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Paradise City
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Zoë Beck: Paradise City

Die perfekte Stadt der Zukunft – sie sähe für jede und jeden von uns wohl ein wenig anders aus. Verzichten wir für saubere Luft auf den Individualverkehr? Erlauben wir die totale Überwachung zugunsten von Sicherheit und Gesundheit? Wen lassen wir bevorzugt in begehrten Stadtvierteln wohnen? – Solche häufig diskutierten Fragen hat Zoë Beck konsequent weitergedacht, ohne sich dabei für eine Dystopie oder Utopie zu entscheiden. In „Paradise City“ entwirft sie ein unheimlich glaubwürdiges Szenario von Europa im kommenden Jahrhundert. Ihr Trick ist es, die Welt von in etwa 100 Jahren so erzählen, als lebten wir bereits mittendrin. Das Science-Fiction-Setting ihres Thrillers, der wie ein Kriminalroman beginnt, erschließt sich erst nach und nach.

Der voranschreitende Klimawandel hat globale Veränderungen verursacht, und Deutschland hat seine Konsequenzen gezogen. Die Megacitys um Frankfurt und im Ruhrgebiet sind von einem ökologischen Verkehrskonzept und klaren Regeln geprägt. Der Staat ist hart, aber gerecht. Die Überwachung reicht bis in die Körperfunktionen und Gesundheitsdaten. Ein soziales Punktesystem entscheidet über die Lebensverhältnisse des Einzelnen. Wer angepasst ist, führt ein gesichertes, gesundes, langes Leben. Was in dieser rationalen Welt immer weniger Menschen interessiert, ist dagegen die Presse- und Redefreiheit. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind quasi verstaatlicht. Kaum etwas kann noch für Aufsehen sorgen; nur wenige interessieren sich noch für Fakten und Enthüllungen. Eine von ihnen ist die Journalistin Liina.

„Du kannst die Zukunft mitgestalten, warum machst du damit nicht weiter?“, wird Liina von Yassin gefragt, als beide noch zusammen Stadtplanung studieren. Bald darauf werden sie privat und beruflich ein Team. Erst arbeiten sie an brisanten Beiträgen für den Unifunk, dann in der Agentur Gallus im Zeichen des investigativen Journalismus. Schon …mehr
Autorenporträt
Zoë Beck, geboren 1975, wuchs zweisprachig auf und pendelt zwischen Großbritannien und Deutschland. Ihre große Liebe neben der Literatur ist die Musik. Heute arbeitet sie als freie Autorin, Redakteurin und Übersetzerin. Für ihre Romane und Kurzgeschichten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis.
Interview mit Zoë Beck zu „Paradise City”

Von verheerenden Pandemien über die Impfpflicht bis zur App des Gesundheitsministeriums: Es ist derzeit unmöglich, „Paradise City“ nicht als Kommentar auf die aktuelle Situation zu lesen. Was hatten Sie im Kopf, als Sie das zukünftige Deutschland entwarfen und Ihren Plot entwickelten?


Das Exposé ist von 2018. Als ich das Buch schrieb, gab es die nächste große Pandemie nur in der Theorie von Forscher*innen und Expert*innen. Ich dachte außerdem an Masern und multiresistente Keime und, ja, irgendwelche Grippeviren. Sobald es um ansteckende Krankheiten geht, die so extrem leicht übertragbar und nicht nur für Risikogruppen potenziell tödlich sind, muss eine Regierung handeln, da müssen radikale Maßnahmen her. Diese Maßnahmen haben auch immer verheerende wirtschaftliche, soziale und psychologische Auswirkungen; da ist dann wieder die Regierung gefragt, was Lösungen angeht. Mir erschien es nur logisch, dass über kurz oder lang autoritäre Methoden eingeführt werden würden. Was die Gesundheitsapp angeht: Das Smartphone kontrolliert uns doch längst und sagt uns, wie viel wir uns bewegen und ob wir genug schlafen. Kurz gesagt: Ich fand das alles sehr naheliegend und habe nur die Schraube etwas weitergedreht.

Haben Sie das Buch im letzten Moment noch überarbeitet – oder waren Sie gerade froh, dass Ihr Buch schon vor der Krise fertig war?

Ich war sehr froh, dass es da schon fertig war! Ich webe meine Geschichten immer recht eng, da kann ich dann schlecht mal eben noch andere Elemente mit reinnehmen, nur weil sie gerade aktuell sind. Während ich es schrieb, hatte ich außerdem eine ganz andere Krise zu bewältigen, einen familiären Todesfall. Den Tod empfinde ich immer als etwas, das Raum und Zeit extrem verzerrt. Ich stand noch völlig unter diesem Eindruck, als der Lockdown kam.

Der Klimawandel ist das andere große Grundthema des Buchs. Die Erderwärmung hat die Welt stark verändert, aber auch viele Maßnahmen selbstverständlich gemacht, zum Beispiel ein konsequentes Verkehrskonzept. Hat Ihr Buch damit eine utopische, also optimistische Seite?

Selbstverständlich, ja! Ich wollte irgendwie die Welt retten. Einiges ließ sich nicht mehr aufhalten, die Meere habe ich um zwei Meter ansteigen lassen, aber ich wollte und will daran glauben, dass irgendwann ein ökologisches Umdenken kommt, und zwar ganz radikal. Gleichzeitig stellte ich mir für den Roman vor, dass so etwas nur mit einer sehr strikten, autoritären politischen Führung machbar ist. Was das Verkehrskonzept angeht: Da habe ich meinen Wunschträumen freien Lauf gelassen. Genau so möchte ich das bitte haben.

Ihre Protagonistin Liina hat jahrelang in einem finnischen Spielemuseum als Testerin gearbeitet: sicher ein Traumjob für viele. Was ist Ihr wildester Berufswunsch? – Ist da noch etwas offen?

Nein, da ist nichts offen. Irgendwie war es bei mir oft so, dass sich Dinge ergeben haben, die ich vorher gar nicht so auf dem Schirm hatte. So gesehen bleibe ich eher gespannt, was wohl noch so alles im Leben passiert.

Bestimmt auch ein Traumjob: Sie führen zusammen mit Jan Karsten den CulturBooks Verlag. Warum haben Sie sich damals für einen eVerlag entschieden und wie ging es weiter?

Wir sind seit einigen Jahren ein ganz „normaler“ Verlag mit Print, Auslieferung, Vertrieb und allem. Wir haben aber 2013 rein digital angefangen, weil es einfach in der Luft lag. Da hatten wir noch die Vorstellung, dass sich der digitale Buchmarkt deutlich besser entwickelt. In bestimmten Genrebereichen läuft es auch hervorragend, aber das, was wir machen, richtet sich an ein Publikum, das eben doch das gedruckte Buch schätzt und dem rein digitalen Text wenig abgewinnen kann. Uns aber erst einmal digital aufzustellen und eine Grundstruktur zu schaffen, war definitiv der richtige Ansatz. So konnten wir uns langsam zu dem entwickeln, was wir jetzt machen und in Zukunft noch weiter ausbauen werden.

Im Botanischen Garten in Dahlem trägt ein Baum Ihren Namen. Leisten Sie als Baumpatin einen Beitrag dazu, Berlin als potenzielle „Paradise City“ zu gestalten?

Die Papierbirke meinen Sie? Ja, und CulturBooks ist die Patin der Rotbuche. Ich habe außerdem noch die Draculapflanze, den Ingwer und die Salbeiwiese als Patenpflanzen. Ich liebe den Botanischen Garten sehr, und da ich selbst alles, nur keinen grünen Daumen habe, versuche ich, auf diese Art meinen Beitrag zu leisten.

Interview: Literaturtest, 2020