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Der Sommer hat doch Meer zu bieten" ist unsere erste literarische Begegnung mit Barbara Erlenkamp, einem offenen Pseudonym, hinter dem sich das erfolgreiche Autoren-Ehepaar Christine und Andreas J. Schulte verbirgt. Ihr Küsten-Liebesroman nimmt seine Leser mit an die malerische Ostsee, genauer gesagt: nach Sulzhagen, einem fiktiven Dorf auf der Halbinsel Fischland-Darß- Zingst.

Für Julia bricht eine Welt zusammen. Ihr Ehemann entpuppt sich als notorischer Fremdgänger, und Nele, ihre Teenagertochter, will nichts mehr von ihr wissen. "Wo war ich schon mal richtig glücklich?", fragt sich Julia und reist kurz entschlossen genau dort hin - an die Ostsee. Sulzhagen, ein kleines Dorf auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, hält für Julia mehr als nur eine Überraschung bereit. Der attraktive Tierarzt Alexander zeigt ihr die schönen Seiten der Halbinsel - und des Lebens. Er erinnert sie an ihre Träume und Wünsche. Und an ihre große Leidenschaft: das Kreieren von Pralinen. Wie wird sich Julia nach ihrer Auszeit am Meer entscheiden? Wird sie hier an der Ostsee ihr Glück finden? Und kann sie Nele für sich zurückgewinnen? Schließlich hat sie eines begriffen: Der Sommer hat doch Meer zu bieten.

Das in maritimen Tönen gehaltene Cover verbreitet ein fröhliches Urlaubsfeeling, während der schöne Titel im Gedächtnis haften bleibt und zum Nachdenken anregt.

Julia ist eine sympathische Protagonistin, mit der sich moderne Frauen in einem vergleichbaren Alter leicht identifizieren können. Wie es in ihrer Generation üblich war, hat sie ihr eigenen beruflichen Ambitionen nach der Hochzeit aufgegeben. Stattdessen hat sie sich auf ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter konzentriert, ein gemütliches Heim für ihre Familie geschaffen, ihrem ehrgeizigen Mann alle lästigen Aufgaben abgenommen und ihre einzige Tochter liebevoll umsorgt. Als ihre rosarote (Traum-) Welt in Scherben bricht, wächst sie über sich hinaus. Sie verharrt nicht in der Rolle eines wehrlosen Opfers, sondern zieht die einzig logische Konsequenz und reicht die Scheidung von ihrem chronisch untreuen Mann ein. Hierbei spielt sie nicht die glühende Rachegöttin, sondern zeigt sich als eine ebenbürtige Gegnerin, wenn sie die gerechte Aufteilung des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens durchsetzt. Aus eigener Kraft verlässt sie ihre alte Heimat, zieht an die malerische Ostsee, findet neue Freunde, verwirklicht einen Lebenstraum und baut sich eine tragfähige Existenz auf. Auch in Sachen Liebe hält das Schicksal für sie eine große Überraschung bereit.

Kritisch betrachtet, mutet dieser humorvolle Wohlfühl-Roman wie ein modernes Märchen an. Er bietet wunderschöne Unterhaltung, zum Dahinschmelzen wie feine Pralinen. Meine Lektüre hat mir sehr gefallen. Sie ist wie ein Versprechen an alle Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen: Ein Ende kann ein Anfang sein!

Bewertung vom 22.05.2021
Die Hexe und die Heilige (eBook, ePUB)
Schweikert, Ulrike

Die Hexe und die Heilige (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Die Hexe und die Heilige" ist meine erste literarische Begegnung mit Ulrike Schweikert, die mit ihren zahlreichen (häufig erfolgreich verfilmten) historischen Romanen einen festen Platz in allen Buchhandlungen behauptet. "Die Hexe und die Heilige" bildet den ersten Band der "Helena und Sibylla"-Reihe und entführt nach Deutschland am Vorabend des 30-jährigen Krieges:

Das ansprechende Cover verweist auf die besondere Sachkenntnis der Hebammen im Mittelalter. Man sieht einen Stößel, mit dem die frisch gesammelte Kräuter in einer Schale zerstoßen und zu einer Creme, Salbe oder Tinktur weiterverarbeitet werden. Auch der aussagekräftige Titel ist gut gewählt. Denn er führt allen Lesern deutlich vor Augen, dass es von den jeweiligen Lebensumständen abhängig war, ob "Visionen" als göttliche oder teuflische Zeichen betrachtet wurden.

Der historische Roman "Die Hexe und die Heilige" spielt an zwei verschiedenen Schauplätzen, nämlich in dem katholischen Ellwangen und dem protestantischen Leonberg. Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Helena und Sibylla Schenkh, die in eine relativ gutsituierte bürgerliche Familie hineingeboren werden. Wie ein roter Faden zieht der Aberglauben sich durch die ersten Kapitel. Schon die Geburt der Zwillinge steht unter einem dunklen Vorzeichen. Sie sollen Unglück bringen - und als ihr ältester Bruder einem Anschlag zum Opfer fällt, scheint sich dieser Verdacht zu bestätigen. Ihre Kindheit verläuft unglücklich; aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten werden sie von allen Bewohnern misstrauisch beäugt. Nach dem (von ihnen bei seiner Abreise angekündigten) Unfalltod des Vaters will ihre Mutter sie vor übler Nachrede und möglichen Verdächtigungen schützen. Um Gott gnädig zu stimmen, wird Helena in einem Kloster untergebracht; Sibylla soll bei ihrer weit entfernt lebenden Tante aufwachsen, doch aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen landet sie in einem protestantisch geprägten Haushalt, der in einem krassen Gegensatz zu ihrer katholischen Erziehung steht. Als heranwachsendes hübsches Mädchen erlebt Sibylla den aufkommenden Hexenwahn hautnah mit. Ihre "Ziehmutter" arbeitet als Hebamme, und sie darf sie zu allen Geburten begleiten und sie unterstützen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Kräuterkundige Hebammen leben gefährlich; Fehl- und Frühgeburten sowie missgebildete oder tot zur Welt gekommene Kinder können ihnen angelastet werden; Abtreibungen müssen heimlich durchgeführt werden; Empfängnisverhütung ist streng verboten. Sibylla lässt sich nicht einschüchtern. In allen Gesprächen bezieht sie eine klare Position und hinterfragt kritisch die Motive der Ankläger, die unschuldige Menschen zu "Sündenböcken" erklären und denunzieren. Als die ersten Scheiterhaufen in Leonberg brennen, flieht sie nach Ellwangen. Auch in ihrer Heimat, die von Missernten, Armut, Mangelernährung und Krankheiten erschüttert wird, kann sie sich nicht sicher fühlen. Durch die vom Fürstprobst eingesetzte Inquisition kommt es zu einer Fülle von Hexenprozessen, und Sybilla gerät durch ihre berufliche Tätigkeit als Hebamme, ihren mutigen Einsatz für alle in den Gefängnissen brutal gefolterten und dahin vegetierenden Opfer der Hexenverfolgung sowie ihre verbotene Liebe zu einem katholischen Pfarrer in tödliche Gefahr.

Leider handelt es sich nicht nur um literarische Fiktion, sondern auch um historisch verbürgte Ereignisse, wie Ulrike Schweikert in ihrem ausführlichen Nachwort erklärt. Der historische Roman "Die Hexe und die Heilige" ist eine erschütternde Lektüre über eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen (Kirchen-) Geschichte, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen.

Bewertung vom 10.05.2021
Möwensommer
Römer, Lotte

Möwensommer


ausgezeichnet

Wenn ich an Norderney denke, kommt mir sofort Lotte Römer in den Sinn. Auf der ostfriesischen Insel spielen ihre wunderschönen Liebesromane. Auch ihr neues Buch "Möwensommer" entführt ihre Leser an diesen Sehnsuchtsort. Im Mittelpunkt stehen ein kleiner Blumenladen, eine zauberhafte Nordseeinsel und eine junge Frau auf der Suche nach dem großen Glück

Lina ist ein richtiges Inselkind und fühlt sich pudelwohl auf Norderney. Sie liebt ihre Arbeit in dem Blumengeschäft Blühende Phantasie, die Weite des Meeres und die Segelausflüge mit ihrem Kindheitsfreund Mattis. Nur in Sachen Liebe läuft es bei Lina nicht wie gewünscht. Schon ewig ist sie in Mattis verliebt, doch dieser scheint ihre Gefühle nicht zu erwidern. Seit er ihr nach einer gemeinsamen Nacht das Herz gebrochen hat, fällt es ihr schwer, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Zugegeben, die Auswahl an passenden Kandidaten ist auf Norderney auch überschaubar. Doch da zieht Bent, der neue Standesbeamte, auf das Nordseeeiland und flirtet mit Lina. Ist er vielleicht der Richtige? Aber warum verhält sich Mattis so seltsam, wenn es um Bent geht?

Das hübsche Cover zeigt einen Strandkorb vor einer malerischen Kulisse. Auch der eingängige Titel weckt Erwartungen an einen unbeschwerten Urlaub am Meer.

Wieder einmal ist es Lotte Römer gelungen, sich mitten in mein Herz zu schreiben. Ihre süße Liebesgeschichte überzeugt mit bodenständigen, sympathischen Protagonisten, die das Herz am rechten Fleck haben. Lina und Mattis sind ganz normale Menschen, mit Ecken und Kanten, in denen man sich wiederfinden kann. Sie brauchen einige Umwege zum Glück, wie die meisten Menschen auf dieser Welt. Besonders schön finde ich, dass in diesem Roman die Liebe in allen Facetten gezeigt wird, unabhängig von der sexuellen Orientierung gezeigt wird. Toleranz ist das Wichtigste auf der Welt.

"Möwensommer" bietet leichte Unterhaltung, regt aber dennoch zum Nachdenken an. Für mich ist es die perfekte Lektüre für den Strandkorb!

Bewertung vom 09.05.2021
Suche Platz auf Wolke Sieben
Jebens, Franziska

Suche Platz auf Wolke Sieben


sehr gut

Nach ihrem literarischen Debüt "Die Liebe fällt nicht weit vom Strand" hat Franziska Jebens ihren zweiten Roman "Suche Platz auf Wolke Sieben" vorgelegt, der sich mit dem beliebten Thema Onlinedating auseinandersetzt.

Vor drei Jahren stand Marlene vor dem Nichts: Freund weg, Haus weg, Job weg. Seitdem hat sie aus einer Idee, die aus Verzweiflung und einer Menge Cocktails geboren wurde, ein eigenes Unternehmen gemacht: Die Online-Dating-Agentur »Wolke Sieben«, für deren Kunden sie auch als Ghostwriterin schreibt und ihnen so dabei hilft, den perfekten Partner zu finden. Sie selbst will sich ganz sicher nie wieder verlieben. Lieber spielt sie für andere den Amor. Doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihr: Der berühmte Sänger Basket, sein rüpelhafter Manager Bruno und ein Spontantrip nach Sardinien bringen Marlenes geordnetes Leben ganz schön durcheinander. Bald merkt sie, dass sie die Liebe nicht so einfach aus ihrem Herzen räumen kann, und vielleicht landet sie dieses Mal ja sogar selbst auf Wolke Sieben …

Das in einem zarten Roséton schimmernde Cover ist zum Verlieben schön, genauso wie der zuckersüße Titel, der in goldenen Lettern in Szene gesetzt worden ist und mich gleich angesprochen hat.

Franziska Jebens präsentiert eine humorvolle, unterhaltsame Liebesgeschichte mit sympathischen Protagonisten für zwischendurch, die sich an ein junges (oder junggebliebenes) Publikum wendet. Leider hat mich ihr Buch nicht völlig überzeugen können. Für meinen persönlichen Geschmack bietet dieser Feel Good Roman keine echten Überraschungsmomente; die einfach gestrickte Handlung enthält viele abgenutzte Klischees und ist in weiten Teilen sehr vorhersehbar. Deshalb hat es nicht ganz bis zur Wolke 7 auf meiner Bewertungsskala gereicht.

Bewertung vom 05.05.2021
Beste Freundin - Niemand lügt so gut wie du
Douglas, Claire

Beste Freundin - Niemand lügt so gut wie du


ausgezeichnet

"Beste Freundin - Niemand lügt so gut wie du" ist meine erste Begegnung mit der britischen Journalistin und Schriftstellerin Claire Douglas, die mit ihrem Psychothriller "Missing" die Bestsellerlisten in ihrer Heimat erobert hat.


Sie war deine beste Freundin. Jetzt ist sie eine Mörderin. Als Kinder waren Jess und Heather die allerbesten Freundinnen. Sie teilten alles miteinander. Bis ein einziger Tag ihre Freundschaft unwiderruflich zerstörte. Jahre später kehrt Jess in ihre idyllische Heimatstadt an der Küste Englands zurück. Dort soll sie die Berichterstattung zu einem brutalen Doppelmord übernehmen. Doch als Jess erfährt, dass Heather die Hauptverdächtige ist, ist sie fassungslos. Kann ihre beste Freundin von damals eine eiskalte Mörderin sein? Jess beginnt zu recherchieren und stellt mit Grauen fest, dass alle Hinweise zu dem Tag führen, den sie für immer aus ihrem Leben streichen wollte. Der Tag, an dem Heathers Schwester spurlos verschwand und sie alle ins Unglück stürzte …

Das Cover ist in düsteren Farben gehalten. Automatisch konzentriert man seine Aufmerksamkeit auf eine dunkelhaarige Frau in einem roten Mantel, die gedankenverloren auf das tosende Meer schaut. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um die Journalistin Jess handelt, welche aus beruflichen Gründen in ihre (scheinbar) idyllische Heimatstadt an der Küste Englands zurückkehrt.

In diesem packenden Psychothriller gibt Claire Douglas ihren Lesern viele Rätsel auf. Ihre literarischen Figuren sind vielschichtig angelegt, sie sind genauso schwer zu durchschauen wie das schreckliche Geschehen, das auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen, nämlich 1994 und in der aktuellen Gegenwart, spielt und aus mehreren Perspektiven (Heather, Jess, Margot) vermittelt wird. Jeder Charakter hütet ein dunkles Geheimnis, das unter keinen Umständen ans Tageslicht gelangen darf; man muss jede einzelne Aussage kritisch hinterfragen, wenn man die losen Teile zu einem komplexen Bild verbinden will.

"Beste Freundin - Niemand lügt so gut wie du" ist ein fesselnder, nervenzerfetzender Pageturner, der mit vielen unerwarteten Wendungen und einer nicht vorhersehbaren Lösung punktet Für mich ist dieses komplexe, tiefgründige Buch mein absolutes Highlight im Mai. Denn es hat mich mehrere Tage lang in Atem gehalten. Gibt es eine bessere Empfehlung?