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Benutzername: raschke64
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Bewertungen

Insgesamt 461 Bewertungen
Bewertung vom 10.06.2021
Das Leben, ein ewiger Traum / Die goldenen Zwanziger Bd.1
Sommerfeld, Helene

Das Leben, ein ewiger Traum / Die goldenen Zwanziger Bd.1


sehr gut

Berlin 1920. Der Krieg ist noch deutlich zu spüren, als die Ärztin Magda Fuchs in die Stadt kommt. Sie ist verwitwet, ihr Mann wurde ermordet und sie verlor ihr ungeborenes Kind. So will sie neu anfangen und als Polizeiärztin arbeiten. Über ihren Beruf lernt sie verschiedene Frauen in der pulsierenden Stadt Berlin kennen. Doris aus der Provinz, die große Träume hat. Ina, die als Fürsorgerin arbeitet und für die armen Kinder der Stadt zuständig ist. Oder auch Celia, die aus gutbürgerlichem Haus stammt und als Mörderin ihres Mannes angeklagt ist. Alle Frauen haben Träume und versuchen, diese, so gut es geht, umzusetzen.

Nach der 1. Serie „Die Ärztin“ ist die Reihe um die Polizeiärztin Magda die Fortsetzung des Autorenpaares zum Thema Frauen in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie schließt in vielen an die Vorgängerreihe an. Das ist auch ganz natürlich, da Frauen zu dieser Zeit nicht viele Möglichkeiten hatten, gehobene Berufe auszuüben. Auch hier geht es wieder um die armen Menschen der Stadt, in dem Fall speziell auch um die Kinder. Aus heutiger Sicht erwartet man von einer Polizeiärztin wohl eher eine Tätigkeit in Richtung Pathologie. Damals war sie u. a. zuständig für aufgefundene Kinder und auch für Prostituierte. Durch die verschiedenen Tätigkeiten der Frauen gelingt es dem Autorenpaar auch wieder, dass man quasi alle Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit kennenlernt. Das alles ist routiniert beschrieben und gut zu lesen. Es verlangt keine besonderen Anstrengungen, es ist gute Unterhaltung mit ein bisschen Geschichtswissen verknüpft. Mir war es am Ende ein wenig zu sehr in die Richtung geraten, dass alles glücklich ausgehen muss. Schon im ersten Teil. Doch alles in allem kann ich das Buch zum Lesen empfehlen.

Bewertung vom 07.06.2021
Die Roseninsel
Reitner, Anna

Die Roseninsel


sehr gut

Liv ist in Berlin Ärztin. Doch sie hat große Probleme mit der Arbeit und ihrem Freund und findet durch Zufall eine Stelle als Vertretung auf der kleinen Roseninsel im Starnberger See. Dort soll sie vier Wochen als Gärtnerin arbeiten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fühlt sie sich auf der Insel sehr wohl und erholt sich langsam. Dann findet sie eines Tages ein altes Tagebuch, das vor 100 Jahren von der Tochter des bayerischen Königs geschrieben wurde. Liv will mehr und mehr über die junge Frau herausfinden…

Das Buch ist ein schöner Schmöker. Es wechselt in den Kapiteln von der Vergangenheit zur Gegenwart. Beide Frauen erleben ähnliches. Auch wenn die Geschichte in der Vergangenheit komplett erfunden ist, passt sie aber zur restlichen Geschichte. Neben vielen fiktiven Sachen erfährt man auch einiges mehr an reellem Hintergrund aus der Vergangenheit der bayerischen Könige. Das ist gut beschrieben und stellt an den Leser keine größeren Anforderungen. Dem Genre gemäß endet natürlich alles positiv – in der Gegenwart wie auch in der Vergangenheit. Von daher würde ich das Buch zum Beispiel als schöne Urlaubslektüre – gerade in Bayern – empfehlen.

Bewertung vom 07.06.2021
Fritz und Emma
Leciejewski, Barbara

Fritz und Emma


sehr gut

Marie und Jakob ziehen in ein kleines Dorf in der Pfalz. Jakob ist der neue Pfarrer. Marie ist weder gläubig noch findet sie im Dorf Arbeit. Eigentlich will sie nur noch weg. Doch dann organisiert sie die 750-Jahr-Feier. Dabei gibt es nur ein Problem. Ein Hauptpunkt soll die Auszeichnung des ältesten Bürgers im Ort sein. Doch die älteste Frau stirbt vor dem Fest und so sind jetzt die beiden Ältesten Emma und Fritz. Beide am gleichen Tag geboren. Und beide schon seit Jahrzehnten so verzankt, dass sie kein Wort miteinander reden. Das wird schwierig für das Fest…

Das Buch erzählt mit sehr viel Wärme über ein kleines Dorf mit rund 800 Einwohnern. Es erzählt in Gegenwart und Vergangenheit. In der Gegenwart geht es hauptsächlich um die Vorbereitung des Festes und die vielen Änderungen, die das Dorf in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg durchgemacht hat. Und auch, wie vieles dadurch verloren geht an Zusammenhalt, an Geschäften oder auch an Geschichten.
In der Vergangenheit es geht es um die spezielle Geschichte von Fritz und Emma und um die vielen Erlebnisse in dieser Zeit. Das alles ist sehr realistisch geschildert und man hat sowohl das Dorf wie auch die Leute vor Augen. Es wird mit all seinen und ihren Vor- und Nachteilen und den Eigenheiten beschrieben. Als Leser gehört man quasi irgendwie dazu und hat sehr viel Sympathie für die Menschen. Es ist ein Buch mit sehr viel Herz, aber auch mit viel Tiefgang. Es gibt einige Sachen, über die man während und nach dem Lesen nachdenken kann. Ich würde es jederzeit weiterempfehlen.

Bewertung vom 07.06.2021
Eine perfekte Ehe
McCreight, Kimberly

Eine perfekte Ehe


ausgezeichnet

Die Wirtschaftsanwältin Lizzie erhält einen Anruf ihres ehemaligen Studienfreundes Zach. Er sitzt im Gefängnis und soll seine Ehefrau Amanda ermordet haben. Lizzie lässt sich widerwillig darauf ein, ihn zu verteidigen. Bei den Untersuchungen des Falls merkt sie bald, dass sowohl in der Ehe von Zach und Amanda wie auch in den Ehen einiger der Freunde einiges komisch ist. Aber auch sie selbst hat einige Geheimnisse…

Für das Buch braucht man in meinen Augen ziemliches Durchhaltevermögen. Der Anfang ist nämlich sehr zäh und langatmig. Da wird jede einzelne Person und jede einzelne Ehe bis ins Detail beschrieben und man hat das Gefühl, dass das alles nicht wirklich etwas miteinander zu tun hat und man es auch in wesentlich weniger Seiten hätte beschreiben können. Dazu kommen noch mysteriöse Vorfälle in der Schule und mit den Kindern. Erst im letzten Drittel wird das ganze wesentlich spannender, miteinander passend und es gibt dann wirklich viele überraschende Wendungen. Leider dauert es bis dahin sehr lange, so dass für mich das Buch, was dann zum Ende richtig gut wird, insgesamt wirklich nur Durchschnitt ist. Schade, denn eigentlich hat das Buch Potenzial. So kann ich allerdings nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen

Bewertung vom 01.06.2021
Der Blutkünstler
Meyer, Chris

Der Blutkünstler


sehr gut

Tom Bachmann ist Profiler und soll das BK A dabei unterstützen, den so genannten Blutkünstler zu finden. Dieser Mörder quält und foltert seine Opfer, ausschließlich Frauen, sehr lange und er stellt aus ihnen „Kunstwerke“ her. Bachmann versucht, ihn zusammen mit seinen Mitarbeitern zu finden. Doch das ist nicht einfach.


Das Buch ist an sich nicht schlecht. Es ist ziemlich brutal, aber gleichzeitig sind die entsprechenden „Kunstwerke“ gut ausgedacht. Es ist eine gewisse Spannung vorhanden, mir war allerdings zu viel Theorie über andere Fälle im Buch vorhanden. Außerdem ist ziemlich zeitig klar, was Bachmann als Vergangenheit mit sich rumschleppt. Insgesamt wirkt er auch nur mäßig sympathisch und die Leute in seinem Team sind es ebenfalls. In diesem Bereich hat das Buch Luft nach oben. Ich nehme aber an, dass es als eine Reihe angelegt wurde. Von daher besteht die Möglichkeit der Verbesserung ja immer noch. Gerade das Ende war dann doch ein wenig zu konstruiert in meinen Augen. Alles in allem kann ich das Buch allerdings zum Lesen empfehlen.

Bewertung vom 01.06.2021
Sturmvögel
Golz, Manuela

Sturmvögel


sehr gut

Emmy verlebt ihre Kindheit in ganz armen Verhältnissen auf einer Nordseeinsel. Obwohl sie viel arbeiten muss, fühlt sie sich wohl. Dann stirbt ihre Mutter und sie muss als älteste Tochter für die Geschwister sorgen. Wenig später stirbt auch ihre Großmutter und als dann noch ihr Vater stirbt, werde die Geschwister auseinandergerissen. Die Kleinen kommen in Kinderheime und Familien. Emmy ist 14 und muss nach Berlin. Dort arbeitet sie als Dienstmädchen bei einer reichen Familie. Und sie kommt dem Sohn einer reichen Bankiersfamilie mehr als nur nahe. Als sie schwanger wird, heiraten sie. Dann folgt der zweite Weltkrieg…

Das Buch ist eine ungewöhnliche Geschichte über eine noch ungewöhnlichere Frau. Aufgewachsen in großer Armut, nicht sehr gebildet, kämpft sie sich durchs Leben und behält fast immer ihren Humor. Quasi bis zum Ende und noch nach ihrem Tod hat sie einige Überraschungen parat. Das Ganze ist in den wechselnden Kapiteln in Gegenwart und Vergangenheit beschrieben. Es ist, als fühlt man sich der Familie zugehörig. Dazu kommt noch, dass meine Oma – Jahrgang 1918 – ein ähnliches Leben hatte. Auch sie war als Dienstmädchen bei einer reichen Familie angestellt, auch sie musste im Krieg ihre Kinder durchbringen und auch später hat sie sie allein großgezogen. Beim Lesen hatte ich immer das Gefühl, Emmi ist auch meine Oma. Auch die Überraschung am Ende passen einfach zu dieser wunderbaren Frau.

Bewertung vom 27.05.2021
Nora Joyce und die Liebe zu den Büchern
O'Connor, Nuala

Nora Joyce und die Liebe zu den Büchern


gut

Das Buch beschreibt biografisch die Geschichte von Nora Joyce, der langjährigen Geliebten und Partnerin und späteren Ehefrau des irischen Schriftstellers James Joyce.

Für mich war das Buch in mehrerer Hinsicht schwierig. Zum einen beginnt es in einer extrem vulgären und teilweise obszönen Sprache und entsprechenden Beschreibungen diverser Sexszenen zwischen Nora und James. Ich war nahe daran, das Lesen aufzugeben. Dann habe ich mich über die Geschichte der beiden belesen und stellte dabei fest, dass dies wohl tatsächlich bei ihnen so üblich war. Im Laufe des Buches ändert sich der Stil dann etwas und die Sprache wird normaler. Die Beziehung der beiden war die ganze Zeit sehr schwierig und ließ für mich ganz wenig Sympathie für beide aufkommen. Später handelte das Buch von den vielen Umzügen der Familie aus verschiedenen Gründen. Irgendwann waren es einfach nur Wiederholungen der immer gleichen Geschichte: der Mann säuft, die Frau muss sich in allem fügen, die Familie hat kein Geld, versucht sich überall etwas zusammenzuborgen, ist nur etwas Geld vorhanden, wird es von allen quasi mit vollen Händen rausgeschmissen. Zum Lesen wurde es irgendwann ziemlich langweilig. In der ganzen Geschichte war für mich eigentlich nur eine Person extrem bedauernswert, der Bruder von James Joyce. Alles in allem bin ich froh, das Buch beendet zu haben. Eine wirkliche Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.

Bewertung vom 27.05.2021
Teufelsberg / Kommissar Wolf Heller Bd.2
Kellerhoff, Lutz Wilhelm;Kellerhoff, Lutz W.

Teufelsberg / Kommissar Wolf Heller Bd.2


gut

West-Berlin zum Ende der 1960er Jahre. Mehrere Frauen werden vergewaltigt und ermordet. Kommissar Heller ist unter anderem mit der Aufklärung dieser Verbrechen beauftragt. Dann wird eine jüdische Frau ermordet. Ihr Mann ist Richter, ebenfalls Jude, und hatte in der Vergangenheit mehrere Morddrohungen der radikalen Linken erhalten. Auch ein Bombenattentat wird erwartet…

In meinen Augen ist es Buch zweigeteilt. Zum einen ist es gut lesbar und fängt die Stimmung der Zeit, speziell in West-Berlin, sehr gut ein. Das Problem ist allerdings, dass es für einen Kriminalroman viel zu langatmig und ausufernd beschrieben ist, so dass es nicht viel Spannung gibt. Es liegt daran, dass die Autoren versuchen, so viel wie möglich über diese Zeit zu berichten. Für einen interessierten Leser, der sich auskennt, ist es eher nichts neues. Für einen Leser, der wenig über diese Zeit weiß, ist es wiederum nicht ganz ausreichend. Auch wenn am Ende des Buches weitere Erklärungen folgen. Und so ist es irgendwie von allem etwas, aber nicht so ganz richtig.

Bewertung vom 25.05.2021
Frau Merian und die Wunder der Welt
Kornberger, Ruth

Frau Merian und die Wunder der Welt


ausgezeichnet

Interessante Frau

Maria Sibylla Merian verlässt Ende des 17. Jahrhunderts Nürnberg und damit ihren Mann und geht mit ihren beiden Töchtern zu den Labadisten in die Niederlande. Doch auch dort wird sie nicht wirklich glücklich und so reist sie weiter nach Amsterdam. Dort arbeitet sie als Malerin und auch Lehrerin für Malschülerinnen. Gleichzeitig ist sie fasziniert von Käfern, Raupen, Schmetterlingen und ähnlichen Tieren. Ihr großer Traum ist eine Reise nach Surinam, um dort die tropischen Tiere kennenzulernen und zu malen. Ihr Traum erfüllt sich, doch sie zahlt dafür einen hohen Preis.

Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen. Maria ist eine sehr interessante Frau. Zum einen ist sie die erste deutsche Naturforscherin, zum anderen ist sie mit ihren Plänen ihrer Zeit weit voraus, auch wenn Amsterdam für ihre Verhältnisse schon sehr modern ist. Mir war diese Frau vorher völlig unbekannt und das Buch hat mir einen ersten Einblick in ihr Leben gegeben. Vieles im Buch ist biografisch, auch wenn man von der Kindheit und Jugend wenig erfährt. Das Buch setzt quasi ein, nachdem Maria ihren Mann bereits verlassen hat. Einiges im Buch ist dazuerdacht, doch die Autorin hat am Ende ein Glossar eingefügt und auch erklärt, was sie und warum dazu erfunden hat. Die Sprache im Buch ist sehr modern, was ich als angenehm empfunden habe. Sehr gut gelungen fand ich auch den Einband sowie den wunderschönen Inneneinband, der auf die Bilder von Maria verweist. Alles in allem von mir eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 18.05.2021
Das Mädchen im Nordwind
Baldvinsson, Karin

Das Mädchen im Nordwind


sehr gut

Sofie hat ein Kind verloren. Während sie trauert, geht ihr Freund fremd. Die Beziehung kommt in eine Krise und Sofie nimmt sich für 3 Monate eine Auszeit und geht nach Island. Dort soll sie ein Haus renovieren. Dabei lernt sie nicht nur den attraktiven Sohn der Besitzerin kennen, sie findet auch ein altes Tagebuch, dass auf Deutsch geschrieben ist. Darin ist eine Teil der Familiengeschichte aufgeschrieben, doch niemand interessiert sich dafür und will etwas davon hören.

Das Buch ist eine sehr gelungene Geschichte. Auf zwei Zeitebenen wird sowohl die Geschichte von Sofie erzählt wie auch die Geschichte von Luise. Luise ist die Tochter einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie aus Lüneburg, die Ende der 1930er Jahre einen Isländer kennenlernt und sich in ihn verliebt. Mit viel Glück schafft sie es, ihn in seine Heimat zu begleiten. Doch ihre Eltern müssen zurückbleiben und erleben den Schrecken der Naziherrschaft komplett mit. Dies ist sehr realistisch, aber auch sehr berührend beschrieben. Mir hat vor allem an diesem Teil gefallen, dass im Gegensatz zur Gegenwart nicht alles in Freude und Harmonie endet, sondern realistischer dargestellt wurde. Deshalb ist für mich der geschichtliche Teil der wesentlich bessere. Im Teil in der Gegenwart erfährt man viel über Land und Leute und einige Eigenarten der Isländer, die diese sehr sympathisch machen. Ein Buch, das von mir eine Leseempfehlung erhält, weil es schafft, geschichtliche Hintergründe gut zu erzählen, gleichzeitig aber auch eine gute Unterhaltung ist.