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Ein Kreuzberg-Erinnerungsbuch voll grotesker Dialoge: Sven Regeners "Wiener Straße"


Seit 2001 "Herr Lehmann" erschien, der erste Teil einer Romantrilogie von Sven Regener, hat die Wiener Straße einen Ehrenplatz in der Kreuzberg-Literatur inne. Mit Regeners neuem Buch nun kommt sie ganz groß heraus und wird selbst zum Star: "Wiener Straße" huldigt erneut einem Westberliner Biotop, das einst seinen Nährboden in dem Kiez zwischen Görlitzer Bahnhof und Berliner Mauer fand.

Was für Berliner Pflanzen dort gedeihen konnten, wissen Regener-Fans. In dem Buch kehren viele Charaktere wieder, die man bereits aus dem Figurenkosmos seiner vorangegangenen Romane kennt, allen voran Herr Lehmann aus besagter Reihe. Der Roman setzt genau da ein, wo die Lehmann-Trilogie mit "Kleiner Bruder" aufgehört hatte. Gemeinsam mit dem schrägen Volk aus der Wiener Straße durchlebt der Leser einige weitere Tage im November des Jahres 1980.

Frank Lehmann hat dieses Mal eher eine Nebenrolle. Er zieht mit seinem besten Freund Karl Schmidt, dem Aktionskünstler H. R. Ledigt und der nervtötenden Chrissie direkt in die Wohnung über dem "Café Einfall", das von Chrissies Onkel, einem Exilschwaben, betrieben wird. Erwin Kächele ist so etwas wie Kneipenwirt und Herbergsvater in Personalunion; bei ihm trifft das Personal des Romans zusammen und wird nicht nur mit Bier, sondern auch mit Jobs, guten Ratschlägen oder einer Unterkunft versorgt.

Das Regener-Fans ebenfalls schon bekannte "Café Einfall" ist Dreh- und Angelpunkt des Buchs, Sammelbecken für all die Pfeifen, Freaks und spinnerten Lebenskünstler, die das Buch bevölkern. Sie haben wenig Arbeit und viel Zeit zum Quatschen; großen Raum nehmen in diesem Buch die Dialoge ein, mit denen Regener seine Figuren auf höchst unterhaltsame Weise plastisch werden lässt.

Zu denen gehören auch die Wiener Aktionskünstler P. Immel und Kacki, welche die Galerie …mehr
Autorenporträt
Autorenporträt - Sven Regener

Nicht zuletzt durch erfolgreiche Verfilmungen bekannt geworden, haben Sven Regeners Bücher ihn gewissermaßen zum zweiten Mal zum Star gemacht. Seinem Dasein als Kultautor war bereits eine Karriere als Musiker vorausgegangen. Von 1985 an hatte er sich mit seiner Band Element of Crime ins Spitzenfeld deutschsprachiger Popbands vorgearbeitet, wurde als Sänger und Texter der Gruppe zu deren Herz und Seele.

Seinen ersten Bestseller landete Regener wesentlich später: 2001 erschien "Herr Lehmann", ein Kreuzberg-Roman, den er später zur Trilogie ausbaute. Für "Herr Lehmann" erhielt Regener den Internationalen Buchpreis "Corine", für sein Drehbuch zum gleichnamigen Film unter der Regie von Leander Haußmann den Deutschen Filmpreis in Gold. Selbst Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki überschüttete dieses Popliteraturwerk mit Lob.

Regeners Bücher spielen sämtlich im geteilten Deutschland, meist in der Mauerstadt Berlin. Sicher nicht zufällig, denn die deutsche Teilung, insbesondere in Form der Berliner Mauer, war prägend für ihn. Regener wurde 1961 in Bremen geboren, im selben Jahr, in dem die Mauer gebaut wurde. Er wuchs in Blockdiek und in der Neuen Vahr auf - in seinem Buch "Neue Vahr Süd" verarbeitet er dies - und landete nach einem in Hamburg begonnenen Musikwissenschaftsstudium 1982 in Berlin.

Hier in der Frontstadt geriet er in genau jenen schrägen und kreativen Kosmos hinein, dem er in seinen Büchern so gekonnt ein Denkmal setzt. Regener spielte in verschiedenen Bands, bis er schließlich mit Element of Crime durchstartete, während er sein Studium zugunsten eines Brotjobs als Musiker hinschmiss.

Heute gehört Regener zu den wenigen Menschen, die sich mit Fug und Recht Multitalent nennen dürfen. Es ist schwer zu sagen, ob er der bessere Musiker oder Autor ist. Die Tourneen mit Element of Crime sind genauso verlässlich ausverkauft, wie seine Bücher zu Bestsellern avancieren. Vor Kurzem ist die Verfilmung von"Magical Mysteryoder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" in die Kinos gekommen und auch sein jüngster Wurf "Wiener Straße" ist filmreif. Auf jeden Fall scheint Regener keine kreative Pause zu benötigen.
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Wenn Algorithmen alles besser wissen: "QualityLand" von Marc-Uwe Kling

Peter kann sich auf seinen persönlichen digitalen Assistenten Niemand verlassen. Er hat ihn so genannt, weil er das Gefühl hat, Niemand ist für ihn da. Niemand hilft ihm. Niemand hört ihm zu. Niemand trifft für ihn Entscheidungen. Ja, Peter bildet sich sogar ein, Niemand mag ihn. Niemand ist ein WIN-Asssistent. Das Kürzel steht für What-I-Need. Das war ursprünglich eine Suchmaschine, in die man umständlich per Tastatur Fragen eingeben musste. Heute muss Peter sich nicht mehr die Mühe machen, relevante Informationen zu suchen. Die Informationen machen sich die Mühe, Peter zu finden.

So sucht Niemand das passende Restaurant für Peter aus und bestellt gleich den passenden Burger. Peters Freunde hat Niemand selbstredend ebenfalls ausgewählt. Nach Hause navigiert Peter schließlich ein selbstfahrendes Auto, das für ihn den schnellsten Weg berechnet, dabei mit ihm redet und seine Lieblingskuschelrockhits spielt. Zu Hause angekommen wartet auf Peter bereits eine Drohne von TheShop, dem weltweit beliebtesten, monopolistischen Versandhändler, und liefert ein QualityPad, das er gar nicht bestellt hatte, weil er noch nicht wusste, dass er es wollte. Macht nichts: TheShop weiß, was Peter will. Und TheShop weiß auch, wann Peter zuhause ist.

Schöne neue Welt! Bestsellerautor Marc-Uwe Kling, bekannt durch seine erfolgreiche "Känguru"-Trilogie, hat einen Zukunftsroman geschrieben: "QualityLand". Er spielt in einem vollkommen durchdigitalisierten Deutschland in nicht allzu ferner Zeit. Einem Land, das komplett von Technik dominiert wird und in dem Algorithmen alle Bereiche des Lebens - von der Arbeit über die Freizeit bis zu den persönlichen Beziehungen - wie selbstverständlich beherrschen. Die Algorithmen wissen in QualityLand, was die Menschen möchten, bevor diese es selbst wissen. Sie befriedigen die Bedürfnisse der Bewohner von QualityLand, …mehr
Autorenporträt
Marc-Uwe Kling - Autorenporträt

Der Autor, Liedermacher, Kabarettist und Kleinkünstler Marc-Uwe Kling ist bekannt durch die "Känguru"-Trilogie, deren erster Band "Die Känguru-Chroniken. Ansichten eines vorlauten Beuteltiers" 2009 erschienen ist. Bis heute hat sich der Band nach Angaben des Ullstein-Verlags 900 000 Mal verkauft. "Der Spiegel" lobt vor allem Klings Talent, "kreativ völlig frei zu drehen", und seine "hellsichtige Gesellschaftssatire".

Die "Känguru"-Geschichten Klings sind heute Kult. Entstanden ist die Trilogie aus dem Podcast "Neues vom Känguru", der vor 2009 wöchentlich im Berliner Radio "Fritz" gesendet wurde. Erzählt werden dabei Episoden aus dem Leben des Ich-Erzählers Marc-Uwe Kling, einem gebildeten, jungen Kleinkünstler, der etwas apathisch ist. Sein Mitbewohner ist ein kommunistisches und viel aktiveres Känguru, das zu Beginn vor Klings Tür steht und sich Eier ausborgen will, um Eierkuchen zu braten.

2010 erhielt Marc-Uwe Kling für die "Känguru"-Serie den Deutschen Radiopreis. Nach der "Känguru-Chronik" erschien der zweite Band "Das Känguru-Manifest" (2011) und zuletzt 2014 "Die Känguru-Offenbarung" als gedruckte Bücher und als Hörbücher.

Marc-Uwe Kling wurde 1982 in Stuttgart geboren. Er studierte Philosophie und Theaterwissenschaften an der FU Berlin. Seit 2003 tritt er auf Berliner Bühnen auf, von 2005 bis 2008 mit seinem Soloprogramm: "Wenn alle Stricke reißen, kann man sich auch nicht mehr aufhängen". Er gewann 2005/06 die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften. Seit 2016 läuft das Fernsehprojekt "Bühne 36 - Känguru und Co. Systemrelevanter Humor mit Marc-Uwe Kling und drei Anderen."

Obwohl Kling für seinen Witz bekannt ist, entwirft er in seinem neuen Roman eine düstere Zukunft und erzählt von einem Überwachungsstaat, in dem die Bewohner durch übermächtige Algorithmen in allen Bereichen des Lebens drangsaliert werden. Doch Kling-Fans kommen trotzdem auf ihre Kosten. Auf die relevante Frage zu seinem neuenBuch "QualityLand": "Ist das Buch witzig oder nicht?" antwortet Kling eindeutig: "Witzig."

Und ein Känguru huscht auch durch das QualityLand!
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Als Narr gegen die Ordnung der Dinge

Daniel Kehlmann greift in seinem neuen Roman die Geschichte des Tyll Ulenspiegel auf und entwirft ein philosophisches Historienpanorama


Gleich mit dem ersten Kapitel bemerkt der Leser: Daniel Kehlmann hat sich in seinem neuen Roman der legendären Figur des Till Eulenspiegel nicht angenommen, um die weithin bekannten Scherze und Tricksereien des Narren abermals nachzuerzählen. Themen wie Tod und Gott, die Frage nach Glauben und Mystik oder das Leben des Untertanen als Spielball größerer Mächte werden in diesem einleitenden Stück zu einem packend erzählten Potpourri vermischt. Tyll Ulenspiegel, wie Kehlmann seinen Helden nennt, erscheint nicht als schnöder Spaßmacher. Vielmehr wird er als mythische Figur mit dämonischem Antlitz eingeführt, die über den Dingen zu schweben scheint und der die Ordnung der Wirklichkeit nichts anhaben kann. Ganz im Gegenteil macht sie sich diese Welt untertan und gestaltet sie nach ihren Regeln.

Kehlmann, der spätestens mit seinem Buch "Die Vermessung der Welt" zu einem Autor von Weltrang wurde, verlegt die Geschichte des "Tyll" in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, also in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es ist eine düstere Zeit, in der Mörderbanden und Söldner durch die verwüsteten deutschen Lande marodieren. Die Pest grassiert. Hungersnöte plagen die Bevölkerung. Der Tod ist überall präsent. Die Welt scheint völlig aus den Fugen geraten. Gleichzeitig ist es eine Zeit des Wandels; das Streben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen löst langsam Aberglaube, Hokuspokus und Alchemie ab. So tut sich Raum für eine neue säkulare und aufgeklärte Weltsicht auf.

Tyll ist der Sohn des Müllers Claus Ulenspiegel und wächst in einem Dorf in Norddeutschland auf. Sein Vater ist ein neugieriger Mann, der - für die damalige Zeit ungewöhnlich - lesen kann und der sich mit Medizin, Heilen und Hexerei beschäftigt. Es …mehr
Autorenporträt
Daniel Kehlmann, wurde 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren. 1981 kam er mit seiner Familie nach Wien, wo er das Kollegium Kalksburg, eine Jesuitenschule, besuchte und danach an der Universität Wien Philosophie und Germanistik studierte. Er hatte Poetikdozenturen in Mainz, Wiesbaden und Göttingen inne und wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Candide-Preis, dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Doderer-Preis, dem Kleist-Preis 2006, dem WELT-Literaturpreis 2007 sowie zuletzt mit dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. Daniel Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien und Berlin.
Interview mit Daniel Kehlmann zum Roman "Tyll"

Gleich eine Frage vorweg: Wurden Sie im Deutschunterricht in der Schule auch mit Nacherzählungen von Till Eulenspiegels Scherzen malträtiert? Begleitet Sie Till also schon sehr lange? Oder sind Sie erst kürzlich auf ihn gestoßen?

Daniel Kehlmann
: Er begleitet mich, seitdem ich als Kind Erich Kästners Nacherzählung gelesen habe. Später habe ich dann Charles de Costers großen Roman "Ulenspiegel" in den Niederlanden gelesen. Aber in der Schule ist er mir zum Glück nie begegnet, sonst hätte ich mich wahrscheinlich von ihm ferngehalten. Schule hat einfach diesen Effekt, das ist schade, aber man kann dagegen nichts tun.

Was fasziniert Sie an der Figur des Till Eulenspiegel, dem eine historische Figur aus dem 14. Jahrhundert zugrunde liegen soll, die im niedersächsischen Mölln gelebt hat?

Daniel Kehlmann
: Er ist rätselhaft und anarchisch. Lustig ist er nicht mehr wirklich für uns, er verkörpert eher der Geist des Humors selbst, aber er ist nicht jemand, über den wir wirklich noch lachen können. Es war vor allem diese unheimliche Dimension, die mich gereizt hat, ich verstehe meine Tyll-Figur selbst nicht, weder begreife ich ihre Motivationen, noch ihre Handlungen und Ansichten. Es war fast so, als hätte Tyll mich ausgesucht, nicht ich ihn.

In Ihrem Roman erfinden Sie die Biografie des Tyll Ulenspiegel neu und verlegen sein Leben in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, also ins 17. Jahrhundert - eine düstere Zeit, in der moralische Regeln und die Weltsicht der Vernunft aus den Angeln gehoben werden. Ist Tyll jemand, der sich gegen dieses Chaos und diese Abgründe stemmt?

Daniel Kehlmann
: Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Er versucht, in dieser dunklen Zeit zu überleben. Er ist ganz gut darin, er gedeiht sogar. Er macht die Welt nicht schlechter, aber er ist auch nicht daran interessiert, sie besser zu machen. Er will leben. Und das gelingt ihm.

Gleichzeitig hält Tyll den Menschen mit seinen Scherzen ihre Niederträchtigkeiten und Unzulänglichkeiten vor. Ist er so etwas wie ein fatalistischer oder dämonischer Humanist?

Daniel Kehlmann
: Mein Tyll ist sicher mehr dämonisch als Humanist, aber er ist auch nicht bösartig; er hat sadistische Züge, aber Menschen, denen es schlecht geht, tut er normalerweise nichts an.

Wie hat sich die Arbeit an dem Buch gestaltet? Haben Sie eingehend über Tills Leben und die Welt des 17. Jahrhunderts recherchiert?

Daniel Kehlmann
: Vor allem über die Welt des 17. Jahrhunderts - jahrelang. Hätte ich vorher gewusst, wie schwierig das ist, wie fremd diese Welt ist, ich hätte es wahrscheinlich nicht unternommen. Eine vor-aufklärerische Welt, in der praktisch jeder an Magie glaubt und niemand je Wasser trinken kann (alle Brunnen waren kontaminiert) - eine sehr fremde und durchwegs alkoholisierte Welt, in die man sich schwer hineinversetzen kann, aber gelingt es einem, istes ein großes geistiges Abenteuer.

Bei der Lektürehat man den Eindruck, dass der Schreibprozess Ihnen sehr viel Spaß gemacht haben muss - es findet sich sehr viel unterschwelliger Humor in Ihrer Sprache, die Szenen pochen vor Lebendigkeit. War der Schreibprozess tatsächlich so leicht, wie er wirkt?

Daniel Kehlmann
: Teilweise ja, dann wieder über weite Strecken nicht. Ich habe vier Jahre an dem Buch gearbeitet, aber für die letzten zweihundert Seiten habe ich nur wenige Monate gebraucht. Es war zugleich das Schwerste und dann am Ende plötzlich das Leichteste all meiner Bücher.

Der Roman spielt in den Zeiten der Glaubenskriege - Tyll ist niemand, der sich religiösen Ordnungen unterwerfen würde, er tänzelt über den Ordnungen und scheint nicht von dieser Welt zu sein, beflügelt von einer nahezu übernatürlichen Lebenskraft. War es Ihnen auch ein Anliegen, die Kraft des Irrationalen, des Geheimnisvollen und Magischen zu beschwören?

Daniel Kehlmann
: Das geschieht ganz von selbst, wenn man sich ins 17. Jahrhundert versetzt. Wie gesagt, jedermann glaubte an Magie, die Aufklärung war noch weit entfernt, da hat man es ganz von selbst mit der Kraft des Geheimnisvollen und des Magischen zu tun - und man muss sich dem eher entgegenstellen. Zum Beispiel war mir klar, dass es in meinem Buch keine Hexen geben dürfte. Die Hexenprozesse sind ein furchtbares historisches Unrecht, unzählige Menschen wurden auf unsagbare Art gefoltert und getötet, da darf man sich dann nicht der Folklore hingeben, die Hexen beim Erzählen zu etwas Realem zu machen. Es gibt Magie in meinem Buch, aber Hexen gibt es nicht!

Die Welt, die Sie im Buch beschreiben, ist aus den Fugen geraten. Man ist gewillt, Ihr Buch auch als Interpretation für unsere Welt zu sehen, in der die Verheißungen des Liberalismus an die Grenzen der Realität gestoßen zu sein scheinen, in der Kriege, Krisen und Terror neue Unsicherheiten bringen. Wenn Tylls Wirken und Leben ein Sinnbild für die Macht der Kunst ist: Kann die Kunst in unruhigen Zeiten helfen, eine Orientierung zu geben? Oder ist die Macht der Kunst nur ein fauler Trost?

Daniel Kehlmann
: Sie ist vielleicht der einzige Trost, aber nur solange man der Gefahr entkommt. Das schafft Tyll ja immer wieder. Ich muss zugeben, dass mir die Arbeit an dem Roman dabei geholfen hat, mit den täglichen Schlagzeilen fertigzuwerden. Wir sehen voll Schaudern nach Syrien, aber im Dreißigjährigen Krieg waren wir Syrien, und ganz Europa versank in einem Schrecken ohne Ende. Davon zu erzählen gibt einem historische Perspektive, man erschrickt dann nicht über alles gleich so sehr. Zugleich weiß man auch, wie fragil die Ordnung ist und wie schnell die Katastrophe da sein kann.
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Eine afrikanische Kindheit: "Kleines Land" von Gaël Faye

"Kleines Land, man hat dich zerstört, aber du bist immer noch da", rappt der im Exil lebende Musiker Gaël Faye in seinem Stück "Petit pays" über sein Heimatland Burundi. Dieses Lied trifft im Kern sein Herzensthema, das ihm keine Ruhe lässt. Doch ein Lied allein kann bei Weitem nicht die Komplexität der Gefühle und der Erinnerungen greifbar machen. So beschloss Faye, ein Buch zu schreiben, das persönlich, aber nicht autobiografisch ist. Zwar teilt der Protagonist von "Kleines Land", das nun zum französischen Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse auf Deutsch erschienen ist, viele Eckdaten mit dem Autor. Doch ein reines Erinnerungsbuch ist es nicht. Dieses hätte weit mehr Grausamkeiten beinhaltet, sagt Faye. Er habe das Berichtete abgemildert und gleichzeitig authentisch verdichtet. Sein Text soll ein Gegenbild schaffen zu den Nachrichten über Afrika, denn diese "zeigen die Wirklichkeit, aber nicht die Wahrheit", wie es im Buch heißt. Die Hintergründe der Geschichte, der Völkermord an den Tutsi und die fortlaufenden Kriege, reichen weit in die 1990er-Jahre zurück.

In der kurz gehaltenen Rahmenhandlung lebt der 33-jährige Gabriel ein wurzelloses Leben in Paris; seine Bekanntschaften sind flüchtig und seine Gedanken schweifen ab. "Seit zwanzig Jahren kehre ich zurück, nachts im Traum, tags in Gedanken; in mein Viertel, in die Sackgasse, wo ich mit meiner Familie und meinen Freunden ein glückliches Leben führte." Im Folgenden erinnert er sich detailliert an Erlebnisse seiner Kindheit, an die Zeit als "Dreimangohoch". Schon damals war er befremdet von der Einteilung der Menschen in Ethnien, obwohl sie doch scheinbar nichts unterscheidet: weder die Heimat noch die Religion noch die Sprache. Sollten die Ursache für Hass und Streit zwischen Hutu, Tutsi und Pygmäen etwa die Nasen sein, wie sein Vater behauptete?

Trotz der seitdem geschehenen Schrecken …mehr
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Seine erste Karriere startete Gaël Faye, der 1982 in der burundischen Hauptstadt Bujumbura geboren wurde, als Rapper. Im Hip-Hop-Duo "Milk Coffee and Sugar" begann Faye mit dem Franko-Kameruner Edgar Sekloka, Musik mit politischen Themen zu verbinden. Mit seinem ersten Soloalbum, das ihn 2012 als Musiker bekannt machte, ging er den Weg weiter und setzte schon im Titelstück auf kulturelle Kontraste: "Pili pili sur un croissant au beurre" ("Chili auf einem Buttercroissant"). Seine Texte sind ebenso persönlich wie poetisch und nah an der eigenen Geschichte. Musikalisch öffnet er das Hip-Hop-Genre mit Einflüssen aus Jazz und afrikanischer Musik. Dafür arbeitete er unter anderem mit dem Komponisten Guillaume Poncelet zusammen. Eine zweite Platte erschien dieses Jahr unter dem Titel "Rythmes et botanique".

Parallel startete Gaël Faye 2016 mit seiner literarischen Karriere durch, als er mit seinem Debütroman "Kleines Land" in Frankreich auf Anhieb einen Bestseller landete. Auch Kritik und Jurys waren begeistert; es folgten zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen. Sein Buch ist noch stärker von der Beschäftigung mit seiner Herkunft und den erlittenen Traumata geprägt als seine Musik:

"Das Schreiben hat mir Halt gegeben, hat mir geholfen, mich abzugrenzen, Schutzwälle aufzubauen, in einem Moment, in dem ich das Gefühl hatte, Spielball der Weltgeschichte zu sein. Denn Sie können sich nicht vorstellen, wie groß die Unsicherheit in einem Kind ist, wenn es sein Land im Krieg verlassen musste. Und wie lange einen diese Unsicherheit verfolgt."

Mit einer ruandischen Mutter und einem französischen Vaters wuchs Gaël Faye in Burundi auf, bis der Bürgerkrieg ihn 1995 ins Exil zwang. Hier ging er weiter zur Schule und absolvierte ein Wirtschaftsstudium. Zwei Jahre arbeitete er in London als Investmentbanker, bevor er nach Frankreich zurückkehrte und sich der Musik widmete. Da er sich in drei Ländern verwurzelt fühlt, beschloss er mit seiner Frau und ihren beiden Kindern nach Ruanda zu ziehen. Dort lebt er nun mit seiner Familie in Kigali - sofern er nicht gerade wieder nach Frankreich pendelt, Burundi besucht oder auf Konzert- und Lesereise ist.
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Jane Gardams "Die Leute von Privilege Hill"

"Nebenfiguren gibt es gar nicht", lautet ein Grundsatz für Jane Gardams Schreiben. Jede Figur, selbst wenn sie auf den ersten Blick unscheinbar ist, hat eine Seele; keine ist weniger wichtig als jede andere. Mit diesem Prinzip erschafft Gardam in ihren Erzählungen mit wenigen Sätzen komplexe, markante Charaktere. Selbst den Eigenwilligsten von ihnen, den Garstigen und den Schwermütigen, bringt sie viel Sympathie entgegen. Am Ende enthüllt sie meist deren unerwartete Seite.

"Die Leute von Privilege Hill" versammelt 18 klassische Kurzgeschichten aus verschiedenen Phasen von Gardams Schaffen. Erzählungen, sagt die Britin, habe sie schon immer lieber geschrieben als Romane, denn sie gingen tiefer. Als Vorbild nennt sie französische und russische Erzähler, die sie erst spät schätzen gelernt habe. Dennoch könnten ihre Geschichten englischer nicht sein, wenngleich einige nach Irland, China oder Italien führen. Sie rufen eine Welt aus Tweed und 5-Uhr-Tee auf, in der Kommunikationsregeln für Halt und Ordnung sorgen. Hier geht man 35 Jahre lang nebeneinander ins Theater, ohne sich je nach dem Namen zu fragen ("Schlangestehen"). Selbst die wiederentdeckten Liebesbriefe von Jane Austen dürfen nicht einfach geöffnet werden ("Die geheimen Briefe"). In der florentinischen Pension aus "Zimmer mit Aussicht" hat man sich noch immer so zu verhalten, wie zu Zeiten E. M. Forsters ("Ein unbekanntes Kind"). Und wenn die vertrauten Wege einmal verlassen werden, bricht die Fremde geradezu gewaltsam herein: Wie die englische Gattin auf Hongkong-Besuch in den chinesischen Alltag gerät, wird als überwältigende Erfahrung für alle Sinne beschrieben ("Der Schweinefahrer").

Damit wirken die Geschichten bisweilen wie aus der Zeit gefallen. Gardam macht sich einen Spaß daraus, diese Zeitlosigkeit zu brechen, wenn sie beispielsweise Referenzen auf "Star Wars" oder Mädchen mit blauen Haaren …mehr
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"Eine Autorin ohne den geringsten Zweifel": Zu diesem Urteil kam der Schriftsteller und Kritiker L. A. G. Strong, nachdem ihm eine junge Studentin nur eine kurze Leseprobe gegeben hatte. Eine Weile sollte es dauern, bis der Rest der Welt von diesem Talent erfuhr. Seit vier Jahrzehnten veröffentlicht die Britin Jane Gardam nun überaus erfolgreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher. Doch erst vor Kurzem erreichte ihr Werk endlich den deutschen Markt. Seit 2015 erschienen bei Hanser Berlin die drei Bände ihrer "Old Filth"-Reihe, die sie im Alter von 87 Jahren endlich auch hier flugs zur Bestsellerautorin erhob.

Die Trilogie startet mit dem Roman "Ein untadeliger Mann", von vielen als Gardams bestes Buch geschätzt. Er erzählt von dem Juristen Edward Feathers, der seinen Ruhestand im englischen Dorset genießt. Der Spitzname "Old Filth" ist nur zum Teil ein ironischer Kommentar auf sein makelloses Äußeres; vor allem spielt er auf seinen Erfolg fern der Heimat an: Feathers verkörpert das scherzhafte Akronym für "Failed In London, Try Hong Kong" (Wer in London scheitert, versucht es in Hongkong). Als seine Frau Betty überraschend stirbt, zieht der alte Feathers sein durch und durch geordnetes Leben in Zweifel - und macht sich auf die Reise in seine Vergangenheit. Im Nachfolger "Eine treue Frau" erzählt Gardam von Betty Feathers, von ihrem Leben in China und ihrer Liebe zu zwei Männern. Vor dem Hintergrund dieser Dreiecksgeschichte entwickelt sich im dritten Band, "Letzte Freunde", eine späte Freundschaft zwischen Edward Feathers und seinem Konkurrenten.

Gardam, die heute in East Kent lebt, hat selbst das Britische Empire als Ehefrau eines viel reisenden Anwalts kennengelernt. Als Jean Mary Pearson 1928 in North Yorkshire geboren, wuchs sie in ländlichen Verhältnissen auf. In Interviews erinnert sie sich gern an die abgelegene Farm ihrer Familie. Ein Stipendium ermöglichte ihr das Englischstudium am Bedford College der Londoner Universität. Später arbeitete sie als Krankenhausbibliothekarin des Roten Kreuzes und als Redakteurin für das "Weldon's Ladies' Journal" und "Time and Tide". Dank des Berufs ihres Mannes konnte sie sich schließlich mehr dem Schreiben widmen, das ihr seit der Kindheit am Herzen liegt. Als dreifache Mutter publizierte sie zunächst Kinderbücher. 1975 veröffentlichte sie erstmals einen Titel für Erwachsene - und gewann prompt zwei literarische Preise. Es sollten zahlreiche Auszeichnungen folgen, darunter der "Katherine Mansfield Award" für ihre Kurzgeschichten und der "Heywood Hill Literary Prize" für ihr Lebenswerk. Von der Fülle und der Qualität dieses Werks wird es für das deutschsprachige Publikum noch viel zu entdecken geben.
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Im Zirkus der Mythen

Der Rammstein-Keyboarder Flake entwirft mit seinem neuen Buch eine aberwitzige Form der Rockmusiker-Biografie


An diesem Abend treten Rammstein in Budapest auf. Christian Lorenz, Flake genannt, versucht, seine Glitzerjacke anzuziehen. Allerdings klemmt der Reißverschluss des Outfits, das der Keyboarder der international bekannten Rockband auf der Bühne trägt. Es ist ein Bild, das dem Leser gleich zu Anfang dieses Buchs klarmacht: Hier ist jemand, der hadert mit seiner Rolle als Rockstar als übernatürliches Wesen, zu dem die halbe Welt aufschaut. Doch Lorenz hadert nicht nur mit der Imagination des Rockstars, sondern er zerlegt sie, indem er sie lächerlich macht, hinterfragt, ironisiert oder mit existenziellen Fragen zu durchleuchten versucht.

Der Inhalt von "Heute hat die Welt Geburtstag" ist tatsächlich nicht ganz leicht wiederzugeben. Lorenz beschreibt, wie es vor und nach dem Konzert zugeht: das ewige Warten in Aufenthaltsräumen, die öde Umgebung der Konzerthallen abseits von jeglichem Leben, das Gewusel und Gerenne der Bühnentechniker, er selbst, wie er sich mit absonderlichen Dehnübungen vor dem Konzert in Form bringt. Flake lässt uns an dem absurd anmutenden Geschehen teilhaben, gleichzeitig reflektiert er über sich und die Rolle seiner Bandkollegen, gibt haufenweise Anekdoten aus den frühen Jahren der Bandgeschichte, aus seiner Zeit bei der Ost-Punk-Formation Feeling B zum Besten und berichtet vom Touralltag, den die meisten Fans wohl für das größte Glück auf der Erde halten würden. Flake aber beschreibt ihn als Teil einer völlig unspektakulären und im besten Sinne normalen Welt, was diese umso bizarrer erscheinen lässt. All die "Sex, Drugs and Rock ´n´ Roll"-Mythen, die sich seit der Erfindung der E-Gitarre im Walhall der Rockstar-Mythologie angestaut haben, haben in Flakes Erzählung keinen Platz. Natürlich ist diese Art der Rockmusiker-Biografie kalkuliert und …mehr
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Autorenporträt - Christian Lorenz alias Flake

Manchmal wird aus dem Unglück, das sich viele Jahre wie eine Klette an einen geheftet zu haben scheint, doch noch ein Glück, das kaum vorstellbar, ja, magisch ist. Bei Christian Lorenz war das so. Als Kind in der Schule verspottet und gehänselt, von Größeren zeitweise aus bösem Scherz in Mülleimer gesteckt, zauberte das Leben aus dem schlaksigen und stotternden Jungen, der im Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg groß wurde, einen Rockstar in einer Band, die heute die halbe Welt kennt. Bei der 1994 gegründeten Rock-Formation Rammstein, dieser düsteren, knallharten und ironischen Varieté-Show teutonischer Mythologie und Modernität, ist Flake, wie sich der 51-Jährige seit jungen Jahren nach einem Wikinger aus der Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer" nennt, nicht nur Keyboarder und Orgelmann, sondern auch der Narr und Clown des Ensembles, dem er mit seinem Sinn für schrägen Humor auf die Sprünge hilft.

Es war ein Unfall, wie Flake in seiner von Kritik und Publikum gefeierten Autobiografie "Der Tastenficker. An was ich mich so erinnern kann" erzählt, der den damals Zehnjährigen auf den Weg der Rockmusik brachte. Ans Bett gefesselt nahm er mit einem Minett-Kassettenrekorder, den er von seinem Vater geschenkt bekommen hatte, Songs und Musiksendungen aus dem West-Radio auf. Mit dem Klavierspielen hatte er bereits vorher begonnen. Mit einer Liebe für Rhythm and Blues entstanden die ersten eigenen Songs und die ersten eigenen Bands, bis er als 16-Jähriger schließlich bei der Punkband Feeling B landete, die sich zu einem der einflussreichsten Gruppen des Phänomens Ostpunk aufspielte.

Seinen eigentlichen Berufswunsch - Lorenz wollte Arzt werden - konnte er nie verwirklichen, da er sich dem NVA-Dienst in der DDR verweigerte. Auch das eine Fügung des Schicksals, ohne die Rammstein mit großer Wahrscheinlichkeit niemals in die Welt gebracht worden wäre. Trotz des riesigen Erfolges,den Lorenz mit der Band seit mehr als 20 Jahren feiert und der den Ost-Berliner zu einem wohlhabenden Mann gemacht hat, ist sich der Musiker aber auch in seiner Bescheidenheit treu geblieben. In einem Interview sagte er einmal: "Aber die Welt wäre keine schlechtere, wenn es eine Band wie Rammstein nicht geben würde." So viel Demut kann nur jemand verinnerlicht haben, der das Leben in an all seinen Irrungen und Wirrungen durchflogen hat.
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Brüsseler Panorama mit Schwein: "Die Hauptstadt" von Robert Menasse

Da läuft ein Schwein! Mitten in Brüssel! In einem lächerlichen Galopp, die kurzen vor- und zurückschwingenden Beinchen unter dem runden schweren Körper, rennt ein verdrecktes, aber eindeutig rosa Hausschwein durch die Gassen des Zentrums. Es hat "etwas Irres, etwas Bedrohliches". Mit einem quietschenden Keuchen ist es auf der Flucht. Aber wovor? Vor dem rätselhaften Mord, der im "Hotel Atlas" passiert ist? Vor den Plänen der Europäischen Union zum Fleischhandel? Woher kommt dieses Schwein? Und wieso steht es nun da? Mit dem aufgescheuchten Borstentier, einer Miniatur-Groteske, beginnt der österreichische Autor Robert Menasse seinen fulminanten Roman "Die Hauptstadt" über die europäische Metropole Brüssel und die Europäische Union.

Im Universum Brüssel herrscht nicht nur in der Innenstadt rege Betriebsamkeit, sondern vor allem auch in den Büros der EU. Die Romanhandlung dreht sich hauptsächlich um die Planungen des bevorstehenden Jubiläums der Europäischen Kommission. Das Kulturressort ist beauftragt, ein "Big Jubilee Project" ins Leben zu rufen, mit dem das lädierte Image der Kommission aufpoliert werden soll. Fenia Xenopoulou, Leiterin des Kulturressorts, fordert ihren Mitarbeiter Martin Susman auf, ein Konzept für das Projekt zu entwerfen. Sie stimmt zu, als dieser die kuriose Idee hat, den Geburtstag als Gedenktag für Auschwitz zu inszenieren und ausgerechnet die letzten KZ-Überlebenden als Zeugen für den Ursprungsgedanken der EU aufzubieten. Ein Plan, der schnell von den erfahrenen Spitzenbeamten verworfen wird. Derweil soll Kommissar Brunfaut die Ermittlungen am Mord im "Hotel Atlas" einstellen - aus politischen Gründen.

Wer den neuen Roman Menasses liest, will ihn nicht mehr aus den Händen legen. Denn er erzählt äußerst kenntnisreich und unterhaltsam aus dem Innenleben der EU und zeigt, wie deren Vertretern mit …mehr
Autorenporträt
Autorenporträt Robert Menasse

Kaum jemand ist mehr dafür bestimmt, einen Roman über die Europäische Union zu schreiben, als der Österreicher Robert Menasse. Seit mehr als zehn Jahren setzt er sich in Essays, politischen Diskussionen und Reden mit der EU intensiv auseinander. Am 21. März 2017 hielt Robert Menasse die Festrede zum 60. Geburtstag der Römischen Verträge im Europäischen Parlament, in der er die konsequente Überwindung der Nationalstaaten forderte. Bereits 2012 erschien "Der europäische Landbote", ein leidenschaftliches Traktat, in dem er sich für ein Europa einsetzt, das ohne Nationalstaaten auskommt, ein Europa der vielen Regionen. Eine Zeitlang hatte Menasse einen Zweitwohnsitz in Brüssel.

Menasse wurde am 21. Juni 1953 in Wien geboren, wo er auch aufwuchs. Er studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft. 1980 promovierte er mit einer Arbeit zu dem Thema "Der Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb". Im Jahr 1988 veröffentlichte er seinen ersten Roman "Sinnliche Gewissheit", den ersten Teil seiner "Trilogie der Entgeisterung", in der er Hegels "Phänomenologie des Geistes", in welcher der Autor von einer Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zu einem allumfassenden Geist ausgeht, umzudrehen sucht, um stattdessen eine regressive Entwicklung zu postulieren. 1991 folgte der Roman "Selige Zeiten, brüchige Welt", 1995 schließlich der Roman "Schubumkehr", mit dem Menasse einem breiten Publikum bekannt wurde.

Im Jahr 2001 erschien der Familienroman "Die Vertreibung aus der Hölle", in dem Menasse die Geschichte seines entfernten Verwandten Rabbi Samuel Menasse aus dem Amsterdam des 17. Jahrhunderts mit einer Geschichte aus den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhundert verknüpfte. 2007 folgte der Roman "Don Juan de la Mancha", der aus dem fiktiven Leben des Zeitungsredakteurs Nathan und von einer Generation erzählt, die in den siebziger Jahren mit der Vorstellung der sexuellen Revolution aufgewachsen ist.

In seinen Essays setzt sich Menasse immer wieder auf kritisch-ironische Weise mit dem politischen Geschehen, mit Geschichte und Literatur auseinander. Seit 2005 arbeitet er verstärkt zu EU- und Globalisierungsthemen. Menasse ist engagierter Europäer. "Es gibt derzeit keinen deutschsprachigen Autor", schreibt "Der Tagesspiegel", "der sich wie er so entschieden für die Stärkung des europäischen Einigungsprojekts einsetzt."

Robert Menasse lebt heute hauptsächlich in Wien. Er ist der Halbbruder der Journalistin und Schriftstellerin Eva Menasse.

Unsere vorgestellten Romane

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