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Die echtere Wirklichkeit Roman | »Raphaela Edelbauer hat einen absurd-witzigen Roman geschrieben.« ttt, ARD

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

16.08.2025

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

448

Maße (L/B/H)

20,6/13,3/4 cm

Gewicht

541 g

Farbe

Himbeer

Auflage

1. Auflage 2025

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96630-5

Beschreibung

Rezension

»Raphaela Edelbauers Roman ›Die echtere Wirklichkeit‹ führt den Leser mit einem genialen Plot-Twist aufs Glatteis des Postfaktischen. […] Edelbauer zeigt mit genuin literarischen Mitteln, dass Erzählen immer schon Post-Truth ist. Das klingt dystopisch, ist aber, in Wahrheit, ein Sieg der Fiktion.« Richard Kämmerlings, Die Welt, 27. August 2025 ("Die Welt")
»Edelbauer hat einen gewagten, brandaktuellen, blitzgescheiten und mitunter schwer verdaulichen Ideenroman geschrieben, und das ist ihr in einer Zeit, in der die literarische Selbstumkreisung wieder Hochkonjunktur hat, gar nicht hoch genug anzurechnen.« Bernd Melichar, Kleine Zeitung, 25. August 2025 ("Kleine Zeitung")
»Raphaela Edelbauer gelingt ein inhaltlich wie konzeptionell intelligenter Roman. Auf verschiedenen Erzählebenen fließen philosophische Theorie und Handlung nahtlos ineinander, ohne dabei in die Banalität eindeutiger Aussagen abzurutschen. Mit stellenweise dunklem Humor verhandelt dieses Buch komplexe Fragen unserer Gegenwart auf eine vorsätzlich ambivalente Weise.« Raffael Leitner, Der Standard, 23. August 2025 ("Der Standard")
»Wer sich auf diesen im besten Sinne seltsamen und romantischen Roman einlässt, wird reichlich belohnt, durch waghalsige Erkenntnis und waghalsige Erzählkunst zugleich.« Adam Soboczynski, Die Zeit, 21. August 2025 ("Die Zeit")
»Edelbauer gelingt es witzig und unangestrengt, philosophische Theorie und aktivistische Grundsatzfragen zu diskutieren.« Paula Pfoser, ORF Topos, 17. August 2025 ("ORF Topos")
»Ein wirklich glänzend geschriebener und auch unterhaltsamer Roman.« Gerrit Bartels, Rbb Radio 3, 15. August 2025 ("Rbb Radio 3")
»Raphaela Edelbauer hat einen absurd-witzigen Roman geschrieben.« ARD titel, thesen, temperamente, 10. August 2025 ("Das Erste titel, thesen,temperamente")
»Edelbauer packt in diesem Roman all ihr Können aus, zeichnet schrullige, nervige, liebenswerte Protagonist*innen und einen Plot, der mitreißt.« Stefanie Klamuth, An.schläge, Ausgabe 06/2025 ("an.schläge - das feministische Magazin")
»Es gibt auch nicht viele Schriftstellerinnen, die ihr Publikum mit einem Roman so alleine lassen wie Raphaela Edelbauer. Man will ihr um den Hals fallen dafür, aber das würde man selbstverständlich nie machen.« Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 07. November 2025 ("Frankfurter Rundschau")
»Der neue Roman der Österreicherin Raphaela Edelbauer verbindet Philosophie und den Kampf gegen Fake News und Populismus mit skurrilem Witz und Sprachlust. […] [W]ie schon in den früheren Werken dieser Autorin [sind] die Sprachlust des Romans, das typisch Edelbauer’sche Potpourri aus originellen Vergleichen, Wortschöpfungen, Austriazismen sowie Anleihen aus Fachsprachen [aufregend].« Oliver Pfohlmann, Regensburger Zeitung, 11.10.2025 ("Regensburger Zeitung")

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Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

16.08.2025

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

448

Maße (L/B/H)

20,6/13,3/4 cm

Gewicht

541 g

Farbe

Himbeer

Auflage

1. Auflage 2025

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96630-5

Herstelleradresse

Klett-Cotta Verlag
Rotebühlstr. 77
70178 Stuttgart
DE

Email: produktsicherheit@klett-cotta.de

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  • Bewertung

    Book Circle Community

    5/5

    23.01.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Im Namen der Wahrheit

    Raphaela Edelbauers „Die echte Wirklichkeit“ ist ein Roman, der sich weniger für klassische Dramaturgie interessiert als für das, was unter der Oberfläche der Erzählung arbeitet: Wahrheit, Erkenntnis, Erinnerung und die Frage, ob das, was wir Wirklichkeit nennen, etwas Festes ist – oder etwas, das wir ständig neu herstellen. Im Zentrum steht Byproxy, die Ich-Erzählerin, die mit Rollstuhl, Laptop und zwei Koffern durch Wien treibt und schließlich bei der philosophischen Aktivist*innengruppe Aletheia landet. Diese kämpft gegen Fake News und „alternative Fakten“ und versteht Wahrheit als etwas Absolutes, das man notfalls auch performativ, künstlerisch und radikal verteidigen muss. Parallel dazu entfaltet sich eine zweite Zeitebene: die Geschichte vor dem Autounfall, die Beziehung zu Petra – oder Dorothee – und jene schleichende Verschiebung, bei der nicht mehr klar ist, wer hier eigentlich wessen Rolle übernommen hat und wessen Geschichte weiterlebt. Formal ist das klug gebaut: Gegenwart und Vergangenheit greifen ineinander, ohne sich sauber trennen zu lassen. Genau darin liegt eine der großen Stärken des Romans, denn auch Wahrheit und Erinnerung erscheinen hier nicht als feste Größen, sondern als etwas, das erzählt, verformt und immer wieder neu gerahmt wird. Die eigentliche Handlung – das Leben in der Kommune, die Dynamik der Gruppe, die Vorbereitung der „großen Aktion“ – blieb für mich eher im Hintergrund. Die Figuren sind skurril, manchmal bewusst unsympathisch, besonders Byproxy selbst, die ständig beobachtet, kalkuliert und ihre Wirkung auf andere mitdenkt. Man folgt ihr weniger aus Nähe als aus einer Art fasziniertem Unbehagen. Der Plot trägt, aber er ist nicht das, was dieses Buch für mich stark macht. Besonders eindrücklich fand ich, wie Edelbauer Wahrheit nicht nur als philosophisches Konzept, sondern als etwas Gewordenes denkt. Die Passagen zur Evolutionsbiologie haben mich unerwartet tief ins Nachdenken gezogen: die Vorstellung, dass unser Denken, Wahrnehmen und Urteilen selbst Produkte einer langen biologischen Geschichte sind, dass in unseren Körpern und Sinnen eine Vergangenheit weiterarbeitet, die weit vor uns begonnen hat. Gleichzeitig stellt der Roman die Frage, ob wir Wirklichkeit einfach erleben – oder ob wir sie ständig „spielen“. Dass Byproxy als Spieleentwicklerin in Logiken von Simulation, Strategie und Rückwärtsbewegung denkt, verleiht dieser Frage eine zusätzliche Ebene: Die Welt erscheint hier nicht nur als etwas, das ist, sondern auch als etwas, das entworfen, ausprobiert und immer wieder neu zusammengesetzt wird. Erstaunlich ist dabei, wie wenig überladen das wirkt. Trotz der Fülle an Themen bleibt der Text beweglich. Die Sprache ist literarisch, präzise und stellenweise anspruchsvoll, aber nie selbstverliebt. Ein gewisses Interesse an Philosophie hilft, ist aber keine Voraussetzung – wichtiger ist die Bereitschaft, sich auf ein Buch einzulassen, das nicht nur erzählen, sondern Denken in Gang setzen will. Im Vergleich zu „Das flüssige Land“, das mich inhaltlich weniger erreicht hat, ist „Die echte Wirklichkeit„ für mich ein klares Highlight. Nicht, weil die Geschichte spektakulärer wäre, sondern weil die gedankliche und sprachliche Dichte eine andere ist. Dieses Buch bleibt nicht an der Oberfläche. Es arbeitet nach, lange nachdem man es zugeklappt hat.n Man kann Sachbücher über Wahrheit, Erkenntnis oder Evolutionsbiologie lesen – und das ist gut und wichtig. Aber was Edelbauer hier gelingt, ist etwas anderes: Sie macht aus diesen Fragen Literatur. Und genau das hat mich fasziniert. Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil

  • Gesellschaftliche Betrachterin

    aus Großraum Halle (Saale)

    5/5

    23.11.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    „Will man Aufmerksamkeit oder Disruption?“

    Wahrheit ist nachprüfbar, und hängt somit nicht von individuellen Erfahrungen und dem persönlichen Standpunkt ab. So sieht es auch ein inhomogenes Grüppchen Intellektueller, die sich in der aktuellen, postfaktisch wahrgenommenen Gesellschaft quasi als philosophische Altakademiker wiederfinden. Bernward, Paul, Brigitte und Bettina (die Sprengstoffexpertin) haben sich bisher in reichlicher Lektüre philosophischer Schriften und anschließenden gruppeninternen Diskussionen befleißigt, die u.a. durch Jacques Derrida in die philosophische Lehre eingeführte Position, dass Wahrheit eine konstruierte und dekonstruierbare Sache sei, zu widerlegen. Doch wie die entglittene Gesellschaft von der Ausschließlichkeit von Wahrheit überzeugen? Die Gruppe bewegt sich fortan im Untergrund, um einen gesellschaftlich unüberhörbaren Knalleffekt mitten in Wien vorzubereiten, bei dem niemand zu Schaden kommen soll. In dieser Lage drängt sich, um der Obdachlosigkeit zu entgehen, die Ich-Erzählerin Byproxy in die Gruppe. Zuerst nur gelitten, wird Byproxy zur heimlichen Ideengeberin. Doch gerade in Bezug auf Byproxy lässt die Autorin Raphaela Edelbauer die Wahrheit schwimmen. Handelt es sich bei Byproxy namentlich um Petra, oder handelt es sich tatsächlich um ihre bis zu einem Schicksalsschlag unzertrennliche Freundin Dorothee, wie die Autorin die Leserin zwischendurch auch mal Glauben macht? Byproxy neigt dazu, das Geschehende spielerisch rückwärts zu entwickeln. Aber ist es das Ende, bei dem sie beginnt und erreicht sie wirklich den Anfang? Bei allen Wirrungen bezieht Raphaela Edelbauer mit dem Roman insgesamt eine klare Position gegen Postfaktisches und spart aus belegbaren Quellen nicht mit Kritik am Gehabe neorechter Zeitgenossen. Als einfache Leitlinie darf zudem eine sich durch das Buch ziehende Kette von 71 Thesen dienen. Beispielhaft sei hier die Nummer 31 zitiert: „Zudem behaupten wir nicht, dass jede Beeinflussung mit der Verdrehung des Wahrheitsbegriffs zu tun hat. Propaganda hüllt sich in tausend Masken und wir sprechen nur von einem ihrer Antlitze. Jedoch sind wir überzeugt, dass dies das weitreichendste und unsichtbarste ist – denn dass es eine Wahrheit gibt, der man sich nähern kann, und dass etwas entweder so ist oder nicht so ist, ist das Fundament, ohne das man all die anderen Arten von Propaganda gar nicht erst entkräften kann.“ Meine Empfehlung: Lesen – am besten vor dem nächsten Urnengang.

  • Eternal-Hope

    aus Österreich

    5/5

    09.09.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wie viele Wahrheiten gibt es?

    Die österreichische Autorin Raphaela Edelbauer ist mit ihrem Roman "Das flüssige Land" auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet und hat für "DAVE" den Österreichischen Buchpreis gewonnen. Das lässt auf eine Autorin schließen, die anspruchsvolle Literatur verfasst. Doch wie sieht es mit Unterhaltungsfaktor, Spannung und Lesbarkeit aus? Tatsächlich beginnt das neueste Werk der Autorin, "Die echtere Wirklichkeit" sehr anspruchsvoll, denn wir haben es mit einer philosophischen Terrorgruppe zu tun, die erst einmal Jahre lang gemeinsam philosophische Werke liest und diskutiert, bevor es daran gehen könnte, mit konkreten Aktionen zur Tat zu schreiten. So finden wir gleich am Anfang der Lektüre ein Manifest der Gruppe, das folgendermaßen beginnt: "Es gibt nur eine Wahrheit und sie ist absolut. Diese Wahrheit ist weder eine soziale Konstruktion noch subjektiv oder bloß eine unter vielen Perspektiven auf die Dinge. Mögen sich im Laufe der Zeiten auch die Sicht auf die Wahrheit oder die Methoden, zu jener zu gelangen, geändert haben, und mag in vielen Fällen die Sinnesbeschränkung der Lebewesen nicht hinreichen, zu ihr zu gelangen, so ist doch hinter den Phänomenen die absolute Wahrheit jenseits allen Meinens vorhanden." Eine gewisse Affinität zur Philosophie ist dem Lesegenuss bei diesem Buch also durchaus zuträglich. Aber, keine Sorge, so kompliziert, wie oben zitiert, formuliert zwar die philosophische Terrorgruppe, doch nicht die Autorin selbst im Hauptteil des Buches. Die philosophischen Ergüsse der Gruppe werden nur gelegentlich zitiert, ansonsten ist es ein gut lesbares und humorvoll geschriebenes Buch. Die Charaktere sind sehr schräge Gestalten, die sonst an ihren Ansprüchen ans Leben gescheitert sind. Da gibt es Byproxy, eigentlich Petra, die junge, nach einem Unfall im Rollstuhl sitzende Ich-Erzählerin, die aus ihrer Wohngruppe geschmissen wurde und auf der Suche nach einem Obdach zufällig auf die Gruppe stößt. Diese bestand zuvor aus vier Personen: ein promovierter Philosoph, dem die Festanstellung verwehrt wurde, eine reiche Erbin, die sich von ihrer Familie distanziert hat, ein Vorbestrafter und eine weitere Person. Gemeinsam haben sie eine Wohnung in einem Wiener Abbruchhaus besetzt, lesen und diskutieren philosophische Werke und unterwerfen sich selbst einem strikten Regelwerk, so darf etwa jedes Mitglied der Gruppe nur einmal in der Woche die Wohnung verlassen. Byproxy muss sich die Aufnahme in die Gruppe und deren Vertrauen erst erarbeiten, doch mit Intelligenz, Charme und Gerissenheit schafft sie das, wird eine treibende Kraft der Geschehnisse und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, in die Lektüre hineinzukommen, doch war der Einstieg einmal geschafft und hatte ich mich mit dem philosophischen Rahmen und den schrägen Figuren vertraut gemacht, war es eine höchst vergnügliche und spannende, ungewöhnliche Lektüre. Sowohl das Thema als auch die Art, wie es behandelt wird, sind sehr innovativ - so etwas auf diese Art habe ich noch nicht gelesen. Wie nebenbei regt es außerdem zum Nachdenken über Wirklichkeit, Konstruktivismus, Fake-News, die Verantwortung von Universitäten und Medien und viele weitere Themen an. Man merkt, dass die Autorin sich tiefgehend damit beschäftigt hat. Örtlich ist die Geschichte in Wien und Umgebung angesiedelt, was man am Vokabular und an vielen Ortsbezügen deutlich merkt. Insgesamt ist es ein Buch, das ich jenen, die sich für anspruchsvolle Lektüre, unkonventionelle Konzepte und schräge Charaktere interessieren, sehr empfehlen kann. Philosophisch vorgebildete oder interessierte Menschen können von diesem Buch ganz besonders profitieren, bei allen anderen kann es Interesse an diesem Thema wecken, oder man liest über die stark philosophisch geprägten Passagen einfach hinweg, auch dann ist es noch eine unterhaltsame und kohärente Erzählung. Ich jedenfalls freue mich darauf, weitere Bücher dieser talentierten und vielseitigen Autorin zu lesen.

  • Christopher Bahn

    Book Circle Community

    5/5

    21.08.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Radikale Philosophen

    Ein spannendes Buch über eine Gruppe von Terroristen, die für die absolute Wahrheit kämpfen und die postmoderne Beliebigkeit hinter sich lassen wollen. Ich fand die philosophischen Ausführungen neben der Romanhandlung sehr interessant. Das Buch liest sich flüssig und ist gut geschrieben. Sehr empfehlenswert.

  • nathalielamieux

    5/5

    19.08.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Fake news, Fakten, Fiktionen - fulminant erzählt!

    Raphaela Edelbauer gehört für mich längst zu den spannendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur. Ihre bisherigen Romane haben mich allesamt begeistert – und mit „Die echtere Wirklichkeit“ bestätigt sie diesen Eindruck auf fulminante Weise. Seit vier Tagen kreisen meine Gedanken nun um dieses Buch, und ich merke: Es lässt mich nicht los. Wie macht sie das nur? Die Protagonistin Byproxy wird aus dem betreuten Wohnen entlassen – mit zwei Koffern, einem Laptop und einem Rollstuhl – und streift zunächst verloren durch die Wiener Kaffeehäuser und offenen Marktstände. Dort trifft sie auf die Gruppe Aletheia, eine streng intellektuelle Aktivist*innengruppe, die sich dem Kampf gegen Fake News, alternative Fakten und Verschwörungstheorien verschrieben hat. Gegründet auf dem Prinzip der absoluten Wahrheit, arbeitet Aletheia mit künstlerischen Interventionen für gesellschaftliche Aufklärung – und doch gehört eine Sprengstoffexpertin zur Gruppe, obwohl Sprengstoff nie eingesetzt wird. Byproxy überzeugt die Mitglieder, sie in ihr besetztes Haus aufzunehmen, das zugleich ihr Hauptquartier ist. Während sie sich das Vertrauen der Gruppe durch putzende Tatkraft am Tag und philosophisches Studium am Abend verdient, wächst unter den Aktivist:innen die Frage: Wem gehört die Wahrheit wirklich? Welcher Schuld ist Byproxy innerlich verpflichtet – ist sie wirklich so aufrichtig, wie sie vorgibt zu sein, oder trägt sie eine verborgene Last, die ihr Wahrheitsstreben trübt? Edelbauer verwebt in diesem Roman ein dichtes Geflecht aus Wahrheit und Täuschung, Schuld und Verantwortung, Aktivismus und Manipulation. Besonders eindrücklich ist, wie sie den Wunsch nach einer „echteren Wirklichkeit“ als menschliche Sehnsucht zeigt, die zugleich gefährlich und befreiend sein kann. Wahrheit ist hier nie rein theoretisch, sondern immer auch ein Machtinstrument – wer sie beansprucht, kann Gesellschaft formen oder zerstören. Und Byproxies persönliche Schuldgeschichte bringt diese Spannung noch einmal auf eine existenzielle Ebene. Wie schon in ihren früheren Werken erweist sich Edelbauer auch hier als Meisterin der Form. Edelbauer versteht es wie kaum jemand sonst, Erzählstrukturen nicht einfach als Transportmittel zu benutzen, sondern sie selbst zum eigentlichen Gegenstand zu machen. Nichts geschieht zufällig, keine Wendung, kein Name, keine formale Entscheidung ist beiläufig – alles ist sorgfältig komponiert. Dadurch erzählt der Text nicht nur eine Geschichte, er verkörpert sie auch in seiner Struktur. Diese doppelte Ebene – das Erzählen über Wirklichkeit und zugleich das Erzählen als Wirklichkeit – ist beeindruckend konsequent durchgehalten und macht das Buch zu einem intellektuellen wie auch ästhetischen Vergnügen. Ihre Sprache ist präzise, rhythmisch, oft von einer fast mathematischen Strenge – und gleichzeitig voller poetischer Energie. Gerade das Erzählen selbst wird zum Spiegel der Handlung: Während die Figuren nach „echter“ Wirklichkeit suchen, zeigt der Text, wie brüchig und konstruiert Wirklichkeit überhaupt ist. Diese Verschränkung von Inhalt und Form ist für mich das große Kunststück des Romans. Das bedeutet allerdings auch: Die echtere Wirklichkeit ist kein „leichter“ Roman. Edelbauer verlangt ihrem Publikum einiges ab – und genau das liebe ich daran. Es ist ein Buch, das man einerseits mit atemloser Spannung verschlingt, weil es eine solche Sogwirkung entfaltet, und das man zugleich langsam und aufmerksam lesen möchte, um den vielen Schichten, Anspielungen und kunstvollen Spiegelungen gerecht zu werden. Mich fasziniert, wie Edelbauer es schafft, dieses Spannungsfeld auszubalancieren: zwischen philosophischer Tiefe und erzählerischem Drive, zwischen theoretischer Reflexion und packender Narration. Kaum jemand schreibt derzeit so radikal durchdacht und zugleich so mitreißend. „Die echtere Wirklichkeit“ ist ein Roman, der weiterarbeitet, lange nachdem man ihn ausgelesen hat. Er ist fordernd, komplex, präzise – und zugleich ein großes Leseerlebnis. Für mich steht fest: Raphaela Edelbauer bleibt eine der wichtigsten Stimmen unserer Literatur.

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