"My name is Stephen Frears and I make westerns". Verkehrte Welt in Hollywood, hat doch Sam Peckinpahs bis zu seinem Tod 1984 vergeblich gehegtes Lieblingsprojekt ausgerechnet bei einem Briten seine Heimat gefunden. Der zeigt sich der Verantwortung bewußt, inszeniert seinen Neowestern über zwei Männer, deren Freundschaft den Test einer Liebe zur gleichen Frau bestehen muß, als wehmütiges, vertraute Standards zitierendes Genrefazit. Ein mäßig origineller, aber in sich ruhender Film, der sich in Sujet und Erzähltempo gegen den Zeitgeschmack stemmt und so kommerziell mit Widerstand rechnen muß.
Max Evans veröffentlichte "The Hi-Lo-Country" 1961, zählte zu Peckinpahs engsten Freunden und sah mit ihm zahllose Drehbuchentwürfe seines Romans scheitern. Bis Walon Green, Autor von "The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz", im Auftrag von Produzent Martin Scorsese (ringt schon jahrelang mit sich, selbst einen Western zu drehen) eine Fassung erstellte, die dem Geist der Vorlage treu blieb. Wohl auch nach Peckinpahs Geschmack ist Greens Adaption eine Liebeserklärung an und Abgesang auf das Genre, eine Ode an Männerfreundschaften und deren einzige Bedrohung, die Liebe zu einer Frau. Ein melancholischer Blick auf einen Lebensstil, der von der Zeit überrollt wird. Ein klassisches Opening setzt den Ton, als Einzelgänger Pete (starker, sich zurücknehmender Akteur: Billy Crudup), mörderische Entschlossenheit ins Gesicht gemeißelt, mit dem Gewehr auf sein Opfer wartet, dessen Identität erst am Ende preisgegeben wird. Zwischen dieser erzählerischen Klammer breitet sich in einem Rückblick die Freundschaft Petes zum Hitzkopf Big Boy Watson (in seinem Element: Woody Harrelson) und das vertraute Leben der Cowboys aus, das von Whisky, Weib und den Wonnen von Viehtrieb und Schlägereien ausgefüllt wird. Die Bedrohung baut sich dann an mehreren Fronten auf: Die Ära kleiner Viehzüchter ist nach dem Zweiten Weltkrieg abgelaufen, ein Großgrundbesitzer (Westernveteran Sam Elliott) kontrolliert das Geschäft und die Menschen, und die mit seinem Vorarbeiter verheiratete Mona (etwas blaß: Patricia Arquette) wird zum nicht gerade diskreten Objekt der Begierde der Freunde. Wie eine Wunschliste hakt Frears im kinogerechten Cinemascope die Konventionen des Genres ab (Poker, Rodeos, verruchte und heilige Mädchen, besonnene und überdrehte Männer etc.), etabliert mit Ruhe Figuren und Konflikte, entwickelt dann aber seinen Film in eine vom Zuschauer nicht unbedingt erwartete Richtung. Das finale Begräbnis, selbst ein Eckpfeiler des Genres, spiegelt die Stimmung des Verfalls, der in Teilen des Landes, über das der Wind widerstandslos hinwegfegt, längst eingesetzt hat und der auch vor einer lange gepflegten Lebenstradition nicht Halt machen wird. Wie Frears Film einerseits qualitativ, andererseits ökonomisch einzuordnen ist, könnte im Titel (High Low) vorgezeichnet sein. kob.
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