In langjähriger Arbeit hat Christoph Geisselhart die Geschichte der
Gruppe ausführlich nachgezeichnet. Hier kommen alle zu Wort. Der
intellektuelle, stets nach spiritueller Erleuchtung suchende
Gitarrist Pete Townshend. Der hemdsärmelige, bodenständige Sänger
Roger Daltrey. Der musikalisch versierte schweigsame Bassist John
Entwistle. Der instabile, ausgeflippte, kindische, herzliche
Powerdrummer Keith Moon. Der schwule Manager Kit Lambert, der wie
Moon am Heroin zugrunde ging. Das legendäre Groupie Pamela Des
Barres. Freunde, Geschäftspartner, Roadies, der Tourmanager. Und
natürlich die Fans: Albert Trentmann und Christian Suchatzki aus
Deutschland, Alex Kipfer und Werni Grieder aus der Schweiz um nur
vier von vielen zu nennen. Irish Jack, der größte Fan von allen und
einer der ersten überhaupt, hat ein Nachwort geschrieben.
Als sie sich in den frühen Sechzigern zusammentaten, wollten sie
eine Band für die Mods sein, für jenen Teil der britischen Jugend,
der die Woche über brav arbeitete oder zur Schule ging, um sich
feine, modische Klamotten fürs Wochenende kaufen zu können und mal
richtig über die Stränge zu schlagen, bevor am Montagmorgen wieder
der graue Alltag Einzug hielt. Die Mods waren eine Jugendbewegung
der Sechziger, und kaum jemand hätte damals, als sie noch ganz am
Anfang standen, den vier Musikern von The Who jenseits dieser Mode
überhaupt eine Zukunft zugetraut. Doch erst kämpften sie sich unter
Einsatz aller Mittel nach oben, dann kamen die Hits wie "My
Generation", "Happy Jack", "Substitute",
"Magic Bus", "Pinball Wizard", "Won't
Get Fooled Again" oder "Behind Blue Eyes" - und dann
hielten sie sich an der Spitze. Jahrelang, jahrzehntelang. Selbst
neben Beatles, Rolling Stones und Pink Floyd sind The Who
schlichtweg die Größten.
Davon ist Christoph Geisselhart überzeugt, und in
seinermonumentalen Bandbiografie weiß er diese Einschätzung mit
Sachkenntnis bis ins letzte Detail zu untermauern. Geisselhart
beantwortet die Frage, die sich staunenden Beobachtern über die
Jahre immer wieder stellte: Wie kann es sein, dass ausgerechnet
diese vier so unterschiedlichen Charaktere, die sich bisweilen auf
offener Bühne gegenseitig verprügelten, so lange Zeit als
Rockgruppe durchhielten? Und wie war es möglich, dass der Mythos
"The Who" größer wurde als die bisweilen triste
Wirklichkeit und deshalb sogar nach dem Tod zweier Mitglieder
weiterlebte?
Der erste Teil von Maximum Rock, der im Herbst 2008 erschienen ist,
erzählt die Geschichte der Band von den allerersten Anfängen bis
zum Jahr 1971, als The Who mit dem Album Who's Next ihr
Meisterwerk ablieferten. Im zweiten Teil erreichte das Quartett
auch wirtschaftlich den Zenith; regelmäßige Konzerttourneen in den
größten Stadien der USA sorgten dafür, dass das Unternehmen für
alle Beteiligten gewaltigen Profit abwarf.
Doch die siebziger Jahre waren überschattet vom unaufhaltsamen
Niedergang und Verfall des Schlagzeugers Keith Moon, der sich mit
seinem übermäßigen Drogen- und Alkoholkonsum das eigene Grab
schaufelte. Seine tragische Geschichte zieht sich wie ein
unheilvoller roter Faden durch die erste Hälfte des zweiten Bandes.
Als "Moon the loon" 1978 starb, schien das Ende
tatsächlich gekommen.
Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle machten gleichwohl
weiter.
The Who überstanden die achtziger Jahre, besiegten die
Midlife-Crisis und rafften sich in den Neunzigern zu neuer
Bühnenaktivität auf, selbst auf die Gefahr hin, zu einer
"Tribute-Band" ihrer selbst zu werden, wie Mastermind
Townshend kritisch anmerkte. Der Erfolg gab ihm Unrecht. The Who
bestätigten ihren Ruf als großartige Liveband bis ins dritte
Jahrtausend. Nicht einmal der überraschende Tod von Bassist
Entwistle am Vorabend der US-Tournee 2002 konnte der Band, die
stets mehr war als die Summe ihrer Mitglieder, etwas anhaben.