Virginia Woolfs kurzer Roman von 1925 schildert den Ablauf eines
Tages im Leben von Clarissa Dalloway - darin Joyces
"Ulysses" vergleichbar, aber weit zugänglicher als
dieser. An einem warmen Junitag im Jahr 1923 geht Mrs. Dalloway
früh am Morgen aus dem Haus, um Blumen zu kaufen für die
Abendgesellschaft, die sie an diesem Tag geben wird. Die Handlung
wird skandiert durch die Glockenschläge von Big Ben. Neben den
äußeren Ereignissen spielen Gedanken, Gefühle und Erinnerungen der
oft nur locker miteinander verbundenen Romanfiguren eine große
Rolle. Durch die Verwendung neuer Erzähltechniken - erlebte Rede,
innerer Monolog - gelingt es Woolf, diese Bewusstseinsvorgänge mit
großer Unmittelbarkeit und Intensität zu gestalten. Dies gelingt
auch der neuen Übersetzung von Hans-Christian Oeser.
Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 in London geboren und wuchs im großbürgerlichen Milieu des viktorianischen England auf. Der Tod ihrer Mutter 1895 und ihrer älteren Schwester führte zu einer schweren psychischen Krise, deren Schatten sie nie mehr loslassen sollten. 1912 heiratete sie Leonard Woolf. Zusammen gründeten sie 1917 den Verlag The Hogarth Press. Bereits in jungen Jahren bildete sie gemeinsam mit ihrem Bruder den Mittelpunkt der intellektuellen "Bloomsbury Group". Ihr Haus war eines der Zentren der Künstler und Literaten der Bloomsbury Group. Ihre Romane zählen zu den Meilensteinen moderner Literatur. Zugleich war sie eine der einflußreichsten Essayistinnen ihrer Zeit. Aus Furcht, geistig zu umnachten, nahm sie sich am 28. März 1941 nach einem Bombenangriff das Leben.
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