Franz Tumler, geboren 1912 in Gries bei Bozen/Südtirol, aufgewachsen in Linz, lebte ab Mitte der 1950er Jahre in Berlin, wo er 1998 starb. Tumler zählt zu den prägenden Gestalten der literarischen Moderne der 1950er und 1960er Jahre. Seine wichtigsten Werke, die bis heute als bedeutende Beispiele moderner Erzählliteratur gelten, werden bei Haymon neu aufgelegt.
Von einem Mann und seinem Mantel handelt das Buch Franz Tumlers (1912-1998), von den wenigen Tagen, die zwischen Kauf und Verlust liegen, und von all dem, was in dieser Zeit mit dem Käufer vorgeht, was ihm geschieht. Die Handlung von außen zieht Handlung von innen nach sich, auf die Verlockungen der Außenwelt antworten die Schwingungen der Innenwelt. Aus der alltäglichen Geschichte in irgendeiner österreichischen Kleinstadt wird die Geschichte eines ganz bestimmten, zögernden, unentschlossenen, einsamen Menschen, dem die Möglichkeit jede Wirklichkeit verdirbt – bis ihn Verlust, Wiederfinden und endgültiges Wegschenken seines Mantels verwandeln, ihn in einen anderen, neuen Zustand hinüberfinden lassen, der ihm Befreiung schenkt. Ungemindert wirkungsvoll ist, wie Tumlers Erzählen Verunsicherung und Beklommenheit wachruft.
Alfred Kubins Zeichnungen zu der 1954 im Suhrkamp Verlag erschienenen »Erzählung« werden hier zum ersten Mal veröffentlicht.