Unter ulkigen UngeheuernAm nacktesten glänzt die Verzweiflung: Das gilt für Ulrich Seidl und sein "Paradies: Glaube" ebenso wie für "Izmena" von Kirill Serebrennikov, den ersten Höhepunkt des Filmfestivals in Venedig.
VENEDIG, 31. August
Dem russischen Regisseur Kirill Serebrennikov ist ein böser Ehebruchstraum in die Erotikfritteuse gefallen. Mit offenbar schmerzunempfindlichen, jedenfalls sicheren Händen hat er ihn rausgefischt und in schwarzem Witz schockgefroren, damit bizarre Zacken hervorstehen. Jetzt lässt er das Ding in Venedig zeigen, damit es einen Preis gewinnt. Soll es: "Izmena" ist eine kleine, glasklare und steinharte Kostbarkeit.
Der misanthropische Kriechstrom, der die ärztlichen Behandlungszimmer, scheußlichen Hotels, lächelnden Leichen und seltsamen Wälder (samt dämonischem Tierkopf aus Erz) in diesem Film verzaubert, singt vor seltenen Qualitäten. Franziska Petri als vom Wahn gewürgte Heldin voll Frustration, Rachedurst und Hochmut ist ein berauschender Anblick. Ganz selten spielt Musik auf, die dafür dann aber in so ozeanisch orchestrierte Wallungen gerät, dass ein weniger präzise durchgerechneter Plot …