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carola1475

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Insgesamt 134 Bewertungen
Bewertung vom 20.04.2024
Die Gabe der Lüge / Karen Pirie Bd.7
Mcdermid, Val

Die Gabe der Lüge / Karen Pirie Bd.7


ausgezeichnet

Schwierige Ermittlungen im schottischen Corona-Lockdown

Im ersten schottischen Corona-Lockdown 2020 können sich die eigenwillige Cold-Case-Ermittlerin Karen Pirie und ihr Team die Zeit nehmen, dem Hinweis einer Mitarbeiterin der National Library nachzugehen. Die Bibliothekarin hat vor dem Lockdown den Nachlass eines verstorbenen Krimi-Autoren gesichtet und dabei in einem Manuskript auffällige Ähnlichkeiten zum ungelösten Vermisstenfall der Studentin Lara Hardie entdeckt, die vor einem Jahr spurlos verschwunden ist.
Das Arbeiten unter den Bedingungen des Lockdown und in der ungewohnten Atmosphäre ist schwierig, doch Karen ist froh, eine neue Aufgabe zu haben und so auch die Gelegenheit, ihre neue Mitarbeiter Daisy, mit der sie für die Dauer des Lockdown zusammengezogen ist, besser kennenzulernen.

Das Manuskript ist wie ein Buch im Buch in die Geschichte eingebunden und bietet neben einer perfiden Krimihandlung auch einen sehr interessanten Blick hinter die Kulissen von Autoren und dem Verlagswesen.
Der Krimifall erscheint verwirrend und gibt sowohl Karen als auch dem Leser Rätsel auf. Die Ermittlungen werden durch die Corona-Beschränkungen sehr erschwert und die Spuren- und Beweissuche ist aufwendig und weitreichend. Doch Karen, Daisy und Jason erweisen sich als gutes Team.

Obwohl ich bisher nur zwei Bücher der Reihe gelesen habe, hatte ich keine Verständnisschwierigkeiten mit diesem 7. Band um Karen Pirie. Gelegentlich wird kurz auf die Vergangenheit Bezug genommen. Die versierte Autorin nimmt den Leser mit ihrem klaren, bildhaften Schreibstil und der gelungenen, glaubhaften Figurenzeichnung auch von Nebencharakteren von Beginn an mühelos mit. Val McDermid schreibt auf den Punkt und lässt an Karens Gedanken teilhaben. Humorvolle Passagen entstehen durch Dialoge mit Jason.

Val McDermid weckt meine Reiselust mit ihrer Beschreibung Edinburghs, wenn Karen in der Stadt unterwegs ist. Auch die Einbindung des Corona-Lockdowns finde ich gelungen. Er erschwert nicht nur den Alltag, sondern entschleunigt das Leben und bringt vorher nicht gezeigte, entlarvende Eigenschaften mancher Figuren ans Licht.
Gesellschaftskritik fehlt in diesem Band der Reihe ebenfalls nicht, die Autorin thematisiert in einem Nebenstrang den Umgang mit Flüchtlingen in Großbritannien.
Mir hat der komplexe Krimi sehr gut gefallen und ich freue mich auf den nächsten Band um Karen Pirie. 'Die Gabe der Lüge' bekommt von mir 4,5 Sterne.

Bewertung vom 07.04.2024
Der Brighton-Schwimmclub
Lloyd, Josie

Der Brighton-Schwimmclub


ausgezeichnet

Schwimmen im Meer und mehr

Der Brighton Schwimmclub besteht zuerst aus Helga, Tor und Dominica. Alle drei Frauen haben ihr Päckchen zu tragen und finden im Corona-Lockdown 2022 Ablenkung und Erleichterung beim Schwimmen im Meer und die Frauen tun einander gut. Im Winter stoßen noch Maddy und Claire dazu, die beide unter ihren jeweiligen familiären Situationen leiden.

Maddy und Claire werden vorbehaltlos in die Gruppe aufgenommen, die Frauen verstehen und unterstützen einander, können sich alles erzählen, trösten und ermutigen und vermitteln neue Impulse, sie sind immer füreinander da. Protagonistinnen und auch Nebenfiguren sind authentisch und nahbar beschrieben. Josie Lloyd gelingt es, die Freundschaft der unterschiedlich alten Frauen berührend und glaubhaft darzustellen, wie auch die Erfahrungen des Schwimmens im eiskalten Meer, die Konzentration auf den Moment und das Element, die körperliche Stimulation und das Wohlbefinden. Wie die Autorin im Nachwort erzählt, ist sie selber leidenschaftliche Meeresschwimmerin und sie kann ihre Begeisterung gut vermitteln.

Der klare Schreibstil ist angenehm zu lesen, lediglich zu Beginn wurde mir etwas zu viel 'erzählt' statt 'gezeigt', um den Hintergrund und die Geschichte der einzelnen Frauen zu schildern. Neben der Erzählung um den Schwimmclub bindet die Autorin auch andere Themen geschickt in die Handlung ein wie z.B. die Lebensbedingungen von Obdachlosen, Umweltverschmutzung, das Arbeiten bei der Telefonseelsorge, Social Media.

Der Schwimmclub heißt augenzwinkernd die 'Sea-Gals', was, englisch ausgesprochen, See-Mädels oder auch Seemöwen bedeuten kann. Das Cover zeigt die ursprünglichen drei Mitglieder der Sea-Gals, wobei die Schriftart von 'Brighton' der der tatsächlichen Brightoner Seebrücke entspricht. Der Roman hat jedoch viel mehr Tiefgang als das Cover vermuten lässt. Trotz eines Endes, das sich dann doch einem Wohlfühlroman annähert, hat mir das Buch über Frauenfreundschaft und -solidarität sehr gut gefallen. Ich vergebe 4,5 Sterne.

Bewertung vom 31.03.2024
Die Dämmerung / Art Mayer-Serie Bd.2
Raabe, Marc

Die Dämmerung / Art Mayer-Serie Bd.2


ausgezeichnet

Familienkonstellationen

Der unorthodox arbeitende Art Mayer und seine schwangere Kollegin Nele Tschaikowski müssen den bizarren Mord an einer prominenten Wohltäterin aufklären. Schnell richtet sich der Verdacht auf die unberechenbare Tochter des Opfers, doch Art hat seine Zweifel.

Wie beim ersten Band 'Der Morgen' um das sympathische Ermittlerduo fällt auch hier das Cover mit der grellen Farbgebung, dem abgebildeten Motiv und dem schwarzen Schnitt auf, es passt sehr gut zur Serie und auch zum Inhalt. Auf der privaten Ebene wird die Geschichte um Art und um Nele weiter erzählt, der neue Krimifall gibt Rätsel auf. Nele hadert mit ihrer Schwangerschaft und weiß nicht, wie sie in Zukunft Kind und Karriere vereinbaren soll. Ihre kriminalistischen Fähigkeiten leiden etwas unter diesen Zweifeln, ich bin gespannt, wie der Autor es für Nele im nächsten Band beruflich weitergehen lässt. Art muss Rücksicht auf seinen Diabetes nehmen und findet fast jeden Tag das Nachbarkind Milla in seiner Wohnung vor, dessen verschwundene Mutter er finden will. Dass die Alltagsprobleme der Protagonisten erzählt werden, macht die vielschichtigen Charaktere realistisch und noch glaubwürdiger. Die Dialoge zwischen Art und Milla sorgen für humorvolle Momente.

Auch in dieser Geschichte gibt es eine zweite Zeitebene, die ebenso wie Perspektivwechsel zur Spannung beiträgt. Die glaubhaft geschilderte Ermittlungsarbeit wird erschwert durch Social Media-Kommentare, Fake News und parteipolitische Intrigen. Mordmotiv und Täter bleiben lange unklar, wodurch die Spannung durchgehend erhalten bleibt. Die Handlung ist geschickt konzipiert und gesellschaftspolitisch aktuelle Themen wie Klimaaktivisten oder knappe Ressourcen auch bei der Polizei werden gekonnt eingebunden.

Marc Raabe schreibt lebendig, bildhaft und packend. Dieser düstere Thriller hat mir wieder sehr gut gefallen. Viel zu schnell war das Buch zu Ende und ich freue mich schon auf den nächsten Band. Ich vergebe 4,5 Sterne.

Bewertung vom 29.03.2024
Bad Business. Deal mit dem Tod
Flebbe, Lucie

Bad Business. Deal mit dem Tod


ausgezeichnet

Spannend, unterhaltsam und informativ

Mieke Jentsch tritt die Nachfolge ihres unerwartet verstorbenen Chefs an und soll als Klinikverantwortliche bei der Rentenversicherung Ruhr den Verkauf von 12 Reha-Kliniken an einen Medizinkonzern abwickeln. Je mehr sie sich mit den möglichen Folgen für Beschäftigte und Patienten auseinandersetzt, desto weniger kann sie sich mit den Zielen ihrer Führungsetage identifizieren. Es werden mehrere Anschläge auf Mieke verübt, wer will sie woran hindern?

Erzählt wird aus zunächst verwirrend vielen Perspektiven, wobei die Figurenzeichnung vielschichtig und glaubwürdig ist, da die Charaktere Emotionen, einen Hintergrund und eine Vergangenheit haben. Die Protagonisten erscheinen authentisch und machen neugierig, besonders die etwas rätselhafteren. Nach und nach konnte ich mir ein Bild der einzelnen, teilweise überzeichneten Figuren zusammensetzen.

Kurze Kapitel, jeweils mit Perspektivwechsel, und ein hohes Erzähltempo tragen zur Spannung der Geschichte bei. Das Buch mit seinem einfachen, aber aussagekräftigen Cover kann durchgehend fesseln und überrascht mit unerwarteten Wendungen und einem packenden Showdown.

Lucie Flebbes Schreibstil ist lebendig, locker und ausgesprochen bildhaft. So manche Situation habe ich erlebt, als wäre ich dabei. Es gibt humorvolle Szenen wie auch klar und verständlich beschriebene Gegebenheiten des Gesundheitssystems in einerseits öffentlicher und andererseits privater Hand. Die Autorin kennt das Gesundheitssystem aus beruflicher Erfahrung und hat andere Themen gut recherchiert, z.B. die Verhaltensweise von Pferden. 'Bad Business – Deal mit dem Tod' hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, ich habe außerdem Neues gelernt. Das ist mehr, als ich von einem guten Krimi erwarte.

Bewertung vom 17.03.2024
Morden in der Menopause
Dreyer, Tine

Morden in der Menopause


sehr gut

Wechseljahre und andere Herausforderungen

Mit Schlaflosigkeit fängt es an und Liv muss erkennen, dass bei ihr ganz überraschend die Wechseljahre begonnen haben. Hat sie bisher den stressigen Alltag mit drei pubertierenden Kindern, der Care-Arbeit für ihre hochbetagten Schwiegereltern und einem Teilzeitjob mit anstrengenden Kunden gemeistert, machen ihr jetzt die Stimmungsschwankungen und ein nur kurzer Geduldsfaden so sehr zu schaffen, dass sie einen Drogendealer erschlägt, der mit ihrem Sohn ins Geschäft kommen wollte. Es bleibt nicht bei der einen Leiche und Liv gerät in nie erahnte skurrile Situationen.

Die Protagonistin erzählt aus der Ich-Perspektive und spricht den Leser auch direkt an und lässt an ihren Überlegungen teilhaben. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, was nicht überrascht, steckt hinter dem Pseudonym Tine Dreyer doch die erfahrene Autorin Christine Drews. Trotz der verrückten Geschichte finde ich Liv als Frau in den Wechseljahren und auch ihre pubertierenden Kinder glaubwürdig beschrieben, während Nebenfiguren auch mal überzogen dargestellt werden, aber auf jeden Fall unterhaltsam. Den Kapiteln jeweils vorangestellt sind kurze, informative Erläuterungen zu den Wechseljahren und Livs Frauenärztin weiß auch die Vorteile der überstandenen Menopause beizusteuern.

Das Buch mit dem witzigen Cover und seiner schrägen Geschichte hat mir auf humorvolle Weise Wissen um die Wechseljahre vermittelt und mich gut unterhalten.

Bewertung vom 13.03.2024
Das kleine Buch der großen Risiken
Thomä, Jakob

Das kleine Buch der großen Risiken


ausgezeichnet

Eine Übersicht über bereits bekannte und auch überraschende Risiken

Jakob Thomä, Risikoforscher, Gründer von Denkfabriken und Finanzexperte mit dem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, hat nach dem vielbeachteten Buch 'Der Kill Score – Auf den Spuren unseres ökologischen und sozialen Fußabdrucks' nun 'Das kleine Buch der großen Risiken' geschrieben.
In 26 gleich aufgebauten Kapiteln analysiert er Risiken für unsere Zivilisation von A wie Atombombe bis Z wie Zombies. Der Autor beschreibt Fakten kurz und knapp, dennoch verständlich und anschaulich erklärt. Er betrachtet die verschiedenen Risiken und ihre Nebenwirkungen von allen Seiten und lockert die Kapitel mit popkulturellen Anspielungen und mit Anekdoten auf, seinen Humor muss ich wohl als Galgenhumor bezeichnen.
Jakob Thomä kommt zu dem Schluss, dass es nur wenige wirklich existentielle Risiken für die Menschheit gibt, denen wir nichts entgegenzusetzen haben und er betont, dass jeder zu einem guten Zusammenleben unserer globalen Gemeinschaft beitragen kann, indem wir die Untätigkeit hinter uns lassen und handeln.
Dem Buch mit seinem aussagekräftigen Cover merkt man an, dass der Autor Spaß bei den Recherchen hatte und auch mich hat es gut unterhalten. Darüber hinaus habe ich Neues gelernt und bin mir einiger Risiken überhaupt erst bewusst geworden.
Ich empfehle 'Das kleine Buch der großen Risiken' jedem Leser, der sich einen Überblick über drohende Gefahren verschaffen will und offen ist für eine eher unkonventionelle Herangehensweise.

Bewertung vom 10.03.2024
Vom Mut des ersten Fisches, der das Wasser verlässt
Hoffmann, Anne

Vom Mut des ersten Fisches, der das Wasser verlässt


ausgezeichnet

Mut machende, einfühlsam geschriebene Geschichte

Der 16jährige Felix übernimmt viel Verantwortung für seine kleine Schwester. Seine eigenen Wünsche sind in den Hintergrund gerückt, aber die Sehnsucht, Freunde zu finden, wird immer stärker. Zufälligerweise trifft er die gleichaltrige Lina, die stark und furchtlos auftritt und sich eine Hexe nennt. Die beiden erkunden zusammen eine verlassene Villa, in der es spuken soll. Obwohl sie so gegensätzlich sind, finden sie in ihren Gesprächen nicht nur viel über den anderen heraus, sondern auch über sich selbst, über Beziehungen und Freundschaft.

Das Layout des schönen Covers mit seiner düsteren Atmosphäre ist sehr gelungen, ich sehe im außergewöhnlichen Titel eine Entwicklungsspirale und einen Anhänger und meine Neugier war sofort geweckt.
Die Autorin ist ihren Figuren sehr nah und es gelingt ihr von Beginn an, authentische Protagonisten entstehen zu lassen, die nicht nur emotional berühren, sondern mich auch gedanklich beschäftigen, um so mehr, da die Geschichte aus Felix' Ich-Perspektive erzählt wird.
Anne Hoffmanns Schreibstil ist klar, lebendig und sehr unterhaltsam, da Felix über Selbstironie verfügt und Dialoge nicht nur ernst, sondern auch witzig sein können.

Nicht nur Felix' und Linas Entwicklung zu verfolgen, ist spannend, sondern auch die Spukgeschichte um die alte Villa. Ich konnte mir diesen gruseligen Lost Place durch die gelungene Beschreibung bildlich vorstellen.

Anne Hoffmann schreibt einfühlsam, warmherzig und Mut machend über die Aufarbeitung von Verletzungen und das Erkennen und Aussprechen von Gefühlen. Mich hat das Buch begeistert und ich kann 'Vom Mut des ersten Fisches, der das Wasser verlässt' uneingeschränkt empfehlen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.02.2024
Die Halbwertszeit von Glück
Pelt, Louise

Die Halbwertszeit von Glück


gut

Glück kommt und geht

Die bekannte Kinder- und Drehbuchautorin Lucy Astner hat unter dem Pseudonym Louise Pelt einen Roman für Erwachsene geschrieben, in dem es um das Glück geht. Das Leben von drei Frauen aus verschiedenen Ländern und in unterschiedlichen Jahrzehnten gerät auf einmal aus den Fugen und Glück scheint verloren, unmöglich und undenkbar.
Das auch haptisch ansprechende farbenfrohe Cover mit seinem vielschichtigen, eher vage gehaltenen Motiv passt gut zum Buch, da auch der Zusammenhang zwischen den Protagonistinnen lange ungewiss bleibt.
Louise Pelt schreibt anschaulich und bildhaft, auch poetisch, und den jeweiligen Situationen ihrer Figuren atmosphärisch angepasst, die Charaktere werden schnell lebendig. Obwohl mir der einnehmende Schreibstil sehr gefällt, finde ich die Figurenzeichnung größtenteils wenig gelungen, zwei der Frauen reagieren für mich übertrieben dramatisch und nicht nachvollziehbar auf ihre Situation. Sympathie, Nähe und Verständnis entwickelte sich bei mir nur für die dritte Frau, Johanna. Auch einige der Nebenfiguren sind nicht glaubwürdig gezeichnet, vieles erscheint konstruiert, um die Handlung voran zu treiben, es gibt irritierende, da wenig glaubhafte Details und offensichtlich wurden die Lebensbedingungen in der DDR nicht ausreichend recherchiert. Da abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt wird, bleibt die Geschichte insgesamt unterhaltsam und die Frage, wie es für die jeweilige Protagonistin weitergeht und wie genau die unterschiedlichen Erzählstränge zusammenhängen, hat mein Interesse und meine Neugier wach gehalten. Gelungen finde ich die unerwartete Überraschung gegen Ende.
Der zusammenfassende Rückblick auf das Leben von zwei der Frauen führt fast zu schnell zum Ende und lässt mich mit Fragen zurück, die ich gern noch beantwortet gehabt hätte.
Letztendlich bringt mich die Autorin dazu, über das Glück nachzudenken. Es kann abrupt verschwinden, aber auch überraschend und ganz anders als erhofft, zurückkommen.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

Bewertung vom 04.02.2024
Wir werden jung sein
Leo, Maxim

Wir werden jung sein


ausgezeichnet

Zukunftsaussichten

Bei den Teilnehmern einer Medikamentenstudie zeigt sich eine überraschende Nebenwirkung – sie erleben eine biologische Verjüngung. Welche weitreichenden und komplexen Konsequenzen das nicht nur für die Probanden hat, erzählt Maxim Leo in seinem neuen Roman 'Wir werden jung sein'.

Das farbenfrohe Cover mit der witzig verfremdeten Sanduhr macht neugierig und deutet an, dass es im Roman um die Zeit geht. Mir gefällt es sehr.
Abwechseln wird aus der Perspektive der beteiligten Probanden und des Projektleiters erzählt, die Emotionen und Überlegungen der Charaktere, unterschiedlich alt und in ganz verschiedenen Lebenssituationen, werden sehr nachvollziehbar vermittelt, durch Informationen aus ihrer Vergangenheit werden die Protagonisten lebendig und nahbar, sie erscheinen authentisch. Das gilt auch für die später hinzu kommende Medizinethikerin. Sie formuliert auf der offiziellen, politischen Ebene moralische, ethische und gesellschaftliche Fragen in Zusammenhang mit einem Verjüngungsmedikament. In der Realität sind diesbezügliche Forschungserfolge tatsächlich in der Zukunft zu erwarten.
Auch die Studienteilnehmer und der Projektleiter müssen sich mit Vor- und Nachteilen der Verjüngung auseinandersetzen, erleben sie am eigenen Leib, sehen sich mit neu entstehenden Problemen konfrontiert und ziehen ihre Konsequenzen, ganz individuell.

Maxim Leos Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und macht Spaß, er schreibt lebendig, mit Humor, subtiler Komik, scharfsinnig und auf den Punkt. Er vermittelt glaubwürdig, verständlich und offensichtlich gut recherchiert die Hintergründe der verschiedensten Themen wie Leistungssport, Kinderwunschtherapien, Molekularbiologie, Zell-Reprogrammierung. Dem Autor ist eine sehr lesenswerte, spannende und runde Geschichte gelungen.
'Wir werden jung sein' hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch eine mögliche Zukunftsperspektive gezeigt, die bei mir mehr Bedenken als freudige Erwartung auslöst.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.01.2024
Stille Falle / Leo Asker Bd.1
Motte, Anders de la

Stille Falle / Leo Asker Bd.1


ausgezeichnet

Atmosphärische und fesselnde Spannung

Kommissarin Leo Asker wird mitten in der Untersuchung eines Vermisstenfalls zu einer ihr bisher völlig unbekannten Abteilung weg 'befördert', sie muss einem Ermittler aus Stockholm Platz machen, mit dem sie eine unschöne Vergangenheit verbindet. In der 'Abteilung für hoffnungslose Fälle' mit den neuen skurrilen Kollegen stößt sie jedoch auf einen Hinweis zu den vermissten jungen Leute und ermittelt so auf eigene Faust weiter.

Die gruselige Atmosphäre des Prologs setzt sich in den atmosphärischen Beschreibungen der verlassenen Orte fort und auch beim unheimlichen Verschwinden der beiden jungen Leute Smilla und MM, begeisterte Urban Explorer. Von Anfang an spannend finde ich auch, dass einige der Charaktere einen geheimnisvollen Hintergrund haben und es vorerst oft nur Andeutungen gibt. Vor allem Leo Asker macht mich neugierig, sie ist eine ungewöhnliche Protagonistin.

Geschickt eingebundene Rückblenden enthüllen allmählich Leos Vergangenheit und machen so ihr gutes Gespür für Menschen und für ihre Umgebung glaubhaft. Auch die Figurenzeichnung anderer Charaktere ist gelungen und sorgt bei mir für die verschiedensten Emotionen, von Beklemmung über Staunen und Erheiterung bis Abneigung.

Während Leos Ermittlungen immer mehr Puzzleteile an die richtige Stelle fallen lassen, gerät sie als Person ins Visier des Täters, über dessen Identität sowohl Leo als auch der Leser lange nur Mutmaßungen anstellen können. Der durchgehend spannende Krimi gipfelt in einem fesselnden Showdown.

Der Schreibstil ist lebendig, bildhaft und sehr angenehm zu lesen, durch häufige Perspektivwechsel gibt es kapitelweise kleine Cliffhanger, die zusätzlich für Spannung sorgen. Das düstere Cover passt zum Thema der Geschichte.

'Stille Falle' hat mich bestens unterhalten, ich freue mich auf weitere Bänden der neuen Serie um Leo Asker und darauf, mehr über Leos Kollegen aus dem 'Dezernat für hoffnungslose Fälle' zu erfahren, ich bin sicher, dass da noch die ein oder andere Überraschung wartet.