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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: ulrikerabe
Wohnort: Österreich
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Bewertungen

Insgesamt 74 Bewertungen
Bewertung vom 19.03.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


ausgezeichnet

Es ist Herbst in Stockholm, im Jahre 1793. Im Abwasser werden menschliche Überreste gefunden, grausam entstellt. Es sind zwei Männer, die sich berufen fühlen, diesen grausamen Mord aufzuklären. Sie können unterschiedlicher nicht sein. Der Kriegsveteran Mickel, ungeschlacht, vierschrötig, ein Häscher, Stadktnecht, Säufer. Trotz amputiertem Arm geht er keiner Prügelei aus dem Weg. Gleichwohl trägt er sein Herz am rechten Fleck. Auch Cecil Winge strebt vor allem nach einem, Gerechtigkeit. Der sterbenskranke Jurist will jeden Delinquenten bis zum Schluss anhören. Die Zeit läuft ihm davon, nicht nur seine Lebenszeit ist knapp bemessen, auch politische Veränderungen zwingen ihn zu handeln.
1793, das Meisterwerk von Niklas Natt och Dag, legt eine unglaublich hohe Latte an das Genre historischer Kriminalroman. Nicht nur die zeitliche Perspektive, wir bewegen uns in den Jahreszeiten rückwärts, ist ganz besonders. Die Atmosphäre in der Stadt wirkt, man gerät wie in einen Rausch, nicht nur weil dieses Buch so Alkohol geschwängert ist. Es wird gesoffen, gehurt, geschlagen, gemordet. Die Geschichte (nicht das Buch) ist widerwärtig, abstoßend, und zugleich faszinierend. Nass, schmutzig, schwärend, düster, brutal und hässlich. Kaum ein negatives Gefühl wird nicht angesprochen. Stockholm ist ein unerträglicher Sumpf voller Niedertracht, Habgier, obsessiver Lust und Verzweiflung. „So ist wohl die Welt – jede Menge Finsternis und nur wenig Licht“
Es ist ein eindrucksvolles Sittengemälde, hervorragend recherchiert, Krieg, politische Ränke Korruption, die weitreichenden Auswirkungen der französischen Revolution, Bigotterie fordern ihre Tribute. Beeindruckend!

Bewertung vom 11.03.2019
Die Liebe im Ernstfall
Krien, Daniela

Die Liebe im Ernstfall


ausgezeichnet

Fünf Frauen, fünf Leben, fünf oder mehr Lieben. Es sind Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde, von denen Daniele Krien erzählt. Frauen, deren Lebenslinien sich kreuzen. In Freundschaft, in Konkurrenz, Verbundenheit oder Ablehnung. Es sind sehr unterschiedliche Frauen, die in ihrer Vielfalt eines gemeinsam haben, dem Streben nach Erfüllung. Die eine oder andere sucht die Erfüllung in der Ehe, der Familie, der Sexualität, andere in der Selbstverwirklichung, der Eigenständigkeit, dem Ausleben von Kreativität. Sie erleben Freude und Erfolge , genauso wie Rückschläge und Verluste. Ihre Schicksale sind nicht einzigartig und doch gibt es - glücklicherweise - keine Skala für Glück oder Unglück. Kummer sowie Hochgefühl unterliegen keinen messbaren Kriterien.
Die Männer in diesem Buch sind engstirnige Fanatiker, liebende Väter, großartige Liebhaber, Ehebrecher, Beziehungsneurotiker, fürsorglich oder egoistisch, moralisch integer oder Moralapostel, Geber oder Nehmer. Nicht alle Männer auf der Welt sind so, viele sind so, diese Männer sind so.


„Liebe ist kein Gefühl.
Liebe ist keine Romantik.
Liebe ist eine Tat.
Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.
Alles, was sie früher über die Liebe geschrieben hat, ist Unsinn.“

Alles in diesem Buch berührt, betrifft, erinnert mich. Es zeigt die vielen Seiten von Frauen, die vielen Seiten der Liebe. Die Perspektive verschiebt sich immer wieder, je nach von welcher Begegnung die Autorin uns erzählt. Es sind die kleinen Berührungspunkte, die aus den einzelnen Episoden ein großes Ganzes machen. Wunderschön, unverblümt, unverkitscht.

Bewertung vom 08.03.2019
Kaschmirgefühl
Aichner, Bernhard

Kaschmirgefühl


weniger gut

Gottlieb fühlt sich einsam. Noch immer wohnt er in der elterlichen Wohnung, schläft in seinem Kinderzimmer, obwohl er längst erwachsen ist und die Eltern beide verstorben sind. Eines Abends wählt er die Telefonnummer einer Sex-Hotline. Dort hebt Marie ab. Er will keinen Dirty Talk, will nur reden und breitet sein Leben vor Marie aus.
„Unter dieser Nummer gibt es keine Wahrheit. Damit solltest du dich ganz schnell abfinden. Sonst wird das nichts mit uns beiden.“
Gottlieb und Marie erzählen von sich, es sind fabulöse Variationen ihrer echten Geschichte
Ich möchte gar nicht sagen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Ich weiß dass Aichner nicht nur Thriller kann. Das nötigste über das Glück war beispielsweise ein zauberhaftes Märchen für Erwachsene. Kaschmirgefühl hingegen wirkt seicht, ein Geplänkel, das mich nicht berührt hat.
Das ganze Buch besteht aus einem, eine Nacht dauernden Dialog zwischen Gottlieb und Marie. Es ist der typische Aichner-Sound, der das Buch beherrscht. Kurze, von Strichen abgesetzte Wortwechsel. Es gibt keinen Erzähler, keinen fließenden Text, einfach immer nur er sagt, sie sagt. Ein Markenzeichen, das hier im Übermaß strapaziert wird. Sprachlich simpel, dass es wie eine hingehudelte Schreibübung wirkt. Das Buch ist dünn, im Hardcover 188 Seiten, das E-Book überhaupt nur 75 Seiten. Da sieht man, wie Layout wirken kann. Das Buch einen Roman, wenn auch einen kleinen, zu nennen ist ja fast schon maßlose Selbstüberschätzung.
Bitte, lieber Bernhard Aichner, bring uns wieder etwas wie den Max Broll oder die Totenfrau, schwarz, bitterböse und abgründig, das steht dir besser.

Bewertung vom 04.03.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth

Fünf Tage im Mai


ausgezeichnet

Illy und Tat’ka sind ein sehr ungleiches Gespann. Das ungestüme Mädchen Illy wächst in einem Dorf in Tirol auf. Ihr Urgroßvater Korbinian, den sie liebevoll Tat’ka, Väterchen nennt, ist der älteste Mann im Dorf. Als letzter Fassbinder Tirols ein Auslaufmodell. Elisabeth Hager erzählt Illy Geschichte vom Erwachsenwerden an fünf entscheidenden Tagen im Mai. Sorgfältig, behutsam, warmherzig schildert sie die innige Beziehung des Kindes, später der jungen Frau zu dem alten Mann. Behütet wächst Illy in einer bürgerlichen Familie heran, als Pubertierende bricht sie mit Konventionen, verliebt sich unsäglich in Tristan. Aus der anfänglichen Verliebtheit entsteht immer mehr eine destruktive Beziehung. Illy trifft eine Entscheidung, mit deren Konsequenzen sie zu kämpfen haben wird.
„Reintei Freitei“, dieser Ausspruch Tat’kas begleitet Illy ihr Leben lang. Es ist sein universeller Ausdruck für Überraschung, Freude, Empörung. Der alte Mann, der schon vor dem 1. Weltkrieg das Licht der Welt erblickt hatte, ist Illys Freund, Vertrauter, Ruhepol.
„Alte Wege öffnen keine neuen Türen.“ Illy beginnt zu begreifen, dass sie loslassen kann. Am Ende des Tages ist Illy bereit neue Wege zugehen

Bewertung vom 04.03.2019
Liebende
Ho-seung, Jeong

Liebende


weniger gut

Blauperlenauge und Schwarzperlenauge sind Liebende, zwei Fische in einem Windspiel, das am First eines Tempels seine Glöckchen erklingen lässt. Tag für Tag, Jahr um Jahr hängen die Fische an ihren Fäden, so nah und doch so ferne. Blauperlenauge fühlt sich einsam, ihr erscheint Schwarzperlenauge gleichgültig. Blauperlenauge beginnt von einem anderen, einem neuen Leben zu träumen und macht sich auf in die Welt, diese zu erkunden.
Liebende ist eine Fabel, ein Gleichnis über Liebe, Trennung, Schmerz, Verlust und Tod. Die Sprache poetisch pathetisch
„Wenn das Denken sich verändert, verändert sich auch das Verhalten, und wenn man sich anders verhält, fühlt das Leben sich anders an. Fliegen wir los! Fliegen wir los, um diesen Tag, der sich heute nennt, nicht zu vergeuden!“
Blauperlenauge wachsen Flügel, er wird zu etwas ganz Besonderem. Doch mit dieser Besonderheit sind auch viele Gefahren verbunden. Er erleidet Schmerz, Kummer, glaubt wieder wahre Liebe gefunden zu haben, wird enttäuscht. „Abschied und Wiederbegegnung – so ist das Leben.“
Blauperlenauges Verluste schmerzen ihn zutiefst. Das Gottebild, das der Autor Jeung Ho-Seung in seiner Fabel vermittelt ist ein grausames: „Zugleich dankte ich auch Gott, weil ich die Qualen des Todes hatte erfahren dürfen. Diese Qualen hatte Gott mir geschenkt, weil er mich so liebte, und im Dahinschwimmen dachte ich, dass er in solchen Momenten mit mir litt.“

Letztlich landet Blauperlenauge wieder am Ausgangspunkt seiner Reise. Bestimmt dazu, ein Fisch an einem Windspiel zu sein, kein Vogel, der ein neues, kreatives Leben versucht zu leben. Wenn das Fazit dieser Parabel ist, dass nur wer glücklich und erfüllt ist, wer dabei bleibt nach seiner Bestimmung zu leben, keine Veränderung zulässt, keine Weiterentwicklung, dann kann ich mich mit diesem Fazit nicht anfreunden.

Bewertung vom 27.02.2019
Die Farben des Feuers
Lemaitre, Pierre

Die Farben des Feuers


sehr gut

An dem Tag, an dem Madeleine Péricourt ihren Vater beerdigen muss, stürzt sich ihr achtjähriger Sohn Paul aus dem Fenster. Damit beginnt eine lange Reihe von fatalen Ereignissen, die die junge Erbin der Banque Péricourt im Paris der 1930er Jahre zu meistern hat. Von ihrem Geschäftsführer Joubert und ihrem windigen Onkel Charles um alles betrogen, ersinnt sie einen perfiden Rachefeldzug.
Pierre Lemaitre hat mit den Farben des Feuers einen opulenten Schicksalsroman vorgelegt, der alles bietet, was das Genre verlangt: Macht, Betrug, Intrigen, schöne Frauen. Und doch verfügt das Buch immer wieder über Längen, die mich querlesen ließen. Es erfordert immer wieder volle Konzentration, nicht den Punkt zu versäumen, wo sich die Geschichte dreht. Denn den Längen stehen wiederum spannende und aberwitzige Passagen gegenüber. Mir erschien die Geschichte Madeleines oft reichlich überzogen. Bankrott, während der Börsenkrise und am Vorabend des zweiten Weltkrieges schafft sie es, ihren Widersachern beizukommen. Jedem Komplott gegen sie kontert sie mit noch härteren Bandagen. Das Finale, auch wenn es nicht sehr realistisch erscheint, nimmt ordentlich an Fahrt auf.
Richtig gut gemacht fand ich die ungewöhnliche Erzählweise, wenn sich der Autor direkt an den Leser wendet. „ Dupré, Dupré…. Doch, doch, erinnern Sie sich…“ Wie in einem Reigen lässt Lemaitre seine Figuren sich immer wieder neu positionieren. Genau das macht den eigentlichen Charme dieses Buches aus.

Bewertung vom 26.02.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden


weniger gut

Die Kriminalpsychologien Holly Wakefield ist gut in ihrem Fach, theoretisch. Normalerweise unterrichtet sie oder begutachtet verurteilte Täter. Doch nun wird sie zum ersten Mal als Profilerin an einen frischen Tatort gerufen. Schockiert von den verstümmelten und gefolterten Leichen, zögert sie, ob sie sich dieser Aufgabe überhaupt gewachsen fühlt. Plötzlich muss sie sich auch den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Denn auch Holly hat ein großes Geheimnis zu bewahren.
Dark Call von Mark Griffin ist ein gut gemachter aber sehr durchschnittlicher Serienmörder Triller. Es werden sehr schnell Verdächtige präsentiert. Die meisten Entwicklungen waren in meinen Augen vorhersehbar. Eigentlich ist alles eingetroffen was ich erwartet habe. Das Grundthema ist kein Neues und lebt von der Wiedererkennung. Sowohl der Polizist DI Bishop als auch die Profilerin haben mit Traumata aus der Vergangenheit zu kämpfen. Vielleserinnen wird der zu ermittelnde Mörder bei seinem ersten Auftreten klar sein.
Fazit: durchaus spannende flüssige Thriller Lektüre ohne großen Aha-Effekt.

Bewertung vom 26.02.2019
Die Leben danach
Pierce, Thomas

Die Leben danach


weniger gut

Der Bankangestellte Jim Byrd lebt in der amerikanischen Kleinstadt Shula ein eintöniges Leben. Als er jedoch mit 33 Jahren einen Herzstillstand überlebt, ändert sich sein Leben grundlegend. Für kurze Zeit war Jim klinisch tot, Getrieben von der Frage, was ihn nach dem Tod erwartet, begibt er sich auf die Suche nach Antworten. Auch als er die verwitwete Annie, eine ehemalige Highschool Liebe, wiedertrifft, sich erneut in sie verliebt und heiratet, dreht sich sein Leben immer wieder nur um die Leben danach.
Was passiert mit uns nach dem Tod, gibt es ein Leben danach? Eine der größten philosophischen Fragen, die je gestellt wurden. Thomas Pierce hätte aus diesem Thema einen großartigen Roman schaffen können. Die Liebesgeschichte um Jim und Annie gelingt ihm gut. Die Beziehung der beiden ist geprägt von Zuneigung, Leidenschaft, Respekt und vertrauensvollem Umgang. Aber ansonsten ergeht sich der Roman in pseudoreligiösem Esoterik- Geschwafel. Dubiose Sekten, Medien, eine nicht ernstzunehmende Geistergeschichte, Hologramme und eine Physikerin, die sich auf die metaphysische Ebene begibt. Dies alles macht den Roman zu einem Ärgernis. Schade um die Geschichte dahinter.

Bewertung vom 18.02.2019
Die zehn Lieben des Nishino
Kawakami, Hiromi

Die zehn Lieben des Nishino


ausgezeichnet

Nishino und die Frauen – welch unglaubliche Wechselwirkung, die sich hier entfaltet. Unzählige Frauen hatte Nishino in seinem Leben, die Chefin, das Mädchen, das in einfach auf der Straße anspricht. Junge Frauen, ältere Frauen, verheiratet oder nicht, auf alle übt Nishino seinen unwiderstehlichen Charme aus. Treu kann er nicht sein. Während er die eine Frau noch fragt, warum diese Welt so unendlich ist, betrügt er sie gleich darauf mit der nächsten.
Immer wenn ich Goldfische sehe muss ich an die Zeile aus Wish you were here von Pink Floyd denken. „We're just two lost souls swimming in a fish bowl. Year after year.“
Die japanische Autorin Hiromi Kawakami lässt zehn Frauen in diesem Buch über ihre Begegnungen mit Nishino erzählen. Wie die Fische auf dem übrigens ganz besonders ansprechendem Cover, treiben die Erzählerinnen an Nishino heran und vorbei. Die Frauen blicken zurück in die Vergangenheit, ihre Lebenswege haben sich schon von Nishino getrennt. Er ist für sie jemand, der kurze Zeit an ihrem Leben teilgenommen hat und sich dann wieder entfernt hat. Was bleibt ist gelegentlich wehmütige Erinnerung mit einen weinenden und lachenden Auge zu gleich.
Die Geschichten ähneln einander alle ein wenig. Nach der großen Leidenschaft, kommt sehr bald das ernüchternde Ende. Interessant ist, wie unterschiedlich die Frauen Nishino wahrnehmen, verspielt, charmant, gelassen, grausam.
Dabei wirkt das Erzählte oft sehr pragmatisch, distanziert, wie mit Teflon beschichtet. Aber wenn man ein bisschen an der Oberfläche kratzt, liegt darunter sehr viel Tiefgang. Nishino ist ein sehr zerrissener Charakter, er will lieben, kann es aber nicht, versucht nicht, eine Beziehung zu halten. Sehnsucht nach Vertrautheit wechselt mit kurzlebigem Vergnügen.
„Wir waren einander nicht fern, aber auch nicht nah. Ich war hier, und er war auch hier, aber das war auch alles. Mehr war da nicht. Zeit war vergangen, hier und anderswo, und wir hatten uns getrennt, in Hier und Dort.“
Nishino und die Frauen erfahren wieder und wieder, dass lieben und geliebt werden zeitlich nicht immer zugleich stattfindet. „Was ist Liebe? Ein Mensch hat das Recht, einen anderen zu lieben, aber keinen Anspruch, von diesem wiedergeliebt zu werden.“
Stück für Stück setzt sich mit den Erzählungen das Bild Nishinos zusammen. Als Jugendlicher durch einen Verlust geprägt, verweigert er, Verantwortung für eine Beziehung zu übernehmen. Lieber laviert er von Frau zu Frau, ein ewiger Reigen.
„Hat er erfahren, was sich außerhalb des Universums befindet? Konnte er jemanden lieben? Hat er auf dieser sich ins Unendliche ausdehnenden Welt seinen Platz gefunden?“, fragt sich eine seiner Geliebten. Wir alle wollen doch unseren Platz in der Welt finden. Auf die eine oder andere Weise.

Bewertung vom 04.02.2019
Black Hand
Talty, Stephan

Black Hand


sehr gut

Berühmt, berüchtigt und gefürchtet – das war die Black Hand, la mano nera, die Schwarze Hand: die erste italienische Mafia auf Amerikas Boden. Wer von diesem kriminellen Bund einen Brief erhielt, hatte allen Grund, um sein Leben oder das seiner Angehörigen zu fürchten. Schutzgelderpressung, Entführung, Brandstiftung, Bomben, Schießereien auf offener Straße gehörten der Tagesordnung an im Little Italy zum Ende des 19. Jahrhunderts und später. Doch ein Mann stellte sich diesem Verbrechersyndikat mutig in den Weg: Joe Petrosino.
Stephan Talty hat mit Black Hand eine umfassende Aufarbeitung der Anfänge der Mafia in Amerika verfasst und berichtet spannend informativ zugleich aus dem Leben des italoamerikanischen Detective. Joe Petrosino war selbst Kind italienischer Einwanderer und erlebte so von Kindheit an die Ressentiments gegen die italienische Bevölkerungsgruppe. 1883 trat er als erster Italiener in den Polizeidienst des NYPD. Durch seinen enormen Ehrgeiz, sein unglaubliches Talent, sich Gesichter merken zu können und seine Kreativität bei der Verfolgung und Unterwanderung von Verbrechern hatte er zwar bald Erfolg bei der Aufklärung von Verbrechen, wurde aber noch lange nicht in Polizeikreisen anerkannt. Vor allem die eingeschworene irische Gemeinschaft machte ihm immer wieder zu schaffen.
Stephan Talty bietet mit diesem Buch sehr genaue und interessante Einblicke in die Welt des organisierten Verbrechens und dessen Bekämpfung. Auch wenn das Buch über einige Längen verfügt, bleibt es im Gesamten kurzweilig und spannend. Talty vermittelt ein ausdrucksstarkes Bild von Detective Petrosino, dem er mit diesem Buch ein Denkmal setzt.