• Buch mit Leinen-Einband

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Die ganze Welt in einem Buch. "Bücher sind der Eingang zur Welt", konstatierte einst Stefan Zweig - das gilt für diesen Folioband in ganz besonderem Maße. Denn er stößt das Tor zu zweieinhalbtausend Jahren Weltgeschichte auf und führt uns rund um die gesamte Erde. In Dantes Göttlicher Komödie führt Vergil den Leser durch die Hölle; in diesem Großband nehmen uns Autoren wie Xenophon, Cäsar, Plinius, Petrarca, Ibn Battuta,Kolumbus, Voltaire, Goethe, Heine, Stendhal, Burton, Boveri, Capote, Frisch, Márquez, Eco und Enzensberger bei der Hand und geleiten durch die großen Ereignisse und Umbrüch…mehr

Produktbeschreibung

Die ganze Welt in einem Buch. "Bücher sind der Eingang zur Welt", konstatierte einst Stefan Zweig - das gilt für diesen Folioband in ganz besonderem Maße. Denn er stößt das Tor zu zweieinhalbtausend Jahren Weltgeschichte auf und führt uns rund um die gesamte Erde. In Dantes Göttlicher Komödie führte Vergil den Leser durch die Hölle; in diesem Großband nehmen uns Autoren wie Xenophon, Cäsar, Plinius, Petrarca, Ibn Battuta,Kolumbus, Voltaire, Goethe, Heine, Stendhal, Burton, Boveri, Capote, Frisch, Márquez, Eco und Enzensberger bei der Hand und geleiten durch die großen Ereignisse und Umbrüche ihrer Zeit, berichten, was sie mit eignen Augen sahen. Hier sind die großen Reportagen und Augenzeugenberichteder Weltliteratur in einem prächtigen Folioband versammelt und ergänzt mit ganzseitigen Fotoreportagestrecken, deren jüngste die entlassenen Angestellten von Lehman Brothers beim Finanzcrash von 2008 zeigt. Das Buch ist nicht nur die Ehrenrettung der Reportage, einer im deutschsprachigen Raum noch immer verkannten Form der Literatur. Es tut gerade jetzt auch dringend not.
Denn was könnte es für den Zeitgenossen in Krisenzeiten Lehrreicheres geben, als bei den epochalen Umbrüchen früherer Jahrhunderte und Jahrtausende dabei gewesen zu sein?
Dabei: deutsche Erstveröffentlichungen und Erstabdrucke in Buchform, z. B. Ibn Khaldun: Bei Tamerlan; Mr. und Mrs. Bishop: Der Untergang der Titanic; Janet Flanner: Hitlers Stimmbänder; Jean Lacotoure: In Hanoi bei Onkel Ho; James Fenton: Der Fall von Saigon; Hubert Fichte: Voudou; Ian Buruma:Benazir Bhuttos Pakistan; Sophia Woodman: Chinas schmutzige Wäsche; Karl Markus Gauß: Bártok-Béla-Express; Hans Magnus Enzensberger: Ach Deutschland!
  • Produktdetails
  • Verlag: Galiani, Berlin
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 681
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 683 S. m. Fotos.
  • Deutsch
  • Abmessung: 314mm x 135mm x 51mm
  • Gewicht: 2574g
  • ISBN-13: 9783869710013
  • ISBN-10: 3869710012
  • Best.Nr.: 26433261

Autorenporträt

Georg Brunold wurde 1953 in Arosa/Graubünden geboren. Nach dem Studium der Philosophie in Zürich zog er 1983 nach Kairo. Für die "Neue Züricher Zeitung" war er mehrere Jahre als Afrika-Korrespondent tätig. Heute lebt er als Redakteur der Zeitschrift "du" in Zürich.

Rezensionen

Besprechung von 23.09.2009
Ein Bekenntnis zum gedruckten Buch

Reportagen und Augenzeugenberichte aus 2500 Jahren: Georg Brunold versammelt in diesem Großwerk Texte von Herodot bis Hemingway. Ein imposanter Aufgalopp des neuen Verlags Galiani Berlin.

Man wird es nicht gerade bescheiden nennen: das erste Programm des neuen Verlags Galiani Berlin, ein auf Eigenständigkeit bedachter Imprint von Kiepenheuer & Witsch. "Nichts als die Welt" lautet der Titel des großformatigen Siebenhundertseiters, mit dem die früheren Eichborn-Lektoren und heutigen Galiani-Leiter Wolfgang Hörner und Esther Kormann einen markanten Auftakt setzen: ein Bekenntnis zum gedruckten Buch, zur alten Bibliothek im Zustand ihrer Bedrohung durch Dematerialisierung im Datenmeer. So edel wie auf diesem feinen Papier wird die grazile Type "Custodia" auf keinem noch so teuren E-Ink-Display erscheinen.

Die Idee: Würde man das Internet anzapfen und den ausgedruckten Papierstapel dann nach Kriterien der Bedeutung auf ein kleines Häuflein reduzieren, dann könnte das, was übrigbleibt, diesem Band sehr nahe kommen: Einhundertvierundsechzig Reportagen von Weltgeltung aus zweieinhalb Jahrtausenden sind in ihm versammelt. Ergänzt werden sie durch zwölf herausragende Fotoreportagen, eröffnet mit jenen beeindruckenden Bildern aus dem laotischen Dschungel, mit denen Philip Blenkinsop im Jahr 2003 erstmals das einst für die CIA kämpfende und nun von der laotischen Regierung verfolgte Bergvolk der Hmong der Öffentlichkei vor Augen führte.

Der Inhalt: Zeitreisen verspricht uns das Vorwort, das ein Plädoyer für die in Schriftform gespeicherte Zeitzeugenschaft darstellt - in Abgrenzung zum modernen Roman, weil Ersterer nicht nur bedeutend älter ist, sondern auch "alle Aussichten hat, diesen zu überleben": der Augenzeuge als das wahrste aller Medien. Dass die klare Grenzscheide zwischen Non-Fiction und Fiktion selbst fiktiv ist, weiß Brunold aber durchaus: "Dafür, dass selbst die Reportage unweigerlich fabuliert, sorgt ihr Stoff." Und großzügig vereint der Herausgeber die disparatesten Gattungen unter dem Dach der Reportage, darunter Annalen, Chroniken, Berichte antiker Geographen und Auszüge aus größeren Gesamtdarstellungen.

Dabei leitet ihn allein der Gesichtspunkt der historischen Evidenz, denn jede Epoche ist zunächst unmittelbar zu sich selbst, ist wahr, auch wenn ihre Ereignisse später anders überschrieben werden sollten. Geschichte, heißt es im Vorwort, habe jede Epoche nötig: "Nur die Türkenherrschaft und der britische Imperialismus vor dem Hintergrund der Kreuzzüge und des Mongolensturms können uns das Gedankengut militanter Islamisten der Gegenwart aufschlüsseln." Das ist klug formuliert: Es geht nicht um Verstehen im Sinn von Legitimieren - der britische Imperialismus erklärt nicht den heutigen Islamismus -, sondern um die gute alte Hermeneutik, um Verständnis anderer Weltsichten durch Horizontverschmelzung.

Dieser größte gemeinsame Horizont nimmt unter Abbitteleistung für den okzidentalen Blick einmal mehr seinen Ausgang bei den alten Griechen. Herodots Beschreibung der Ägypter ist verbürgt durch das Reporter-Ich und sucht die Nähe zum Gegenstand sowie die charakteristischen Differenzen: "Die Männer tragen die Lasten auf dem Kopf, die Frauen auf den Schultern. Den Urin lassen die Frauen im Stehen, die Männer im Sitzen." Nichts von Schlachten, dem Einzelnen begegnet die Geschichte immer als Mentalitätsgeschichte. Über Thukydides, Hippokrates, Platon und Polybios geht es zu den Römern und dann in einem siebenhundert Jahre überquerenden Sprung von Pausanias zu Einhard - allerdings mit einem höchst interessanten Zwischenschritt: dem Bericht des Priskos von Panion über den vollendet diplomatischen Empfang beim Hunnenkönig Attila im Jahre 449.

In Siebenmeilenstiefeln durchquert der Leser nun die Weltgeschichte, und zwar stets in der Erlebnisperspektive, nie in olympisch-historiographischer Distanz. Dabei hat Brunold neben vielen Klassikern - von Marco Polo über Kolumbus, Defoe, Swift, Voltaire, Goethe, Stendhal, Heine, Wagner, Whitman bis zu Wilde, Kisch, Orwell, Genet, Frisch, Canetti, Arendt, Hemingway, Capote, Wallraff, Eco - auch zahlreiche Texte hierzulande vielleicht weniger bekannter Autoren aufgenommen.

Zu ihnen zählt auch der britische Reiseschriftsteller Norman Lewis, der im überdeterminierten Jahr 1945 nicht aus den noch glimmenden Überresten Zentraleuropas berichtet, sondern von einer den Eigentumsgedanken ad absurdum führenden Mentalität im Süden: "Nichts ist zu groß oder zu klein, um nicht von den neapolitanischen Langfingern abgeholt zu werden - vom Telegrafenmast bis zur Penizillinkanüle. Da gab es ein Orchester, das vor ein oder zwei Wochen in San Carlo spielte. Das Publikum hatte sich übrigens in der Mehrzahl mit Decken der alliierten Militärhospitäler eingekleidet. Als die Spieler nach einer Zwischenpause von fünf Minuten zu ihren Plätzen zurückkehrten, waren ihre Instrumente verschwunden." Aber natürlich finden aus diesem Jahr 1945 auch Primo Levis und Martha Gellhorns Berichte aus den Konzentrationslagern, Margret Boveris Aufzeichnungen über den Einmarsch der Russen in Berlin und Marcel Junods Hiroshima-Reportage vierunddreißig Tage nach dem Bombenabwurf Eingang in die Sammlung.

Zu allen Zeiten erfüllte der Kompilator eine ehrenwerte Aufgabe im Dienste des Wissens, auch wenn er bereits in der Antike - einem rhetorischen Topos gemäß - die Vermessenheit zurückwies, selbst als Autor auftreten zu wollen. In diese Tradition hat sich Georg Brunold, obwohl ein renommierter Autor, mit diesem Großwerk gestellt. Auch er hat freilich schreibend beigetragen und eine mehr als sechzig Seiten umfassende "Bibliothek des Reporters" verfasst, die in dreißig Kapitel wie "Der böse Blick" oder "Die Menschheit" unterteilt ist, deren Einbezug sich aber doch nicht ganz erschließt. Letztlich handelt es sich um ein ausführlich kommentiertes Weltliteraturverzeichnis mit leichter Neigung in Richtung von Dietrich Schwanitz' "Bildung", gewinnbringend zu lesen zweifellos, und doch hätte man vielleicht lieber noch zwanzig weitere Reportagen vorgefunden. Als Einwand gegen dieses Unternehmen ist das aber nicht zu nehmen. Wann fällt einem schon ein Buch in die Hand, das schlicht perfekt ist?

OLIVER JUNGEN

Georg Brunold (Hrsg.): "Nichts als die Welt". Reportagen und Augenzeugenberichte aus 2500 Jahren. Verlag Galiani Berlin, Berlin 2009. 684 S., geb., Abb., 85,- [Euro].

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Besprechung von 30.12.2009
Sachbücher des Monats Januar
Empfohlen werden nach einer monatlicherstellten Rangliste Bücherder Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie angrenzender Gebiete.
1. MARK MAZOWER: Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Übersetzt von Martin Richter. C.H.Beck Verlag, 666 Seiten, 34 Euro.
2. ALEXANDER DEMANDT: Alexander der Große. Leben und Legende. C. H. Beck Verlag, 655 Seiten, 29,90 Euro.
3. MARTIN SABROW (Hrsg.): Erinnerungsorte der DDR. C. H. Beck Verlag, 619 Seiten, 29,90 Euro.
4.-5. KAI BIRD, MARTIN J. SHERWIN: J. Robert Oppenheimer. Die Biographie. Propyläen Verlag, 672 Seiten, 29,95 Euro.
AVRAHAM BURG: Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff. Campus Verlag, 280 Seiten, 22,90 Euro.
6. WILFRIED STROH: Die Macht der Rede. Eine kleine Geschichte der Rhetorik im alten Griechenland und Rom. Ullstein Verlag, 608 Seiten, 22,95 Euro.
7.-9. CLAUDIA BENTHIEN, MANUELA GERLOF (Hrsg.): Paradies. Topografien der Sehnsucht. Böhlau Verlag, 274 Seiten, 27,90 Euro.
JACOB BURCKHARDT: Geschichte des Revolutionszeitalters. Hrsg. von Wolfgang Hardtwig e.a., C. H. Beck Verlag, 1683 Seiten, 268 Euro.
ROBERT MENASSE: Permanente Revolution der Begriffe. Essays. Edition Suhrkamp, 123 S., 9 Euro.
10. ARMIN WOLF: Homers Reise. Auf den Spuren des Odysseus. Böhlau Verlag, XIV, 424 Seiten, völlig überarbeitete Neuauflage 2009, 34,90 Euro. />Besondere Empfehlung des Monats Januar von Wolfgang Ritschl:
GEORG BRUNOLD (Hrsg.): Nichts als die Welt. Reportagen und Augenzeugenberichte aus 2.500 Jahren. Galiani Berlin Verlag, 688 Seiten, 85 Euro.
Die Jury: Rainer Blasius, Eike Gebhardt, Fritz Göttler, Wolfgang Hagen, Daniel Haufler, Otto Kallscheuer, Matthias Kamann, Petra Kammann, Guido Kalberer, Elisabeth Kiderlen, Jörg-Dieter Kogel, Hans Martin Lohmann, Ludger Lütkehaus, Herfried Münkler, Wolfgang Ritschl, Florian Rötzer, Johannes Saltzwedel, Albert von Schirnding, Norbert Seitz, Eberhard Sens, Hilal Sezgin, Volker Ullrich, Andreas Wang, Uwe Justus Wenzel.
Redaktion: Andreas Wang (NDR Kultur)
Die nächste SZ/NDR/BuchJournal-
Liste der Sachbücher des Monats erscheint am 30. Januar.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Oliver Jungen imponiert die erste Veröffentlichung des neuen Verlags Galiani Berlin, einem Imprint von Kiepenheuer & Witsch. So sind die ausgewählten Reportagen und Fotoreportagen, die in der knapp 700 Seiten starken Sammlung enthalten sind, nach Jungens Urteil alle von Weltgeltung. Allerdings hätte er dem Band - ohne dies als Einwand gegen das Buch zu sehen - gerne noch zwanzig Reportagen hinzugefügt. Lobend durchquert Jungen mithilfe des Buches die Weltgeschichte von den antiken Griechen bis zur Gegenwart und freut sich gerade über die Reportagen abseits der großen Ereignisse, beispielsweise über den Bericht eines Orchesters, dem 1945 während einer Auftrittspause in San Carlo noch die Instrumente gestohlen werden. Dem Herausgeber Georg Brunold spricht Jungen seine Anerkennung aus: "Zu allen Zeiten erfüllte der Kompilator eine ehrenwerte Aufgabe im Dienste des Wissens".

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