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Benutzername: Bücherfee
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Bewertungen

Insgesamt 108 Bewertungen
Bewertung vom 16.09.2019
Die kleine Chocolaterie am Meer
Roberts, Caroline

Die kleine Chocolaterie am Meer


gut

Mit ihren emotionalen Geschichten hat sich die englische Autorin Caroline Roberts in das Herz ihrer Leserinnen geschrieben. Ihr neues Buch "Die kleine Chocolaterie am Meer" spielt vor einer malerischen Kulisse. Vor den Fenstern fällt Schnee, auf dem Herd dampft heiße Schokolade mit Zimt, und Rentierlollis zieren die Schaufenster. Die gemütliche Chocolaterie in dem kleinen Ort an der Küste Northumberlands ist Emmas ganzer Stolz. Jetzt, da Weihnachten vor der Tür steht, haben sie und ihre Assistentin Holly alle Hände voll zu tun, die Leckereien für das Fest vorzubereiten. Doch dann kündigt ihr Vermieter eine Mieterhöhung an. Muss Emma die Chocolaterie aufgeben? Zum Glück hat sie ihren treuen Cockerspaniel Alfie und die besten Freunde, die man sich wünschen kann. Sie geben ihr die Kraft, für ihr Glück zu kämpfen.

Als ich das ansprechende Cover gesehen habe, hat mein Herz gleich höher geschlagen. Denn man glaubt mitten in einer engen Gasse zu stehen, die vom Dorf bis zum Meer hinunterführt. Draußen herrscht ein leichtes Schneetreiben, alles ist weihnachtlich geschmückt, zwischen altmodischen Laternen ist eine romantische Girlande gespannt, und in dem hell erleuchteten Schaufenster einer Chocolaterie erkennt man köstliche selbstgemachte Spezialitäten. Der zuckersüße Titel, der in grünen und roten Lettern in Szene gesetzt wird, ist die Versuchung selbst - wer kann diesem winterlichen Wohlfühlroman widerstehen?

Leider ist es Caroline Roberts nicht gelungen, die hohen Erwartungen ihrer Leser zu erfüllen. Ihre Heldin Emma ist eine sympathische Protagonistin, die aufgrund eines traumatischen Ereignisses die Liebe aus ihrem Leben verbannt hat und jeder zwischenmenschlichen Bindung aus dem Weg gehen will. Stattdessen konzentriert sie ihre Aufmerksamkeit auf ihren niedlichen Hund und ihre kleine Chocolaterie in der sie feine Pralinen und andere Leckerbissen aus eigener Produktion anbietet. Ihr Charakter hätte differenzierter gezeichnet werden können, es fehlen ihr einige Ecken und Kanten - genauso wie Max, den erfolgreichen Unernehmer, der Emma mit einem spontanen Kuss aus ihrer Erstarrung befreit und ein ganzes Jahr lang auf die nächste Begegnung warten lässt, was für mein persönliches Empfinden alles andere als glaubhaft und nachvollziehbar ist und die Handlung unnötig in die Länge zieht.

Die Nebencharaktere sind etwas blutleer, farblos und flach geraten; hier hat Caroline Roberts wertvolles Potenzial verschenkt. Gerade Holly, die junge Angestellte von Emma, und die liebenswerten Bewohner des Dorfes Warkton-by-the-Sea in Northumberland, die Emma tatkräftig zur Seite stehen, hätten weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

Insgesamt gesehen, bietet "Die kleine Chocolaterie am Meer" von Caroline Roberts gefällige, vorhersehbare zuckersüße Unterhaltung, die vor einer malerischen Kulisse auf eine romantische Winterzeit einstimmt. Was mir fehlt, ist die notwendige Prise Dynamik und Spannung, die jeden Leser bei der Stange hält.

Bewertung vom 13.08.2019
Mord auf Portugiesisch / Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel ermitteln Bd.1
Elderen, Heidi van

Mord auf Portugiesisch / Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel ermitteln Bd.1


sehr gut

Portugal garantiert einen erholsamen Strandurlaub an traumhaften Buchten - und spannende Lektüre, wenn man sich auf den neuen Krimi "Mord auf Portugiesisch" von Heidi van Elderen einlässt, der in einem kleinen Dorf in Portugal spielt.

Wie jedes Jahr an Weihnachten soll Fernando, ältester Sohn der Familie und Dorfpolizist, ein Schwein schlachten. Doch diesmal bringt er es nicht fertig, denn die liebenswerte Raquel ist ihm viel zu sehr ans Herz gewachsen. Und so befördert er sie kurzerhand zum ersten Polizeischwein Portugals – zum Entsetzen des ganzen Reviers. Aber dann stürzt eine Frau beim Angeln von den Klippen. Ein Unfall oder doch ein Mord? Fernando will den Fall unbedingt lösen und Raquels Fähigkeiten unter Beweis stellen – denn nur mit einem Ermittlungserfolg darf das Schwein im Polizeidienst bleiben. Sonst droht doch die Schlachtbank ...

Das Cover ist ein richtiger Hingucker. An dieser malerischen Küste kann man bei strahlend blauem Himmel an einen herrlichen Urlaub denken und ins Träumen geraten. Oder seine grauen Zellen arbeiten lassen und einen schwierigen Fall lösen... mit tierischer Hilfe, wie man an dem niedlichen Schwein sieht, das allen Betrachtern deutlich vor Augen führt, das es sich um einen ganz besonderen Krimi handelt.

Der Plot ist originell, und das Setting in dem unbedeutenden Dorf jenseits des Massentourismus könnte nicht besser gewählt sein. Man taucht ein in einen Mikrokosmos mit glaubwürdigen, interessanten Chrakteren, allen voran der 38jährige Inspektor Fernando Valente, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt und sein Herz für die Schweinedame Raquel entdeckt, welche keine besondere Eignung für ihr zukünftiges Aufgabengebiet vorweisen kann, aber dennoch nicht von seiner Seite weicht. Besonders in men Herz geschlossen habe ich die pfiffige, resolute Großmutter Mafalda, die es faustdick hinter den Ohren und ihre Lieben fest im Griff hat.

Nach einem eher schleppenden Beginn nimmt der Krimi Fahrt auf, man lässt sich in die Irre führen, staunt über unerwartete Wendungen und erfährt ganz nebei viel Wissenswertes über die Korkproduktion in Portugal. Heidi van Elderen ist ein humorvoller, kurzweiliger, launiger, sauspannender Krimi mit einem offenen Ende gelungen, der auf größeres Blutvergießen verzichtet und sich wohltuend von allen anderen Büchern aus dem Markt abhebt. Auf die weitere Entwicklung des tierisch starken Teams Fernando und Raquel bin ich gespannt!

Bewertung vom 13.08.2019
Ein Kater für zwei Herzen (eBook, ePUB)
Mars, Liane

Ein Kater für zwei Herzen (eBook, ePUB)


sehr gut

Was sich liebt, das neckt sich...

Katzen sind geheimnisvoll. In ihnen geht mehr vor, als wir gewahr werden. (Sir Walter Scott)

Hin und wieder werde ich schwach. Nämlich, wenn wieder ein neuer Katzen-Roman auf dem Buchmarkt erschienen ist. Diesmal ist es der Roman "Ein Kater für zwei Herzen" von Liane Mars, der mein Herz zum Schmelzen gebracht hat.

Normalerweise bin ich von den Covern der Bücher aus dem MIRA Taschenbuchverlag begeistert. Leider kann mich diese Arbeit nicht restlos überzeugen. Das Cover ist eine gewagte Kombination von Foto und Skizze. Im Mittelpunkt steht eine rotgetigerte Katze, die den Betrachter aus ihren unergründlichen Augen mustert. Im Hintergrund lässt sich ein gemütliches Landhaus ausmachen, das von einem verwilderten Garten umgeben ist. Es ist hübsch, gewiss - trotzdem fehlt mir der gewisse Kick.

Dafür hat mich der ansprechende, mitten aus dem Leben gegriffene Plot vollauf entschädigt. Das (vorhersehbare) Geschehen wird aus drei Perspektiven vermittelt. Zu Wort kommen der streunende Kater, der auf zwei verschiedene Namen hört (oder eben nicht hört) und zwischen seinen zwei Dosenöffnern hin und her stromert, sowie die chaotische Postbotin Lina und der korrekte Bauunternehmer Lukas, die sich als rechtmäßige Besitzer betrachten, zu erlaubten und nicht-erlaubten Maßnahmen greifen und sich einen erbitterten Kampf um das Recht am Tier liefern.

Es ist meine erste literarische Begegnung mit der Schriftstellerin LIane Mars, und ich werde mir diesen Namen merken. Sie hat ein gutes Händchen für Situationskomik, und die witzigen, spritzigen Dialoge der sympathischen Protagonisten, die sich im Laufe der Zeit zusammenraufen und weitere Gemeinsamkeiten entdecken, haben mir sehr gefallen. Gute Laune und unbeschwertes Lesevergnügen ist garantiert. Deshalb gibt es von mir eine klare Empfehlung - nicht nur für alle Freunde der Samtpfoten.

Bewertung vom 13.08.2019
Die Malerin des Nordlichts, 1 MP3-CD
Johannson, Lena

Die Malerin des Nordlichts, 1 MP3-CD


sehr gut

Zeit ihres viel zu kurzen Lebens hat Signe Munch im Schatten ihres berühmten Onkels Edvard Munch gestanden. In ihrem biographischen Roman "Die Malerin des Nordlichts" spürt Lena Johannson den Spuren dieser bescheidenen Künstlerin nach, die ein Leben für die Kunst, ein Leben für die Liebe geführt hat, wenn man dem Klappentext dieses Buches glauben darf.

Lena Johannson nimmt uns mit ins Norwegen, Anfang des 20. Jahrhunderts.
Das in blassen Sepia-Tönen gehaltene Cover fügt sich harmonisch in die Reihe "Mutige Frauen zwischen Kunst und LIebe", die der Aufbau Taschenbuch Verlag auf den Weg gebracht hat. Der Betrachter sieht eine Frau unbestimten Alters, die mit einem schweren Koffer in der Hand auf ein typisch skandinavisch anmutendes Haus zugeht, das in einem satten Falunrot gestrichen ist. Im Hintergrund kann man die beeindruckende Landschaft Norwegens erkennen, und man fühlt sich an die malerischen Fjorde versetzt.

Kommen wir zur Sprecherin. Christina Puciata besitzt eine klare, angenehme, ruhige Stimme und spricht alle skandinavischen Worte korrekt aus . Ich höre ihr gern zu; sie fühlt sich in die leise, zürückhaltende Signe ein und verleiht ihr eine ganz eigene Stimme. Für meinen ganz persönlichen Geschmack wäre hin und wieder etwas mehr Variation angebracht gewesen, aber jeder Hörer empfindet anders.

Lena Johannson erzählt eine fiktive Geschichte, dennoch könnte sie sich genauso ereignet haben. Der Ton dieses Hörbuchs ist melancholisch und traurig; deshalb fällt es nicht leicht, sich auf die interessante Geschichte von Signe Munch einzulassen. Sie ist keine Frau, die gegen das tradierte Frauenbild in der Gesellschaft rebelliert, sich von ihren männlichen Kollegen abgrenzt, stolz ihre Sicht der Dinge präsentiert und bewusst das Rampenlicht sucht.

Für mein Empfinden bleibt die Darstellung der künstlerischen Entwicklung von Signe Munch auf der Strecke. Ich hätte mir mehr Informationen über ihre (verloren gegangenen) Werke und die Kunstszene in Norwegen zu ihren Lebzeiten gewünscht. Stattdessen stehen die verschiedenen Liebesbeziehungen der Künstlerin im Mittelpunkt, ihre gescheiterte Ehe mit Johannes Landmark und die glückliche Verbindung mit Einar Siebke. Das tragische Ende von Signe Munch macht tief betroffen; gemeinsam mit ihrem Mann war sie im Widerstand gegen die nationalsozialistischen Besetzer Norwegens aktiv und musste einen hohen Preis für ihren Mut zahlen.

Bewertung vom 11.06.2019
The Mister, 2 MP3-CD
James, E L

The Mister, 2 MP3-CD


ausgezeichnet

Kaum eine Autorin spielt so virtuos mit Männer- und Frauenfantasien wie die amerikanische Schriftstellerin E. L James, die mit ihrer "Shades-of-Grey" Reihe die Bestseller-Listen erklommen hat. Nun legt sie ihr neues Werk "The Mister" vor, das von ihren Fans mit Spannung erwartet worden ist.

Schauplatz des Geschehens ist London, in der aktuellen GEgenwart (2019). Das Leben meint es gut mit Maxim Trevelyan. Er ist attraktiv, reich und hat Verbindungen in die höchsten Kreise. Er musste noch nie arbeiten und hat kaum eine Nacht allein verbracht. Das alles ändert sich, als Maxim den Adelstitel, das Vermögen und die Anwesen seiner Familie erbt – und die damit verbundene Verantwortung, auf die er in keiner Weise vorbereitet ist. Seine größte Herausforderung stellt aber eine geheimnisvolle, schöne Frau dar, der er zufällig begegnet. Wer ist diese Alessia Demachi, die erst seit Kurzem in England lebt und nichts besitzt als eine gefährliche Vergangenheit? Maxims Verlangen nach dieser Frau wird zur glühenden Leidenschaft – einer Leidenschaft, wie er sie noch nie erlebt hat. Als Alessia von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, versucht Maxim verzweifelt, sie zu beschützen. Doch auch Maxim hütet ein dunkles Geheimnis.

Das Cover des Hörbuchs "The Mister" ist zurückhaltend in Sepia-Tönen gestaltet worden. Es wirkt edel, klassisch und romantisch-verspielt. Mit dieser Aufmachung grenzt es sich bewusst von "billigen" Machwerken ab. Der englische Titel wirkt etwas unterkühlt und heischt nach Respekt, leuchtet aber in einem auffallenden Pink. Ein interessanter Gegensatz!

In ihrem Werk "The Mister" wiederholt E. L. James ihr erfolgversprechendes Schema, was die Protagonisten betrifft, und erzählt eine postmoderne Version eines bekannten Märchens. Wieder treffen wir auf eine wunderschöne, naive junge Frau, die aus Albanien stammt, im wahrsten Sinne des Wortes ein "Aschenputtel"-Dasein führt und ihren Lebensunterhalt als Putzhilfe in der britischen Metropole verdient. Ihr ist es nicht nur gelungen, einer Bande von Menschenhändlern zu entkommen, sondern auch ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Dort trifft sie auf einen attraktiven, reichen Schwerenöter, der nach dem unerwarteten Tod seines Bruders das schwere Erbe eines "Lords" antreten muss und von seinem haltlosen Lebenswandel mit viel zu viel bedeutungslosen Sex mit austauschbaren Gespielinnen angewidert ist. Die begabte Pianistin Alessia weckt sein Interesse, und auch sie fühlt sich von dem selbstbewussten Mann, der ihre verborgene Leidenschaft weckt, magisch angezogen.

Wer einen prickelnden erotischen Roman erwartet, wird bitter enttäuscht sein. E. L. James hat nicht mit expliziten Szenen gespart, aber sie können nicht über die inhaltlichen Schwächen ihres Werkes hinweghelfen. Alessia und Maxim können es nicht mit Christian und Ana aufnehmen. Die triviale Handlung ist zu vorhersehbar, und selbst ein packender zweiter Teil kann nicht über die gähnende Langeweile hinweghelfen, gegen die man beim Hören des ersten Teils ankämpfen muss.

Sprachlich gesehen, ist das Hörbuch nicht perfekt umgesetzt worden. Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, und man hat sich für zwei verschiedene Sprecher entschieden. Leider ist die Wahl etwas unglücklich ausgefallen. Der männliche Sprecher Matthias Scherwenikas hat eine angenehme, sonore Stimme, während die weibliche Sprecherin Regina Gisbertz allzu kindlich und hin und wieder etwas schrill und überdreht wirkt.

Aus diesem Grunde fällt mein Urteil zu dem Hörbuch "The Mister" etwas durchwachsen aus. Wer das nötige Durchhaltevermögen besitzt, wird mit einer unspektakulären Liebesgeschichte von E. L. James belohnt, die zwar alle gängigen Klischees bedient, aber nette Unterhaltung für zwischendurch bietet.

Bewertung vom 06.06.2019
Meistens kommt es anders, wenn man denkt / Hamburg-Reihe Bd.6
Hülsmann, Petra

Meistens kommt es anders, wenn man denkt / Hamburg-Reihe Bd.6


ausgezeichnet

Unterwegs auf der landschaftlich schönsten Route...

Jedes Jahr freue ich mich auf einen neuen Band aus der Hamburg-Reihe von Petra Hülsmann. Wenn man so will, ist es wie ein Treffen mit guten Freunden. Denn man trifft lauter vertraute Charaktere wieder, die man in den vorangegangenen Büchern kennengelernt und in sein Herz geschlossen hat.

In dem Roman "Meistens kommt es anders, wen man denkt" dreht sich alles um Nele, die von der Liebe die Nase gestrichen voll hat. Ihr neuer Job bei einer angesagten Hamburger PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Rüdiger Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind - aus gutem Grund, wie sie bald herausfindet. Darüber hinaus beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Ausgerechnet Nele soll ihn im Kampf mit den besorgten Eltern unterstützen, dabei ist sie doch insgeheim die größte Glucke von allen. Um das Chaos perfekt zu machen, stellt Nele fest, dass Claas mehr als nur ein netter Chef für sie ist und dass er ihr Herz ganz schön zum Stolpern bringt. Aber soll sie sich von der Liebe etwa schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen?

Das hübsche Cover ist in frühlingsfrischen Farben gehalten und auf den 2018 erschienen Band "Wenn's einfach wär, würd's jeder machen" abgestimmt. Eine gelungene Vorgehensweise, weil die Bücher gleichsam eine erzählerische Einheit bilden, auch wenn sie voneinander unabhängig gelesen werden können. Auf den ersten Blick springt ein Schneiderpuppe ins Auge, die im Leben von Nele eine wichtige Rolle spielt.

Was soll ich zum Titel sagen? Ich finde ihn schlichtweg genial. Er ist kurz und knackig, bringt die Handlung auf den Punkt und bleibt im Gedächtnis haften. Besser geht es nicht!

Kommen wir zu der Protagonistin. Die Heldin Nele kennen wir bereits aus dem 2018 veröffentlichten Roman "Wenn's einfach wär, würd's jeder machen." Sie lebt in einer WG mit der engagierten Lehrerin Anni, arbeitet in einer PR-Agentur und ist eine fröhliche junge Frau, die nicht nur durch ihre bedingunglose Liebe zu ihrem an Trisomie 21 leidenden jüngeren Bruder Lenny beeindruckt. Ihr Leben ist nicht frei von Baustellen; sie kämpft mit Pleiten, Pech und Pannen. Anfangs erscheint sie etwas naiv und gutgläubig und neigt dazu, sich von ihren Mitmenschen ausnutzen zu lassen, aber im Verlauf des Geschehens lernt sie, persönliche Grenzen zu ziehen und auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.


Wie immer ist es Petra Hülsmann gelungen, mich durch ihren humorvollen, lebendigen und temporeichen Stil zu begeistern, der durch eine vielschichtige Geschichte führt. Natürlich kommt die Liebe in diesem Buch nicht zu kurz, aber Petra Hülsmann kann und will weitaus mehr, als gefällige leichte Literatur zu schreiben. Anschaulich schildert sie die vielen großen und kleinen Probleme, mit denen behinderte Menschen in unserer Gesellschaft kämpfen. für mich sind Lenny und Mia die heimlichen Helden dieses Romans, die mich mit ihrer frischen, lebensbejahenden Art berührt haben. Der neue Roman von Petra Hülsmann ist ein Appell an Mitmenschlichkeit, Toleranz und Verständnis, und für mich gibt es nur eine angemesse Bewertung: 5 Sterne!

Bewertung vom 06.06.2019
Ein Sommer am Gardasee
Nellon, Johanna

Ein Sommer am Gardasee


gut

Auf Goethes Spuren...

In den letzten Tagen sind wir von der Sonne verwöhnt worden. Angesichts der hohen Temperaturen greift man gern zu einem leichten Sommer-Roman, der seine Leser in eine gelöste Urlaubs-Stimmung versetzt.

Auch ich habe mich von dem neuen Buch "Ein Sommer am Gardasee" von Johanna Nellon verlocken lassen. Sie erzählt von der angestellten Apothekerin Barbara erzählt, die einen schweren Schock erlebt. Sie hat gerade ihr Brautkleid ausgesucht, als sie ihren Verlobten mit einer anderen beobachtet. Um sich von ihrem Kummer abzulenken, fährt sie an den Gardasee, wo sie den rätselhaften Christian Wagner kennenlernt. Er fasziniert sie vom ersten Augenblick an, doch der Mann, der ihr deutlich seine Zuneigung zeigt, hat ein Geheimnis. Ist Barbaras Glück vorbei, ehe es richtig beginnt?

Das hübsche Cover spiegelt die malerische Kulisse des Gardasees, der mit seinem milden Klima ein beliebtes Reiseziel für deutsche Touristen ist. Auch der gut gewählte Titel setzt auf die ungebrochene Reiselust der Leser, die mit einen bewährten Plot geködert werden.

Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei die einzelnen Erzählstränge gut miteinander verzahnt sind. Johanna Nellon schreibt in einem einfachen, gut lesbaren Stil, und man kann ihren neuen Roman an einem Tag lesen.

Was mein Urteil über diesen Roman angeht, bin ich etwas zwiegespalten. Die Geschichte um Barbara und Christian ist recht einfach gestrickt, flach und vorhersehbar, wenn man so will: eine triviale reine Herz-Schmerz-Liebesgeschichte, wie man sie in seinem Urlaub genießen möchte, auch wenn Johanna Nellon auf einige (nicht realistische) melodramatische Verwicklungen gesetzt hat, die für etwas Spannung sorgen sollen.

Positiv herausstellen möchte ich die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen, die viel italienisches Flair atmen. Johanna Nellon ist es gelungen, ihre Protagonisten vor einer traumhaften Kulisse in Szene zu setzen. Man darf sie auf vielen Ausflügen begleiten, lernt zauberhafte Orte am Gardasee kennen und erhält wichtige Informationen, die einen Reiseführer ersetzen können

Dennoch möchte ich einige kritische Anmerkungen zu diesem Roman machen. Für mein Empfinden wirken die Protagonisten dieses Romans zu hausbacken und provinziell. Ihr geschätztes Alter von etwa 30 Jahren will man ihnen nicht abnehmen, ihrem Benehmen und ihrer Ausdrucksweise nach könnten sie deutlich älter sein.

Was mich extrem stört, ist das (fast erzwungen wirkende) Happy-End für alle Beteiligten, das in "Hochzeit" und "Familiengründung" mündet. Mir will nicht in den Kopf, dass zwei moderne selbständige Frauen von 30 Jahren solche Torschlußpanik entwickeln, wenn sie ihren Traumprinzen im Urlaub kennengelernt haben. Etwas mehr Sinn für die Realität wäre hier angebracht gewesen - und wenn die Verliebten unbedingt unter die Haube gebracht werden müssen, hätte man ihnen etwas mehr Zeit geben und dieses Ereignis in einem Epilog erwähnen können.

Aus diesem Grunde vergebe ich drei Sterne für einen gefühlvollen Sommer-Reise-Roman, der zwar eine angenehme Auszeit vom Alltag beschert, mich aber nicht völlig überzeugen konnte.

Bewertung vom 13.05.2019
Als Grace verschwand
Croft, Kathryn

Als Grace verschwand


ausgezeichnet

Was es für Eltern bedeutet, wenn das einzige Kind spurlos verschwindet, ist schwer nachzuempfinden. Einen kleinen Einblick vermittelt der Thriller "Als Grace verschwand" von Kathryn Croft. Sie erzählt von Simone Porter, die mit einem schweren Schicksalsschlag fertigwerden musste. Vor achtzehn Jahren wurde ihre sechs Monate alte Tochter entführt. Als ein Mädchen mit Namen Grace sich bei ihr meldet und erklärt, ihre Tochter zu sein, glaubt Simone ihr nicht. Doch das Stofftier, das Grace bei sich hat, lässt sie zweifeln. Genauso einen Plüschhasen hat ihre Tochter besessen. Grace aber behauptet noch etwas anderes: dass sie aus Notwehr einen Mord begangen hat und dass sie dringend Hilfe braucht. Simone ist hin und her gerissen – und dann verschwindet Grace wie ihre Tochter damals.

Das Cover des Buches ist interessant. Unwillkürlich fühlt man sich an eine Fensterscheibe erinnert, durch die man durch ein heftiges Unwetter auf eine graue Straße hinausblickt. Der nüchterne Titel ist in einer blutroten Schrift gestaltet worden, wobei sich die einzelnen Buchstaben des Vornamens "Grace" in ihre einzelne Bestandteile auflösen.

Im Mittelpunkt dieses Roman steht die Journalistin Simone Porter, die vor 18 Jahren einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen musste. Das Geschehen wird aus ihrer Sicht vermittelt, hin und wieder finden sich Einträge einer unbekannten Person, die an die Form eines Tagebuches erinnern und aus der Retrospektive wie das Schuldbekenntnis eines Täters anmuten.

Für mich war es die erste Begegnung mit der Schriftstellerin Kathryn Croft. Sie hat einen beeindruckenden Thriller vorgelegt, der mich von der ersten bis zur letzten Seite in Atem gehalten hat. Stilistisch gesehen, schreibt sie auf einem hohen Niveau. Sie schafft es mühelos, von einem dramatischen Prolog an eine hohe Spannung aufzubauen, die sie mittels vieler unerwarteter Wendungen und falscher Fährten bis zum (versöhnlichen) Epilog hindurch halten kann. Man staunt über die zahlreichen einzelnen Handlungsstränge ihres Werkes, die zu einem erschütternden Ganzen verwoben werden. Auch die Auflösung des Falles erscheint logisch und überzeugend, alle offenen Fragen werden beantwortet, und man bleibt tief erschüttert zurück. Unbedingt lesenswert!

Bewertung vom 07.05.2019
Die Inselfreundinnen
Janson, Brigitte

Die Inselfreundinnen


sehr gut

Habt ihr schon die passende Urlaubslektüre für euch entdeckt? Wer reif für die Insel ist, wird um den neuen Roman "Die Inselfreundinnen" nicht herumkommen. Die deutsche Autorin Brigitte Janson erzählt von Clara, die nach einer weiteren gescheiterten Beziehung nicht mehr daran glaubt, sie noch einmal zu finden, die verflixte große Liebe. Auch ihre beiden besten Freundinnen Vicki und Rachel sind die ewige Suche nach dem richtigen Mann leid. Schluss mit dem Gejammer, Leben bedeutet Veränderung, denken sich die Freundinnen und ersteigern im Internet eine halb verfallene Dorfschule auf Wangerooge. Doch der Neuanfang steht auf wackligen Beinen. Zum Glück ist da die lebenserfahrene Insulanerin Rieke, die ihnen den Kopf zurechtrückt, und ein geheimnisvoller Mann, von dem Clara sich wie magisch angezogen fühlt …

Das hübsche Cover vermittelt eine heitere, gelöste Stimmung und macht Lust auf ein ungezwungenes Picknick am Strand. Der kurze, knackige Titel kommt ohne unnötigen Schnickschnack aus und macht deutlich, worum es in diesem Roman geht.

Die drei Freundinnen Clara, Rachel und Vicky könnten nicht unterschiedlicher sein. Wenn man so will, eint sie nur eins: ein gebrochenes Herz, das sie aus einer "Sektlaune" heraus kurieren wollen. Man kann gar nicht anders, als diese drei quirligen, lebendigen Frauen in sein Herz zu schließen, die Nägel mit Köpfen machen und eine halbverfallene Schule zu neuen Leben erwecken wollen. Geerdet werden sie durch die lebenserfahrene Insularin Rieke, eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die sich um die "gestrandeten" Freundinnen kümmert und sie unter ihre Fittiche nimmt.

Für mch ist es die erste Begegnung mit Brigitte Janson, und ich bin von ihrem frischen, lockeren Stil begeistert, der mir ungetrübtes Lesevergnügen beschert hat. In dem Roman "Die Inselfreundinnen" nimmt sie ihre Leser mit auf eine Reise von der Hansestadt Hamburg an die rauhe Nordsee, und sie hat die malerische Kulisse von Wangerooge, der bekannten Insel im niedersäschsischen Wattenmeer, perfekt einfangen. Mit einer bildhaften Sprache zeichnet sie ein klares Bild von den Handlungsorten, und sie gewährt sogar einen kleinen Einblick in die wechselhafte Geschichte der beliebten Insel, was mir sehr gut gefallen hat. Deshalb fällt mein persönliches Fazit positiv aus. Der Roman "Die Inselfreundinnen" bietet gute Unterhaltung, mit einer Prise Romantik und viel Humor. Genau das Richtige für eine kleine Auszeit vom Alltag, wenn man sich weit weg träumen möchte!

Bewertung vom 27.04.2019
Napoleon
Müchler, Günter

Napoleon


sehr gut

Genie und Despot


Les hommes de génie sont des météores destinés à brûler pour éclairer leur siècle. (Napoléon Bonaparte)

Der 15. August 2019 ist ein bedeutsamer Tag für die Weltgeschichte. An diesem Tag begehen wir den 250. Geburtstags von Napoléon Bonaparte, mit dem sich Günter Müchler, ein deutscher Historiker, Journalist und langjähriger Programmdirektor von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur, in seiner aktuellen Biographie "Napoleon. Revolutionär auf dem Kaiserthron" kritisch auseinandersetzt.

Wenn man so will, ist seine Lebensgeschichte ein klassisches Drama. Aus dem Nichts kommend, stieg der Korse Napoleon Bonaparte, der Französisch erst lernen musste, vom Artillerie-Offizier zum Ersten Konsul auf, wurde der Revolutionär zum Kaiser der Franzosen.
Sprachgewaltig entwirft Günter Müchler die Lebensgeschichte eines Mannes, der in seinem Scheitern auf Sankt Helena selbst am klarsten die eigene Beschränkung erkannte: Der Gestalter und Machtmensch war ebenso Gefangener der Bedingungen, die ihm die Revolution diktiert, wie des europäischen Kampfs der alten mit der neuen Ordnung. »Die Wahrheit ist, dass ich niemals ganz Herr meiner Bewegungen war. Ich habe Pläne gehabt, hatte aber niemals die Freiheit, sie auszuführen. Immer war ich durch die Umstände bestimmt.« - Ein großartiges Portrait, das den Revolutionär auf dem Kaiserthron, das den kometenhaften Aufstieg wie den tiefen Absturz Napoleons in neuem Licht zeigt.

Günter Müchler hat sein über 600 Seiten umfassendes Werk in fünf Sinnabschnitte gegliedert, die sich mit bestimmten Lebensphasen von Napoléon Bonaparte auseinandersetzen und sie in den historischen Kontext einordnen. Inhaltlich handelt es sich um "Suche" (1769 - 1799), "Gestaltung" (1799 - 1804), "Improvisationen" (1804 - 1811), "Lähmung" (1811 - 1813) und "Absturz" (1813 - 1815.) Der sechste Sinnabschnitt "Nachhall" streift das Exil auf das St. Helena und beschäftigt sich mit dem historischen Erbe von Napoléon Bonaparte. Abgerundet wird der mit vielen Fußnoten versehene informative wissenschaftliche Text durch zahlreiche schwarz-weiß-Abbildungen und zwei Landkarten, die Europa im Jahr 1789 und 1812 zeigen.

Günter Müchler schreibt in einem gut lesbaren Stil und lässt in seiner Biographie ein spannendes Stück Weltgeschichte lebendig werden. Hierbei widmet er sich nicht nur dem Leben und Werk von Napoléon, sondern läßt auch den Menschen hinter dem Mythos lebendig werden, der eine schillernde, schwer zu fassende Persönlichkeit gewesen ist. Aus nachvollziehbaren Gründen kommt das private Leben des Herrschers etwas zu kurz; dennoch gewährt uns Günter Müchler interessante Einblicke in die Beziehung des Herrschers zu seinen Frauen Josephine de Beauharnais und Marie-Louise von Österreich.

Alles in allem hat Günter Müchler ein beeindruckendes Buch vorlegt, das ich jedem historisch interessierten Leser empfehlen möchte, der sich über diese Epoche der Weltgeschichte informieren und Aufstieg und Fall eines berühmten Herrschers nachvollziehen möchte. Was mir persönlich gefehlt hat, war eine genaue Zeittafel mit allen wichtigen historischen Daten. Auch detailliertes Kartenmaterial zu den einzelnen Feldzügen wäre an mancher Stelle für das Verständnis des Textes hilfreich gewesen.