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Autorenporträt von

Florian Illies

Florian Illies, geboren 1971 in Schlitz bei Fulda, studierte Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Nach einigen Jahren als Redakteur übernahm er bereits Ende der Neunziger Jahre die Leitung des Feuilletons der »Frankfurter Allgemeinen«, einer der renommiertesten deutschen Tageszeitungen sowie deren Sonntagszeitung. Florian Illies war darüber hinaus Mitgründer der Kunstzeitschrift »Monopol« und ihr Herausgeber. Im Jahr 1999 wurde er mit dem Ernst-Robert-Curtius Förderpreis für Essayistik ausgezeichnet. 2008 wechselte er als Ressortleiter Feuilleton und Literatur zur »Zeit«. Illies ist jetzt Partner des Berliner Auktionshauses »Villa Grisebach« und dort für die Kunst des 19. Jahrhunderts verantwortlich. Derzeit arbeitet er als freier Autor in Berlin.

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Wolkenbilder

„Kann man Wolken sammeln? Jahrhunderte, Jahrtausende, vielleicht Jahrmillionen Jahre lang trieben die Wolken über die Erde, frei und unbestimmt. Und dann, am Anfang des 19. Jahrhunderts, begann die Menschheit plötzlich damit, sie einfangen zu wollen. Die einen versuchten es mit Namen – und nannten sie Cirrus, Stratus, Cumulus –, die anderen versuchten es mit dem Pinsel: Und malten sie. Machten sie zum alleinigen Bildthema auf ihren kleinen Werken in Öl auf Papier. Seit drei Jahrzehnten sammle ich nun diese kleinen Wolkenstudien aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Jetzt wird die Sammlung erstmals öffentlich gezeigt: Vierzig Versuche, das Schwebende einzufangen, dem Flüchtigen nachzujagen und die Schönheit vom Himmel auf die Erde zu holen.Wenn die Künstler also ab 1820 nach oben schauten zu den Wolken, dann suchten sie nicht mehr nach dem Transzendentalen, sondern nach passenden Motiven für ihre Ateliergemälde. Statt wie in den Jahrhunderten zuvor mit Bleistift oder Aquarell, versuchten Künstlerinnen und Künstler in ganz Europa die Farben der Natur und den Charakter der Wolken plötzlich direkt unter dem freien Himmel in Öl zu erfassen – und nicht erst hinterher mühsam im dunklen Atelier zu rekonstruieren. Das Malen von Wolken ist auch immer ein Wettlauf mit der Zeit – in Sekundenbruchteilen kann sich der Eindruck am Himmel, den man malen wollte, verändern oder verflüchtigen. So hasten die Ölstudien-maler mit gespanntem Blick nach oben immer einem Moment nach, der sofort zu vergehen droht. Das macht diese Bilder so unmittelbar, so energetisch in ihrem Willen, das Flüchtige einzufangen.Der Dresdner Romantiker Carl Gustav Carus malte nicht nur Wolken, er beschrieb auch als erster, worin neben dem Wunsch, die Wirklichkeit des Himmels zu erfassen, das große Geheimnis der Wolkenmalerei liegt: „Wie ziehende Wolken im steten Wandel begriffen, so die inneren Zustände des Menschen. Alles, was in seiner Brust widerklingt, ein Erhellen und Verfinstern, ein Entwickeln und Auflösen, ein Bilden und Zerstören, alles schwebt in den Gebilden der Wolkenregionen vor unseren Sinnen.“ Dieses Spiegelbild der eigenen Seele im Himmel ist – neben der Schönheit dieser kleinen Werke – für mich der Grund, warum ich seit drei Jahrzehnten diese malerischen Versuche sammle, ein Stück des Himmels einzufangen. In all meinen eigenen Wohnungen hingen sie an den Wänden und haben geholfen, auch in geschlossenen Räumen nie ein Gefühl für das Schweben zu verlieren. Es sind kleine Bilder, die ein Stück Himmel für immer in Kunst verwandelt haben – und gerade, weil sie unter großem Zeitdruck entstanden sind vor zweihundert oder hundertfünfzig Jahren, scheinen sie paradoxerweise eine besondere Zeitlosigkeit auszustrahlen. Auch wenn man stilistisch merkt, wann diese Wolkenbilder gemalt wurden: Es gibt kein Gestern in dieser Malerei – nur eine ewige, schwebende Gegenwart.“ Florian Illies
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