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Melanie Raabe "Der Schatten"

In Wien, der Stadt des Walzers, wird Norah Richter zu einem Tanz mit dem Tod aufgefordert. Die aufstrebende Journalistin ist erst vor wenigen Tagen hierher gezogen. Nach einem traumatischen Erlebnis hatte sie es in Berlin nicht mehr ausgehalten. Das Angebot, in der österreichischen Hauptstadt als Redakteurin eines großen Magazins anzufangen, kam ihr gerade recht. Norah brach mit ihrem nicht besonders zuverlässigen Freund und war bereit, komplett neu anfangen. Im Gepäck hatte sie kaum mehr als Erinnerungen, den Laptop und das Smartphone für ihre Arbeit und als fortwährende Verbindung zur Außenwelt. Aber dann begegnet ihr mitten auf der Straße eine Obdachlose, die ihr eine Prophezeiung zuraunt: An einem ganz bestimmten Tag wird sie einen Mann namens Arthur Grimm töten.

Bald verwandelt sich Norahs Leben einmal mehr in eine Hölle. Schleichend zunächst, denn sie kennt keinen Arthur Grimm und hält es auch für möglich, dass die Nachwirkungen ihres einst exzessiven Drogenkonsums ihr einen Streich spielen, ihre Wahrnehmung manipulieren. Als sie schließlich einem Arthur Grimm gegenübersteht, kann sie sich beim besten Willen nicht erinnern, ihm zuvor schon einmal begegnet zu sein. Trotzdem gibt es da dieses Gefühl, dass sie etwas mit ihm verbindet. Könnte er etwas damit zu tun haben, dass sich Norah immer wieder beobachtet und verfolgt fühlt, wie von einem Schatten? Selbst wenn sie sich in ihre Wohnung vor den Fernseher zurückzieht, fühlt sie sich von den aktuellen Nachrichten über einen Terroranschlag ähnlich heimgesucht wie von den Erinnerungen an Terror, dem sie selbst bereits begegnet ist. Da wäre zum Beispiel jener narzisstische Kunstprofessor, der Studentinnen immer wieder zu seinen "Musen" erkor, um sie dann zu demütigen, zu misshandeln. Oder auch ein ähnlich veranlagter, früherer Kommilitone, den sie einmal auf einer Party wiedertraf. Von seiner neuen Partnerin gefragt, woher man …mehr
Autorenporträt
Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren, wuchs in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen und einer Kleinstadt in NRW auf, studierte Medienwissenschaft und Literatur in Bochum und lebt inzwischen in Köln als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin, Performerin und Theaterschauspielerin. Sie betreibt ihren eigenen Interview-Blog und erhielt bereits mehrere Preise für ihr Schreiben.
Interview mit Melanie Raabe zu "Der Schatten"


In "Der Schatten" geht es zunächst um einen Umzug von Berlin nach Wien. Wie haben diese beiden Städte Ihr Buch geprägt?

Melanie Raabe
: Berlin ist eine Stadt, die ich sehr gut kenne, in der viele meiner engsten Freunde wohnen. Berlin ist mir sehr vertraut. Wien hingegen war mir eher fremd, bis ich angefangen habe, häufiger hinzufahren, um für meinen Roman zu recherchieren. Wien ist ganz anders als Berlin, und dementsprechend fühlt sich meine Hauptfigur dort nach ihrem Umzug zunächst verloren. Gleichzeitig ist Wien eine sehr schöne und inspirierende Stadt. Ihr Flair hat mir dabei geholfen, die richtige Atmosphäre für den Roman zu kreieren.

Ihre Protagonistin Norah arbeitet als Journalistin. Was fasziniert Sie an dieser Figur?

Melanie Raabe
: Norah ist eine ausgesprochen widersprüchliche Figur. Sie ist Journalistin, hat dementsprechend viel mit anderen Menschen zu tun, aber sie liebt es auch sehr, ihre Ruhe zu haben. Sie hat einen starken Gerechtigkeitssinn und hilft anderen gerne, gleitet manchmal aber auch schnell in düstere Gedanken ab. Norah ist stark und gleichzeitig verletzlich, sie ist ein sehr ernster Mensch, der sich vieles zu Herzen nimmt - und gleichzeitig Humor hat. Sie hat viele verschiedene Facetten. Das mag ich.

Kann eine Suche nach der Wahrheit auch zur Falle werden? Wann ist es Zeit, aus den Schatten der Vergangenheit herauszutreten, und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren?

Melanie Raabe
: Ich denke, dass die Suche nach der Wahrheit schnell zu einer ungesunden Obsession werden kann. Wann man die Vergangenheit ruhen lässt und sich entscheidet, ganz im Hier und Jetzt zu leben, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Ich persönlich glaube jedenfalls, dass wir immer dann am glücklichsten sind, wenn wir uns auf die Gegenwart konzentrieren. Denn nur die können wir beeinflussen.

Ein Mann namens Arthur Grimm taucht zunächst wie eine geheimnisvolle Märchenfigur in Ihrem Buch auf. Was für eine Beziehung haben Sie zu den Märchen der Brüder Grimm?

Melanie Raabe
: Ich liebe Märchen - insbesondere die der Brüder Grimm. Schon in meinem zweiten Roman, "Die Wahrheit", gab es viele Anspielungen darauf und märchenhaft anmutende Momente, und auch in "Der Schatten" gibt es kleine Referenzen. Als ich noch ein sehr kleines Mädchen war, gehörten die Märchen der Brüder Grimm zu den ersten Texten, die mir vorgelesen wurden. Sie haben sich tief in mein Hirn eingebrannt und werden mich immer faszinieren.

Die sozialen Medien wie Instagram und Twitter nutzt Norah nicht nur professionell. Sie scheinen ihr bisweilen auch private Stabilität und Sicherheit zu geben. Wie wichtig sind Ihnen diese Medien, auch für den Kontakt zu Ihrer Leserschaft?

Melanie Raabe
: Ich bin gerne auf Facebook, Instagram und Twitter unterwegs, um mich dort mit Leserinnen und Lesern, aber auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Allerdings versuche ich sehr darauf zu achten, nicht zu viel Zeit online zu verbringen. Mein Job ist es, Bücher zu schreiben. Dafür muss ich raus ins "richtige" Leben, Eindrücke sammeln. Um dann - konzentriert und möglichst mit gekappter Internetverbindung - zurück an den Schreibtisch gehen zu können.

Norah verrät in "Der Schatten" auch einige Tricks, um ein gutes Interviews zu führen. Welche Frage würden Sie sich selbst gerne am Ende dieses Interviews stellen? Und was wäre die Antwort?

Melanie Raabe
: Frage: Melanie, du schreibst Bücher, das wissen wir inzwischen. Gibt es denn noch irgendein verborgenes Talent, das du hast - und von dem fast niemand weiß?
Antwort: Ich bin froh, dass du fragst, Melanie! Denn ich kann zwar weder singen noch malen, ich bin unsportlich, ich kann schlecht Kopfrechnen, und ich bin eine miserable Tänzerin. Aber kann ich - wie die meisten Menschen, die gerne essen -ziemlich gut kochen! Meine vegetarische Lasagne ist legendär!

Eine letzte Frage: Auf Ihrem Blog Melanieraabe.de haben Sie im Juni ein Bild der berühmten "Love"-Skulptur in Ihrer Lieblingsstadt New York City gepostet. Ist das ein Hinweis auf die Themen und Orte Ihres nächsten Romans?

Melanie Raabe
: Die "Love"-Skulptur ist eher ein kleiner Kommentar zum Zeitgeist. Hate Speech und alles, was sie so mit sich bringt, sind ganz wichtige Themen. Ich finde, wir sollten alle wieder lernen, friedlich, respekt- und vielleicht sogar liebevoll miteinander umzugehen. Und was New York betrifft: Tatsächlich hatte ich dort die Idee für mein nächstes Buch. Ob es aber auch in New York spielen wird, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall ist die Stadt wahnsinnig inspirierend!



Interview: Literaturtest, 2018