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Der langsame Tod der Luciana B
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Guillermo Martínez: Der langsame Tod der Luciana B.

Ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller mittleren Alters – der namenlose Icherzähler – bricht sich das rechte Handgelenk. Um weiter schreiben zu können, vermittelt sein Verleger ihm Luciana B. Gewöhnlich assistiert die junge Frau einem Beststellerautor namens Kloster. Aber der ist einige Wochen auf Reisen, und so wird Luciana zum regelmäßigen Gast im Haus des gehandicapten Schriftstellers. Sie lässt sich seinen neuen Roman diktieren, in den Pausen trinken sie gemeinsam Kaffee. Er gewöhnt sich an ihre Gegenwart, die Begrüßungen werden vertrauter. Bald lauert er auf kleinste Zeichen, die darauf hinweisen könnten, dass aus dem Arbeitsverhältnis vielleicht eine Affäre werden könnte. Schließlich klärt ein Kuss die Fronten: Luciana hat einen Freund.

Erst zehn Jahre später tritt sie wieder mit dem Schriftsteller in Kontakt. Inzwischen ist Luciana nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bei einer Serie seltsamer Unglücksfälle sind zunächst ihr Freund, dann auch ihre Eltern ums Leben gekommen. Nun ist sie davon überzeugt, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber Kloster dahintersteckt. Auch er hatte versucht, Luciana zu verführen – und war daraufhin von Frau und Tochter verlassen worden. Luciana glaubt, aus Rache würde er nun nach und nach ihre Liebsten umbringen und bald auch sie selbst. Verzweifelt bittet Luciana den Schriftsteller um Hilfe. Ein unheimlicher Kampf ums Überleben beginnt.

Zwei Schriftsteller fortgeschrittenen Alters, die den Reizen ihrer jungen Assistentin verfallen: Dass dieser Szenerie etwas Verstaubtes anhaftet, darüber sind sich sowohl der Autor Guillermo Martínez als auch seine beiden Protagonisten bewusst. Der Krimiautor Kloster hadert ebenso wie der latent eifersüchtige Erzähler mit seiner Obsession. Beide fühlen sich durch ihre Gefühle für die junge Frau beschämt und umso mehr herausgefordert, sich als Herrscher über ihr Schicksal zu …mehr
Autorenporträt
Guillermo Martínez, geboren 1962, lebt in Buenos Aires und ist promovierter Mathematiker. Für seinen Krimi Die Oxford-Morde erhielt er 2003 den Premio Planeta; der Roman wurde in über 40 Sprachen übersetzt und 2008 fürs Kino verfilmt. Der Nachfolgeband Der Fall Alice im Wunderland wurde mit dem Premio Nadal 2019 ausgezeichnet.
Interview mit Guillermo Martinez zu „Der Langsame Tod der Luciana B.“

Sie haben als Doktor der Mathematischen Logik an der University of Oxford gearbeitet. Wie wurden Sie dann Romanautor?


Schon als Teenager habe ich meine ersten Kurzgeschichten und sogar ein komplettes Buch mit Kurzgeschichten geschrieben. Mein Vater war Schriftsteller, meine Mutter Philologin. Ich war also prädestiniert dafür, Schriftsteller zu werden. Dass später an der Universität meine Neugier für die Mathematik geweckt wurde, war ein glücklicher Zufall. Als indirekten Weg zu einem Philosophiestudium habe ich mich dann der Mathematischen Logik gewidmet – sie ist sowohl ein Zweig der Mathematik als auch der Philosophie.

Welche Bedeutung hat das Schreiben für Sie?

Zum einen ist es ein Spiel mit der Vorstellungskraft, das ich seit meiner Kindheit betreibe und bei dem ich verborgene Schätze entdecke. Zum anderen ist das Schreiben ein eigenständiges Feld der Erkenntnis. Es ist rational, ohne Mathematik zu sein. Es beinhaltet philosophische Ideen, ohne Philosophie zu sein; und es beschäftigt sich mit der menschlichen Natur, ist aber keine Psychologie. Die Tätigkeit des Schreibens besteht für mich vor allem darin, all das zu entdecken und zu entfalten, was im ersten Keim eines Romans verborgen ist.

Ihr neuer Kriminalroman „Der langsame Tod der Luciana B.“ erzählt von zwei Autoren, denen es nicht mehr reicht, „nur“ zu schreiben. Sie entwickeln das Bedürfnis, das Leben anderer Menschen mit ihrer Arbeit direkt zu beeinflussen. Wie kamen Sie darauf?

Thomas Mann pflegte zu sagen, dass ein Schriftsteller häufig ein Seismograf der Gesellschaft ist. Ich habe diese Idee aufgegriffen und auf die Spitze getrieben. Fiktion kann eine gewisse Wirkung im realen Leben nach sich ziehen. Manche Romane werden tatsächlich aus persönlicher Rache geschrieben. Sie können dann wie eine Bombe mit verzögerter Detonation einschlagen, Gefühle verletzen und noch viele Jahre nach dem auslösenden Ereignis zu zwischenmenschlichen Zerwürfnissen führen. In meinem bürgerlichen Leben befürworte ich so eine Art von Rache natürlich nicht. Aber die Idee zu dem Roman kam mir durch eine Reihe von unglücklichen Todesfällen, die sich im Umfeld einer Person ereignet hatten. Entweder konnte man sie als schreckliches Pech dieser Person begreifen oder einen diabolischen Racheplan dahinter wittern, den jemand über viele Jahre geduldig ausführt.

In Ihrem Buch kann man die Rivalitäten zwischen den beiden Schriftstellern miterleben. Wie gehen Sie selbst mit so etwas um?

Ich kenne einige solcher Rivalitäten im literarischen Bereich und nehme an, dass sie in jedem Land auf ähnliche Weise existieren. In meinem Buch verteidigt der Erzähler viele Ideen von literarischem Avantgardismus, über die wir in Argentinien heftige Debatten geführt haben. Ich habe mich über diese Ideen stets lustig gemacht. Daher möchte ich einmal mehr betonen: Was die Hauptfigur oder sogar der Erzähler in einem Roman denkt oder glaubt, entspricht nicht unbedingt dem, was der Autor denkt oder glaubt.

Haben Sie strenge Arbeitsrituale wie Thomas Mann, den Sie ja auch in Ihrem Roman zitieren?

Ich habe einige: Ich sitze frühmorgens vor meinem Schreibtisch und bete zum Gott der Atheisten, dass ich bis zum Mittag mindestens eine halbe Seite geschrieben habe. Dann trinke ich jede Stunde eine Tasse Tee und dann einen Kaffee und dann noch einen Tee – und ich gebe mein Bestes, weil der Gott der Atheisten mit Sicherheit nicht existiert.

Ein roter Faden in „Der langsame Tod der Luciana B.“ ist die Frage, ob das Leben vom Zufall oder vom Schicksal bestimmt wird. Haben Sie eine Antwort auf diese Frage?

Ich glaube nicht an ein besiegeltes Schicksal oder eine astrologische „Tendenz“, die ab der Geburt vorgegeben ist. Aber ich glaube an eine Art Schicksal durch das sozioökonomische Umfeld, in das man geboren wird. Denn Statistiken zeigen, dass die große Mehrheit der Menschen, die in Armut geboren werden, arm und ungebildet bleiben, egal welche Talente sie haben. Nur ein Bruchteil der Glücklichsten kann dieses Schicksal der Geburt überwinden. Während auf der anderen Seite die Mehrheit der reichen Menschen reich und gebildet bleiben wird, wiederum unabhängig von ihren Talenten. Persönlicher Verdienst ist ein überbetonter Mythos für die Mittelschicht.

Abgesehen davon glaube ich, dass der Zufall das Leben in vielerlei Hinsicht verändern kann, sei es im Beruf, in der Gesundheit oder in der Liebe. Um auch hier nochmal auf Thomas Mann zurückzukommen: Mich hat eine Zeile in seinem „Lebensabriss“ beeindruckt, wo er sagt: „Ich spürte einfach, dass der Nobelpreis auf meinem Weg lag.“ Nur wenn man ein Schriftsteller der Vereinigten Staaten oder eines mächtigen europäischen Landes ist, kann man diese Art von Gefühl und ein solches Schicksal haben.

Interview: Literaturtest, 2021