Weimar - Büttner, Ursula

Ursula Büttner 

Weimar

Die überforderte Republik 1918-1933. Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur

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Produktbeschreibung zu Weimar

Zum ersten Mal gelingt es, alle Facetten der Weimarer Republik in einem Standardwerk zu bündeln: Parteien, Gewerkschaften, Ideologien, (Welt-)Wirtschaft, die dramatischen Ereignisse, die Höhepunkte der Kultur-, Gesellschafts- und Wissenschaftsgeschichte. Dass die Demokraten die Republik den Ideologen überließen, ist ihre Tragik.

Das Trauma des Versailler Vertrages, die hohen Reparationen, das Desaster der Inflation, die agitatorische Unausgewogenheit und bedenkliche Zersplitterung der Parteien, die zahllosen Regierungskrisen und rasch wechselnden Kabinette, die Weltwirtschaftskrise 1929 bis hin zur Präsidialdemokratie: Ursula Büttner vermeidet bewusst, dieses kaum 14 Jahre dauernde Stakkato dramatischer und traumatischer Ereignisse mit seinem Ende gleichzusetzen.
Denn die Weimarer Republik, so ihre entschiedene These über die erste deutsche Demokratie, hätte nicht in den 30. Januar 1933 münden müssen.
Im Brennglas dieses einzigartigen Überblicks verdeutlichen Details und Zäsuren, wie sehr die erste deutsche Demokratie überfordert war: Von undemokratischen wie ideologischen, von konservativen wie revisionistischen Kräften, von links wie rechts missbraucht, wurde sie Beute der Skrupellosen.

Produktinformation


  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 864 S. m. 44 Ktn.
  • Seitenzahl: 864
  • Deutsch
  • Abmessung: 234mm x 167mm x 51mm
  • Gewicht: 1356g
  • ISBN-13: 9783608943085
  • ISBN-10: 3608943080
  • Best.Nr.: 23871231
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.10.2008

Kurzes Friedensintermezzo
Unaufgeregt schildert Ursula Büttner die Weimarer Republik
„Der Krieg geht weiter”, notierte Thomas Mann Anfang März 1918 im Manuskript seiner „Betrachtungen eines Unpolitischen”. Russland hatte sich gerade, geschwächt von den revolutionären Umwälzungen, aus dem europäischen Waffengang zurückziehen müssen. Es sah so aus, als könnte das Deutsche Reich noch einmal den Vorstoß in Frankreich wagen, wo seit Jahren die Stellungen unverrückt standen. Durch die unerwartete Wende hatte sich der Krieg einen weltgeschichtlichen Rang erkämpft: „Der Krieg geht weiter; denn das ist kein Krieg. Das ist eine historische Periode, die währen mag wie von 1789 bis 1815 oder auch wie von 1618 bis 48”. Tatsächlich: der Krieg in Deutschland dauerte bis 1923. Nur, dass er sich ins Landesinnere verlagerte, in einen Kampf der Zivilisten, Parteien, Putschisten und Freischärler verwandelte. Fünf Jahre hatte die „Weimarer Republik” bereits existiert, als sich die inflationsgeschüttelte, kampfesmüde Gesellschaft erschöpft der Massenunterhaltung zuwandte.
Jene Frage, die Manns Prophezeiung aufruft, beschäftigt die historische …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Nach Ursula Büttner nutzte die Weimarer Republik die "Freiheit der Demokratie" dazu, eben diese abzuschaffen, stellt Christian Welzbacher fest, der hier nicht zuletzt die Arbeit der Hamburger Historikerin zum Thema seit den 70er Jahren gebündelt sieht. An "Aktualität" fehlt es dem Werk freilich nicht, versichert der Rezensent, der lediglich den interdisziplinären Ansatz, der im Vorwort versprochen wird, etwas zu kurz gekommen sieht. So lässt sich einem komplexen Thema wie der "Moderne" auf so knappem Raum unmöglich beikommen, moniert Welzbach. Dafür lässt er sich durch die mit einzelnen Querschnitten und Detailschilderungen angereicherte differenzierte chronologische Darstellung der politischen Ereignisse überzeugen und findet auch die Kurzporträts, mit denen die einzelnen Protagonisten geschichtlicher Ereignisse vorgestellt werden, sehr nützlich. Sprachlich allerdings lasse die Autorin äußerste Nüchternheit walten und verzichte auf erzählerische Elemente, bemerkt der Rezensent, der für das Bedürfnis nach dramatischeren Schilderungen zur Weimarer Republik auf andere Autoren verweist.

© Perlentaucher Medien GmbH

"... Ursula Büttners Neues Standardwerk "Weimar. Die überforderte Republik, 1918-1933" wird wohl ... "eine für lange uneinholbare Darstellung" dieser Epoche der deutschen Geschichte bleiben. ..." (Darmstädter Echo, 24.12.2008)

"... Derzeit bietet Büttner die beste greifbare, lesenswerte Darstellung, sich Weimar zu vergegenwärtigen." (Neue Westfälische, 29.11.2008)
Ursula Büttner, 1946 in Höxter/Weser geboren, studierte Geschichte und Germanistik in Hamburg, Heidelberg und Cambridge. Seit 1996 Professorin am Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte: Geschichte der deutschen Gesellschaft im 20. Jahrhundert.

Leseprobe zu "Weimar" von Ursula Büttner

26 Weimar: überforderte und mißbrauchte Demokratie

[...] Diese zunehmende Verfassungsloyalität sollte nicht gering geachtet werden: Mehr war von Menschen, die sich dem Kaisertum emotional eng verbunden gefühlt und von der sozio-politischen Gestalt des Bismarck-Reichs profitiert hatten, wenige Jahre nach seinem Untergang nicht zu verlangen. Die Reichstagswahl im Mai 1928 schien die Konsolidierung der Republik zu bestätigen. Allerdings bezahlten alle bürgerlichen Parteien ihre zeitweilige Regierungsbeteiligung mit Wählerverlusten, und in allen kam es daraufhin zu einer Kräfteverschiebung nach rechts. In der DNVP setzte sich der radikale, strikt antiparlamentarische alldeutsche Flügel durch. Auch die Haltung der Unternehmerverbände verhärtete sich wieder. Doch erst unter dem Druck der beginnenden Weltwirtschaftskrise fielen jene fatalen politischen Entscheidungen, durch die sich die offene Situation immer mehr zu einer schlechten, wenn auch bis zum Ende nie aussichtslosen Zukunftsperspektive für die Republik verengte. Erst jetzt entstand jenes Machtvakuum, das die Verächter der Demokratie in der Umgebung des Reichspräsidenten für ihre Zwecke ausnutzen konnten. Der NSDAP gelang ihr grandioser Aufstieg von der politischen Sekte zur mächtigen "Volkspartei des Protests" vor allem aus zwei Gründen: Die eine Ursache war, daß breite Bevölkerungsschichten den Staat für die Verletzung ihrer elementaren Interessen verantwortlich machten, die soziale Gerechtigkeit grob mißachtet sahen und sich von den etablierten Parteien nicht mehr repräsentiert fühlten. Dazu kam als zweite Ursache, daß die politischen und gesellschaftlichen Eliten die rechtsradikalen Staatsfeinde in Dienst zu stellen hofften, statt sie energisch zu bekämpfen. Bereits in der Agrarkrise der späten zwanziger Jahre zeichnete sich ab, daß die politische Mobilisierung der empörten Landbewohner überwiegend der NSDAP zugute kam. In der Weltwirtschaftskrise bestätigte sich dieser Trend in den Städten. Je mehr sich die sozialen Spannungen verschärften, desto attraktiver wurden die ideologischen Angebote der NSDAP : Wiederherstellung der "Volksgemeinschaft" unter einem starken, gerechten "Führer", Zähmung der Kapitalisten und Vernichtung der "Bolschewisten". Die Widersprüchlichkeit der Parolen bot den verschiedenen Schichten Anknüpfungspunkte für ihren Protest. Angstgeplagten Bürgern machte die bei Demonstrationen und Aufmärschen zur Schau gestellte Durchsetzungskraft der Nationalsozialisten Mut. Junge Menschen wurden durch die Dynamik der "Bewegung" in besonderer Weise angezogen, und dies wiederum schien der NSDAP in den Augen vieler Älterer die Zukunft zu verheißen.

1930, als der schwere Konjunkturrückschlag harte finanz- und sozialpolitische Einschnitte erzwang, sich jedoch noch nicht zu einer fundamentalen Wirtschaftskrise ausgeweitet hatte, kündigte sich die Gefährdung der Republik von rechts bei der Septemberwahl in der sprunghaften, gewaltigen Zunahme der NSDAP -Stimmen an. Aber noch stand weniger als ein Fünftel der Wähler im nationalsozialistischen Lager. Die Bildung einer parlamentarisch verankerten Mehrheitsregierung unter Ausschluß der extremen Flügelparteien NSDAP , DNVP und KPD war weiterhin möglich und wurde nicht nur von demokratischen Politikern und Staatsrechtlern, sondern im Interesse politischer Stabilität zunächst auch von der Führung des Reichsverbands der deutschen Industrie gefordert. Dieser Weg setzte allerdings einen über alle Interessengegensätze hinwegreichenden Konsens voraus, die demokratische Verfassung unbedingt zu erhalten, und diesen Konsens gab es nicht. Vielmehr entschlossen sich die konservativen Machteliten jetzt, dauerhaft gegen die stärkste demokratische Partei, die SPD , zu regieren und vom parlamentarischen zum autoritären System überzugehen. Anders als ihre Vorgänger 1923 mißbrauchten sie die Notstandsbestimmungen der Verfassung, um die Verfassungswirklichkeit grundlegend zu verändern.

Den Spielraum, den die Reichsregierung durch die weitgehende Lösung vom Parlament und von den dort vertretenen gesellschaftlichen Kräften gewann, nutzte sie unter Brüning, um ohne Rücksicht auf die Volksstimmung eine rigorose Politik des Gesundschrumpfens und Großhungerns zu betreiben. Im Vertrauen auf den vermeintlich sicheren Rückhalt beim Reichspräsidenten glaubte der Kanzler, die wachsende Verzweiflung und politische Radikalisierung großer Teile der Bevölkerung ignorieren zu können. Weder die verbreitete, immer heftigere Kritik der Wirtschaftspolitik in der Presse noch die zunehmenden Warnungen von Wirtschaftsexperten noch die Abwendung wichtiger Interessengruppen, wie im Herbst 1931 der Industrieverbände und der DVP , konnten ihn zum Aufgeben der krisenverschärfenden Deflationspolitik bewegen. Dabei war ein solcher Kurswechsel inzwischen möglich, wie die Regierung Brüning durchaus erkannte. Aber wegen ihrer übergeordneten Ziele hielt sie an ihrer verhängnisvollen prozyklischen Finanzpolitik fest. Zuerst sollte Deutschland die Streichung der Reparationen erreichen und sich darüber hinaus unter Opfern eine gute Ausgangsposition verschaffen, um nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise zu neuer Größe aufzusteigen. Auf die verzweifelte Proteststimmung im Land reagierte Brüning ebenso verständnislos wie auf den Zusammenbruch der "Heimatfront" am Ende des Ersten Weltkriegs. Es gehöre "zu den Eigenheiten des deutschen Volkes", so meinte er wenige Wochen vor seinem Sturz, kurz vor dem Ziel "den Mut zu verlieren und zusammenzuklappen". Sein Gesprächspartner, Staatssekretär Hans Schäffer , sah die Ursache für das drohende Scheitern der Regierung realistischer: Weil die Führer mit ihren Zielen die Kräfte des Volkes überforderten, würden immer wieder aus möglichen Erfolgen Niederlagen.

Was in den letzten acht Monaten der Republik folgte: Papens Projekt des "Neuen Staats" und Schleichers "Querfront"-Konzeption, waren aussichtslose Versuche politischer Dilettanten. Die Ansätze zur Restauration älterer Strukturen in der Ära Brüning wurden hemmungslos übersteigert: Statt wie Brüning das Parlament auf die passive Rolle der Duldung der Regierungsarbeit zu beschränken, trat Papen gegen 90 % der Abgeordneten zum Kampf an. Statt die Verfassung durch eine fragwürdige Interpretation heimlich zu verbiegen, proklamierte er offen den "Neuen Staat" nach Ideen der "Konservativen Revolution". Statt die SPD mit Hilfe des Notstandsartikels von der Reichsregierung fernzuhalten, beging er eindeutigen Verfassungsbruch, um sie in Preußen aus der Regierung zu entfernen. Statt Sozialleistungen und Löhne stark zu reduzieren, trieb das Kabinett Papen die Arbeitslosen und viele Arbeiter in die Armut. Statt nur besondere Rücksicht zu genießen, wurden Landwirte und Unternehmer unter Papen kraß bevorzugt. Die konservativen Retter Deutschlands wollten das Volk einen und trieben es an den Rand des Bürgerkriegs. Sie wollten den Staat aus dem Griff der Parteien und Interessengruppen befreien und lieferten ihn dem skrupellosesten Parteiführer aus.

Die Weimarer Republik mußte in der kurzen Zeit ihres Bestehens mit enormen Schwierigkeiten fertig werden. Wegen ihrer großen strukturellen "Vorbelastungen", der vielfältigen sozialen Spannungen, der Schwächen ihrer Eliten und der überzogenen Erwartungen ihrer Bürger war sie dafür schlecht gerüstet. Den letzten Stoß aber erhielt sie durch den revisionistischen Ehrgeiz einer konservativen politischen Führung, die seit der Ära Brüning inmitten einer dramatischen Wirtschafts- und Staatskrise danach strebte, die außen- und innenpolitische Niederlage von 1918 zu überwinden.

1 Tendenzen und Aufgaben der Forschung

Die Weimarer Republik gehörte schon bald, nachdem sie untergegangen und damit Geschichte geworden war, zu den bevorzugten Gebieten der jungen zeithistorischen Forschung. Sobald eine unabhängige wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Periode möglich war, bemühten sich Historiker und Politologen intensiv, Klarheit über die Entwicklung und die Probleme der ersten deutschen Demokratie zu gewinnen. Inzwischen liegen viele tausend Titel vor, die kaum noch erfaßt , geschweige denn gewürdigt werden können. Hier werden deshalb nur wichtige Tendenzen des Forschungsgangs skizziert und einige Wissenslücken aufgezeigt, die trotz aller Bemühungen noch immer bestehen. Zur genaueren Information sei auf die neuen Forschungsberichte von Andreas Wirsching und Dieter Gessner sowie den unübertroffenen Überblick von Eberhard Kolb verwiesen. 1

Bereits im Exil und vereinzelt in der "inneren Emigration" versuchten linksdemokratische und sozialistische Autoren, sich in Gesamtdarstellungen der Chancen der Republik zu vergewissern und die Gründe für ihr Scheitern zu erkennen. Indem sie die ihnen zugänglichen gedruckten Quellen im Licht ihrer politischen Erfahrungen deuteten und ihre Erklärungen mit ehemals einflußreichen "Zeitzeugen" diskutierten, kamen sie zum Teil zu bemerkenswerten Ergebnissen. Der Professor für Alte Geschichte, Arthur Rosenberg, aktives Mitglied der USPD und später, bis 1928, der KPD , von 1924 bis zu diesem Jahr deren Reichstagsabgeordneter, hatte schon 1928 eine Studie über Die Entstehung der Deutschen Republik aus dem Zusammenbruch der Gesellschaft des Kaiserreichs veröffentlicht und ließ ihr 1934 eine Geschichte der Deutschen Republik folgen. Deren Ende setzte er bereits für 1930 mit dem Übergang zum Präsidial regime an; denn nach seiner Überzeugung hatte "der Januar 1933 prinzipiell in Deutschland nichts Neues gebracht, sondern nur in außerordentlicher Verschärfung die gleichen Tendenzen hervortreten lassen, die schon seit Brünings Notverordnungen von 1930 maßgebend waren". 2 In der Spaltung der Arbeiterbewegung sah er den entscheidenden Grund dafür, daß sie die fortschreitende Aushöhlung der demokratischen Institutionen nicht hatte verhindern können. Nach der Wiederauflage des Buches in Deutschland 1955 wurde es zu einem Klassiker. Ein anderer Politiker vom demokratischen Flügel der USPD , der Rechtsanwalt und spätere SPD -Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg, Carl Herz, betonte in seiner Geschichte der Weimarer Republik vor allem die Fehler der SPD ; er fand für seine zornige Abrechnung aber weder im Exil noch in Deutschland einen Verleger. 3 Dagegen ging es dem einstigen Chefredakteur des Vorwärts , Friedrich Stampfer, in seinem 1936 in den U SA und 1947 in Deutschland erschienenen Buch Die vierzehn Jahre der Ersten Deutschen Republik besonders darum, die demokratischen Politiker Weimars gegen die Schmähungen der siegreichen Nationalsozialisten in Schutz zu nehmen und "die Verdienste jener Männer zu würdigen, die aus den Stürmen des Ersten Weltkrieges die Einheit des Reiches retteten und das Land von fremder Besatzung befreiten". 4

Zum gleichen frühen Zeitpunkt wie Rosenberg vollendete auch der ehemalige Regierungspräsident Ferdinand Friedensburg, ein entschiedener Demokrat, seinen Versuch einer "sachlichen und unvoreingenommenen" Rückschau auf die Republik. Neben der politischen Geschichte schenkte er der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung besondere Beachtung. Friedensburg, der in Deutschland blieb, gab sich 1934 noch der Illusion hin, einen Verleger für sein Werk zu finden, und mußte bis 1946 warten. Bewußt verzichtete er darauf, sein Buch aufgrund der Erfahrungen mit der NS-Diktatur nun umzuschreiben, weil es die Weimarer Republik verdiene, nicht nur als Vorgeschichte des "Dritten Reichs", sondern "als geschichtliche Schöpfung für sich gewürdigt zu werden". 5 Dagegen ordnete der linksdemokratische Publizist Leopold Schwarzschild die Geschichte der Republik in seinem 1942 und 1947 in den Niederlanden veröffentlichten pessimistischen Buch Von Krieg zu Krieg in eine lange, nur von wenigen retardierenden Momenten unterbrochene verhängnisvolle Entwicklung ein, die unweigerlich auf den nächsten großen Waffengang zulief. Wie Rosenberg sah auch er 1933 keine deutliche Zäsur, sondern faßte die Jahre 1930 bis 1935 unter der Überschrift: "Fäulnis" zu einem Teil zusammen. 6 Im Londoner Exil, wenn auch etwas später, schrieb auch der Historiker und einstige Stadtverordnete der DDP in Berlin, Erich Eyck, "vom Standpunkt eines liberalen und demokratischen Anhängers der Republik" seine noch immer lesenswerte Darstellung dieses Geschichtsabschnitts. Die zwei Bände des Werks erschienen 1954 und 1956 in Zürich.

Zu dieser Zeit, um 1955, kamen die ersten fundierten Untersuchungen einer neuen Generation von Historikern und Politologen heraus, die in der Weimarer Republik nicht mehr selbst politisch aktiv gewesen waren, sondern sich ausschließlich aus wissenschaftlichem Interesse mit der Periode befaßten . Durch die Gründung des Instituts für Zeitgeschichte 1950 7 und der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 1951 erhielt die Forschung starke Impulse. Wie bei den meisten im Exil entworfenen Studien standen zunächst die Fragen nach den Ursachen für den Aufstieg des Nationalsozialismus und für die Zerstörung der Demokratie im Mittelpunkt. Das Forschungsinteresse wurde von dem aufklärerischen Elan mitbestimmt, die Gründe für den Untergang der ersten demokratischen Staatsordnung Deutschlands zu erkennen, um eine Wiederholung zu vermeiden. Folgerichtig bezog sich die erste große zeitgeschichtliche Kontroverse auf die Funktion des Präsidial regimes und die Rolle Brünings in der Endkrise der Weimarer Republik. Während Werner Conze 1954 die weitgehende Entmachtung des Reichstags für die notwendige Reaktion auf die Selbstlähmung des Parteienstaats hielt, arbeitete Karl Dietrich Bracher im folgenden Jahr als Ergebnis einer gewaltigen Forschungsleistung heraus, wie grundlegende Strukturfehler und eine gezielte antidemokratische Politik konservativer Eliten bis hin zu Brünings bewußten Bemühungen, die 1919 geschaffene Ordnung in ein autoritäres, zentralistisches System umzuwandeln, zur "Auflösung der Weimarer Republik" führten. 8

Die Feststellung, daß Machtgruppen der alten Gesellschaft wie das Militär, die hohe Bürokratie, Richter, die Schwerindustrie und die ostelbischen "Junker" zum Schaden der Weimarer Demokratie zu viel Einfluß ausüben konnten, lenkte den Blick auf mögliche Versäumnisse während der Revolution. Seit dem Beginn der sechziger Jahre wurde sie zu einem neuen Hauptforschungsgebiet. Nach der bahnbrechenden Untersuchung von Eberhard Kolb von 1962 über die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik und der im nächsten Jahr folgenden Studie von Peter von Oertzen über die Betriebsräte in der Novemberrevolution bestätigten weitere Arbeiten über die Soldatenräte (Ulrich Kluge) und regionale Räte (Reinhard Rürup u. a.) das Ergebnis, daß in ihnen allen ein beachtliches sozial- und linksdemokratisches Potential für eine entschlossene Reformpolitik zur Verfügung stand. Die vorher fast allgemein akzeptierte These, daß es 1918/19 nur die Wahl zwischen einer auf die Räte gestützten "Diktatur des Proletariats" nach russischem Vorbild oder der Errichtung einer bürgerlich-liberalen Demokratie durch ein Zweckbündnis von Sozialdemokraten und alten Eliten gegeben habe (Karl Dietrich Erdmann), war nicht länger haltbar. 9 Der SPD -Führung wurden übertriebener Respekt vor den "Fachleuten" und ein allzu ausgeprägter Legalismus vorgeworfen. Inzwischen hat sich ein differenzierteres Urteil über die langfristige politische Gestaltungskraft der Räte und den revolutionären Handlungsspielraum in einer modernen Industriegesellschaft herausgebildet. Über die Haltung des Bürgertums und der Landbevölkerung in der Revolution ist dagegen noch immer zu wenig bekannt.

Die unspektakulären mittleren Jahre standen nie so im Zentrum des Forschungsinteresses wie zuerst die End- und dann die Anfangsphase der Republik. Wirtschaftshistorische Arbeiten über die Stagnation von Industrie und Handel (Dietmar Petzina ) und politikgeschichtliche Untersuchungen über die anhaltenden Schwierigkeiten der Koalitions- und Regierungsbildung (Michael Stürmer) legten es nahe, das Jahrfünft von 1924 bis 1929 nur als eine Spanne begrenzter, "relativer Stabilität" zu beschreiben. 10 Meistens fanden diese Jahre in Längsschnittuntersuchungen spezieller Themen für den gesamten Zeitraum von 1918 bis 1933 Beachtung. Der Fokus richtete sich dabei bis in die siebziger Jahre vorrangig auf die Politikgeschichte. Die Entwicklung der politischen Parteien und ihrer Milieus, der Reichswehr und der Wehrverbände, der rechten antidemokratischen Bünde, Bewegungen und Ideologien wurde genau durchleuchtet. Gleichzeitig zeichnete sich das Bestreben ab, Wirtschaftsprozesse und sozialpsychologische Strömungen als Faktoren, die politisches Verhalten in erheblicher Weise beeinflussen, stärker zu berücksichtigen. Charakteristisch dafür war der 1967 von Werner Conze und Hans Raupach im Auftrag des "Arbeitskreises für moderne Sozialgeschichte" herausgegebene Sammelband: Die Staats- und Wirtschaftskrise des Deutschen Reichs 1929/33 , der neben einem Überblick über die politischen Entscheidungen Aufsätze über die Wirtschaftslage, die Haltung der Unternehmer und die Einstellung der Gewerkschaften sowie eine höchst anregende "historisch-psychologische Analyse" der Krisenwirkungen enthielt. Auch der Name des Herausgeberkreises war Programm. 11 M. Rainer Lepsius fand mit seiner Forderung, die zeitgeschichtlichen Erkenntnisse soziologisch zu fundieren, und seinen beiden exemplarischen Arbeiten von 1966 über die Bindung der Parteien an mehr oder weniger festgefügte Sozialmilieus und über die Herstellung eines solchen Sozialmilieus durch die NSDAP viel Zustimmung. 12 Drei Jahre zuvor war die seit langem vorliegende Arbeit von Rudolf H eberle : Landbevölkerung und Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung der politischen Willensbildung in Schleswig-Holstein 1918 bis 1932 erschienen, und 1965 stieß der Amerikaner William Sheridan Allen mit seiner dichten Beschreibung der "nationalsozialistischen Machtergreifung in einer Kleinstadt" auf große Resonanz. 13

Die Wirtschaftsgeschichte, der Historiker bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatten, obwohl sie die Bedeutung von Inflation und Weltwirtschaftskrise für die Destabilisierung der Republik stets betonten, erhielt einen neuen Stellenwert. Besonders deutlich zeigte sich das in Arbeiten über die Ära Brüning. Während die Wirtschaftspolitik des Kanzlers bei Historikern bis dahin ohne weitere Prüfung als sachgerecht gegolten hatte, setzte sich jetzt die an Keynes geschulte Argumentation der Ökonomen durch, daß die Deflationspolitik durch ihre prozyklische Wirkung die Krise unnötigerweise verschärfte und die Radikalisierung der Bevölkerung förderte. Den Durchbruch erzielte Horst Sanmann mit einem Aufsatz von 1965. 14 Strittig blieb allein, ob Brüning seinen verhängnisvollen Kurs mangels besseren Wissens oder in der bewußten Absicht steuerte, die Annullierung der scheinbar unbezahlbaren Reparationen zu erreichen, wie Wolfgang Helbich 1962 meinte. 15 Eine repräsentative Konferenz und ein dicker Tagungsband unterstrichen 1973/74 die Hinwendung zur Wirtschaftsund Sozialgeschichte der Weimarer Republik. 16

Im Zuge der Verlagerung des Forschungsschwerpunkts auf die Wirtschafts- und Sozialgeschichte wurde in den achtziger Jahren die Inflationszeit, die bis dahin fast ausschließlich aus dem Blickwinkel der Geschädigten betrachtet worden war, gründlich untersucht. Am Anfang stand 1980 ein provozierendes Buch von Carl-Ludwig Holtfrerich , der im Widerspruch gegen die herrschende Meinung über die katastrophalen ökonomischen, sozialen und politischen Folgen der Inflation ihre günstigen Auswirkungen für den Wiederaufbau der Wirtschaft herausstellte. 17 Ein großes Forschungsprojekt unter Leitung von Gerald D. Feldman bestätigte dann in mehreren Bänden Holtfrerichs Erkenntnisse zum Teil, ermöglichte aber auch, zwischen den verschiedenen Phasen der Inflation und der Hyperinflation stärker zu differenzieren, die sozialen Gruppen auf der Gewinner- und der Verliererseite genauer zu identifizieren und die vor allem in der chaotischen Zeit der Hyperinflation angerichteten Zerstörungen ernst zu nehmen. 18 Die Währungskatastrophe, in der die Geldentwertung endete, hinterließ eine nach Kriegsverlusten und vorübergehender Erholung erneut geschwächte Wirtschaft und eine in weiten Kreisen tief verunsicherte Bevölkerung. Die Symptome einer "schwachen Wirtschaft", die Knut Borchardt in langen Statistikreihen für die Zeit der Weimarer Republik ausmachte, veranlaßten ihn 1979, den Konsens von Historikern und Ökonomen über Brünings verfehlte Wirtschaftspolitik in Frage zu stellen. Die deutsche Wirtschaft sei in unerträglicher Weise mit Kosten überlastet gewesen, so daß es zu der Politik des Zentrumskanzlers, vor Versuchen zur Konjunktur- und Arbeitsmarktbelebung einen harten Sanierungskurs zu steuern, keine Alternative gegeben habe. 19 Borchardts Thesen haben in zahlreichen detaillierten Untersuchungen Unterstützung und Widerspruch erfahren; eine Einigung ist nicht in Sicht. Möglicherweise trafen Werner Conze und Hans Raupach schon 1967 das Wesentliche, als sie die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Zentrumskanzlers auf die knappe Formel brachten: "ökonomisch verhängnisvoll, politisch rebus sic stantibus schwer vermeidbar, von Brüning aus politischen Gründen bejaht". 20 Sein krisenverschärfender Kurs war schwer vermeidbar, aber nicht unvermeidbar. Weniger nachhaltige Debatten über spezielle Themen oder einzelne Bücher haben immer wieder stattgefunden. Hier sei nur auf den Streit um die Rolle der Unternehmer beim Aufstieg der NSDAP hingewiesen. 21 Im übrigen werden diese Auseinandersetzungen später im jeweiligen Zusammenhang behandelt. Für die historische Forschung bleibt, wie solche Kontroversen zeigen, weiterhin viel zu tun. Trotz der Fülle von Arbeiten über die Weimarer Republik sind in wichtigen Bereichen noch Wissenslücken zu schließen. Die Geschichte der Arbeiterschaft und der Arbeiterbewegung ist für diese Periode heute besser erforscht als die Entwicklung des Bürgertums und der bürgerlichen Organisationen. Nur für die DVP liegt neben Spezialstudien über kurze Phasen der Parteigeschichte und über ihre Interessenverflechtung jetzt eine umfassende Untersuchung vor. 22 Für die DDP und die Deutsche Staatspartei sowie die DNVP fehlen dagegen neue Gesamtdarstellungen in deutscher Sprache. Die sozio-politischen bürgerlichen Milieus müßten mit den Fragen und Methoden der Kulturgeschichte erneut analysiert werden. Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hat überhaupt noch keine wissenschaftliche Untersuchung gefunden. Beim Reichsverband der Deutschen Industrie wurden nur die Anfangs- und die Endphase näher betrachtet, und über den Deutschen Industrie- und Handelstag berichtet lediglich ein schmaler Band von 1966. 23

Eine umfassende Geschichte der gesamten Industrie, ihrer Entwicklung und des ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Gewichts der verschiedenen Sektoren, steht ebenfalls aus. Noch geringer war die Aufmerksamkeit für den tertiären Sektor als Ganzen: für Handel, Banken, Versicherungen und Schiffahrt . Nur einzelne bedeutende Unternehmen wie die Deutsche und die Dresdner Bank sowie die Allianz-Versicherung fanden mehr Interesse, die beiden letzteren vornehmlich in der Zeit des "Dritten Reichs". 24 Der Mittelstand wurde überwiegend unter dem Aspekt der Anfälligkeit für antidemokratische Ideologien und der Affinität zum Nationalsozialismus behandelt. 25 Sowohl für das Handwerk als auch und noch mehr für den Einzelhandel fehlen differenzierte Beschreibungen der wirtschaftlichen und sozialen Lage in den verschiedenen Branchen, Regionen und Zeitabschnitten, der Erwartungen der Berufszugehörigen und ihrer Deutungen der Situation. Ebenso wurde bei den Angestellten hauptsächlich auf Anknüpfungspunkte für rechtes Gedankengut und ihre vermeintlich kontinuierliche Wanderung nach rechts geachtet. Der sozialistische Zentralverband der Angestellten hat dagegen noch keine angemessene Darstellung erhalten, und beim liberalen Gesamtverband der Angestellten wurde einseitig seine nationale Orientierung herausgearbeitet und sein demokratisches, reformfreudiges Potential zu wenig gewürdigt. 26 Die Ergebnisse ausgeklügelter Wahlanalysen, insbesondere von Jürgen W. Falter und seinen Mitarbeitern, 27 sprechen ebenfalls dafür, den "alten" und "neuen Mittelstand" noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Nur die Lage und die politische Einstellung der Beamten sind inzwischen gut untersucht. 28

Die Erkenntnisse dieser Studien sollten zusammen mit den reichen Forschungserträgen, die seit dem Erscheinen der Darstellungen von Martin Broszat , Wolfgang Horn, Dietrich Orlow und Albrecht Tyrell in den letzten 35 Jahren erarbeitet wurden, 29 in eine neue Geschichte der NSDAP eingehen. Sie hätte die seither gewonnenen Einsichten über den sozialen Hintergrund der Partei, die Motive ihrer Anhänger, die mentalitätsgeschichtlichen und sozialpsychologischen Ursachen ihres Erfolgs, ihre Agitationsmethoden und die Attraktivität ihres pseudoreligiösen Auftretens wie auch ihrer gewalttätigen Selbstdarstellung zu integrieren und mit einer Synthese aus den Ergebnissen vieler regionalgeschichtlicher Studien zu verbinden. Umstritten ist nach wie vor die Bedeutung des Antisemitismus für den Aufstieg der NSDAP . Dies verweist auf eine weitere wichtige Aufgabe: Bis heute fehlt eine Gesamtgeschichte des Antisemitismus in der Weimarer Republik, die sich nicht nur auf die aktenkundig gewordenen, von der Polizei oder den Gerichten verfolgten Delikte konzentriert, sondern die in der Gesellschaft verbreiteten offenen und latenten antijüdischen Vorurteile und Ressentiments beleuchtet und ihre Tragweite für die verschiedenen sozialen Gruppen ergründet. 30 [...]

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Ursula Büttner 

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Beschreibung

Das Trauma des Versailler Vertrages, die hohen Reparationen, das Desaster der Inflation, die agitatorische Unausgewogenheit und bedenkliche Zersplitterung der Parteien, die zahllosen Regierungskrisen und rasch wechselnden Kabinette, die Weltwirtschaftskrise 1929 bis hin zur Präsidialdemokratie: Ursula Büttner vermeidet bewusst, dieses kaum 14 Jahre dauernde Stakkato dramatischer und traumatischer Ereignisse mit seinem Ende gleichzusetzen.
Denn die Weimarer Republik, so ihre entschiedene These über die erste deutsche Demokratie, hätte nicht in den 30. Januar 1933 münden müssen.
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Unaufgeregt schildert Ursula Büttner die Weimarer Republik
„Der Krieg geht weiter”, notierte Thomas Mann Anfang März 1918 im Manuskript seiner „Betrachtungen eines Unpolitischen”. Russland hatte sich gerade, geschwächt von den revolutionären Umwälzungen, aus dem europäischen Waffengang zurückziehen müssen. Es sah so aus, als könnte das Deutsche Reich noch einmal den Vorstoß in Frankreich wagen, wo seit Jahren die Stellungen unverrückt standen. Durch die unerwartete Wende hatte sich der Krieg einen weltgeschichtlichen Rang erkämpft: „Der Krieg geht weiter; denn das ist kein Krieg. Das ist eine historische Periode, die währen mag wie von 1789 bis 1815 oder auch wie von 1618 bis 48”. Tatsächlich: der Krieg in Deutschland dauerte bis 1923. Nur, dass er sich ins Landesinnere verlagerte, in einen Kampf der Zivilisten, Parteien, Putschisten und Freischärler verwandelte. Fünf Jahre hatte die „Weimarer Republik” bereits existiert, als sich die inflationsgeschüttelte, kampfesmüde Gesellschaft erschöpft der Massenunterhaltung zuwandte.
Jene Frage, die Manns Prophezeiung aufruft, beschäftigt die …

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Perlentaucher-Notiz zur SDZ-Rezension

07.10.2008

Nach Ursula Büttner nutzte die Weimarer Republik die "Freiheit der Demokratie" dazu, eben diese abzuschaffen, stellt Christian Welzbacher fest, der hier nicht zuletzt die Arbeit der Hamburger Historikerin zum Thema seit den 70er Jahren gebündelt sieht. An "Aktualität" fehlt es dem Werk freilich nicht, versichert der Rezensent, der lediglich den interdisziplinären Ansatz, der im Vorwort versprochen wird, etwas zu kurz gekommen sieht. So lässt sich einem komplexen Thema wie der "Moderne" auf so knappem Raum unmöglich beikommen, moniert Welzbach. Dafür lässt er sich durch die mit einzelnen Querschnitten und Detailschilderungen angereicherte differenzierte chronologische Darstellung der politischen Ereignisse überzeugen und findet auch die Kurzporträts, mit denen die einzelnen Protagonisten geschichtlicher Ereignisse vorgestellt werden, sehr nützlich. Sprachlich allerdings lasse die Autorin äußerste Nüchternheit walten und verzichte auf erzählerische Elemente, bemerkt der Rezensent, der für das Bedürfnis nach dramatischeren Schilderungen zur Weimarer Republik auf andere Autoren verweist.

© Perlentaucher Medien GmbH

Rezension

"... Ursula Büttners Neues Standardwerk "Weimar. Die überforderte Republik, 1918-1933" wird wohl ... "eine für lange uneinholbare Darstellung" dieser Epoche der deutschen Geschichte bleiben. ..." (Darmstädter Echo, 24.12.2008)

"... Derzeit bietet Büttner die beste greifbare, lesenswerte Darstellung, sich Weimar zu vergegenwärtigen." (Neue Westfälische, 29.11.2008)

Autorenporträt zu "Ursula Büttner"

Ursula Büttner, 1946 in Höxter/Weser geboren, studierte Geschichte und Germanistik in Hamburg, Heidelberg und Cambridge. Seit 1996 Professorin am Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte: Geschichte der deutschen Gesellschaft im 20. Jahrhundert.

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