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Benutzername: ulrikerabe
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Bewertungen

Insgesamt 191 Bewertungen
Bewertung vom 03.07.2021
Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz
MacDonald, Andrew David

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz


ausgezeichnet

Zelda ist 21 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Bruder Gert in einer Wohngemeinschaft. Sie hat einen Freund und eine beste Freundin und einen Teilzeitjob in der Bibliothek. Zelda interessiert sich brennend für die Wikinger, deren Geschichte und Bräuche und deren Krieger.
Klingt alles ganz „normal“, ist es aber nicht. Zelda ist aufgrund des Fetalen Alkoholsyndroms kognitiv eingeschränkt. Doch Zelda ist weder schwach noch dumm, in ihr steckt gehörig viel Mut und Lebensweisheit. Und das ist gut so. Denn ihr Bruder Gert, der sich eigentlich um sie kümmern sollte, hat sich mit den falschen Leuten eingelassen und steckt nun in ziemlichen Schwierigkeiten.
„Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“, so lautet der Titel des Debütromans von Andrew David MacDonald. Der kanadische Schriftsteller stellt uns eine ganz besondere Protagonistin vor. Zelda muss man einfach in sein Herz schließen. Die junge Frau, deren Leben von Kindheit an kein einfaches war, ist so ein starker Charakter, liebenswert und mutig.
„Einem festen Plan zu folgen ist wichtig, damit alle wissen, wo man ist, und damit man immer weiß, was zu tun ist.“
Zeldas Tagesablauf hat ein gewisses Grundgerüst, das gibt ihr Halt und Sicherheit. Als Zeldas Bruder Gert in Schwierigkeiten gerät, weiß Zelda aber intuitiv was zu tun ist und schmiedet wahrlich einen Wikingerschlachtplan.
Zelda ist die Heldin ihrer eigenen Legende. Ich feiere Zelda, die Heldin dieses Buches, die ich umarmen möchte, die mich zu Tränen rührte, von der ich alles und noch mehr lesen wollte!

Bewertung vom 24.05.2021
Die dritte Frau
Fleischhauer, Wolfram

Die dritte Frau


ausgezeichnet

Liebe und Kunst, Fakten und Fiktion. Wo beginnen, wo hört es auf. Grenzen verschieben sich. Wie geht ein Autor mit seinem eigenen Werk um.
Der deutsche Schriftsteller Wolfram Fleischhauer greift hier in die vollen. Sein neuester Roman „Die dritte Frau“ ist nicht nur die Aufarbeitung des eigenen Werkes, seinem Erstling „Die Purpurlinie“ und eine Art Fortsetzung dieses Debüts. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben und gleichzeitig eine höchst spannende Suche nach Antworten. Ein Gemälde, ein historischer Background, eine Frau, Südfrankreich, eine fikitve Lösung eines Rätsels.
Auch wenn der vorliegende Roman sich immer wieder auf einen lang zurückliegenden Vorgänger beruft, lässt sich das Buch ganz ohne Vorkenntnisse lesen. Es entwickelt einen feinen Sog. Schön und genießerisch zu lesen.

Bewertung vom 10.05.2021
Sommer der Träumer
Samson, Polly

Sommer der Träumer


sehr gut

Es ist der Beginn der 1960er Jahre. Die junge Erica Hart und ihr Bruder Bobby verlassen nach dem Tod ihrer Mutter London, um eine Zeit lang auf Hydra zu verbringen. Auf der griechischen Insel haben sich Menschen aus aller Welt versammelt, um sich dort künstlerisch zu verwirklichen. Epizentrum dieser kreativen Enklave ist das Haus von Charmian Clift und ihrem Ehemann George Johnston. Das australische Schriftstellerpaar scheint mit Hydra fest verwurzelt, in ihrem Haus wird gefeiert, getrunken, gestritten, geliebt, gelacht und geweint.

In ihrem Buch „Sommer der Träumer“ fängt die der englische Schriftstellerin Polly Samson die Atmosphäre eines griechischen Sommers und das ganz besondere Lebensgefühl einer Generation ein.
„Das Schiff wendete, und da lag sie! Trara, wie mit einem Tusch, von der Sonne entflammt und von den Göttern aus kahlem Stein heraufbeschworen. Ein Theater für Träumer.“
Für die achtzehnjährige Erica beginnt auf Hydra ein neues Leben. Sie wendet sich intensiv der charismatischen Charmian zu. Charmian ist praktische und mütterliche Ratgeberin für Erica, eine Inspiration und eine Mahnerin, das junge Leben nicht einem Mann unterzuordnen. Dabei ist Charmians Ehe mit George äußerst kompliziert und von gegenseiteigen Abhängigkeiten geprägt.
Das Ringen um die künstlerische Anerkennung ist eines der Hauptmotive dieses Buches. Gleichzeigt lebt das Buch von den intensiven Beschreibungen der sommerlichen Kulisse. Die griechische Hitze ist nahezu greifbar, alles geht etwas langsamer. Und ganz en passant erzählt Polly Samson von der legendären Liebesgeschichte eines kanadischen Poeten und einer wunderschönen Norwegerin.
„Leonard schiebt den Stuhl zurück, geht mit großen Schritten zur offenen Ladentür und reißt sich die Schirmmütze vom Kopf, als Marianne ins Licht tritt. - Magst du dich nicht zu uns setzen, fragt er. Wir sind hier draußen.“
Wie Vögel auf dem Drahtseil, jede(r) der Männer und Frauen in diesem Roman versucht auf eine Weise zu frei sein. Liebe und Betrug, Lebensfreude und Verlust, gleichbleiben, sich verändern. Erica wird mit diesen Gegensätzlichkeiten erwachsen. Gegensätzlich ist auch das Buch in den Emotionen, die es erweckt. Das Buch ist ein Sommerbuch, ein Wohlfühlbuch, macht Sehnsucht auf Meer und ein bisschen mehr. Es ist eine Hommage an das Künstlerleben, es macht ein wenig wehmütig. Vor allem aber macht es mich neugierig auf das Werk von Charmian Clift, von der heute leider nichts mehr verlegt wird. Hier hat Polly Samson hoffentlich einen Stein ins Rollen gebracht.

Bewertung vom 08.05.2021
Genug
Dalsgaard, Louise Juhl

Genug


ausgezeichnet

In dem Sommer, in dem sie ihren Schulabschluss hat, beschließt sie: „Ab heute will ich gesund leben, Sport treiben und abnehmen.“ Sie hat Pläne, die sich durchaus vernünftig anhören. Sie will studieren, will klug sein, mit Verstand und dem Herzen. Neun Monate später ist ihr das Leben entglitten, leidet unter Essstörungen, wiegt unter 4o Kilogramm.
Es ist eine Geschichte einer obsessiven Sucht, die Louise Juhl Dalsgaard hier erzählt. Ist es ihre eigene, oder nur sehr scharf beobachtet, einerlei. Die dänische Schriftstellerin legt hier mit ihrem 2017 erschienen Debüt „Genug“ das Porträt einer jungen Frau an, das besonders ist in Sprache, Form und Inhalt. Es sind Erinnerungen, Gedankensplitter der jungen Frau zu ihrer Kindheit, ihrem Erwachsenwerden, ihrem Leben mit der Krankheit, dem Verhältnis zu Mutter und Vater, den toxischen Beziehungen zu Männern. Unterbrochen werden diese oft nur wenige Zeilen langen Segmente von Therapieberichten behandelnder Ärzte, Therapeuten und Sozialarbeiter, die dem ganzen einen höchst authentischen Anstrich geben.
Schon als Kind verspürt die Protagonistin eine seltsame Distanz zu ihrem Körper.
„In einem Sommer taufe ich meine Knie. Das da und das da, nenne ich sie…Viele Jahre lang sind meine Knie das Einzige, was mich mit mir verbindet.“
Das da und das da!
Schon immer wich die Mutter Gesprächen aus, trägt viel Ungesagtes mit sich herum, wie eine russische Puppe, gefüllt mit sich, gefüllt mit sich und ganz tief drinnen die Tochter wie eine Puppe. Der Vater beginnt gleich gar keine zu führen. Verständnislos und hilflos sind die Eltern mit der Situation. Sie sind wie Außenstehende. Wie also sollten sie klar kommen mit der Krankheit der Tochter, wenn diese selbst keinen Grund nennen kann oder mag.
„Mein Gehirn möchte gesund sein, mein Körper beharrt darauf, dass ich es nicht wert bin.“
Ihr Bruder ist eine Stütze, weil er unverblümt und geradeheraus ist. Mit ihm schließt sie – initiiert von ihrem Sozialarbeiter - einen Vertrag, nicht aufzugeben.
Handschriftlich steht dazu nach den Unterschriften: Kämpfe, Louise – Am Ende wartet das Leben
„Fast jeden Tag spaziere ich runter zum See. Da stehe ich dann und rufe: Dass ich MEHR haben will, obwohl ich mehr als GENUG habe.“
Dieses Buch ist einschneidend, berührend. Ein Aufschrei, aber auch ein Zeugnis von Stärke. Besonders und beeindruckend.

Bewertung vom 22.04.2021
Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1
Nyström, Peter;Mohlin, Peter

Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1


ausgezeichnet

Karlstad, Schweden 2009: Die junge Emelie Bjurwall kommt nach einer Partynacht nicht mehr nach Hause. Spurlos bleibt sie verschwunden. DNA-Spuren machen Billy Nerman zum Hauptverdächtigen. Doch ohne Leiche kann ihm nicht eindeutig nachgewiesen werden, Emelie ermordet zu haben.
Baltimore; USA, 2019: John Adderly ist Undercover Agent beim FBI und ermittelt mit einer Tarnidentität gegen die nigerianische Drogenmafia. Nur knapp überlebt er, als seine Tarnung auffliegt. Im Zeugenschutzprogramm will John unbedingt nach Schweden, dem Land, in dem er geboren wurde. Mit einem neuen Lebenslauf tritt John als Fredrik Adamsson seinen Dienst im Karlstad bei dem Cold Case Team an, dass den Fall Emelie Bjurwall neu aufrollt, um Billy Nerman endgültig zu überführen. Was nur John weiß: Billy ist sein Halbbruder, der andere Sohn seiner Mutter.
Der Kriminalroman „Der andere Sohn“ entstammt der schriftstellerischen Zusammenarbeit der beiden Schweden Peter Mohlin und Peter Nyström. Mir gefiel dieser vielschichtige Kriminalroman außerordentlich gut, der zunächst auf zwei Zeitebenen spielt, bis die Handlungsstränge um das Verschwinden von Emelie und dem Werdegang des ehemaligen FBI Agenten John Adderly zusammengeführt werden.
„John! Diesmal musst du nach Hause kommen.“
John folgt dem verzweifelten Aufruf seiner Mutter und muss alsbald gut abwägen zwischen familiärer Loyalität, beruflicher Verpflichtung und der eigenen Sicherheit.
Mich konnte Plot und Auflösung überraschen und überzeugen, und das Finale verspricht, dass Johns Geschichte noch nicht auserzählt ist. Sehr feine Sache!

Bewertung vom 23.03.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid


sehr gut

Berlin 1942: Senta Goldmann katalogisiert für ihren Schwiegervater eine Reihe von Gemälden, die der jüdische Kunsthändler den Nationalsozialisten übergeben muss. Es ist der Vorabend seiner Deportation. Von den Bildern und der Liste verliert sich nach dem Krieg jede Spur. Jahre später erinnert sich Senta an die Werke, vor allem an das eine mit folgenden Worten: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid, von Johannes Vermeer….
Berlin, heute: Hannah arbeitet an ihrer Doktorarbeit, hat eine Affäre mit ihrem Professor und einmal pro Woche besucht sie ihre 94-jährige Großmutter Evelyn in der Seniorenresidenz. Zufällig entdeckt Hannah dort einen Brief einer israelischen Anwaltskanzlei, indem es um Restituierung eines Gemäldes aus ehemals jüdischem Besitz geht. Evelyn will mit der Sache nichts zu tun haben. Doch Hannah beginnt nachzuforschen und erfährt von einer Familiengeschichte, die bislang verschwiegen wurde.
Der Journalistin und Autorin Alena Schröder ist ein eingängiger und stimmiger Generationenroman gelungen, der sich von den 1920er Jahren bis zu unseren heutigen Tagen erstreckt. Da ist in Rostock die junge Senta, die nach der Geburt ihrer Tochter Evelyn nicht mehr die „Kleene“ des ehemaligen Fliegerasses sein will und ihre Familie verlässt, um nach Berlin zu gehen. Evelyn, die Ärztin geworden ist, und ihrer eigenen Tochter Sylvia gegenüber immer das Gefühl hatte ihr etwas schuldig geblieben zu sein. Zu ihrer Enkelin Hannah verspürt sie eine innige Bindung, die nach dem frühen Tod von Sylvia noch stärker wurde, aber Evelyn ihre Gefühle nur selten wirklich preisgibt. Hannah sucht noch nach ihrem Platz. Als die junge Frau sich mit der Geschichte ihrer Urgroßmutter auseinanderzusetzen beginnt, ist sie schließlich auch in der Lage sich in ihrem Leben zurechtzufinden, anzukommen.
Es sind vier eigenwillige Frauen mit unterschiedlichen Lebensmodellen. Es geht stark um die Zufriedenheit – oder das genaue Gegenteil - von Mutterschaft. Mütter, Töchter, Enkeltöchter müssen sich hier in unterschiedlichsten Konstellationen zusammenraufen. Leitmotiv ist ein verschwundenes Gemälde, vernehmlich ein Vermeer, und doch, es ist kein Kunstroman, auch keine Jagd nach einem Schatz. Niemals könnte die Rückerstattung eines Bildes das Unrecht der Nazis, das an Millionen Menschen verübt wurde, wiedergutmachen. Doch hier ist es auch ein Symbol für die Wiedergutmachung im Kleinen, die Aussöhnung mit einer komplizierten Familiengeschichte.

Bewertung vom 14.03.2021
Sprich mit mir
Boyle, T. C.

Sprich mit mir


gut

Sam ist ungefähr zwei Jahre alt, als er mit seinem Betreuer Professor Guy Schemerhorn einen Auftritt der TV-Show „Sag die Wahrheit“ hat. Er erobert die Herzen der Zuseher, vor allem das von der jungen Studentin Aimee, die sich daraufhin bei Professor Schmerhorn bewirbt um bei der Studie rund um Sam mitzuwirken.
Was ist denn das Besondere an Sam, der in Gebärdensprache kommuniziert und in seinem kleinen Anzug und dem tollpatschigen Gang so niedlich daherkommt? Sam ist ein Schimpanse.
Der amerikanische Autor T. C. Boyle ist ein renommierter Schriftsteller, der sich immer wieder ganz speziellen Themen widmet, sich auf reale Ereignisse und daraus Stoff für seine Romane bezieht. Auch hier hat sich Boyle mit den historischen Studien um Bewusstsein und Spracherwerb bei Schimpansen auseinandergesetzt. Viel und gerne habe ich Boyle bisher gelesen, doch mit „Sprich mit mir“ hatte ich so meine Probleme.
Da ist einerseits die Geschichte seiner menschlichen Protagonisten, Aimee und Guy, die mit den sonst so skurrilen Personen aus dem Boyleschen Universum nichts gemein haben. Im Gegenteil fand ich sie farb- und lieblos hingeklatscht, schablonenhaft. Ein Professor und seine Studentin, da kann es offensichtlich nicht ohne Affäre abgehen. Klassisch wird die Rollenverteilung, wenn es ums „Sorgerecht“ geht, auch wenn das schutzbefohlene Wesen hier kein Kind ist, sondern ein Affe. Das mag auch der Zeit geschuldet sein, in der der dieser Roman angesiedelt ist, irgendwo Ende der 1970er Jahre. (Dass Boyle den Zeitanker anhand von Neuerscheinungen am Musikmarkt setzt, das wiederum fand ich sehr gut gemacht) Ein bisschen mehr Originalität hätte ich mich für das humane Personal trotzdem gewünscht.
Ja, und dann ist da Sam, der Schimpanse, um den alles geht. Ein Forschungsobjekt. Bemitleidenswert, denn nach dem Ausbleiben der Fördergelder, bleibt dem Tier nach der Studie nur mehr ein Käfig im Tierversuchslabor.
„Die Art, wie er reagierte, hatte etwas so Rührendes, dass man ihn am liebsten umarmt hätte. Wie süß, sagte sie. Sowas von süß!“
Boyle gibt Sam eine Erzählstimme. Und das funktioniert. Sam ist liebenswert. Sam ist schützenswert. Das Tier wird vermenschlicht. Hier gerät Boyle aber in meinen Augen genau in das Fahrwasser derer, die ihre Haustiere über alles stellen und beim Schnitzelfleisch die Bioqualität loben. „Es hatte doch so ein gutes Leben“
„Ein Affentheater veranstalten? So nennt man das in der Verhaltensforschung: ein Affentheater veranstalten.“
Die Gameshow zu Beginn des Buches hieß „Sag die Wahrheit“. Zum Schluss lernt Sam sogar zu lügen. Können Forscher, kann Boyle, können wir wissen, wie ein Tier, was ein Tier wirklich denkt. Wenn Boyle Sam „sprechen“ lässt, ist es doch auch nur das, was der Mensch meint und interpretiert. Im Übrigen glaube ich, dass jedes Tier in irgendeiner Form kommuniziert, vielleicht nicht immer mit uns.
Guy Schmerhorn ging es nie um den Affen, sondern um das Projekt. Bei Boyle bin ich mir nicht sicher.

Bewertung vom 11.03.2021
Die Frau vom Strand
Johann, Petra

Die Frau vom Strand


ausgezeichnet

Bei einem Strandspaziergang hat Rebecca Friedrichsen eine seltsame Begegnung: Eine junge Frau, vollkommen nackt, die Kleider wurden ihr gestohlen während sie schwimmen war. Rebecca, die in Rerik seit der Geburt ihrer Tochter Greta nur sehr wenig Gesellschaft hat, hilft gerne aus. Sie freundet sich mit der Frau an, die sich als Julia vorstellt, und will die neue Freundin einige Tage später ihrer Ehefrau Lucy bei einem gemeinsamen Abendessen vorstellen. Doch Julia verschwindet auf ähnlich mysteriöse Weise aus Rebeccas Leben, wie sie aufgetaucht war.
„Ich hatte ein Leben. Es war perfekt. Ich hatte Greta, und ich hatte Lucy. Mehr habe ich nie gewollt.“
Mit dem Verschwinden der Frau vom Strand will sich Rebecca nicht zufriedengeben. Doch bei Ihren Nachforschungen löst sie Ereignisse aus, die ihr Leben kopfüber verändern.
Schon vom Prolog weg wissen wir, dass es einen Todesfall in diesem Buch geben wird. In dem nachfolgenden ersten Teil und auch ganz zum Schluss schildert Rebecca ihre ganz persönliche Sicht der Dinge. Sie wendet sich dabei direkt an die Lesenden, erzeugt das Gefühl, dass man mit ihr an einem Tisch sitzt und ihr zuhört. Schnell ist man hier bereit, Rebecca zu mögen. Der Großteil des Buches ist den Ermittlungen im eingangs erwähnten Todesfall gewidmet. Hier begleiten wir Kriminalpolzistin Edda Timm und ihr Team bei der Arbeit. Edda ist professionell, routiniert und hartnäckig. Fast schon ungewöhnlich ist, dass ihr die Autorin keine privaten Verwirrungen auf den Leib schreibt. Edda hat schlicht kein Privatleben und lebt für den Job.
Die Frau vom Strand ist ein raffiniert, spannend erzählter „Thriller“ (eigentlich mehr Krimi), undurchsichtig bis zum Schluss mit überraschenden Wendungen aus der versierten Schreibfeder von Autorin Petra Johann, die sich der Frage stellt, wie weit wir gehen, um zu schützen, was wir unbedingt lieben

Bewertung vom 10.03.2021
Leichenblume / Heloise Kaldan Bd.1 (eBook, ePUB)
Hancock, Anne Mette

Leichenblume / Heloise Kaldan Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Journalistin Heloise Kaldan steckt gerade in einer beruflichen Krise, als sie einen Brief von einer gesuchten Mörderin erhält. Anna Kiel hat vor einigen Jahren einen Anwalt ohne erkennbares Motiv getötet und befindet sich seither auf der Flucht. In Heloise erwacht nicht nur der journalistische Instinkt, sondern sie ist bald auch emotional in diesen Mordfall involviert. Denn Anna Kiel scheint persönliche Dinge über die Journalistin zu wissen, die Heloise lange mit sich herumgetragen hat. Heloise beginnt mit Kommissar Erik Schäfer zusammenzuarbeiten, der gerade zur gleichen Zeit Hinweise auf Anna Kiels Aufenthaltsort erhalten hat.
Die dänische Schriftstellerin Anne Mette Hancock stellt in ihrem Debütthriller ein ungleiches Gespann vor. „Leichenblume ist der Auftakt einer Reihe um das „Team“ Kaldan und Schäfer. Eine Journalistin und ein Polizist, die zusammenarbeiten, das geht nicht immer ganz konfliktfrei ab. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Interessen.
„Und wenn die Leute ihre Schulden nicht bezahlen können, verschwinden sie. Leute sind verschwunden, Heloise. Kapierst du, was ich dir sagen will?“
Verschwimmende Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit, die Ohnmacht gegenüber skrupelloser krimineller Energie, Dominanz und Missbrauch: Bis Heloise kapiert, wie ihre persönliche Vergangenheit mit der von Anna Kiel zusammenhängt, dauert es ein Weilchen. Die Geschichte entwickelt sich zunächst langsam, das ist auch das einzige Manko an diesem Thriller. Man darf nicht gleich die Geduld verlieren, den letztlich haben wir hier einen Fall, der sich sehr intensiv mit dem Thema Schuld, Rache und Vergebung beschäftigt.

Bewertung vom 08.03.2021
Hard Land
Wells, Benedict

Hard Land


ausgezeichnet

Grady; Missouri: Sam Turner ist 15 Jahre alt in diesem Sommer 1985. Es ist der Beginn der Sommerferien und einige lange Wochen ohne sinnvolle Beschäftigung liegen vor ihm. Er hat keine Freunde, seine Mutter ist schwer krank und der Vater hat sich in dumpfes Schweigen zurückgezogen. Doch da bietet sich ein Ferienjob im örtlichen Kino an und plötzlich ist alles ganz anders in diesem Sommer.
„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“
Gleich zu Beginn des Buches weist uns Autor Benedict Wells den Weg, den sein Coming of Age Roman Hard Land nehmen wird. Es wird eine Reise ins Erwachsenwerden. Mittendrin im Sound der 80er Jahre erlebt Sam in diesen wenigen Wochen alle Höhen und Tiefen, die ein Heranwachsender zu bewältigen hat. Zusammenhalt Freundschaft, Erste Liebe. Aber auch die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren.
„Kind sein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt.“
Warum siedelt Benedict Wells diese Geschichte nur 1985 an, dem Jahr, in dem der Schriftsteller gerade einmal ein Jahr alt war? Weil er ein unglaubliches Gespür für Sehnsuchtsorte hat, der Musik und den Filmen dieser Zeit ein Denkmal setzt und damit sein Lesepublikum aller Altersgruppen erreicht. Diejenigen, die diese Zeit selbst in einem ähnlichen Alter wie Sam erlebt haben, vielleicht am Meisten. Alle anderen werden zumindest ein ähnliches Alter wie Sam haben oder gehabt haben, diesen verwirrenden Zustand der Pubertät, die Disharmonie von Gefühl, Körper und Intellekt, kennen.
Zurück in der Vergangenheit, in dieser fiktiven langweilige Kleinstadt Grady irgendwo im amerikanischen Mittelwesten, gehen für den Autor Benedict Wells die Lichter an. Mitten in dem „John Hughes Universum“, zwischen Simple Minds und Billy Idol, dem Zauber von ersten Malen und ersten Sätzen, bleibt Wells ein Magier der Emotionen. Dieses Buch ist Kino, vom Beginn bis zum Abspann und Soundtrack.
Don‘t stop believin‘…!