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Greer Hendricks und Sarah Pekkanen "The Wife Between Us: Wer ist sie wirklich?"

"Ich halte dich, Baby. Bei mir bist du in Sicherheit." Wenn in Büchern oder Filmen solche Sätze geraunt werden, mag es manchen Menschen schwerfallen, sich ein Lachen zu verkneifen. Zu kitschig und abgedroschen wirken sie, um für bare Münze genommen zu werden. Und doch scheint es verständlich, dass die junge Erzieherin Nellie jenem Richard verfällt, der ihr genau diese Worte sagt, als sie wieder einmal nachts aus einem Albtraum erwacht. Er liegt neben ihr, nimmt sie in den Arm. Nellie fühlte sich verstanden, beschützt und sagt natürlich "ja", als er ihr schließlich einen Antrag macht. Richards Spezialität ist es, Frauen zu sagen, was sie hören wollen. Irgendwann haben sie sich so sehr daran gewöhnt, dass sie alles, was sie von ihm zu hören bekommen, für ihren eigenen Willen halten. Und er ist reich genug, um ihnen einen Lebensstandard zu ermöglichen, von dem sie vorher nicht zu träumen gewagt hätten. Spontane Urlaubstrips, ein Haus als Hochzeitspräsent: All das scheint für diesen vermeintlichen Traummann selbstverständlich zu sein.

Während die Zuneigung seiner Partnerin wächst, beginnt Richard jedoch, ihr Daumenschrauben anzulegen. Als er seine Verlobte beispielsweise auffordert, ihren unterbezahlten, aber sozialen Job zu kündigen, wehrt sie sich erst einmal - nicht zuletzt, weil der Austausch mit ihrem Kollegium bis dahin einen großen Teil ihrer Lebensqualität ausmacht. Doch Richards selbstverliebtem Argument, sie könne dann noch mehr Zeit mit ihm verbringen, kann Nellie nichts entgegensetzen. Dabei schwant ihr da schon, was ihr als arbeitslose Ehefrau blühen könnte: Ihr oft auf Reisen befindlicher Ehemann wird sie immer wieder allein in ihrem prächtigen neuen Haus in der Provinz zurücklassen, bis sie irgendwann seine Kinder bekommt - allein schon, um sich aus der tödlichen Langeweile zu befreien.

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Autorenporträt
Greer Hendricks arbeitete über zwei Jahrzehnte als Lektorin bei Simon & Schuster. Davor erwarb sie an der Columbia University einen Master in Journalismus. Ihre Beiträge erschienen u.a. in der New York Times und bei Publishers Weekly. Greer lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Manhattan. The Wife Between Us ist ihr erster Roman.



Sarah Pekkanen ist eine internationale Bestsellerautorin und hat bereits sieben Romane veröffentlicht. Als investigative Journalistin und Autorin schrieb sie u.a. für die Washington Post und USA Today. Sie ist die Mutter von drei Söhnen und lebt außerhalb von Washington, D.C.

"Die Unverwüstlichkeit des weiblichen Geists"

Interview mit Greer Hendricks und Sarah Pekkanen zu "The Wife Between Us"


Wie kam es dazu, dass Sie "The Wife Between Us" geschrieben haben?

Greer Hendricks und Sarah Pekkanen: Wir hatten schon vorher an sieben Romanen gemeinsam gearbeitet. Sarah schrieb und Greer redigierte. In dieser Zeit entwickelten wir eine einzigartige Beziehung. Nicht nur unsere erzählerischen Instinkte ähneln sich auffallend, wir kommen einfach sehr gut miteinander klar. Wir sind gleich alt; wir sind schreckliche Köchinnen; wir haben an der Highschool Feldhockey gespielt; wir haben Brüder, die wir verehren. Und beide heißen Robert!

Auch in Ihrem Werdegang gibt es Parallelen.

Hendricks/Pekkanen: Wir haben beide Journalismus und Psychologie studiert, das hat uns zu neugierigen Beobachtern der menschlichen Natur gemacht. Schließlich entdeckten wir, dass wir noch etwas anderes gemeinsam hatten: Uns reizte es, einen fesselnden psychologischen Roman zu schreiben, so frisch, verzwickt und komplex wie möglich. Wir fühlen uns beide zu starken, vielschichtigen Protagonistinnen hingezogen. Es gibt gewisse Regeln für Spannungsliteratur - aber da keine von uns zuvor etwas in dieser Richtung geschrieben hatte, kannten wir die Regeln nicht und wussten auch nicht, dass wir sie am Ende brechen würden.

Worum ging es Ihnen bei der Arbeit an "The Wife Between Us"?

Hendricks/Pekkanen: Uns hat interessiert, wie sehr unsere Erinnerungen davon gefärbt sind, dass wir alle die Welt durch eine bestimmte Brille sehen, zwei Menschen können aus dem gleichen Erlebnis ganz unterschiedliche Schlüsse ziehen, ganz unterschiedliche Gefühle damit verbinden. Wir haben stundenlang vor jeder Schreibsession miteinander gesprochen, Ideen entwickelt, verworfen und verfeinert. Es ist nicht ungewöhnlich für uns, zur selben Zeit die gleichen Gedanken zu haben oder die gleichen Formulierungen zu wählen.

Wie hat das gemeinsame Schreiben funktioniert? War jede von Ihnen für verschiedene Charaktere des Buches verantwortlich?

Hendricks/Pekkanen: Wir schreiben eigentlich jede einzelne Zeile zusammen, obwohl wir in verschiedenen Städten wohnen. Greer lebt in New York und Sarah in Washington, DC. Beim gemeinsamen Schreiben verwenden wir Google Docs und Google Hangouts, damit wir beide unser Manuskript sehen und gemeinsam in Echtzeit auf unseren Computern arbeiten können. Wir telefonieren miteinander, während wir gleichzeitig Kommentare an den Rand tippen. Wir benutzen unsere eigene Zwillingssprache, eine Art Kurzschrift, in der wir Sätze oft nicht beenden. Es ist ein einzigartiges System, um es milde auszudrücken.

Jeden Monat treffen wir uns dann einmal persönlich in einem Hotel. Wir kaufen stapelweise Haftnotizzettel und zeichnen Szenen, Dialoge und Themen auf. Sarah liebt es, die Wände so unordentlich wie möglich vollzukleben - wie Carrie in der TV-Serie "Homeland"-, während Greer Übersicht und Ordnung vorzieht. Das ist einer unserer wenigen Unterschiede. Was alles andere angeht, scherzen wir inzwischen oft, dass wir "ein Gehirn" haben.

Beeinflusst Ihr journalistischer Hintergrund Ihre gemeinsame Arbeit?

Hendricks/Pekkanen: Ja, insofern, dass wir neugierig sind und gerne recherchieren. Aber wir denken, dass es vor allem unser Interesse an Psychologie ist, das unsere Geschichten beeinflusst. Wir analysieren unsere Charaktere ständig, als wären sie echte Menschen. Wir wissen alles über sie, zum Beispiel, wie sie in einer bestimmten Situation auf ihr Lieblingsessen reagieren würden oder auf ihren Lieblingsautor.

Ihr Buch beschreibt unter anderem, wie subtil manche Männer versuchen, ihre vermeintlichen Besitzansprüche bei ihren Partnerinnen durchzusetzen. Sehen Sie Ihren Thriller als eine Kritik am Patriarchat?

Hendricks/Pekkanen: Wir kennen nur sehr wenige Frauen, die nicht zu irgendeinem Zeitpunkt in einer Beziehung mit einem schwierigen oder herrischen Mann waren. Aber wir sehen dieses Buch auch als Anerkennung von Frauen, die vielleicht so wirken, als wären sie gebrochen, aber trotzdem eine große Kraft und Stärke besitzen. Es ist ein Dokument der Unverwüstlichkeit des weiblichen Geists.

Können Sie die bisherigen Reaktionen Ihrer Leserschaft auf das Buch beschreiben?

Hendricks/Pekkanen: Die Reaktionen waren toll. Das Buch steht seit zehn Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times und wird in 34 Ländern veröffentlicht. Es gab sogar einige Kommentare, man sollte einen Warnhinweis auf dem Buch anbringen, weil es so spannend sei, dass man seine Arbeit links liegen lässt oder vergisst, das Abendessen für die Familie zu kochen. Am meisten berührt haben uns aber die zahlreichen E-Mails, in denen Leserinnen von ihren eigenen Erfahrungen mit missbräuchlichen Beziehungen berichtet und uns geschrieben haben, dass sie das Buch sowohl als realistisch als auch als tröstlich empfanden. Wir freuen uns, dass wir offenbar die Nuancen beider Seiten erfasst haben - die der Missbrauchten und jene der Missbrauchenden. Wir fühlen uns geehrt, dass Betroffene ihre Geschichten mit uns teilen.

Was erhoffen Sie sich von der angekündigten Verfilmung des Romans?

Hendricks/Pekkanen: Wir sind begeistert, dass Steven Spielbergs Amblin Entertainment die Rechte an "The Wife Between Us" optioniert hat. Wir haben uns kürzlich mit dem Präsidenten der Firma getroffen, um über die Drehbuchadaption zu sprechen - und wir haben erfahren, dass einige fantastische Schauspielerinnen sehr an dem Drehbuch interessiert sind. Wir dürfen noch keine Namen nennen. Die Mühlen der Filmindustrie mahlen langsam. Aber hoffentlich wird es in den kommenden Monaten gute Neuigkeiten geben.

Werden Sie Ihre gemeinsame Arbeit fortsetzen?

Hendricks/Pekkanen: Absolut! Gerade haben wir unseren zweiten Roman "An Anonymous Girl" fertiggestellt, der im Januar 2019 in denUSA erscheinen wird. Zurzeit arbeiten wir an unserem dritten Buch, das ebenfalls ein Psychothriller sein wird.

Es gab in der Literaturgeschichte erfolgreiche Koautorschaften wie die von Raymond Carver und seinem Lektor Gordon Lish, die aber lange Zeit geheim gehalten worden sind. Wie oft, denken Sie, kommt eine solche gemeinsame Arbeit tatsächlich vor?

Hendricks/Pekkanen: Wahrscheinlich nicht sehr oft, weil es für viele Autoren schwierig ist, mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenzuarbeiten. Wir wissen, dass es ein sehr großes Glück ist, eine solch enge persönliche Freundschaft und erstaunliche professionelle Zusammenarbeit zu haben. Jede von uns hat ein T-Shirt auf dem "Better Together" steht. Denn wir sind fest überzeugt: Gemeinsam sind wir besser.

Interview: Literaturtest, 2018