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Die Vermissten
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Vergriffen, keine Neuauflage
Nichts ist, wie es scheint

Dieses Buch ist anders als alles, was Sie bisher gelesen haben. Versprochen.

"Die Vermissten" (Penguin Verlag) aus der Feder der schwedischen Autorin Caroline Eriksson beginnt mit dem Bootsausflug einer Frau namens Greta (sie ist gleichzeitig die Erzählerin), eines Mannes, der Alex heißt, und eines kleinen Mädchens namens Smilla. Scheinbar sind sie eine normale Familie, die ein Wochenende in einem Ferienhaus in der schwedischen Provinz verbringt. Die drei fahren über einen See zu einer Insel hinaus. Wer im literarischen Lesen geübt ist, wird gleich bemerken, wie kunstvoll die Autorin in die scheinbare Idylle des Ausfluges Hinweise einbaut, die darauf hindeuten, dass hier irgendetwas nicht stimmt, dass etwas Unheilvolles in der Luft liegt. Das Wasser des Sees ist "grünschwarz", Greta spricht von einer "Übelkeit", die sie befällt. Und an einer Stelle verliert sich ihr Blick "in der Weite des Sees". Um die Insel ranken sich Legenden, die von Menschen berichten, die auf der Insel auf geheimnisvolle Weise verschwunden sind. Alex und die kleine Smilla machen sich auf, die Insel zu erkunden. Greta bleibt im Boot zurück und schläft ein. Als sie aufwacht, ist die Sonne bereits untergegangen, aber von ihrem Mann und ihrer Tochter fehlt jede Spur. Greta sucht die Insel ab, fährt zurück zum Ferienhaus, versucht, Alex auf dem von ihr auf der Insel vergessenen Handy zu erreichen. Erfolglos.

Dass hier irgendetwas nicht stimmt, dass mit dieser Greta etwas nicht stimmt, wird schleichend klar. Denn Greta hat sich nicht unter Kontrolle, ihr Leben scheint aus den Fugen geraten zu sein. Bruchstückhaft erzählt sie von sich, von Alex, von ihrer eigenen Familie, die ein dunkles Geheimnis umgibt. Erinnerungsstücke wechseln sich mit Reflexionen über das eigene Leben ab. Bald wird der Leser nicht mehr feststellen können, was wahr ist, was erfunden ist, was sich in der Vergangenheit abspielte, was in …mehr
Autorenporträt
Caroline Eriksson, 1976 geboren, hat Sozialpsychologie studiert und als Personalberaterin gearbeitet. Der Thriller "Die Vermissten" hat ihr den internationalen Durchbruch eingebracht. Er erscheint weltweit in über 25 Ländern und wurde in Schweden zum Überraschungsbestseller des Jahres. Caroline Eriksson lebt mit ihrer Familie in Stockholm.
Interview Caroline Eriksson

Ihr neues Buch "Die Vermissten" beginnt mit einem Paar und einem Kind, die auf einem Boot zu einer Insel in der Mitte eines Sees fahren. Es scheint eine gewöhnliche Familie zu sein. Über die Insel erzählt man sich unheimliche Geschichten. Während die Frau am Boot bleibt, spaziert der Mann mit dem Mädchen über die Insel. Als die Frau aufwacht - die Sonne ist bereits untergegangen -, sind die beiden nicht zurückgekehrt, sie sind verschwunden. Dieser Beginn vermittelt dem Leser den Anschein, als befände er sich in einem Mystery-Thriller.Aber dann entwickelt sich die Geschichte in eine ganz andere Richtung. Woher haben Sie Ihre Inspiration bezogen, mit den Erwartungen des Lesers zu spielen?

Caroline Eriksson: Ich liebe Bücher, die mich überraschen, die mich hinters Licht führen, Geschichten, die in eine bestimmte Richtung zu zielen scheinen und dann eine komplette Kehrtwende machen, eine völlig unerwartete Wende. Genau das wollte ich machen, als ich "Die Vermissten" geschrieben habe. Ich wollte eine Geschichte kreieren, wie sie mir selbst gefallen würde. Und so wurde das Wort "unvorhersagbar" eine der Leitlinien für den Thriller - wie auch die Wörter "dramatisch", "anspruchsvoll" und "düster".

Sie sind eine schwedische Autorin und Sie haben einen Thriller vorgelegt. Normalerweise würde der Leser nun eine düstere Handlung voller blutiger Verbrechen erwarten mit einem gebrochenen Ermittler in der Hauptrolle als eine Art Antiheld. Ihr Thriller aber entstammt mehr oder weniger dem gewöhnlichen Leben. Ist es der Alltag, der die Autoren mit besseren Sujets versorgt?

Caroline Eriksson: Vollkommen richtig! Für mich sind die Spannung des alltäglichen Lebens und das, was hinter verschlossenen Türen passiert, die interessantesten Dinge, über die man überhaupt lesen oder schreiben kann. Ich will, dass die Handlung in meinem Buch spannend ist, aber genauso wichtig sind die Charaktere, ihre Neigungen und ihre Geheimnisse und die dunkle Wahrheit, die hinter einer ganz gewöhnlichen Fassade lauert. Genau wie im richtigen Leben. In "Die Vermissten" entspinnt sich die Spannung vor allem auf einem psychologischen Level. Es gibt nicht nur ein Geheimnis, sondern auch ein dunkles Drama, das sich mit Themen wie "Mutterschaft" und "destruktive Beziehungen" beschäftigt. Ich hoffe ganz einfach, dass das dem Leser gefallen wird.

Ohne zu viel von der Geschichte zu verraten: Ein Thema ist, wie Sie schon gesagt haben, zu diskutieren, was unter der Oberfläche der scheinbaren Normalität lauern kann. Das kann - wie man in Ihrem Buch sieht -sehr verstörend sein. Ist das mitunter etwas "Schwedisches", hinter die Fassade schauen, sie einreißen und den Horror des Lebens offenlegen zu wollen?

Caroline Eriksson: Wenn es tatsächlich etwas Schwedisches ist, Noir- und Krimigeschichten zu schreiben, dann ist das von zahlreichen Faktoren beeinflusst: Einige Leute haben seit ein paar Jahren das Gefühl, dass unsere einstmals so stabile Gesellschaft auseinanderbricht, dazu kommt diese Melancholie, die damit zu tun hat, dass man in Schweden eine signifikante Zeit des Jahres in Kälte und Dunkelheit verbringt. Ich glaube zudem, dass die Erklärung auch damit zu tun hat, dass man im Norden ein relativ sicheres und privilegiertes Leben führt. Für jemanden, für den Gefahren und Terror alltäglich sind, ist es sicher sogar sehr seltsam, solche Geschichten zu lesen oder gar Bücher darüber zu schreiben. Nur wenn man sich sicher fühlt, hat man wohl eher das Verlangen, etwas Spannendes und Düsteres zu lesen. Vielleicht, weil man ausprobieren möchte, wie sich Angst und Furcht anfühlen. Furcht ist ja ein Gefühl, das man in einem bestimmten Moment verspürt, und indem wir uns diesem Gefühl annähern, wollen wir uns wohl etwaslebendiger und präsenter fühlen im Hier und Jetzt.

Wie ist die Idee zu "Die Vermissten" eigentlich entstanden?

Caroline Eriksson: Vor einer gewissen Zeit haben mein Mann, unsere zwei Kinder und ich einen Urlaub in unserem Wochenendhaus verbracht. An einem Abend sind wir mit einem Boot zu einer kleinen Insel inmitten des Sees gefahren, an dem das Haus liegt. Die drei sind losgezogen, um die Insel zu erkunden, während ich am Boot gewartet habe. Nach einer Weile kamen sie zurück und wir sind zurückgefahren. Es war ein idyllischer Sommerabend, aber irgendetwas begann, sich in mein Unterbewusstsein einzuschleichen. "Stell dir vor, du wärst nicht zurückgekommen", sagte ich zu meinem Mann. "Stell dir vor, du und die Kinder wären verschwunden, spurlos, einfach so. Was könnte die Erklärung für so ein Verschwinden sein? Was hätte passiert sein können?"Ich konnte einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken. Und so war die Idee zu "Die Vermissten" geboren. Aber, Gott sei Dank, waren das alle Ähnlichkeiten zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Dies ist Ihr drittes Buch als Schriftstellerin. Es scheint, als sei das Buch förmlichaus Ihnen herausgeflossen. War es schwierig, den richtigen Ton für Gretas Stimme, welche die Geschichte mit Erinnerungssprüngen und Anekdoten erzählt, zu finden?

Caroline Eriksson: Ich habe schon früh eine starke Verbindung zu Greta gefühlt, so als hätte ich sie schon lange gekannt. Aber es war nicht wirklich harte Arbeit, ihre Stimme zu finden, sondern dass sie für den Leser nicht die gewöhnliche, super kompetente und sympathische Heldin ist. Abgesehen davon, dass sie eine schwere Seele hat, die mit vielen tiefen Wunden versehen ist, ist sie auch noch eine sehr unzuverlässige Erzählerin. Zu Beginn des Buches tut man ihr Verhalten noch als eine gewisse Verwirrung ab, es mag sogar eine gewisse Irritation hervorrufen. Wie mein Agent zu Anfang meinte: "Greta wird vom Leser nicht aufgesogen." Aber wenn man ihr eine Chance gibt, wird man letzten Endes mit einer sehr facettenreichen Wahrheit belohnt. Man wird herausfinden, was mit Alex und der kleinen Smilla auf dieser Insel passiert ist.

Konnten Sie Ihre Erfahrung und Ihr Wissen als Sozialpsychologin in die Geschichte einbringen?

Caroline Eriksson: Ich habe einen Masterin Sozialpsychologie. Das hilft natürlich, wenn man solche Thriller schreibt, wie ich das tue - also Thriller, in denen der psychologische Aspekt und die inneren Welten der Charaktere so bedeutsam sind. Als Schreiberin benutze ich natürlich all meine Erfahrung und mein Wissen. Aber man darf nicht vergessen, dass "Die Vermissten" eine fiktionale Geschichte mit fiktionalen Charakteren ist. Das meiste, was mir wirklich hilft, ist meine Fantasie, meine Empathie und mein tiefes Interesse - man kann es auch Besessenheit nennen - für Menschen und Beziehungen. Die düstere Seite unseres Verstandes treibt mich wirklich um - vor allem die zerstörerische Konsequenz eines solchen Verstandes.

Das Buch wurde mehrmals mit "Gone Girl" verglichen. Haben Sie die Geschichte von Gillian Flynn gelesen und was halten Sie von solchen Vergleichen?

Caroline Eriksson:Tatsächlich habe ich alle Bücher von Gillian Flynn gelesen. Ich liebe sie alle, aber "Gone Girl" war tatsächlich mein Favorit. Ich habe es sehr früh gelesen. Bevor dieser Hype losging. Und es hat mich wirklich umgehauen. Es hat einfach alles, was ich an guten Geschichten liebe - all diese Elemente will ich auch selbst in meinem Schreiben unterbringen. Da ist dieser Thrill und diese Anspannung, die aufkommt, ohne dass viele blutige und brutale Details verwendet werden. Es gibt sehr unzuverlässige Charaktere und Kehrtwenden in der Handlung, die nicht vorauszusagen sind. Meiner Meinung nach ist das psychologische Spannung at its best. Mit "Die Vermissten" wollte ich einen Pageturner schreiben, der eine psychologische Tiefe hat und eine gewisse Komplexität - mit meiner eigenen Stimme und meiner eigenen Faszination. Auch wenn unsere Geschichten zum selben Genre gehören mögen - Gillian Flynn hat ihren Stil und ich habe meinen. Dennoch bin ich in gewisser Weise stolz, wenn jemand mein Buch mit "Gone Girl" vergleicht.

Ihr Buch wurde zum Überraschungsbestseller in Schweden und es wurde bis heute in 22 Länder verkauft. Ist dieser Erfolg die totale Überraschung für Sie oder hatten Sie, als Sie das Buch schrieben, bereits eine leichte Ahnung, dass es zum Bestseller werden könnte?

Caroline Eriksson: Von Beginn an verspürte ich eine starke Leidenschaft mit meiner Geschichte und ich habe immer an sie geglaubt. Aber für eine lange Zeit war mir nicht klar, ob noch jemand anders an die Geschichte glauben würde. Ich war mir noch nicht mal sicher, ob mein Verleger das Buch veröffentlichen würde. Ich hatte keinen Vertrag oder irgendwelche Garantien. Erst später, als ich endlich den Vertrag mit meiner Agentin unterschrieb, erzählte sie mir, dasssie ein gutes Gefühl mit "Die Vermissten" hatte. Das hätte ich tatsächlich nie vermutet - wie auch diesen unglaublichen Erfolg. Bevor das Buch in Schweden überhaupt veröffentlicht war, war es bereits in zwölf andere Länder verkauft. Im Moment sind es sogar 25 Länder. Das ist alles sehr schwer nachzuvollziehen. Manchmal fühlt es sich so an, als würde das nicht mit mir, sondern jemand anderem passieren.

Arbeiten Sie schon an einem neuen Buch oder sind Sie noch zu beschäftigt, "Die Vermissten" zu promoten?

Caroline Eriksson: Einen Teil meiner Zeit verwende ich im Moment darauf, das Buch in den Ländern, wo es gerade veröffentlicht wird, zu promoten. Für mich ist der Gedanke, dass immer mehr neue Leser die Chance haben, das Buch zu lesen, sehr aufregend. Die Veröffentlichung in Deutschland ist für mich tatsächlich sehr speziell und ich hoffe, dassdie Geschichte um Greta, Alex und Smilla dem deutschen Leser gefallen wird. Tatsächlich arbeite ich aber auch schon hart an meinem nächsten Buch. Die meisten Tage verbringe ich also am Laptop - mit meinen neuen Charakteren als meine einzige Begleitung. Ideale Bedingungen, würde ich sagen.

Interview: Literaturtest