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Martina Wied

Martina Wied, 1882 in Wien geboren, 1957 ebenda gestorben. Mitarbeiterin der Innsbrucker Kulturzeitschrift »Der Brenner«. Nach einem frühen Gedichtband erschien 1936 mit »Rauch über Sanct Florian« ihr erster Roman. 1939 Flucht nach England. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt als Lehrerin und schrieb vier weitere Romane, darunter den monumentalen Bildungsroman »Die Geschichte des reichen Jünglings«. 1947 kehrte sie nach Österreich zurück. 1952 erhielt sie als erste Frau den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. »Das Krähennest« erschien erstmals 1951 im Herder Verlag..
Evelyne Polt-Heinzl wurde 2017 mit dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik ausgezeichnet. Als Literaturhistorikerin hat sie immer wieder auf zu Unrecht vergessene Autorinnen und Autoren aufmerksam gemacht und eine Reihe von Büchern neu herausgegeben, etwa von Joe Lederer, Annemarie Selinko, Walter Toman oder zuletzt von Oskar Jan Tauschinski, Friederike Manner und Hans Flesch-Brunningen.

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Das Asyl zum obdachlosen Geist Produktbild: Das Asyl zum obdachlosen Geist

Das Asyl zum obdachlosen Geist

John von Kellingrath, ein junger Mann aus bestem Hause, flüchtet sich in eine Nervenheilanstalt; die Handlung spielt um 1890. Er ist einer der Repräsentanten des obdachlosen Geistes, ein Asket, der den materialistischen Anforderungen seiner hochbürgerlichen Familie nicht gewachsen ist. Kellingrath hat seine Frau einst aus Pflichterfüllung geheiratet und verachtet sie wegen ihres berechnenden Charakters. Als sie gemeinsam mit seinem Bruder Johns Einweisung ins Irrenhaus betreibt, um die Verfügungsgewalt über sein Vermögen zu erhalten, ist das auf prekäre Art durchaus in seinem Sinn. Die Irrenanstalt erscheint ihm als ein Ort des Friedens; im Elfenbeinturm seiner Zelle will er ein ungestörtes Gelehrtenleben verbringen und Sören Kierkegaard übersetzen. „Garantierte Einzelhaft ist alles, was ich mir verlange: Meine Bücher, Schreibgerät, mein Quantum Tabak, das nicht klein ist, also ungefähr die Freiheiten, die man in zivilisierten Ländern politischen Sträflingen zuzugestehen pflegt.“

Exil, im Sinn von Austritt bzw. Vertreibung aus dem bürgerlichen Leben, ist auch Martina Wieds Grundmotiv – schon lange vor ihrer erzwungenen Flucht nach Großbritannien.
Ihr ganzes Leben lang sucht sie eine Antwort auf die Frage, wie ein anständiges Leben in einer moralisch dubiosen Gesellschaftsordnung gelingen kann. Das impliziert die Distanzierung von jener gesellschaftlichen Schicht, der sie selbst angehört, und die Ablehnung der rücksichtslosen Logik des bürgerlichen Wirtschaftssystems.
Martina Wied schrieb diesen Roman in den Jahren 1925/26, er erschien 1934 als Fortsetzungsroman in der Wiener Zeitung, eine Buchausgabe folgte erst 1950 unter dem Titel „Kellingrath“.
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Buch (Gebundene Ausgabe)

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