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Benutzername: Tina
Wohnort: Mainz
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Bewertungen

Insgesamt 7 Bewertungen
Bewertung vom 07.04.2018
Kleine Feuer überall
Ng, Celeste

Kleine Feuer überall


ausgezeichnet

Ich hatte von diesem Buch schon viel Gutes gehört, hatte also entsprechend hohe Erwartungen, und wurde nicht enttäuscht!
Wir befinden uns in einer typischen amerikanischen (vorwiegend von Weißen bewohnten) Vorstadtgegend und unsere Hauptfiguren sind das Ehepaar Richardson mit ihren vier Kindern im Teenager-Alter, die Alleinerziehende Mia mit ihrer Tochter Pearl, das Ehepaar McCoullogh und die chinesische Einwanderin Bebe. Diese Charaktere sind allesamt sehr fein ausgearbeitet und haben entsprechend unterschiedliche Lebensentwürfe und Einstellungen zum Leben im Allgemeinen, die zu diversen Problemen und Spannungen führen, wo diese Welten entweder direkt aufeinander treffen, oder sich Leute ganz einfach untereinander nicht verstehen können.
Daneben werden eine ganze Reihe von Themen aufgegriffen und verarbeitet (Familie, Freundschaft, Liebe, Rassismus, Erwachsenwerden, gesellschaftliche Konformität und die Ironie des scheinbar perfekten Vorstadtlebens...), ohne dass das Buch mit Subtext überladen wirkt.
Viele der Themen sind natürlich universell, trotzdem ist das Buch in seiner Essenz sehr amerikanisch. Trotzdem habe ich mich auch als Mitteleuropäerin absolut mitgenommen gefühlt und kann es nur empfehlen!

Bewertung vom 19.03.2018
Das Geheimnis der Muse
Burton, Jessie

Das Geheimnis der Muse


sehr gut

Dieses Buch folgt drei verschiedenen Frauen, Odelle im London der 60er Jahre und Olive und Teresa im Spanien der 30er Jahre, deren Lebensweg nicht unerheblich mit einem bestimmten Gemälde zusammenhängt, das in Spanien entstand in etwa 30 Jahre später in London wieder auftaucht.
Die Stärke des Buches sind definitiv die interessanten, komplexen, diversen Charaktere und deren Entwicklung, nicht nur in ihrem Verhältnis untereinander (und zu den anderen Personen ihrer Umgebung) sondern auch im Kontext der politischen Lage ihrer Zeit. Teresa und Olive finden sich mitten im spanischen Bürgerkrieg wieder, während Odelle als karibische Immigrantin mit völlig anderen Problemen zu kämpfen hat, viele davon bedint durch den subtilen Alltagsrassismus (und -sexismus), dem sie sich ausgesetzt sieht. Thematisch beschäftigt sich die Geschichte aber nicht nur damit, sondern auch mit Familie, Freundschaft, Liebe (und deren schwimmende Grenze zur Obsession), und die Auswirkungen von Geheimnissen und Vertrauensbruch auf diese.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen (und schaue es auch gern an, denn das Cover ist auch sehr hübsch, wenn auch der deutsche Titel etwas arg kitschig daherkommt) und kann es jedem empfehlen, der mit charakterbasierten Büchern etwas anfangen kann!

Bewertung vom 14.03.2018
Die Affäre Carambol
Lehnberg, Stefan

Die Affäre Carambol


sehr gut

Das erste Buch dieser Reihe steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste - nun habe ich dieses zweite zuerst bekommen, das macht aber überhaupt nichts, denn es lässt sich absolut ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen.
Das Konzept, Goethe und Schiller im Stile einer Sherlock-Holmes Geschichte Kriminalfälle lösen zu lassen, finde ich grandios, und es funktioniert auch erstaunlich gut. Die Holmes-Inspiration ist in den Charakteren, dem Stil und der Art, wie die Handlung konstruiert ist, sehr deutlich, und trotzdem hat das Buch seinen eigenen Charme.
Es war vielleicht nicht das spannendste Buch, was ich in meinem Leben gelesen habe, aber es ließ sich schnell und flüssig lesen und war ausgesprochen unterhaltsam. Ich würde es nicht als absolutes must-read bezeichnen, aber für jemanden, der eine kurzweilige, charmante Geschichte für Zwischendurch (ich hatte sie in 3-4 Stunden durch) sucht, absolut zu empfehlen. Den ersten Band werde ich mir über kurz oder lang mit Sicherheit noch zulegen!

Bewertung vom 26.02.2018
Das Vermächtnis des Künstlers / Bragolin Bd.1 (eBook, ePUB)
McBane, Gordon

Das Vermächtnis des Künstlers / Bragolin Bd.1 (eBook, ePUB)


weniger gut

Die Leseprobe und der Klappentext dieses Buches klangen ja durchaus interessant, und vor allem das Venedig-Setting hat mich überzeugt, aber ... nein. Ich kann es leider nicht empfehlen.

Die Grundidee der Geschichte ist gut. Wir folgen einem Parapsychologen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, rationale Erklärungen für übernatürliche Phänomene zu finden. Als eine Serie von Unglücksfällen in Europa mit einem Bilderzyklus in Verbindung zu stehen scheint, macht er sich auf die Suche nach den Hintergründen. Klingt spannend, ist es aber leider nicht.

Der Schreibstil ist oftmals sehr hölzern (wobei ich nicht sicher bin, ob das am Autor liegt oder ob die Übersetzung es schlimmer macht?), und die Dialoge lassen einen angesichts der Menge an flachen Platitüden auch meistens nur mit den Augen rollen. Der Autor verliert sich häufig in Beschreibungen unnötiger Details und Hintergrundgeschichten, die mit der Handlung (zumindest in diesem ersten Band) nichts zu tun haben und nur den Lesefluss und den Fortgang der Handlung aufhalten. Stellenweise kommt durchaus auch mal Spannung auf, aber das hält leider nie besonders lange an, und wird immer wieder dadurch gebremst, dass die beiden Hauptfiguren sich oft einfach auch nur verdammt dämlich anstellen.

Und dann hört das Buch einfach mitten in der Handlung auf??? Mir war nicht bewusst, dass das hier Teil einer Trilogie ist, okay, aber selbst bei einem mehrbändigen Buch erwarte ich bei jedem Band eine Art vernünftigen Abschluss. Stattdessen wirkte es, als hätte der Autor eine Geschichte geschrieben, und sie einfach an wahllosen Stellen geteilt, um mehrere Bände daraus zu machen. Leider hat mich das Buch aber mit Abstand nicht genug gepackt, um an den weiteren Bänden noch interessiert zu sein. Keine Empfehlung von meiner Seite.

Bewertung vom 22.02.2018
Der Mann, der nicht mitspielt / Hardy Engel Bd.1
Weigold, Christof

Der Mann, der nicht mitspielt / Hardy Engel Bd.1


schlecht

Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, da das Setting und die ganze Idee - basierend auf einem realen Kriminalfall im Hollywood der 1920er - ausgesprochen interessant erschienen. Das Konzept ist gut und die Aufmachung und Einbandgestaltung sind sehr hübsch, aber das ist leider auch schon alles, was ich positives über dieses Buch sagen kann.

Mein Hauptproblem: Die Hauptfigur, der Ermittler, bleibt das ganze Buch über ausgesprochen unsympathisch und erscheint mir eher wie die persönliche James-Bond-Phantasie des Autors, komplett mit arroganter Attitüde, überkandidelten Actionszenen mit diversen Nahtoderfahrungen und heißer Affäre mit einer ach-so-geheimnisvollen und natürlich überirdisch attraktiven femme fatale. Dabei ist er sexistisch (jede einzelne Frau in diesem Buch wird sofort in eine Attraktivitäts-Skala eingeordnet und von unserem Protagonisten Hardy dann entsprechend behandelt) und latent homophob, was vermutlich beides dem Bemühen um zeitgeschichtliche Authentizität geschuldet ist, leider aber das Buch mitsamt seiner Hauptfigur kein Stück besser macht. Andere Identifikationsfiguren gibt es nicht, der einzige halbwegs sympathische Charakter ist Hardys Kumpel Buck, der aber mehr als eine Art deus-ex-machina-Figur für hilfreiche Informationen oder Kontakte fungiert als sonst irgendetwas.

Die Story an sich hätte Potential, zieht sich aber oft unnötig in die Länge und verliert sich in einer Reihe von Nebenschauplätzen und seltsamen Windungen, die das ganze am Ende dann auch irgendwann so konfus machen, dass mich dann irgendwann die Aufklärung des Verbrechens nicht mehr wirklich interessiert hat.

Leider kann ich das Buch nicht weiterempfehlen, spätestens ab der 2/3 Marke habe ich die meiste Zeit beim lesen nur noch mit den Augen gerollt. Da konnte der Einband leider nicht halten, was er versprach - sieht aber immerhin ausgesprochen hübsch im Regal aus!

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Bewertung vom 02.02.2018
Die amerikanische Prinzessin
Zijl, Annejet van der

Die amerikanische Prinzessin


gut

Dieses Buch handelt von Allene Tew, einer Frau, von der ich bislang noch niemals etwas gehört hatte. Sie lebte um die Jahrhundertwende, wuchs mit dem Vorbild des amerikanischen Traums in ihrer Verwandtschaft auf, durchlebte zwei Weltkriege und fünf Ehen, und brachte es letztendlich von einem mittelmäßig privilegierten Mädchen in einer amerikanischen Kleinstadt zu einem unermesslichen Vermögen inklusive europäischem Prinzessinnen- und Gräfinnen-Titel.

Als Biographie funktioniert dieses Buch sehr gut, denn Annejet van der Zijl hat wirklich intensiv recherchiert und Allenes Lebensgeschichte entsprechend rekonstruiert. Wir können allen Stationen ihres Lebens detailreich folgen, und bekommen zur Illustration sogar noch ein paar Fotos aus der Zeit dazu.

Da liegt allerdings auch die Schwäche des Buches: Wir bekommen klinisch alle Details geliefert, aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass ich den Charakter "Allene" wirklich greifen kann. Objektiv gesehen weiß ich, was in ihrem Leben passiert ist, aber als Mensch bleibt sie mir leider eher ungreifbar.
Dazu kommt, dass mit die Einordnung in den zeitgeschichtlichen Kontext manchmal etwas zu kurz kam. Ja, sie findet statt, aber nicht in dem Ausmaß, wie ich sie mir bei einer Lebensgeschichte auf zwei Kontinenten, während zwei Weltkriegen, einer Weltwirschaftskrise etc. erwarten würde. Am ausführlichsten passierte dies noch am Anfang, als wirklich gut und tief auf das Umfeld eingegangen wurde, in dem Allene in ihrer Kleinstadt aufwuchs - ähnlich hätte ich mir das auch für andere Geschehnisse gewünscht.

Trotzdem war das Buch durchaus unterhaltsam und interessant, denn es bewegt sich schon sehr stark außerhalb der Art Biographie, die ich normalerweise lesen würde. Es war interessant, etwas über diese Frau zu erfahren, über die in der Zeitgeschichte wohl sonst eher nichts berichtet worden wäre, maximal in einer Fußnote.

Bewertung vom 27.01.2018
Echo der Toten / Friederike Matthée Bd.1
Sauer, Beate

Echo der Toten / Friederike Matthée Bd.1


ausgezeichnet

Ich habe von dem Buch einen Krimi erwartet, der ein bisschen vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit spielt. Nicht mehr und nicht weniger.

Bekommen habe ich aber wesentlich mehr, denn die Krimi-Handlung war zwar durchaus spannend, aber die Charaktere und die Art, wie die Autorin mit dem gesamten Setting umgeht, haben das Buch auf eine ganz andere Ebene gehoben!
Wir haben die beiden Hauptfiguren Friederike Mathée und Richard Davis, die gemeinsam einen Mord aufzuklären versuchen, und beide sind ausgesprochen interessante, authentische, komplexe Charaktere mit reichen, gut durchdachten Hintergrundgeschichten, Eigenschaften und Schwächen. Beide sind auf verschiedene Art vom Krieg bzw. dem Nazi-Regime gezeichnet, und das auf eine Weise, die - soweit ich das beurteilen kann - absolut realistisch ist, ohne (und das hat mich am meisten begeistert) in Klischees abzudriften. Wir haben auch einen großen Fokus auf den unverarbeiteten Traumata, die für die Charaktere daraus entstanden sind, wie sie damit (wenig erfolgreich) umzugehen versuchen, und wie sie als Personen dadurch definiert sind. Positiv ist mir außerdem aufgefallen, dass wir hier keine klischeehafte Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren vorfinden, wie ich das zu Anfang befürchtet hatte.

Der historische Hintergrund kommt mir (als Laie) sehr gut recherchiert vor, und die Autorin hat viele Details einfließen lassen, die das Setting absolut realistisch und echt wirken lassen. Die direkte Nachkriegszeit ist eine Epoche, über die ich bisher nur selten bis gar nicht Romane gelesen habe. Es ist eine Zeit, die aus heutiger Sicht schwer greifbar und unglaublich komplex ist (alte Nazis, neue Besatzer, viele Mitläufer, zerstörte Städte, Hungersnot, riesiger Schwarzmarkthandel, Entnazifizierung, etc...), aber die Autorin berührt fast alle diese Themen und Probleme und zeigt diese Komplexität, ohne den Leser mit der Moralkeule zu erschlagen. Die Aufarbeitung von Krieg und Holocaust sind ein großes Thema im Buch, und die Figuren gehen sehr authentisch absolut unterschiedlich damit um. Es entsteht oft eine beklemmende Atmosphäre, die trotz aller dramatischen Ereignisse aber nicht immer nur düster und depressiv daher kommt. Die Figuren verfolgen eine Art Pragmatismus, denn trotz allem musste das Leben ja irgendwie weitergehen, und diese Stimmung spürt man als Leser auch im Buch.

Insgesamt denke ich, dass das Genre "historischer Krimminalroman" dem Buch nicht ganz gerecht wird. Ja, es gibt einen Kriminalfall, der aufgeklärt werden soll, aber die große Stärke des Buches sind eigentlich die Haupt- und Nebencharaktere und das Setting. Darin ist der Kriminalfall eingebettet. Ich hoffe, das Buch ist der Start einer Serie, und wenn das so ist bin ich beim zweiten Teil sehr gern wieder dabei!
Der Roman hat mich insgesamt sehr beeindruckt und bewegt, und ich kann es nur uneingeschränkt weiterempfehlen!