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Marieluise Fleisser

Marieluise Fleisser, 1901 in Ingolstadt geboren und dort 1974 gestorben.
Sie, die »grösste Dramatikerin des 20. Jahrhunderts« (Elfriede Jelinek), wurde – nach frühen Erfolgen im Umfeld Brechts – in den Sechzigerjahren von jungen Theaterautoren wie Rainer Werner Fassbinder und Franz Xaver Kroetz wiederentdeckt. Ihre Stücke wurden erneut gespielt, und endlich nahm ein grösseres Publikum sie auch als Erzählerin wahr, obschon Walter Benjamin bereits früh die Prosa Marieluise Fleissers als »Kunstmittel ersten Ranges« erkannt und Alfred Kerr ihr Werk schlicht »einen Besitz« genannt hatte. »Die Werke der Marieluise Fleisser«, schrieb der Kritiker Heinrich Goertz aus Anlass des Erscheinens der Gesammelten Werke, »sind eine Schule der Rechtschaffenheit, der stilistischen Ehrlichkeit und Prägnanz. Die Sprache als perfekter Ausdruck ihres Denkens und Erlebens – eine körnige Prosa, hart, zupackend, konkret, ohne unverbindliche Allgemeinheiten und schmückende Beiwörter – nur die Sache selbst, jeder Satz eine Enthüllung.«

»Ich schreibe für jene, die entschlossen sind, zu erkennen. Ich schreibe für jene, die sich nichts vormachen lassen.«

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Eigenständiges und Widerständiges im Schreiben

Die Dramen und Prosatexte Marieluise Fleißers (1901–1974) gelten schon zu Lebzeiten der Autorin als ästhetisch avanciert und schwer zugänglich. Nach ihren frühen Bühnenerfolgen mit Fegefeuer in Ingolstadt und Pioniere in Ingolstadt verläuft Fleißers Karriere wechselhaft. Heute zählt sie zu den wichtigsten Literatinnen der Weimarer Republik. Der vorliegende Band bietet neue Impulse für die Forschung zum Werk Marieluise Fleißers. Im Fokus steht dabei das Eigenständige, und mit ihm das Emanzipierte und das Individuelle in Fleißers Ästhetik und Poetik. Gleichermaßen rückt das Widerständige in den Blick – das, was sich über Vergleiche und Bezugnahmen auf die Literatur ihrer Zeit nicht ohne Weiteres einordnen lässt, und das, was bislang außerhalb des Blickfeldes lag. Den Beiträgen des Bandes geht es etwa um ethisches und normatives Schreiben, um autofiktionale und raumbezogene Lesarten, um generische Ambiguität und genderspezifische Subversionen. Damit reflektieren sie markante Strukturen der Sprache und Erzählweise Fleißers und erschließen verschiedene Dimensionen ihrer literarischen Eigenständigkeit und Widerständigkeit.
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