Benutzer
Benutzername: 
holdesschaf

Bewertungen

Insgesamt 614 Bewertungen
Bewertung vom 12.01.2026
Pannen, Kai

Weihnachtsspinnerei


ausgezeichnet

Lustige Weihnachtsgeschichte um zwei krabbelnde Weihnachtsmänner
Allgemein hab ich es nicht so mit Krabbeltieren, vor allem mit den achtbeinigen, aber die beiden in der Geschichte sind wirklich niedliche und witzig. Auf der einen Seite gibt es Bisy, den mutigen Stubenfliegenjungen, der Einzelkind ist und von seiner Mutter überbehütet wird. Dabei traut er sich sogar bei einer Spinne einen Klingenstreich zu spielen und entkommt ihr gerade noch so. Auf der anderen Seite ist da Karl-Heinz, das Netzhäkchen der Spinnenfamilie, das immer mit seinen 5 Geschwistern teilen muss und dazu noch ständig geärgert wird, weil er noch an den Weihnachtsmann glaubt. Beide Jungen gehen fest davon aus, dass die jeweils andere Krabblerart sich kein schönes Weihnachtsfest haben wird, weil der Weihnachtsmann zu so einer Familie doch nicht kommt. Beider haben eine Idee, wie sie da Abhilfe schaffen können und dabei noch ihre Familien beeindrucken können.

Uns hat diese Geschichte aus der Kinderzeit von Bisy und Karl-Heinz wirklich gut gefallen. Es sind zwei völlig unterschiedliche Kinderstuben die hier vom Autor Kai Pannen gezeichnet werden und es ist sehr spannend zu verfolgen, was beide Kinder auf die Beine stellen, um Geschwister oder Cousin zu beeindrucken. Dabei begegnen sie sich zum ersten Mal und dieses Aufeinandertreffen verändert alles. An einigen Stellen ist die Geschichte auch furchtbar spannend, denn Spinnen sind für Fliegen natürlich super gefährlich. Gezeichnet ist das ganz in besonderen Illustrationen, die alles mit einem Augenzwinkern begleiten. Die Figuren sind sehr ausdrucksstark dargestellt und alles ist trotz einiger Pannen bei den Vorbereitungen sehr weihnachtlich. Ein schönes Buch, mit dem man seine Kinder und sich selbst auf unterhaltsame Weise in Weihnachtsstimmung versetzt. Durch die perfekte Kapitellänge eignet sich die Geschichte richtig gut, um sie im Advent oder an den Tagen vor Weihnachten als Betthupferl vorzulesen. Aber auch unabhängig von Weihnachten finde ich die Geschichte lustig und gerade für Fans der Reihe ist sie ein Muss. 5 Sterne

Bewertung vom 11.01.2026
Dippel, Julia

Velvet Falls, but the Gods forgot to die / Velvet-Dilogie Bd.1


sehr gut

Ziemlich cool, aber manchmal etwas too much
In einer Welt voller neuer Götter war es Velvets Traum, in eine Hexenzirkel aufgenommen und dort ausgebildet zu werden. Doch dann lernt sie Kash kennen und das Schicksal nimmt einen völlig anderen Verlauf. Jetzt ist Vel Dämonenreiterin mit unglaublichen Kräften, die von der Liebe Abstand hält. Visionen warnen sie vor unmittelbaren Gefahren durch Dämonen. Doch dann sieht sie die Welt in Flammen und Götter die sterben. Nachforschungen lassen vermuten, dass die Götter durch ein geheimnisvolles Virus ausgelöscht werden. Ein Gegenmittel kann es nur geben, wenn Vel das Blut aller 7 Göttersöhne auftreiben kann. Einen von ihnen kennt sie und er könnte ihr helfen. Doch leider ist es Kash und sie hatte sich geschworen, ihm nie mehr zu nahe zu kommen.

Ich mag es, wenn Protagonist*innen mit schier unlösbaren Aufgaben konfrontiert werden und über ihren Schatten springen müssen. Zudem ist das Buch optisch wirklich gelungen, auch wenn das Cover erstmal nichts mit der dämonischen Geschichte zu tun hat. Der Anfang ist ziemlich actionreich, brutal und schleimig. Man merkt gleich, dass Vel keine zimperliche Frau ist. Mit Dämonen und Widersachern macht sie kurzen Prozess. Doch dafür muss sie einen ständigen Hunger bändigen. Das gibt der Geschichte eine krasse Dynamik. Bindungen geht Velvet nicht mehr ein, da sie in der Vergangenheit enttäuscht wurde und ihre Zukunftspläne vergessen musste. Was wirklich in der Vergangenheit geschehen ist, erschließt sich erst nach und nach. Es gibt zwischen den Kapiteln immer wieder Rückblicke in die Zeit, als Vel und Kash sich trafen. Überhaupt wechselt die Perspektive zwischen beiden hin und her. Das macht das Lesen spannend und man möchte unbedingt wissen, was passiert ist und gleichzeitig entwickelt sich nach dem Wiedersehen eine ganz eigene Anziehung zwischen den eigentlich verfeindeten Protagonist*innen. Einen blauäugigen Azubi hat die erfahrene Drachenreiterin auch noch an der Backe. Der ist wirklich allerliebst und ein guter Gegenpart zu der doch sehr rüden Vel.

Sprachlich ist das Buch in weiten Teilen doch ziemlich derb geschrieben, was nicht nur daran liegt, dass Vel Dämonen und andere Verfolger töten muss. In ihr selbst herrscht Aufruhr und auch ihre Vergangenheit lässt sie nicht allzu positiv denken. Besonders am Anfang, wenn man noch nicht so viel darüber weiß, kann das doch ziemlich irritierend sein für Leser*innen, die eine normale Romantasy erwarten. Auch geht es sprachlich recht oft unter die Gürtellinie und vieles wird sexualisiert. Es geht manchmal gefühlt nur darum und das kann manchmal nerven, weil es schnell plump rüberkommt. Die Sexszenen sind auch sehr explizit, also nix für Zartbesaitete. Dabei ist die Grundidee der Geschichte und die Stärke der Protagonistin echt toll. Das kann ich von ihrem Ex Kash nicht immer behaupten. Der ist manchmal eine echte Red Flag, was man in Kauf nimmt, weil der Plot mitreißend ist. Leider war das Ende des eigentlich tollen ersten Bandes dann für mich eine Enttäuschung, da mir das Ganze Konstrukt plötzlich sinnlos erschien. Wie es danach mit Velvet weitergeht interessiert mich trotzdem, weshalb ich den zweiten Band trotz einiger Kritikpunkte an Band eins lesen werde. 4 Sterne

Bewertung vom 04.01.2026
Skadi, Liz

A Monster's Heart / Realm of Myths and Magic Bd.1


ausgezeichnet

Monströses Fantasyabenteuer
Seit langer Zeit führen die Königreiche Krieg gegeneinander, die Bevölkerung leidet. Auch Xena, die als Kind von ihren Eltern in ein Waisenhaus gegeben wurde und nur überleben kann, weil sie das Diebeshandwerk wie keine andere beherrscht. Bei einem ihrer Streifzüge findet sie bei einem Leichnam ein Ticket für die große Überfahrt zur Insel Azythros und heuert an, um bei dieser Jagd auf ein Monster Reichtümer anzuhäufen. Doch wie sich herausstellt, muss sie die Rolle der Monsterjägerin Cassia Raven einnehmen und mindestens eine Person an Bord weiß, dass sie ein falsches Spiel spielt. Nicht nur der Prinz hat es auf sie abgesehen, auch Halbmonster Ajax hat noch eine Rechnung mit Cassia offen.

Die Geschichte hörte sich für mich interessant an und ich habe sie als eBook gelesen. Meine Erwartungen wurden sowas von übertroffen. Schon den Anfang der Handlung fand ich sehr fesselnd. Hier lernt man Xena in ihrer gewohnten, unwirtlichen Umgebung kennen, erfährt, was sie als Diebin drauf hat und welche Bindungen sie im Waisenhaus hat. Der Fund eines goldenen Tickets weckt in ihr die Idee, die Tote, bei der die Karte lag, einfach zu ersetzen. Das setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, denen Xena, nun Cassia Raven auf dem Schiff ohne Fluchtmöglichkeit ausgesetzt ist. Dass es für sie kein Entkommen gibt und sie ihre Rolle auf keinen Fall aufgeben darf, macht die Story äußerst spannend. Auch die anderen Mitglieder der Truppe auf dem Schiff sind vollkommen undurchsichtig und schwer einschätzbar. Jeder könnte der Mörder der echten Cassia sein und Xenas Geheimnis aufdecken. Sie muss sehr vorsichtig agieren, obwohl sie mehrfach bedrängt oder um eine Allianz gebeten wird.

Ein weiteres Highlight der Geschichte sind die monströsen, absolut tödlichen Kreaturen. Für eine Monsterjägerin kein Problem, doch Xena ist nunmal nicht Cassia. Zudem lauert Ajax, Halbmonster und Gefangener im Hintergrund. Mir gefällt die Entwicklung zwischen Xena und den anderen Beteiligten. Manche sind von Annährung geprägt, andere von Hass oder Vorsicht. Es ist nie klar, welche Entscheidung nun ratsam wäre. Das sorgt für eine angespannte Stimmung beim Lesen. Die Fähigkeiten, die die verschiedenen Monster haben und die Insel, die man schließlich erreicht, werden super beschrieben und es gibt zahlreiche Kämpfe und Angriffe mit Action und Blutvergießen. Mit der Zeit schlich sich bei mir so eine gewisse Ahnung ein und tatsächlich gibt es einiges aufzudecken. Das Buch hätte sofort die vollen 5 Sterne bekommen, wenn am Ende nicht irgendwie fast alles wieder auf Anfang wäre und ich mich gefragt habe, was die Reise nun Positives bringt. Da sind noch einige Fragen offen. Wie gut, dass Band 2 "A Hunter's Legacy" kürzlich erschienen ist. Den muss ich lesen! 4,5 Sterne

Bewertung vom 04.01.2026
Le, Vanessa

Verlorenes Herz (The Last Bloodcarver, Band 1)


sehr gut

Lesenswert durch neuartige Magiewirkung
Nhika hat einzigartige Fähigkeiten, doch diese machen ihr Leben nicht nur gefährlich, sondern auch einsam. Als letzte Bloodcarver kann sie zwar durch eine Berührung eine Verbindung zu jedem menschlichen Körper aufnehmen und heilen, doch in Theumas darf sie ihre Magie nicht offen zeigen. Trotzdem wird sie eines Tages erwischt und an den meistbietenden versteigert. Bei der unsagbar reichen Familie Congmi soll sie den Zeugen des Mordes am Familienoberhaupt behandeln. Immer tiefer wird sie in diesen Fall hineingezogen. Vor allem der Assistent eines angesehenen Professors kommt ihr gefährlich nah und gibt ihr Rätsel auf. Der Mörder scheint ganz nah zu sein.

Diesmal bin ich ehrlich gesagt durch das wunderschöne Äußere auf das Buch aufmerksam geworden und dann hat mich die Leseprobe sofort gepackt. Nhikas Leben und ihre Fähigkeiten werden so eindrücklich beschrieben und es wird auch sofort spannend. Vor allem die Magie, die Nhika wirken kann, ist neuartig und hat mich in ihren Bann geschlagen. Jedesmal wenn sie "in einen Körper reist" war ich fasziniert und gespannt, was sie vorfindet, wie sie an die Sache herangeht und was sie ausrichten kann. Dazu muss sie ihr Können vor dem Großteil der Welt geheim halten, da sie sonst Gefahr läuft, wie alle anderen Bloodcarver getötet zu werden. Dass sie von einer reichen Adelsfamilie gekauft wird, eröffnet ihr ganz neue Möglichkeiten und es ist eine interessante Entwicklung, die sie im Laufe der Geschichte durchläuft.

Spannend ist das Buch natürlich nicht nur wegen der drohenden Gefahr. Auch der Kriminalfall sorgt für einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Warum wurde der reiche Adlige mit den modernen Vorstellungen und innovativen Ideen getötet und wer steckt dahinter? Wird es Nhika gelingen, den Zeugen zu heilen? Hinzu kommen ein paar schwer einschätzbare Nebencharaktere. Also eigentlich ist alles ganz toll, wenn nur manchmal diese zähen, sich auch wiederholenden Gedankengänge von Nhika nicht wären, die sich meist um ihre Herkunft, Fähigkeit oder den Assistenten des Professors im Kreis drehen. Diese bremsten manchmal die Spannung aus und ließen Längen entstehen. Das leicht asiatisch wirkende Umfeld kam für mich nur an manchen Stellen, z.B. bei den Namen und Gepflogenheiten, durch. Viel interessanter war die Mischung aus veraltet wirkenden Elementen und neuesten technischen Errungenschaften, die durchaus ein paar Steampunk-Vibes einfließen ließ. Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall schon allein wegen der neuartigen Magiewirkung lesenswert und auch das Ende war eine echte Überraschung. 4 Sterne

Bewertung vom 18.12.2025
Liebig, Anna

Schneezauber in Norwegen / Winter-Liebe Bd.2


ausgezeichnet

Herzerwärmende Geschichte im weihnachtlichen Bergen
Nina kündigt kurz vor Weihnachten unüberlegt ihren Job. Auch sonst ist ihr Leben eher auf Sparflamme. Ihre Eltern kamen um, als sie noch ein Kind war. Von den Großeltern, die sie zu sich nahmen, ist nur noch ihr Opa übrig. Als dieser im Fernsehen einen Bericht über eine Lebkuchenstadt in Bergen sieht, erkennt er darin seine Jugendliebe Ingrid aus Norwegen, die er gezwungenermaßen ohne Abschied verlassen hatte. Sein schlechtes Gewissen und die Neugier plagen ihn und weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat, fliegt Nina mit ihm und ihrem Mitbewohner Alex nach Norwegen, wo sie bald selbst Lebkuchenhäuser gestalten und die weihnachtliche Kulisse genießen. Der attraktive Pensionbesitzer sorgt bei Nina für Herzklopfen.

Das cozy Cover passt perfekt zu diesem winterlich-weihnachtlichen Wohlfühlroman, der zwei Liebesgeschichten miteinander verbindet. Zum einen geht es um Nina, die vom Leben gezeichnet selten Bindungen eingeht, weil sie Angst vor einem erneuten Verlust hat, seit ihre Eltern bei einem Autounfall starben. Ihre Oma hat sie an den Krebs verloren. Geblieben sind ihr Opa und ihr schwuler Mitbewohner Alex. Obwohl ihr Pensionsbetreiber Magnus sofort gefällt, ist sie unsicher, ob eine Liebe in von Frankfurt weit entfernten Bergen eine gute Idee ist. Auf der anderen Seite ist da Uwe, Ninas Opa, der unbedingt nach Norwegen fliegen wollte, um sich bei seiner Jugendliebe Ingrid für sein Verschwinden zu entschuldigen. Über die Hilfe am Bau der Lebkuchenstadt trifft er sie wieder und traut sich aber nicht, ihr seine wahre Identität zu offenbaren. Dabei gefällt Ingrid ihm noch immer.

Die Autorin zeichnet hier liebenswerte und lebensechte Figuren, die man schnell ins Herz schließt und deren Zweifel man deutlich spürt. Man versteht sehr gut, warum sie handeln und manchmal auch weniger gute Enscheidungen treffen. Während man mit Nina, Alex, Uwe und Magnus unterwegs ist, erhält man ein wunderbares Bild des weihnachtlich verschneiten Bergens. Ob in der Lebkuchenstadt, auf einem Wichtelweg für Kinder oder dem Weihnachtsmarkt. Alles stimmt im Buch festlich auf die stade Zeit ein. Die Beschreibung der Orte und dekorativen Kleinigkeiten war mir gelegentlich zu viel gegenüber der Handlung, die eher langsam voranschreitet. Dennoch passte das im hektischen Weihnachtsalltag doch recht gut. Gegen Ende hin passieren noch einige unvorhersehbare Dinge, die für Aufregung sorgen. Gerade die herzerwärmende Geschichte um die alte Liebe von Opa Uwe, hat mich berührt. Besonders eine Szene auf dem Friedhof hat mich ein paar Tränchen verdrücken lassen. Ein toller gefühlvoller Roman, nicht nur zur Weihnachtszeit. 4,5 Sterne

Bewertung vom 18.12.2025

Arsen und Butterplätzchen


ausgezeichnet

Bitterböse und mörderische Kurzgeschichten rund ums Weihnachtsfest
Bei "Arsen und Butterplätzchen" handelt es sich um ein kleines, harmlos wirkendes Geschichtenbändchen, das es jedoch in sich hat. 17 Autor*innen aus zwei Vereinigungen haben ein Werk beigesteuert, mit dabei auch bekannte Schriftsteller*innen wie z.B. Gisa Klönne. Alle Texte sind unterschiedlich lang und die meisten konnten mich wirklich überraschen. Oft nimmt die Handlung Wendungen, die ich nicht kommen sah oder die Geschichten regten mich zum Nachdenken an. Nicht alle sind Krimis und dennoch geht es in vielen um unfreiwillige Tode, böse Absichten und menschliche Abgründe. Die Autor*innen haben ein feines Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und manchmal auch einen morbiden Humor. Die Abwechslung sorgt für perfekte Unterhaltung und durch die Kürze der Geschichten kann man sie gut auch mal zwischendurch lesen. Die Kapitelanfänge sind mit kleinen Vignetten aus der Feder von Künstlerin Christine Rechl geschmückt, die auch für die Zusammenstellung der Geschichten verantwortlich ist und sogar selbst eine beigesteuert hat.

Mir gefiel, wie unterschiedlich hier die Abgründe hinter der fröhlichen Weihnachtsfassade aufgedeckt werden. Zum Beispiel wird ein typisches Weihnachtsfest mit der Verwandtschaft, die man sich leider nicht aussuchen kann, geschildert. Die Erkenntnis daraus ist traurig, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Wunderbar überraschend die Geschichte einer Frau, die ihren Mann los werden möchte und dieses Vorhaben im Kopf bereits geplant hat. Oder die etwas mystische Reise einer jungen Frau in den Bayerischen Wald und die Folgen. Keine Geschichte gleicht der anderen. Wer also zu Weihnachten keine kitschigen Weihnachtsromane, die in verschneiten Orten spielen, lesen möchte oder nicht nur diese, der ist mit diesem Geschichtenband bestens beraten. Er eignet sich auch wunderbar als Geschenk für Menschen, die mit der bösen Art kein Problem haben, wobei ich da vor allem bei Verwandten erwähnen würde, dass man keine mörderischen Absichten hegt, hehe. 5 Sterne

Bewertung vom 10.12.2025

Der Kinder Kalender 2026


ausgezeichnet

Beeindruckend, lustig und zum Nachdenken
Der Kinder Kalender für das Jahr 2026 beinhaltet 53 Kalenderblätter, eines pro Woche. Angegeben sind natürlich Datum, Wochentage, Feiertage und der jeweilige Monat. Das Hauptaugenmerk wird hier aber nicht auf diesen Infos liegen. Stattdessen wird jeder, der sich diesen Kalender zulegt neugierig auf die neue Woche warten, um ein weiteres Gedicht kennenzulernen, das irgendwo auf der Welt verfasst wurde. Vertreten sind Werke aus 40 Ländern, die mir bisher unbekannt waren und zwar in der Originalsprache als auch ins Deutsche übersetzt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Lesen von Gedichten aus anderen Länden, so beeindruckend, lustig und zum Nachdenken sein kann und bin mehr als begeistert, wie abwechslungsreich die Texte sind. Hier wurde meiner Meinung nach auch tolle Arbeit beim Übersetzen geleistet, so dass z.B. Reime und ähnliche Rhythmen erhalten bleiben. Die Themen sind vielfältig und man erfährt auf unterhaltsame Weise doch viel darüber, was den Verfasser*innen am Herzen lag. Unglaublich toll sind die zugehörigen großen, bunten und in verschiedenen Stilen gestalteten Illustrationen, die mit den Gedichten in Verbindung stehen. Gerade Kinder werden darin so viel sehen können und ihre Neugier spielen lassen. Ich habe schon beim Durchblättern einige Gedichte gefunden, die ich mir wohl nach Ablauf des Jahres in einem Rahmen aufhängen möchte, weil ich sie so toll finde. Nicht nur für zuhause ist der Kalender eine Bereicherung, ich kann ihn mir auch gut in Schulen und Kindergärten als Einstieg in die jeweilige Woche vorstellen. Eine tolle Zierde für jede Wand und für mich als Bilder- und Kinderbuchfan ein echter Schatz. 5 Sterne

Bewertung vom 07.12.2025
Horst, Jørn Lier

CLUE 1. Schiffbruch vor der Felseninsel


sehr gut

Gelungener Auftakt einer neuen Kinder-Detektiv-Reihe
Cecilia, deren Vater das Hotel "Perle" an der norwegischen Küste führt, findet am Strand die Leiche eines Mannes. Leo kommt ihr zu Hilfe. Er ist der Sohn der neuen Geschäftsführerin. Bald schon wittern die beide mehr hinter dem Schiffbruch, bei dem der Unbekannte zu Tode kam und beginnen im Umfeld des Hotels zu ermitteln. Was wollte der Mann mit dem Salamander-Tattoo hier in der Gegend? Mit von der Partie sind auch Cecilias Freundin Une und ihr Hund Egon. Als in deren Schuppen eingebrochen wird, ist klar, dass auf dem Schiff mehr gewesen sein muss, als ihnen bisher bekannt ist.

Mit der Reihe CLUE startet der norwegische Bestsellerautor Jørn Lier Horst als Kinderbuchschriftsteller durch. Die Geschichte um die jungen Ermittler*innen Cecilia, Leo und Una startet direkt ziemlich ungewöhnlich mit einer echten Leiche. Dessen sollte man sich als Eltern der Zielgruppe unbedingt bewusst sein und auch wissen, ob die eigenen Kinder dies verarbeiten können. Für uns stellte das insofern kein Problem dar, als sehr schnell klar wird, dass es sich bei dem Mann um ein Unfallopfer handelt. Davon abgesehen gibt es in der Handlung eine kontinuierliche Festigung der Freundschaft und Zusammenarbeit der Kinder. Vor allem Cecilia ist sich anfangs nicht sicher, ob sie Leo mag, doch das gibt sich bald. Während Cecilia so etwas wie der Planer der Gruppe ist, sieht man Leo selten ohne seine Kamera. Una bringt ihren Hund Egon mit in die Ermittlertruppe. Es hat ein bisschen was von den 5 bzw. 4 Freunden. Die Ermittlungen finde ich sehr gelungen und auch an Verdächtigen mangelt es nicht. Zudem finde ich es toll, dass auch Cecilias Hintergrund und damit der Tod ihrer Mutter eine Rolle spielt. Auch von den anderen beiden Kindern erfahren wir nach und nach Privates. Es gibt auch so etwas wie moralische Bedenken, die aber immer offen zwischen den Kindern diskutiert werden. Verbotenes wird nicht einfach gemacht, es wird vorher über Nutzen und Folgen diskutiert, so dass den jungen Leser*innen immer klar ist, wo eine Grenze überschritten wird.

Der Schreibstil ist kurzweilig und auch die Gestaltung im Innenteil ist mit den wiederkehrenden Bildern am Kapitelanfang gelungen. Die Kapitellänge ist angenehm, auch für Kinder, die nicht so viel lesen. Richtig toll finden wir das Cover mit dem sich gut einprägenden Blutfleck und den düsteren Farben, das dramatisch wirkt. Ganz so dramatisch fand ich die Geschichte allerdings nicht. Es gibt natürlich ein paar gefährliche Szenen, aber für uns hätte die Geschichte gern noch etwas mehr Spannung beinhalten können. Nach vielen offenen Möglichkeiten löst sich der Fall doch etwas zu leicht auf. Neugierig sind wir jedoch, ob die persönlichen Aspekte, die hier in die Geschichte hineinspielen, in den nächsten Bänden eine Fortsetzung oder eigene Ermittlung erhalten. 4 Sterne für diesen gelungenen Auftakt, der vor allem junge Detektiv-Fans glücklich machen dürfte.

Bewertung vom 30.11.2025
Hennig, Markus

Die Sekundenochs


sehr gut

Ein kleines, buntes Plädoyer für das Trödeln
Unter der Erde leben die Sekundenochs, ein lustiges Völkchen kleiner Wesen, für die Trödeln lebensnotwendig ist. Zuspätkommen, sich Zeit lassen, erstmal chillen... all das gehört hier dazu und ist der Grund, warum der Aufzug, mit dem die Sekundenochs weite Reisen tätigen können noch nicht repariert ist. Tjörge nutzt ihn trotzdem und landet an der Oberfläche bei den Menschen. Genauer gesagt bei Smilla. Bei ihr ist es genau anders herum. Sie soll sich immer beeilen, hinne machen und auf die Tube drücken, um alles rechtzeitig zu schaffen. Doch durch Tjörge lernt sie, auch mal fünf gerade sein zu lassen und sich dem Stress, den Eltern und Trompetenlehrer machen, zu entziehen.

Wir hatten die Leseprobe gelesen und da hatten uns die witzigen Szenen unter der Erde, in denen gezeigt wird, wie entschleunigt die Sekundenochs sind, richtig gut gefallen. Mehrere comicartige Szenen mit Sprechblasen sind zunächst zu entdecken. Hier sind uns auch sofort die tollen, detailreichen Bilder von NIkolai Renger positiv aufgefallen. Überall in der Erde tummeln sich Insekten, Wesen und Gegenstände, die es zu entdecken gilt. Der unnachahmliche Zeichenstil schlug bei meiner Tochter voll ein und sie wurde nicht müde auf jeder Seite, wo dies möglich war, alle Kleinigkeiten zu zeigen und zu benennen. Auch die Gegenüberstellung von gechilltem Leben bei den Sekundenochs und dem von Außen produzierten Stress bei Smilla ist gelungen. Kinder werden sich in mancher Szene widererkennen und auch so manchen Spruch zum Antreiben selbst gehört haben. Also gibt es genug Gelegenheit zur Identifikation mit der Hauptfigur.

Als Tjörge zu Smilla kommt, hatten wir nun damit gerechnet, dass die beiden langsam aber sicher tolle Sachen erleben. Ganz so läuft es aber nicht. Tjörge beginnt Smilla Unterricht im Trödeln zu geben und so wird ihr Leben viel ruhiger und sie muss sich nicht mehr so abhetzen und perfekt laufen. Nicht ganz so logisch war für mich als Vorleser, dass Mama und Trompetenlehrer zwar genervt gucken, als Smilla immer wieder Pausen einlegt, aber ihre typischen Sprüche stecken und das Kind plötzlich einfach gewähren lassen. Klar merke ich als Erwachsene, dass auch meine Kinder Zeit zum Nichtstun und Ruhen brauchen, meiner Tochter war die Handlung aber etwas zu öde (vielleicht auch Absicht) und die Texte sind schon etwas länger, so dass man beim Zuhören geduldig sein muss. Die Illustrationen haben sie dann aber wieder gefangen genommen. Bis zum Ende kommt die Botschaft für die Großen natürlich gut rüber, aber ich bin mir nicht sicher, ob meine Tochter jetzt weiß, dass es wichtig ist, auch mal die Seele baumeln zu lassen, denn Kinder machen das ohne die Anweisungen der Eltern doch ganz automatisch oder nicht? Bei Smilla war es anfangs so. Gerade wegen der superschönen Illustrationen und dem Fingerzeig für die Großen geben wir aber 4 Sterne. Da Smilla schon ein Schulkind ist und die Texte umfangreicher, kann man das Buch gut auch größeren Kindern vorlesen.

Bewertung vom 22.11.2025
Nenninger, Sandra

Love Me in the Snow


ausgezeichnet

Süße Weihnachtsromanze mit Tiefgang
Als Marie aus dem Ski-Nationalkader fliegt, ist sie nicht nur von sich enttäuscht, sie weiß auch nicht, wie sie das ihren Eltern beibringen soll, die so große Hoffnungen in sie gesetzt hatten. Darum verschweigt sie dieses Detail. Statt für große Rennen zu trainieren übernimmt sie wohl oder übel die Kindergruppe der elterlichen Skischule zusammen mit dem unbekümmerten und von sich überzeugten Henry. Dieser sollte eigentlich als Skilehrer arbeiten, hatte aber bei der Prüfung hierfür seine Skier vergessen. Doch bald stellt Marie, dass das nicht der einzige Grund für die fehlende Skilehrer-Lizenz ist. Tatsächlich ist Henry auch gar nicht so arrogant wie gedacht.

Es geht auf die Adventszeit zu und da möchte ich mich auch beim Lesen etwas auf die gemütliche Zeit vorbereiten. Da kam mir dieses Buch gerade recht. Das Cover versprach eine schöne Liebesgeschichte und der Klappentext machte mich neugierig. Allerdings finde ich, dass er etwas zu viel verrät, vor allem, was Henrys "Geheimnis" angeht. Die Autorin schreibt schön locker leicht, so dass man sich einfach auf die Handlung einlassen kann. Besonders Maries Bedenken und Zweifel an sich selbst nach dem Rauswurf und ihre Angst vor der Reaktion der Eltern schildert sie vollkommen glaubwürdig und nachvollziehbar. Henry ist teilweise etwas zu unbedarft, was seine Skilehrer-Ausbildung betrifft, dafür ist er im Kostüm des Maskottchens der Skischule einfach süß. Die Arbeit mit den Kindern hat mich oft schmunzeln lassen. Die Gespräche der beiden reichen von genervtem Hin und Her bis zu echt tiefen Einblicken in die Seelen des anderen. Leider sorgen Henrys Blicke auf eine andere Skilehrerin, der er wie ein treuer Hund folgt für weitere Irritationen. So wird es jedoch nie langweilig. Das Skifahren nimmt dezent Raum in der Geschichte ein, man muss also kein Experte sein, um diesen Aspekt zu verstehen. Dem Gegenüber steht viel weihnachtlicher Flair, sei es durch Eislaufen in toller Umgebung, einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt oder - ganz besonders - durch die tolle Backstube von Maries Oma. Überhaupt war die Oma als Nebenfigur richtig toll und man konnte sich ihren Laden bildlich vorstellen und hatte sogar den Gebäckduft in der Nase.

Insgesamt geht es hier nicht nur um die Entstehung von Gefühlen, es steckte mehr hinter der Story. Es zeigt sehr schön, dass das Leben nicht immer geradeaus läuft, sondern Veränderungen unterliegt, die man nicht beeinflussen kann, auf die man sich aber einstellen muss. Gerade im Alter der Protagonist*innen gibt es viele Entscheidungen zu treffen und man merkt hier gut, dass es nicht sinnvoll ist, anderen und ihren Träumen hinterher zu laufen, man muss seinen eigenen Weg wählen, vielleicht auch etwas wagen. Die Kombination aus cosy Romance und diesen ernsteren Tönen hat mir gut gefallen. 4,5 Sterne