Nelly Sachs
Die Deutsche Lyrikerin und Autorin Nelly Sachs (* Berlin 1891, † Stockholm 1970) floh als Jüdin 1940 mit ihrer Mutter am Tag ihrer Deportation aus Nazideutschland nach Schweden und lebte bis zu ihrem Tod in Stockholm. Kontakte dorthin hatte Nelly Sachs schon mit 15 Jahren geknüpft: Sie führte jahrelang einen Briefwechsel mit Selma Lagerlöf. Stefan Zweig ermöglichte 1921 die Veröffentlichung des ersten, noch sehr romantischen Gedichtbandes von Nelly Sachs ("Legenden und Erzählungen"), in den 1930er-Jahren zog sich Sachs zurück und vermied jegliches Aufmerksamwerden auf sie als Jüdin. Als die Flucht gelang, lebten Nelly Sachs, die u. a. als Wäscherin und Übersetzerin arbeitete, und ihre Mutter lange in bescheidensten Verhältnissen. In ihren späteren Gedichten und Dramen verdichtet Nelly Sachs sprachlich das Drama des jüdischen Volkes und den Holocaust. Schon die Titel der Gedichtbände "Wohnungen des Todes" (1947), "Sternverdunkelung" (1949) oder "Flucht und Verwandlung" (1959) geben Zeugnis davon. Aus ihrer Isolation in Schweden fand Nelly Sachs erst spät. In Deutschland fanden ihre Werke gegen Ende der 1950er-Jahre Anklang. Die seelisch gebeutelte Autorin brach nach einem ersten Besuch in Deutschland (1960) nach ihrer Flucht zusammen, als sie wieder in Stockholm war und verbrachte Jahre in einer Klinik. 1965 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1966 den Nobelpreis für Literatur, zusammen mit Samuel Joseph Agnon.