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Die Party
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Führen wir nicht mehr
Elizabeth Day: "Die Party - Wie gut kennst du deinen besten Freund?"

"Manchmal führen die kleinsten Zwischenfälle zu den größten Entdeckungen."

In Elizabeth Days Debütroman "Scherbenherz" (2011) bringt ein Unfall tief vergrabene Familiengeheimnisse ans Licht. Erst als sie sich gemeinsam dem Trauma stellen, können sich eine Mutter und ihre erwachsene Tochter einander annähern. Auch "Die Party", das vierte Buch der Londoner Schriftstellerin und ihr zweites in deutscher Übersetzung, kreist um ein großes Geheimnis, dessen Enthüllung durch einen anderen Vorfall droht. Diesmal hat Day nicht die Form eines emotionalen Familiendramas gewählt, sondern einen raffinierten psychologischen Thriller mit satirischen Zwischentönen entworfen. In Rezensionen wird "Die Party" zu Recht mit Donna Tartts "Eine geheime Geschichte", Alan Hollinghursts "Die Schönheitslinie" und anderen Romanen verglichen, die in die Abgründe der Gesellschaft der Reichen und Einflussreichen blicken lassen.

Elizabeth Day entfaltet ihre Geschichte auf gleich vier Ebenen. Der Roman beginnt mit der polizeilichen Vernehmung des Protagonisten Martin Gilmour. Sie rahmt zum einen die Ereignisse auf der titelgebenden Geburtstagsparty, deren rabiates Ende zum Wendepunkt wird, und zum anderen die lange Vorgeschichte der Freundschaft von Martin und Ben. All das wird aus Martins Sicht wiedergegeben. Erst durch die Tagebucheinträge von Lucy Gilmour, Martins ebenso liebenswürdiger wie unangepasster Frau, wird klar, dass Martin weder ein verlässlicher Charakter noch ein solcher Erzähler ist. Je mehr Lucy über ihren Mann erfährt, desto mehr ergeben die Puzzleteile der Geschichte einen Sinn ...

Martin wächst eher ärmlich auf, hat früh seinen Vater verloren und ein kühles Verhältnis zu seiner Mutter. Als ein Stipendium ihm den Zugang zu einer Eliteschule verschafft, öffnet sich ihm eine neue Welt. Die Freundschaft zu Ben, der einer klassischen …mehr
Autorenporträt
Elizabeth Day schreibt als mehrfach ausgezeichnete Journalistin nach Stationen beim Evening Standard, beim Sunday Telegraph, der Mail on Sunday und der Elle heute für den Kulturteil des Observer. Sie ist in Nordirland aufgewachsen, hat in Cambridge Geschichte studiert und lebt in London.
Interview mit Elizabeth Day zu "Die Party"

Ihr Roman "Die Party" handelt von einer äußerst schwierigen Freundschaft zwischen zwei sehr verschiedenen Menschen. Was bedeutet für Sie wahre Freundschaft?

Elizabeth Day: Sie haben Recht, der Roman handelt von einer ungleichen Freundschaft, die auf einer Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen basiert. Im Grunde ist Martin in seinen besten Freund Ben verliebt, ohne es sich je ganz einzugestehen. Gleichzeitig ist er in Bens Lebensweise verliebt, ohne je selbst zur britischen Elite dazuzugehören. Stattdessen erschleicht er sich Bens Zuneigung auf die einzige ihm bekannte Art.
Für mich beginnt wahre Freundschaft mit Ehrlichkeit - woran es sowohl Ben als auch Martin mangelt. Wahre Freund*innen verurteilen dich nie, sondern schätzen dich für das, was du bist. Ich habe zum Glück wunderbare Freund*innen, die mich großzügig und liebevoll unterstützen - und die mich zum Lachen bringen.

Wie entstand die Idee zu diesem komplexen Roman, der um zwei zentrale Ereignisse und drei Biografien kreist?

Elizabeth Day
: Ursprünglich arbeitete ich an einem Buch über Nordirland in den 1990er-Jahren, an einer Geschichte über zwei verliebte Teenager vor dem Hintergrund des Terrorismus. Doch das Thema deprimierte mich. Als ich einmal schreibend in einem Café in London saß, brach ich die Arbeit daran ab und beschloss etwas Glamouröses und Vergnügliches zu schreiben: über eine Party. Die Party jedoch sollte exzessiv sein und absurden Reichtum vorführen. Als Perspektive wählte ich einen Außenseiter, der trotz einer gewissen Abscheu verzweifelt dazugehören will. So entstand Martin.
Als diese Stimme gefunden war, musste eine Begründung für seine Obsession her. So entstanden Ben und das Geheimnis, das die beiden für so viele Jahre aneinander bindet. Lucy, Martins Frau, kam erst später dazu, um Martin eine sympathische Seite zu geben und ihn ein bisschen begreiflicher zu machen. Je mehr ich schrieb, desto stärker wurde Lucy, bis sie zur Figur mit der größten Entwicklung wurde.

Beim Lesen rätselt man immer wieder, was wirklich geschehen ist. Wie haben Sie diese Erzählweise entwickelt?

Elizabeth Day
: Tatsächlich ist Martin ein unzuverlässiger Erzähler. Oft inszeniert er sich als Held der Ereignisse. Doch dann setzt Lucy das Geschehen und Martin in ein anderes Licht. Unzuverlässiges Erzählen hat mich immer fasziniert: von L. P. Hartleys "Der Zoll des Glücks" bis zu Patricia Highsmiths Figur Ripley. Es erlaubt den Lesenden, die Puzzleteile der Geschichte selbst zusammenzusetzen. Mir gefällt der Gedanke, dass Martin zunächst Vertrauen erweckt, das nach und nach durch die Reaktionen der anderen Figuren in Zweifel gezogen wird.

Der Titel "Die Party" steht im Kontrast zur düsteren Atmosphäre des Romans. Gab es vielleicht einen ganz anderen Arbeitstitel?

Elizabeth Day
: Zunächst nannte ich das Buch "Kleiner Schatten" - nach Bens Spitznamen für Martin. Ich mochte die Düsternis dieses Titels, diesen Eindruck von etwas Konturlosem, Undefiniertem. Doch es klang zu sehr nach einer Geistergeschichte. "Die Party" ist der passendere Titel, da er [im Englischen] gleich drei Bedeutungen hat: eine Feier, ein politisches Lager oder ein Schuldiger [‚a guilty party']. Und alle drei passen zum Text.

"Die Party" charakterisiert die britische Oberschicht als arrogant und gefühllos. Wollten Sie mit Ihrem Roman eine Satire oder sogar eine Gesellschaftskritik verfassen?

Elizabeth Day
: Ich hatte nie eine Satire im Kopf, aber es freut mich, wenn das Buch als Satire gelesen wird. Es ehrt mich, denn ich halte Satire für eine sehr komplexe Form. Auf Gesellschaftskritik habe ich erst recht nicht abgezielt. Mir ging es mehr um das Beobachten, ohne eine politische Aussage zu treffen. Ich schreibe, mit E. M. Forster gesagt, um Zusammenhänge herzustellen. Ich möchte Menschen verstehen und meine Figuren lebendig werden lassen. Nicht zuletzt schreibe ich, um zu unterhalten!

Die Autorin Louise O'Neill beschrieb Ihren Roman als Mischung aus "Der talentierte Mr. Ripley" und "Wiedersehen mit Brideshead". Sind Patricia Highsmith und Evelyn Waugh Vorbilder für Sie?

Elizabeth Day
: Der Film "Der talentierte Mr. Ripley" hat definitiv Einfluss auf "Die Party", aber den Roman habe ich bewusst erst gelesen, als der Roman abgeschlossen war. Highsmith war also kein direktes Vorbild, obwohl ich ihren Stil sehr bewundere.
"Wiedersehen mit Brideshead" habe ich vor vielen Jahren gelesen - es hatte höchstens einen unbewussten Einfluss. Es schmeichelt mir sehr, dass "Die Party" mit einem der größten Werke der englischen Literatur verglichen wird.
Anstatt uns an Vorbildern zu orientieren, sollten Autor*innen vielmehr versuchen, ihre eigene Stimme zu finden. Trotzdem haben mich viele Autoren inspiriert, vor allem Tom Wolfe, Anne Tyler, Elena Ferrante, George Saunders, Edward St Aubyn und Patrick Hamilton.

Während der Arbeit an dem Roman lebten Sie teilweise in Cambridge und Los Angeles. Wie hat die jeweilige Umgebung Ihr Schreiben beeinflusst?

Elizabeth Day
: Enorm! Einen Großteil des Buchs habe ich in Los Angeles verfasst. Es ist eine meiner Lieblingsstädte, weil man sich dort beim Arbeiten sonnenbräunen kann. Für eine Schriftstellerin kann ein anderes Land, eine andere Lebensweise sehr befreiend sein. Zudem heben der blaue kalifornische Himmel und die Weite des Horizonts das Gemüt.
Beendet habe ich den Roman, als ich für drei Monate in Cambridge wohnte, wo mir die Eltern eines Freundes ihr Haus liehen. Das Haus - geprägt von Büchern und Komfort - war ebenso inspirierend wie die Stadt, die im Roman eine entscheidende Rolle spielt. Das Haus, in dem ich lebte, hat sogar einen Auftritt in einer Schlüsselszene, als eines der Häuser mit den blauen Rollläden.

In der Danksagung behaupten Sie, Mayonnaise würde zu allem passen. Was ist die überraschendste Kombination, die Sie bisher ausprobiert haben?

Elizabeth Day
: Haha, eine wunderbare Frage! Meine Agentin Nelle Andrew ist süchtig nach Mayonnaise und isst sie zu allem. Einmal hat sie mir Coq au Vin mit Mayonnaise serviert - ich war sehr skeptisch, aber es war köstlich.

Interview: Literaturtest