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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: nane 2408
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Bewertungen

Insgesamt 98 Bewertungen
Bewertung vom 08.08.2021
Die Hebamme
Hoem, Edvard

Die Hebamme


ausgezeichnet

Wenn man etwas über seine Vorfahren wissen möchte, erhält man eigentlich nur nackte Zahlen wie z.B. die Daten der Geburt, von Hochzeiten, kirchlichen Ereignissen, des Todes.
Aber möchte man die Geschichte einer Person mit Leben füllen ist das schon eine große Herausforderung. Dieser hat sich der Autor Edvard Hoem gestellt, als er das Leben und Wirken seiner Ururgroßmutter niedergeschrieben hat. Natürlich mit gewissen schriftstellerischen Freiheiten, denn genaue Aufzeichnungen sind ja nicht vorhanden.
Und er hat dies in einer unaufgeregten und feinfühligen Schreibweise getan, die mir sehr gut gefallen hat und die sich auch gut lesen lässt.

Nun ist dies nicht nur die Lebensgeschichte einer mutigen Frau, sondern gleichzeitig auch eine Art von Geschichtsbuch. Immer wieder werden historische Ereignisse mit entsprechenden Jahreszahlen mit eingeflochten. Aber auch, wie es durch die Kriege und entsprechende Blockaden von Handelswegen zu den Hungersnöten kommen konnte und wie arm die Bewohner damals waren.
Mir hat dieser Roman wirklich gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.

Bewertung vom 02.07.2021
Schwarzwälder Morde / Schwarzwald-Krimi Bd.2 (eBook, ePUB)
Graze, Linda

Schwarzwälder Morde / Schwarzwald-Krimi Bd.2 (eBook, ePUB)


gut

Ich hatte vorher noch nichts von der Autorin Linda Graze gelesen. Aber das Cover zu diesem Krimi fiel mir sofort ins Auge und auch der Klappentext machte mich neugierig, so dass ich zugreifen musste. Und ich muss sagen, ich fühlte mich gut unterhalten.
Da es sich hierbei um einen Regionalkrimi handelt, kommen genaue Wegbeschreibungen mit Straßennamen und welche Ausfahrt an welchem Kreisel genommen wurde, vor. Mir war das etwas zu nervig, wobei ich mir auch vorstellen könnte, dass Leser, die diese Gegend kennen, ihren Spaß damit hätten. Genauso verhält es sich mit dem schwäbischen Dialekt, der allerdings nicht zu viel wurde und meiner Meinung nach noch im Rahmen blieb.
Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Alle Charaktere waren mir sympathisch.
Der Krimi hat zwei Erzählstränge. Einmal die Geschichte einer jungen Frau um das Jahr 1869, die mir sehr gut gefallen hat und teilweise recht spannend war.
Und dann die Gegenwart mit den beiden Kommissaren. Deren Ermittlungsarbeiten allerdings oft nur so dahin dümpelten und man eher den Verdacht hatte, dass sie sich im Kreise drehen. Aber mit ihren vielen humorigen Sprüchen wurde es doch sehr amüsant.
Dies ist nun kein besonders spannender Krimi, aber doch lesenswert, und bekommt somit von mir eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.06.2021
Sturmvögel
Golz, Manuela

Sturmvögel


ausgezeichnet

Was für eine tolle Geschichte über eine bemerkenswerte Frau, die hineingeboren wurde in eine Zeit, in der Mädchen nicht viel zählten. Hier kommt es zu einer bedrückenden Szene zu ihrer Geburt, als die Geburtshelferin zu den Eltern sagt: „Die Kleine ist etwas schwach. Wenn ihr Glück habt, geht sie noch himmeln. Kühl genug ist es ja. Legt sie draußen ab, dann geht es schnell.“ Doch sie wird geliebt und darf zu einer selbstbewussten Frau heranwachsen, die ihren eigenen Kopf hat und immer sagt, was sie denkt.
Selbst von den vielen Schicksalsschlägen in ihrem Leben lässt sie sich nicht unterkriegen.

Dieser Roman ist in verschiedenen Zeitebenen unterteilt. Am Anfang der Kapitel stehen die jeweiligen Daten, so dass man sich gut zurechtfindet. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

Bewertung vom 04.06.2021
Das Mädchen im Nordwind
Baldvinsson, Karin

Das Mädchen im Nordwind


ausgezeichnet

Wieder einmal ist es der Autorin gelungen, einen ergreifenden Roman auf zwei verschiedenen Zeitebenen zu schreiben. Die einzelnen Kapitel sind gut lesbar und auch nicht zu lang, so dass man immer wieder gut in den anderen Erzählstrang hineinfindet. Alle Protagonisten waren mir sehr sympathisch und waren auch authentisch dargestellt.
Besonders mitgefiebert habe ich mit der jungen jüdischen Frau während der Nazi-Zeit. Viele Szenen waren so bedrückend geschildert, dass mir ganz mulmig wurde. Hierzu passt das Zitat der Großmutter: „Bete, dass du nie alles erleiden musst, was du ertragen kannst“.
Besonders ergreifend empfand ich die Szene zum Ende des Buches, als die junge Frau den jüdischen Friedhof besuchen möchte.

Auch die Geschichte aus dem Jahr 2019 hat mir sehr gut gefallen. Vor allem natürlich wieder die eindrucksvollen Beschreibungen von Island. Aber auch die Eigenarten der Isländer, die im krassen Gegensatz zu den Deutschen stehen, wie z.B. der Pünktlichkeit, ließen mich schmunzeln.

Dieser Roman bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 05.04.2021
Sylt auf unserer Haut (eBook, ePUB)
Thesenfitz, Claudia

Sylt auf unserer Haut (eBook, ePUB)


sehr gut

In dem neuen Roman von Claudia Thesenfitz geht es um eine „in die Jahre“ gekommene Beziehung.
Der Mann bringt das Geld nach Hause und beschert seiner Familie ein angenehmes Lesen. Die Frau ist zu Hause für Haushalt und Kinder zuständig. Alles läuft gut, so lange die Kinder zu Hause wohnen. Doch als sie weg sind, fallen der Hausfrau die nervigen Macken des Mannes auf und sie merkt, dass sie eigentlich gar nicht glücklich ist. Da kommt der Urlaub auf Sylt gerade richtig, um etwas Schwung in die Ehe zu bekommen.
Die Autorin greift das Thema auf: Was passiert nach den Kindern? In ihrer launigen und oft witzigen Schreibweise lässt sie ihre Protagonisten einen turbulenten Urlaub verbringen.
Doch das Drama scheint vorprogrammiert und ob es ein versöhnliches Ende geben wird ist fraglich, da es zum Schluss noch recht kompliziert wird. Doch lest es selber und macht euch einige schöne Stunden auf Sylt.

Bewertung vom 28.02.2021
Sterbewohl (eBook, ePUB)
Monti, Olivia

Sterbewohl (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Oh, was ist das für eine düstere und perfide Zukunftsvision: Für die Renten der Alten ist kein Geld mehr da, somit werden sie „eingeladen“, eine Tablette für ihr Ableben zu schlucken.
In diesem ungewöhnlichen Krimiroman von Olivia Monti geht es um dieses Thema. Die alten Menschen werden in einem tollen Hotel untergebracht und dort systematisch dahingehend beeinflusst, dass sie durch ihr Sterben ihre Angehörigen und die Allgemeinheit entlasten können. Es gibt teilweise schon recht bedrückende Situationen.
Das Cover als Tablettenschachtel zu gestalten finde ich genial und ist ein Hingucker. Das Buch ist flüssig geschrieben und liest sich gut. Zum Ende überschlagen sich die Ereignisse und ich weiß nicht so wirklich, was ich davon halten soll. Aber lest es selber und bildet euch eine eigene Meinung. Ich kann diesen Roman sehr empfehlen.

Bewertung vom 22.01.2021
Die Kannenbäckerin (eBook, ePUB)
Spratte, Annette

Die Kannenbäckerin (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Dies ist der erste Roman, den ich von der Autorin Annette Spratte gelesen habe und ich bin begeistert. Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig lesbar.
Die Autorin nimmt uns mit in den Westerwald in die Zeit Ende des 30jährigen Krieges. Armut, Hungersnöte und die Pest setzen den Bewohnern zu. Und wenn dann noch die Soldaten plündern und mordend durch die Dörfer ziehen, das ist schon dramatisch geschildert.
Wir lernen die Vollwaise Johanna kennen, die zu ihrem Schutz zu Johann wird, um in dieser sehr frauenfeindlichen Welt zu überleben.
Diese Protagonistin kommt sehr sympathisch rüber und ich habe sie gerne auf ihrem Weg begleitet, auch als sie wieder zu Johanna wird. Ihre Leidenschaft für das Töpferhandwerk, ihre Kreativität und ihr Talent bringen ihr viel Lob ein aber noch mehr Neid. Das könnte schlimm ausgehen.
Dies ist wirklich ein wunderbar gelungener Roman, den ich gerne empfehle.

Bewertung vom 08.01.2021
QualityLand 2.0 / QualityLand Bd.2
Kling, Marc-Uwe

QualityLand 2.0 / QualityLand Bd.2


sehr gut

Von dem 1. Band „QualityLand“ hatte ich das Hörbuch, welches sehr zu empfehlen ist, auch weil der Autor eine unnachahmliche Art hat, seine Bücher einzulesen. Gespannt war ich dann auf die Fortsetzung mit „QualityLand 2.0“.

Die Geschichte ist wie immer sehr skurril geschrieben. Aber besonders die Kapitel über den 3. Weltkrieg empfand ich als sehr verstörend.
Es macht zwar Spaß, dieses Buch zu lesen und doch lässt es mich auch nachdenklich werden. Da geht man davon aus, dass es Zukunftsvisionen sind, aber eigentlich wird nur die Realität überspitzt dargestellt. Und das ist schon recht erschreckend.
Der Schluss hat mich dann doch überrascht und lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Dieses Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung. Doch man sollte auf jeden Fall Band 1 gelesen haben, ansonsten wird man dieses Buch nicht wirklich verstehen.

Bewertung vom 01.11.2020
Das Wörterbuch des Windes (eBook, ePUB)
Blazon, Nina

Das Wörterbuch des Windes (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Dies ist der erste Roman der Autorin Nina Blazon, den ich gelesen habe und ich bin total begeistert davon. Ihr Schreibstil ist gut lesbar. Die einzelnen Kapitel haben eine angenehme Länge. Die Geschichte wird mal von Swea und dann von Einar erzählt, jeweils in der Ich-Form. Richtig herzerwärmend empfinde ich deren Beziehung zueinander.
Natürlich darf auch ein Geist nicht fehlen im Land der Elfen und immer wieder die Bedeutung des Windes.
Während des Aufenthaltes auf Island ändert sich die Lebenseinstellung der Protagonistin. Dies kann man am Besten dadurch veranschaulichen, dass die Nichte von Swea diese immer „Tante Hätti“ nennt. Das kommt daher, dass das Kind immer nur Sätze gehört hatte wie: „Hätte ich doch bloß weiter studiert; hätte ich doch lieber dies oder das getan“. Am Ende des Buches bittet Swea Ihre Nichte, sie zukünftig „Tante Werde“ zu nennen. Dieser Satz ist so aussagekräftig für den Wandel der Protagonistin.
Ich finde es total spannend, durch die Protagonistin mitzuerleben, wie die Isländer ticken.
Was bei uns undenkbar ist, scheint dort alltäglich zu sein. Am Interessantesten finde ich die Tatsache, dass die Isländer eine Inzest-App (Islendinga) haben, damit sie bei neuen Bekanntschaften herausfinden können, wie nah sie miteinander verwandt sind.
Während ich diese Rezension schreibe höre ich mir die Musik der isländischen Gruppe „Arstidir“ an, genau wie Swea in dem Buch. Auch habe ich mir den Instagram-Account der Autorin unter dem Hashtag #arbeitstitel_wind angesehen. Sehr zu empfehlen.

Bewertung vom 19.09.2020
Kalmann (eBook, ePUB)
Schmidt, Joachim B.

Kalmann (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Dieser Roman ist anders als so manch anderer. Er ist unaufgeregt. Dieser Begriff ist mir als erstes in den Sinn gekommen, als ich das Buch durchgelesen hatte und doch bin ich total begeistert.

Der Protagonist ist ein junger Mann, Anfang 30, mit einer geistigen Behinderung. Er wird als Dorftrottel gehänselt, besonders in seiner Schulzeit. Da hat er oft aus dem Fenster geschaut und dann sind seine Gedanken gewandert. Einfach so. Dann hat er einfach über andere Dinge nachgedacht. Und genau so ist auch der Schreibstil in diesem Roman. Da uns der Protagonist die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, kommt es also vor, dass er beim Erzählen abschweift. Aber dadurch erfährt der Leser auch viel über die Natur und das Leben auf Island. Im Besonderen von dem Dorf Raufarhöfn, das von immer mehr Bewohnern verlassen wird, da dort die Lebensgrundlagen wegbrechen.

Richtig herzerwärmend finde ich die Beziehung zu seinem Großvater. Der lässt seinen Enkel nämlich so wie er ist, erklärt ihm die Welt in einfachen Worten und passt auf ihn auf. Auch wenn dieser seine aggressiven Schübe hat ist der Großvater für ihn da und bekommt ihn unter Kontrolle. Nur leider wird der alte Mann dement und erkennt seinen Enkel nicht immer. Diese Episoden empfand ich als ziemlich traurig. Doch wenn der Enkel die Dose mit dem Gammelhai öffnet, ist der Großvater wieder ganz der Alte und sie unterhalten sich wie früher.

Dieser außergewöhnliche Roman hat mir besonders gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.