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Die gute Tochter
Slaughter, Karin
EUR 19,99
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Die gute Tochter

"Ein Prozess ist nichts anderes als ein Wettbewerb um die beste Geschichte." Diese Einsicht, die Karin Slaughter einem alternden Anwalt in den Mund legt, ist gleichzeitig das Prinzip ihres neuen Thrillers. In "Die gute Tochter" gibt es zu jedem Vorfall eine ganze Reihe von Geschichten; Lücken und Widersprüche beinhalten sie alle. Die Beteiligten müssen sich eingestehen, dass sogar der eigenen Erinnerung nicht zu trauen ist. Slaughter, die vor allem für ihre Grant-County- und Will-Trent-Serien bekannt ist, verknüpft in ihrem neuen eigenständigen Roman zwei komplexe Kriminalfälle zu einem düsteren Familiendrama.

Rusty Quinn ist Rechtsanwalt aus der Überzeugung, dass jeder die bestmögliche Verteidigung verdient hat. Doch wer Vergewaltiger vor der Verurteilung oder Mörder vor der Giftspritze rettet und auch noch offene Rechnungen beim angestammten Gangsterclan hat, macht sich mit solchen Idealen nicht nur unbeliebt, sondern bringt die eigene Familie in ernsthafte Gefahr. An einem Frühlingsabend im Jahr 1989 stürmen zwei maskierte und bewaffnete Männer Quinns Haus, in dem sich seine Frau Gemma mit den beiden Teenagern Sam und Charlie befindet. Gemma wird vor den Augen ihrer Töchter der Kopf weggeschossen. Für die Mädchen ist das Grauen damit noch lange nicht vorbei. Lebenslang werden sie Narben an Körper und Seele tragen.

28 Jahre später sind sowohl Sam als auch Charlie Anwältinnen geworden und doch liegen Welten zwischen ihnen. Charlie ist als "gute Tochter" trotz der traumatischen Erlebnisse beim Vater in der Kleinstadt geblieben und hat sich auf jugendliche Straftäter spezialisiert. Sam hat den einstigen Rat ihrer Mutter angenommen, das Kaff hinter sich zu lassen, und mit Patentrecht Karriere gemacht. Kontakt zur Familie hat sie kaum noch. Doch dann bricht ein zweites Mal die Gewalt in das Leben der Quinns: Eine Amokläuferin hat in der örtlichen Highschool zwei Menschen getötet. Charlie gerät mitten ins Geschehen, versucht erst ein getroffenes Kind zu retten und schlägt sich dann auf die Seite der Täterin. Deren Hintergrund weist auf Mobbing und Missbrauch hin. Ihre Motivation ist ebenso fragwürdig wie ihre Schuldfähigkeit.

Rusty nimmt sich des Falls an und glaubt - auch wenn alles dagegen spricht - an die Schuldlosigkeit seiner Klientin. Als Rusty angegriffen wird, kommt auch Sam endlich zur Hilfe. Über den Fall der jungen Schützin nähern sich die Quinns einander zögerlich wieder an und stellen sich den verdrängten Ereignissen von damals.

In ihrem Plot kehrt Slaughter immer wieder zu dem qualvollen Szenario vom Anfang zurück, dessen Dimensionen sich in einigen überraschenden Wendungen erst nach und nach enthüllen. Dabei entfaltet sie ein differenziertes Psychogramm zweier Schwestern, deren Beziehung an Schuld und Verbitterung zerbrach, daran, dass sie sich gegenseitig nicht vor der bodenlosen Gewalt beschützen konnten. Um schwesterliche Liebe und Vertrauen wieder zulassen zu können, müssen Sam und Charlie die Familiengeheimnisseans Licht bringen und die wahre Geschichte herausfinden.

Karin Slaughter

Ihr - nicht ganz ernst gemeintes - Lebensmotto lautet "Sobald du sie draußen trägst, sind es keine Schlafanzughosen mehr", und sie entspannt sich, während sie zwischen Wohnzimmer und Küche hin- und herwandert. Hört sich normal an, sympathisch und nett - doch zufällig ist Karin Slaughter eine Weltbestsellerautorin, die es auf (bislang) 30 Millionen verkaufte Bücher gebracht hat. Das mit den Schlafanzughosen ist eine Marotte von ihr, sie würde am liebsten den ganzen Tag darin herumlaufen. Vielleicht kann sie ja damit am besten schreiben, denken und Krimistorys aushecken, die einem oft den Atem stocken lassen. Viele vermuten ja sofort, dass der Name Slaughter - Deutsch: Schlachter - ein zu einer Thrillerautorin passendes Pseudonym ist. Doch Karin Slaughter heißt wirklich so. Als die Autorin, sie ist Jahrgang 1971, 2001 in den USA ihren ersten Thriller präsentierte, der im deutschsprachigen Raum "Belladonna" heißt, landete sie damit sofort einen Riesenerfolg. Auch hierzulande stand das Buch lange auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ihre Grant-County-Serie mit der Gerichtspathologin und Kinderärztin Sara Linton kam von Anfang an hervorragend an.



Das mag an der Kunst von Karin Slaughter liegen, wirklich spannende Plots zu erzählen und dabei auch ihren Ermittlerfiguren sehr viel Raum zu geben. So wollen die Fans zum einen wissen, wie die Geschichte ausgeht, und zum anderen natürlich, wie es weitergeht mit Sara, Will oder all den anderen. So wie ihre Serien - ob die abgeschlossene "Grant County"-Reihe, die "Will Trent"-Reihe oder die neue "Georgia"-Reihe, in der Sara und Will zusammen ermitteln - im Süden der USA spielen, dem fiktiven Grant County oder dem realen Alabama, so ist auch Karin Slaughter dort geboren und aufgewachsen. Heute lebt sie in Alabama und sagt von sich, dass sie eine schrecklich undisziplinierte Schreiberin ist. Eher der Typ "ganz oder gar nicht" - was bei ihr heißt, dass sie sich entweder in eine Berghütte verzieht und dann schreibt, bis sie nicht mehr kann, oder das Leben in Alabama genießt. Sie geht gerne essen und liebt Bacon, lässt für einen göttlichen Kuchen fast alles andere stehen.



Ihr Studium hat sie abgebrochen, weil sie zum einen Geld verdienen wollte und zum anderen sagt, dass sie sowieso eine "lebenslang Lernende" sei. Das Lesen liebt sie schon seit Kindertagen: "Als Kind bin ich unter Bücherbergen schier untergegangen, als ich im Sommer vor der Hitze im einzigen klimatisierten Raum meiner Heimatstadt Zuflucht suchte - in der Bibliothek." So hat sich Karin Slaughter als Erwachsene auch für die Kampagne "Rettet die Bibliotheken" engagiert, sie sogar geleitet und knapp 200.000 Dollar an Spenden gesammelt.



Ihre Lieblingsfigur ist eindeutig Will Trent. Ihm fühlt sich Karin Slaughter besonders verbunden. Das sehen auch viele Leser so - doch auch Sara Linton hat eine große Fangemeinde. Als Karin Slaughter die "Grant County"-Reihe, in der Sara als Coroner mitmischt, abschloss, protestierten so viele Leser, dass sich Karin Slaughter das zu Herzen nahm. Nun ermitteln Will Trent und Sara Linton zusammen, aktuell in "Letzte Worte", ihrem zweiten Fall, der 2012 erscheint. Und während wir das Buch lesen, sitzt Karin Slaughter vermutlich in einer ihrer vielen Schlafanzughosen in Alabama, wandert zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her und überlegt sich, wie es weitergehen soll mit Will, Sara und dem Leben im heißen Süden Amerikas.
Das meint die buecher.de-Redaktion: Authentische Hauptfiguren und ein atemberaubender Plot: das ist Karin Slaughter. Da Slaughter auch die grausamsten Dinge sehr genau beschreibt, sind ihre Thriller nichts für alllzu zarte Gemüter.


© 2012 Literaturtest/Ulrike Bauer für buecher.de
Interview Karin Slaughter

Was hat Sie zu Ihrem neuen Thriller "Die gute Tochter" inspiriert?
Karin Slaughter: In "Pretty Girls", meinem letzten eigenständigen Roman, habe ich über die Beziehung zweier Schwestern geschrieben. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich wollte gern wieder etwas in der Art schreiben. Ich bin die jüngste von drei Schwestern und war als klügste und hübscheste der Liebling meiner Eltern. Doch die Aufgabe einer Autorin ist es, sich in den Kopf jede ihrer Figuren zu versetzen.

Viele Bücher zu schreiben, bedeutet, immer wieder etwas Neues zu tun. Also erfand ich Charlie und Sam [aus "Die gute Tochter"] als eine Art Gegenstück zu Claire und Lydia [aus "Pretty Girls"]. Charlie sollte keiner meiner bisherigen Figuren ähneln. Sie ist hochqualifiziert, beliebt und manchmal begeht sie sehr dumme Fehler. Anstatt sich herauszuwinden, steht sie aber zu ihren Fehlern, fast mit Stolz. Das ist eine interessante Art, die Kontrolle über schlechte Erlebnisse zu behalten, wenn auch nicht gerade die beste. Sam dagegen erlebt jeden Moment ihres Lebens vor der Folie dessen, was hätte sein können. Sie willmehr