Die Umgangsformen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, die
symbolischen Darstellungsweisen der bürokratischen Subordination
haben sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts grundlegend gewandelt.
Der militärisch geprägte Ton der Kaiserzeit ist Stilmustern von
partnerschaftlichen Beziehungen gewichen, Personalführung wird
zunehmend als verständnisvolle Kommunikation in Szene gesetzt. In
diesem Buch werden Erscheinungsweisen und Ursachen dieses
Formenwandels rekonstruiert und drei Entwicklungsstadien seit 1933
identifiziert: die Remilitarisierung im Nationalsozialismus, die
Versachlichung in der frühen Bundesrepublik und die
Psychologisierung der Führungskommunikation nach 1970. Die
Inszenierung hierarchischer Über- und Unterordnung hat sich
entsprechend verfeinert: von demonstrativem über ostentatives hin
zu informalisiertem Subordinationsgebaren. Die Analyse macht darauf
aufmerksam, daß das Passungsverhältnis zwischen hierarchischer
Struktur und Führungskommunikation eine offene und bisher
unterschätzte Problematik von Personalführung darstellt. Die mit
Reorganisation und Hierarchieabbau verbundenen Unsicherheiten sind
nicht zuletzt auf Unklarheiten der Handhabung von
Subordinationsbeziehungen zurückzuführen.