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Bewertung von Wuestentraum am 01.03.2020
Das kann uns keiner nehmen
Politycki, Matthias

Das kann uns keiner nehmen


sehr gut

Hans ist wieder in Afrika, er will es schaffen, den Kilimandscharo zu besteigen, im Krater zu übernachten und mit Afrika Frieden zu schließen. Seine Vergangenheit hier nun endlich abschließen zu können. Doch dann kommt ihm der Tscharli dazwischen, ein Ur-Bayer, respektlos, ohne Benimm und unmöglichen Ansichten.

Nachdem die beiden eine Nacht im Schneesturm im Krater überstanden haben, schweißt sie diese Erfahrung zusammen. Und so kommt es, dass Hans eine ganze Woche mit dem Tscharli verbringt. Der ihm anfangs so unsympathisch und unmöglich erscheinende Kerl überrascht Hans immer wieder aufs neue. Wie er mit seinen flotten Sprüchen die Menschen dazu bringt, ihn zu lieben und zu bewundern. Wie er Hans versucht beizubringen, endlich lockerer zu werden und Spaß zu haben. Wie er von einer guten Laune plötzlich anfängt zu weinen und Hans ihn in den Arm nimmt, um in zu trösten. Beide Männer verbringen erlebnisreiche Tage zusammen, die Hans verändern. Sie erzählen sich die Geschichte ihrer großen Liebe und es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden. Doch der Tod fährt in Afrika immer mit.

Matthias Politycki hat einen Schreibstil, mit dem ich anfangs nicht so gut zurechtkam. Es dauerte, bis ich in der Geschichte drin war. Doch dann konnte ich nicht genug davon bekommen und bedauerte, dass die Geschichte nicht noch weiterging. Zum Ende hin faszinierte mich alles, die Beschreibung von Afrika, die Freundschaft von Hans und dem Tscharli sowie deren gemeinsame Erlebnisse. Ebenso die liebevolle Erinnerung von Hans, wenn er an Tscharli und die Zeit mit ihm in Afrika dachte, fand ich wunderschön.

Auch die Vergangenheit der Beiden war sehr interessant geschildert und rundete die Geschichte zum Ende hin vollends ab.

Mich hat dieser Roman, der teilweise traurig machte, zum anderen wieder sehr witzig geschrieben war, sehr berührt. Außerdem interessant war, dass der Autor wirklich 1993 in Afrika fast ums Leben gekommen ist und seine damalige Freundin, heute seine Frau, ihm das Leben gerettet hat.

Sehr sympathisch kamen auch alle afrikanischen Freunde, Helfer, Träger, Sänger und Gefährten von Tscharli rüber. Und besonders die frechen Sprüche vom Tscharli waren einfach herrlich und lustig.

Fazit:

Ein interessanter Roman, der mir nicht gleich am Anfang seine Schönheit und seine Stärke gezeigt hat, dafür dann umso eindringlicher. Er hat mir sehr gut gefallen und mich berührt.
Wuestentraum

7 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 14.05.2020
Gone Baby Gone
Lehane, Dennis

Gone Baby Gone


sehr gut

"Kinder brauchen Wurzeln, die sie festigen, ihnen sicheren Halt geben und Flügel, die sie in die Welt hinaustragen, um Erfahrungen zu sammeln um sich selbst erleben zu können." (Buch Vernachlässigung der Vernachlässigung)
Eines Abends wird die vierjährige Amanda McCready vermisst. Helene die Mutter hat sie unbeaufsichtigt gelassen, während sie bei einer Freundin war. Die Polizei geht jeder Spur nach, doch Amanda bleibt weiter verschwunden. Aus Verzweiflung werden von der Familie die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro angeheuert. Nach einer Lösegeldforderung vermuten sie einen Erpressungsfall im Drogenmilieu. Doch nach der geplatzten Übergabe verdichtet es sich für Patrick und Angie immer mehr, dass man sie an der Nase herumführt und man mit Ihrem Leben spielt. Bei Ihrer weiteren Suche kommen sie in einschlägige Kreise von Pädophilen und Kinderschändern, was den beiden sonst eher robusten Detektiven zusetzt. Bis sie am Ende sogar selbst entscheiden müssen, ob sie für Recht und Gesetz oder für die Menschlichkeit sind.

Meine Meinung:
Mit einem wichtigen Thema befasst sich hier der inzwischen vierte Fall der beiden Privatdetektive. Der Schreibstil unterhaltsam, spannend, überaus detailliert, manchmal sogar für mich konfus und verwirrend, was sicher daran lag, dass es mein erstes Buch von dem Autor ist. Zu Beginn lernt man Amandas Mutter näher kennen und ich bin entsetzt, was für eine Mutter sie ist, sichtlich durch Drogenmissbrauch gezeichnet. Den Amanda fällt in der Schule auf, dass sie ruhig manchmal sogar regelrecht apathisch ist. Die beiden Detektive stellen fest, dass Amanda von Ihr vernachlässigt wird. Der Bezug zum Drogenmilieu macht den Fall noch verwirrender, den der Täter könnte aus diesem sein oder jemand, der für Amanda eine besser Zukunft möchte. Hart dagegen waren die Einblicke in Pädophilen Szene, wo der Autor kein Blatt vor den Mund nimmt und alles recht detailliert beschreibt, was sie einem Kind angetan haben. Da musste ich schon wirklich schlucken, als ich das las. Mitunter war mir jedoch gerade die Detailverliebtheit des Autors schon ein bisschen zu viel. Hier hätte man durchaus die eine oder andere Seite kürzen können. So ist es also auch kein Wunder, wenn dieses Buch fast 600 Seiten hat. Doch die Thematik lässt mich nicht los, den es ist schon etwas, worüber wir als Gesellschaft nachdenken sollten. Die Charaktere waren mir mitunter auch ein bisschen zu viel, da hätte ein Personenregister sicher gutgetan. Patrick Kenzie mit seinem Ehrgeiz und Engagement, sowie seine sympathische, einfühlsame aber auch durchaus toughe Partnerin Angela Gennaro (Angie) haben mir sehr gut gefallen. So das mich dieses Buch neugierig auf weitere Fälle von ihnen gemacht hat. Unfassbar fand ich das häufige Verwirrspiel in diesem Buch. Wer denkt, dies ist der Täter, der hat sich schnell geirrt, den Lehane hat bis zum Schuss noch weitere Wendungen. So war ich am Ende total überrascht, den dies hätte ich so gar nicht erwartet. Lassen Sie sich auf krasse Ermittlungen, ein Thema das immer aktuell ist und auf Detektive mit einem unfassbaren Spürsinn ein. Weil es für mich doch ein wenig zu viele Längen hatte, gibt es 4 von 5 Sterne.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 03.05.2020
Die Patientin / Milla Nova ermittelt Bd.2
Brand, Christine

Die Patientin / Milla Nova ermittelt Bd.2


sehr gut

"Lebe so, als müsstest du sofort Abschied vom Leben nehmen, als sei die Zeit, die dir geblieben ist, ein unerwartetes Geschenk." (Mark Aurel)
Nathaniel und der 4-jährige Silas machen ihren monatlichen Besuch bei Carole Stein Silas Mutter, die seit seiner Geburt im Wachkoma liegt. Nathaniel die Caroles Leben gerettet hat, ist zu Silas großer Stütze geworden. Umso erstaunter sind beide, als plötzlich eine fremde Frau an Caroles Stelle in ihrem Bett liegt. Als zudem Nathaniel dann noch sehr konträre Antworten zum Verbleib von Carole bekommt, ist er sich sicher, hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Denn wenn sie gestorben wäre, müsste es doch ein Grab und einen Totenschein geben. Für Nathaniel steht fest, er braucht wieder einmal die Hilfe von Journalistin Milla Nova. Als Milla herausfindet, dass noch weitere Komapatienten verschwunden sind, wittert sie eine große Story. Wird sie Carole und die anderen Komapatienten rechtzeitig finden?

Meine Meinung:
Passend zum ersten Band, wieder ein recht düsteres Cover. Der Schreibstil war interessant, flüssig, unterhaltsam, spannend, in kurze Kapitel und mehreren Handlungssträngen eingeteilt. Vier Jahre sind seit dem ins Land gegangen, als der blinde Nathaniel seiner damaligen Anruferin zu Hilfe kam und sie unter spannendem Einsatz gerettet wurde. Leider liegt sie seit dieser Zeit im Koma und konnte bis dahin noch nicht einmal ihren Sohn Silas sehen. Doch wenigstens hat sein Pate Nathaniel dafür gesorgt, dass Silas seine Mutter regelmäßig besuchen darf, selbst wenn es den Pflegeeltern bei denen er lebt, so gar nicht passt. Was für eine tragische Geschichte denkt man, doch als dann Carole verschwunden ist und das Verwirrspiel zwischen Leben und Tod beginnt, wird es immer interessanter. Der Autorin ist hier eine wieder tolle Geschichte gelungen, selbst wenn mich manches an den Film "Fleisch" aus dem Jahr 1979 erinnert. Doch tragischerweise hat sie diesmal Nathaniel etwas blass erscheinen lassen, der doch gerade in ihrem Debüt so geglänzt hat. Ich war natürlich darauf gefasst, dass er auch hier wieder der strahlende Held sein wird. Stattdessen hat sie die flippige, unstete Journalistin Milla Nova hier groß herausgebracht, was ja ebenfalls ganz in Ordnung ist. Nur leider mag ich Millas Wankelmütigkeit in Sachen Privatleben überhaupt nicht. Deshalb fehlte mir Nathaniel, der gerade als Blinder sehr viel mehr tun kann, was viele nicht wissen. Und genau das war es, was mich an ersten Band so fasziniert hat. Das Erlebnis, das ein blinder Mensch nicht abgeschrieben ist, sondern im Gegenteil sogar jemandem helfen kann. Diesmal hingegen wirkte er für mich eher wie ein Blinder, verloren, einsam und unfähig irgendetwas zu bewirken. Selbst am Ende fragte ich mich, warum ist er da Milla zu Hilfe geeilt? Nein das war nicht mein Held vom letzten Mal. Ich denke, die Autorin wird sich gut daran tun wieder Nathaniel mehr in den Vordergrund zu rücken, den ich glaube, das ist das, was der Leser erleben möchte. Ich will einen starken blinden Helden, der die meiste Zeit sein Leben im Griff hat. Da darf er sich dann ruhig auch mal überfordern und zu viel zumuten. Was ich hingegen nicht möchte, ist ein zerbrechlicher Nathaniel, der sich nichts mehr zutraut, wie es teilweise hier der Fall ist. Gefreut hat mich, dass ich erfuhr, was mit Carole inzwischen passiert ist. Ich würde mir wünschen, weiterhin wenigstens ein wenig zu erfahren, wie es mit Silas weitergeht. Krass ist hingegen die Geschichte um die Unsterblichkeit und das Einfrieren von Verstorbenen (Kryonik), um sie später wieder zum Leben zu erwecken und zu heilen. Für mich eine Sache, die ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann. Selbst wenn es diese Möglichkeit heute schon gibt, erscheint sie mir immer noch utopisch. Jedenfalls wünsche ich mir weitere Krimis mit Nathaniel und Milla Nova und vergebe diesmal nur 4 von 5 Sterne.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von seschat am 30.04.2020
Dann bleiben wir eben zu Hause! / Online-Omi Bd.13
Bergmann, Renate

Dann bleiben wir eben zu Hause! / Online-Omi Bd.13


ausgezeichnet

Ich liebe die Online-Omi Renate Bergmann seit der Lektüre des ersten Buches. Die rüstige 82-jährige Rentnerin, die den Zweiten Weltkrieg und 4 Ehemänner überlebt hat, lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht von der Corona-Krise, die Frau Bergmann stur nur Conora nennt. So verlässt sie auf Anraten ihrer Verwandten zwar nicht die Wohnung und kann dementsprechend auch nicht zum Rentnerverein und Chorsingen gehen, aber wozu gibt es Internet? Mithilfe von "Skeip" hält sie Kontakt zu Freunden und Familie und nimmt sich zudem für jeden Tag etwas vor. Der Neffe und seine Familie gehen für sie ankaufen, um selbst einmal raus aus dem Home-Office zu kommen. In Sachen Kochen und Vorratshaltung kann man Renate Bergmann sowieso nichts vormachen. Die angeführten Rezepte für Rührkuchen, Arme Ritter & Co lassen sich dank Bergmanns genauer Beschreibung prima nachkochen. Am meisten musste ich wieder über ihre unverblümten Sprüche und kritischen Gedanken lachen. Das Hamstern von Toilettenpapier (s. Cover) während der Corona-Epidemie ist für sie genauso unverständlich wie z. B. die ständigen TV-Ansprachen von Professoren oder das Tragen von Mundschutz und Handschuhen im Supermarkt. Und damit spricht sie aus, was viele von uns denken. Altersweise und nicht auf den Mund gefallen urteilt sie über die derzeitige Lage in Politik und Gesellschaft.

Fazit
Genau die richtige Lektüre für den derzeit etwas tristen Corona-Alltag. 57 Buchseiten (E-Book), die sich schnell und stets mit einem Lachen auf den Lippen lesen.
seschat

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von Bücherspeizialist aus Freiburg im Breisgau am 22.04.2020
Die Schmahamas-Verschwörung
Paluten

Die Schmahamas-Verschwörung


ausgezeichnet

Hi,
ich habe das Buch gekauft und war sehr positiv überascht , man will irgendwie gar nicht mehr aufhören zu lesen .
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und bringt Kinder vom PC (Handy , Tablet ... ) weg in ein sehr spannendes Abenteuer von Minecraft Freedom in einem Realen Buch
Paluten ist ein sehr erfolgreicher YouTuber mit seinem Projekt Freedom hat er die Zuschauer so begeistert , dass es inzwischen (stand 22.04.2020) sogar 2 Bücher und 1 Comic gibt .

Es ist auch sehr hilfreivh gegen die Coronapandemie (2019/2020)

ICH KANN ZUM KAUF EMPFEHLEN !
Bücherspeizialist aus Freiburg im Breisgau

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von marpije am 22.04.2020
Die Hölle war der Preis
Lind, Hera

Die Hölle war der Preis


ausgezeichnet

Gisa und Ed zwei junge, verheiratete Leute welche in DDR leben, sie wissen ganz genau dass ihre private sowie die berufliche Träume hier niemals in Erfüllung gehen werden, sie wollen raus , ins Freiheit, wo Mensch kann machen was er will und leben wie er will. Im Januar 1974 Gisa und Ed fliehen , doch sie sind gescheitert , verhaftet wegen Republikflucht müssen durch die Hölle gehen.... im DDR Gefängnis sie erleben das schrecklichste ....

Das Buch schildert schreckliche Ereignisse ist jedoch wunderbar geschrieben, die Autorin schreibt sehr flüssig, sehr einfühlsam und sehr innig , die viele Gefühle welche stecken hier drin sind spürbar und berühren der Leser tief, der wahre Inhalt von die Geschichte bleibt noch lange im Kopf und bestimmt jeder nach diese Lektüre wird die Freiheit mehr schätzen als vorher.

Die Kapiteln wenn Gisa erzählt über ihre Kindheit und jugendliche Jahre haben mir sehr gut gefallen, die lassen mich verstehen warum der System so gehasst war, was die Leute müssen sich gefallen lassen.... für uns einfach unvorstellbar.
marpije

6 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 09.04.2020
1965 / Thomas Engel Bd.1
Christos, Thomas

1965 / Thomas Engel Bd.1


weniger gut

"Erinnern tut weh. Es löst Entsetzen aus und lässt uns verstummen und aufschreien zugleich. Sich den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen, ist unverzichtbar." (Rita Süssmuth)
Düsseldorf 1965:
Thomas Engel hat gerade sein Abitur bestanden, da möchte er unbedingt zur Kriminalpolizei zu gehen. Wie gut, wenn man da Beziehungen hat und dieser einem dabei behilflich ist. Kurt Strobel kennt Thomas Vater schon seit dem Krieg und er verhilft ihm gerne, dass er zur Kripo kommt. Doch Thomas Einstieg ist nicht einfach, vor allem weil er als Streber verrufen ist. Doch dann findet man die Tochter einer Gastarbeiterfamilie in der Ruine Kaiserswerth tot auf. Doch als dies als Unfall deklariert wird, ist Thomas der einzige, der sicher ist, dass es kein Unfall war. Aber warum verfolgt dann niemand weitere Spuren und warum wird das Mädchen nicht obduziert? Erst als Thomas im Archiv einen ähnlichen Mord, an derselben Stelle im Jahr 1939 entdeckt, ist er sich sicher, das dieser Täter erneut zugeschlagen hat. Nun muss er in der Vergangenheit graben, um Dinge zu entdecken, die ihn erschüttern.

Meine Meinung:
Das dunkle Cover weist auf die Tristheit der damaligen Zeit hin, als schwarz-weiß noch mehr angesagt war. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und recht einfach gehalten. Zwar am Anfang interessant und locker, wird der Inhalt immer mehr diffus, abwegig und fragwürdig. Meiner Ansicht nach wollte der Autor zu viel und packte dies alles in sein Buch hinein. Vielleicht wäre da doch ein bisschen weniger mehr gewesen und er hätte sich lieber etwas intensiver mit dem Kriminalfall beschäftigt. Stattdessen packt er die Leichtigkeit und die Musikszene der 60er Jahre, die Ungerechtigkeit des Kriegs und der Nazis, Judenverfolgung, Missbrauch und zuletzt auch noch eine Liebesgeschichte hinein. Doch am meisten nervte mich der Kommissar, der hier seinen ersten Auftritt hat. Natürlich ist Thomas Engel recht jung, ein frischer Abiturient, doch schon gleich zu Beginn hat man eher das Gefühl einen biederen, minderbemittelten Jungen anzutreffen. Leider wird es selbst als Kommissar zu Beginn nicht wirklich besser und trotzdem wird er öfters als schlau dargestellt. Doch im Laufe des Buches lässt der Autor ihn dann zum wahren Superhelden mutieren, der die ganze Welt retten möchte und es selbst mit den Kollegen auf sich nimmt. Ebenso hatte ich was den Fall anbelangt schnell einen Verdächtigen, der sich am Ende dann wirklich als Täter herausstellt. Das im weiteren Plot dann die Nebensächlichkeiten immer mehr in den Vordergrund rücken, macht den Krimi für mich eher zu einem Reinfall. Ich muss mich förmlich zwingen, weiter dranzubleiben, und werde dann wenigstens noch mit einem etwas versöhnlichen Ende beglückt. Trotz allem konnte mich dieser Ermittler so gar nicht überzeugen und ich bin irgendwie fassungslos, dass man so einen Krimi anpreist. Als ich dann las, dass der Autor bisher eher Kinderbücher und Drehbücher geschrieben hat, war mir auch klar, warum dieses Buch teils so unerfahren, verwirrend und überladen war. Vielleicht würde als Film genügen, jedoch als Buch fand ich es eher enttäuschend. Ich bin mir auch ehlich gesagt nicht sicher, ob ich von diesem Ermittler nochmal etwas lesen möchte. Deshalb von mir leider nur 2 von 5 Sterne.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 30.03.2020
Kirschkuchen am Meer
Barns, Anne

Kirschkuchen am Meer


ausgezeichnet

"Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie." (Friedrich Nietzsche/Buchauszug)
Völlig überraschend und unerwartet verstirbt Marie und Lenas Vater in Hooksiel. Viel zu lange hatten die beiden keinen Kontakt mehr zu ihm, besonders wegen seiner neuen Frau Ilonka. Umso erstaunter sind sie, als sie die Einladung zur Seebestattung bekommen. Die hochschwanger Lena darf nicht und Marie möchte am liebsten ebenfalls nicht hingehen. Jedoch gemeinsam mit ihrer Mutter und Oma reist sie dann doch nach Hooksiel. Dort entdecken sie bei der Seebestattung eine unbekannte Frau, die für Marie eine Tasche übergibt. Alle Spuren zu der Frau scheinen auf die Insel Norderney zu führen. Deshalb beschließen sie gemeinsam, weiter auf die Nordseeinsel zu reisen. Derweil kehren bei Marie wieder die alten Kindheitserinnerungen zurück. Bei Kirschstreusel, Kirschröster und Milchreis lernt sie ihren Vater noch mal von einer ganz anderen, neuen Seite kennen.

Meine Meinung:
Das bunte Cover wie ich es seither von der Autorin kenne, passt hier wieder sehr gut zur Geschichte. Der Schreibstil ist locker, flüssig, ernsthaft, humorvolle und wieder einmal gespickt mit wunderschönen Zitaten und Lebensweisheiten. Am Ende des Buchs befinden sich ebenso wie in all ihren Büchern, einige der Rezepte die in der Geschichte auftauchen. Maries Leben und Liebe läuft in allen Belangen gerade nicht so, wie sie es sich wünscht. Im Job als Drogistin ist sie nicht gerade glücklich und ihre Liebe zu Marc scheint auch etwas abgekühlt zu sein. Darum ist die Seebestattung ihres Vaters nicht nur eine Pflicht, sondern es ist vor allem die Suche nach der Vergangenheit und einer neuen Zukunft für sich. Der neue Sommerroman wartet wieder einmal mit viel Wärme, Harmonie, idyllischer Lokalkolorit durch die Nordsee mit Hooksiel, den Inseln Norderney und Juist auf. Man spürt sofort wieder das Faible für diese Region, das es der Autorin angetan hat. Ihre Liebe zur Nordsee und den Inseln fließt dabei so phänomenal in die Geschichte mit ein, sodass ich sofort ein Urlaubsfeeling hatte. In ihren Büchern tauchen meist Standorte und Örtlichkeiten auf, die man sogar danach real besuchen kann. Wie z. B. hier die Kaffeerösterei "Bittersüß" auf Norderney, die in dieser Geschichte auftaucht. Genauso werden die Rezepte im Anhang von der Autorin unter die Lupe genommen und getestet, bevor sie in ihre Geschichte einfließen dürfen. Deshalb bekommt man meist bei ihren Büchern nicht nur Lust auf Urlaub, sondern ebenso Hunger auf die leckeren Köstlichkeiten. Zudem freute ich mich auf ein Wiedersehen mit einigen Bekannten aus vorherigen Büchern. Überzeugen konnte mich vor allem etwas zwiegespaltene und verunsicherte Marie die jedoch eine ganz warmherzige Art an sich hat. Besonders jetzt in der Corona-Krise wo wir alle so am Boden sind, konnte mich dieses Buch noch mehr begeistern und in eine wunderschöne, normale Urlaubszeit katapultieren. Deshalb von mir eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 21.03.2020
Verboten in der Öffentlichkeit - jetzt erst recht   Erotische Bekenntnisse
Wiles, Simona

Verboten in der Öffentlichkeit - jetzt erst recht Erotische Bekenntnisse


ausgezeichnet

"Alle Sinneslust der Liebe liegt in der Veränderung." (Moliere)
Es geht um Sex in der Öffentlichkeit, bei der die aufregende pure Erotik einen zu den ungewöhnlichsten Situationen führt. Auf der Autofähre, dem Feld, im Hinterhof, Tierpark, dem Campingplatz, dem Balkon, auf der Kirchweih oder in der Bar überall begegnen wir prickelnde und sinnliche Erotik. 8 einfallsreiche Geschichten mit besonderem Ambiente und ganz eigenwilligen Situationen, entfachen die ganz eigenen Fantasien.

Meine Meinung:
Wer lässt nicht gerne mal seiner Fantasie freien Lauf und denkt über Sex an sehr ungewöhnlichen Plätzen nach? Simona Willes hat in ihrer Anthologie 8 Geschichten über sinnlichen Sex an sehr eigenwilligen Plätzen verfasst. Zum Beispiel: Bei der Überfahrt von Calais nach Dover, wo es auf der Autofähre zwischen geparkten Autos zu einer knisternden Begegnung kommt. Karl und Lina die sich nach der Ernte auf dem Feld zu einem Stelldichein treffen. Bis zu Sex auf dem Campingplatz, im Zoo oder auf der Kirchweih. Selbst im Hinterhof kann man sich nicht sicher sein auf ein Pärchen bei einer ungewöhnlichen Situation zu treffen. Mit dem lockeren, unterhaltsamen Schreibstil weiß die Autorin sehr gut ungewöhnliche Orte und Begegnungen miteinander zu verschmelzen, sodass es zu bemerkenswerten, erotischen Szenen kommt. Die daraus entstanden und oft angeheizten Zusammenkünfte machen den Sex noch signifikanter. Und mal ehrlich hat sich nicht jeder schon mal vorgestellt, seine Freundin oder Frau in aller Öffentlichkeit zu verführen? Hier können wir uns fallen lassen, hineinversetzten, genießen und unserer eigenen Fantasie freien Lauf lassen. Selbst wenn es vielleicht nicht so frei und öffentlich sein kann wie in diesem Buch, so können wir uns wenigstens in diese fantastische, erotische Welt hineinversetzen. Besonders dadurch, dass für mich die Protagonisten so natürlich erscheinen. Mich jedenfalls konnten die recht einfachen Geschichten der Autorin überzeugen, sie waren stimmig, ohne eine extreme vulgäre Sprache und gut durchdacht. Als Zugabe gibt es dann wie in allen Bücher des Verlags einen Code für eine zusätzliche Geschichte der Autorin im Internet. Von mir bekommt dieses Buch 4 1/2 von 5 Sterne.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung von claudi-1963 aus Schwaben am 16.03.2020
Brave Mädchen schweigen still (eBook, ePUB)
Dicken, Dania

Brave Mädchen schweigen still (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will." (Jean-Jacques Rousseau)
Libby Whitman ist endlich am Ziel ihrer Träume, nämlich in der Academy des FBI in Quantico ihre Ausbildung als Profilerin zu absolvieren. Zum Glück tröstet Julies Anwesenheit sie ein wenig darüber hinweg, das sie ihren ehemaligen Kollegen Owen in Kalifornien zurücklassen musste. Dass sie mehr als freundschaftliche Gefühle für ihn hegt, wird ihr erst jetzt so richtig klar, seit sie Meilen von ihm entfernt ist. Als er dann überraschend vor ihr steht und seine Liebe gesteht, ist Libby froh. Doch dann setzt ihr das FBI die Pistole auf die Brust den sie möchten, das Libby nach Utah geht, um dort gegen ihre ehemaligen Sekte der FLDS zu ermitteln. Um ihren Traum Profilerin zu werden zu verwirklichen, bleibt der geschockten Libby keine andere Wahl. Dass sie nach 10 Jahren die ehemalige Heimat wiedersehen würde, hatte Libby nicht erwartet. So reist sie mit gemischten Gefühlen voller Zweifel und Ängste nach Utah, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. ---

Meine Meinung:
Der zweite Band der Libby-Whitman-Reihe beschert mir wieder einmal einen Einblick in die Machenschaften der fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (FLDS). Eine abgespaltene Gruppierung der Mormonen die vor allem durch die Polygynie (Vielehe) und der daraus resultierenden Inzucht auffallen und die es nach wie vor immer gibt. Ebenso geht es bei Libbys Fall wieder einmal um die Zwangsehe der 16-jährigen Rosie, wie sie selbst damals fast mit ihrem Onkel eingehen musste. Das dabei viele alte Erinnerungen bei ihr hochkommen konnte ich sehr gut verstehen. Schön fand ich das Libby seelische Unterstützung und Halt von Sadie, Matt und von Owen bekommt. Die Örtlichkeiten von Short Creek, wo die FLDS sich sehr abgeschieden niedergelassen hat und sie selbst heute noch leben, fand ich sehr gut beschrieben. Ebenso die Machenschaften die Dania hier außerordentlich detailliert in den Fall mit eingespinnt. Zwar kenne ich die FLDS schon von einem ehemaligen Fall bei Sadie Whitman, bei der Libby von dort geflohen ist. Doch diesmal hat sich die Autorin inhaltlich weitaus mehr mit der Geschichte dieser Gemeinschaft befasst. Ich bekam eine regelrechte Wut zu erfahren, wie sie im allgemeinen mit Frauen umgehen. Besonders erschreckend empfinde ich, dass die FLDS noch immer existieren und selbst die Polizei oft machtlos gegen sie sind. Minderjährige werden zwangsverheiratet, teils sogar vergewaltigt alles im Namen der FLDS, weshalb man den Anführer Warren Jeffs 2011 für mehrere Vergehen zu einer lebenslangen Haft verurteilt hat. Interessant ist auch die Geschichte von Rosies Bruder David, der aus der Sekte zwangskommuniziert wurde. Libby soll nun eine junge Frau dazu bringen gegen Mitglieder der Sekte und ihrem eigenen Mann auszusagen. Leider wurde zuvor ihre Schwester Rosie entführt und niemand weiß, wo sie steckt. Für Libby beginnt nun die Suche und ein lebensgefährlicher Einsatz gegen ihre ehemalige Sekte. Eindrucksvolle und informative Recherchen, mit ein paar romantischen Szenen zwischen Libby und Owen machen diesen Fall für mich zu einem besonderen Erlebnis. Dabei brilliert die toughe Libby wieder einzigartig und mit ganzem Einsatz. So intensiv ausgearbeitet und dargestellt kenne ich bisher nur Fälle von Dania Dicken. Hier spürt man wieder einmal ihre große Erfahrung und Potenzial als Thriller Autorin. Da sich die Bücher der Reihe ineinander aufbauen, vor allem im Privatleben der Ermittler, wäre es gut sie von Anfang an zu beginnen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne für dieses Buch.
claudi-1963 aus Schwaben

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.