Die Autorin: Dorothee Liehr wurde 1970 in Hamburg geboren. Nach einer Berufsausbildung studierte sie an der Universität Bielefeld Geschichtswissenschaften, französische Romanistik und Wirtschaftswissenschaften. Im Sommer 2001 beendete sie ihr Studium mit dem Magisterabschluss.
Vom „Fall Kopp“ über den „Fichen-Skandal“ bis zum Protest gegen die „700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft“ – Ende der 1980er Jahre befand sich die Schweiz in einer nationalen Orientierungskrise. Während des spektakulären Zerfalls der sozialistischen Staatssysteme in Osteuropa wurden in der Alpenrepublik heftige Auseinandersetzungen zwischen dem bürgerlich-konservativen und dem links-alternativen Lager ausgefochten. Im Vorfeld der für 1991 anberaumten „700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft“ standen zahlreiche staatstragende Leitkonzepte auf dem Prüfstand: Um die Bedeutung der Schweizer Armee wurde ebenso gerungen wie um die Rolle progressiver Kulturschaffender oder um zeitgemäße Geschichtsbilder. Zwei politische Eklats forcierten die öffentlichen Dispute: der „Fall Kopp“, der zum Sturz des ersten weiblichen Mitglieds der Landesregierung Elisabeth Kopp führte (1988–91) und der „Fichen-Skandal“ um verfassungswidrige Überwachungsmethoden der politischen Polizei (1989–90). Um die historische Bedeutung beider Deutungskämpfe zu ergründen, betrachtet Dorothee Liehr das Handeln der Akteure, die eingeklagten Normen und die öffentliche Resonanz. Anhand multimedialer Quellen beschreibt sie Prozesse kommunikativer Sinnstiftung im Kontext der Zeit. Damit vergegenwärtigt sie, wie politische „Wirklichkeiten“ konstruiert werden und offenbart Risiken, aber auch Chancen politischer Skandale.