»Wir sitzen alle im gleichen Zug, / Doch manche im falschen Coupé«
- mit diesen Versen hat Erich Kästner das »Eisenbahngleichnis« in
seiner Lyrischen Hausapotheke beschlossen. Kästners
tröstliche Gedichte hat Teofila Reich-Ranicki im Warschauer Ghetto
von Hand abgeschrieben und illustriert. Aber sie hat auch Szenen
aus dem Alltag des Ghettos in Aquarellen festgehalten, und
eindringlich hat Marcel Reich-Ranicki in seiner Autobiographie jene
Zeit geschildert. Der vorliegende Band enthält Bilder von Teofila
und Texte von Marcel Reich-Ranicki, die Zeugnis ablegen von der
Barbarei und vom Leid der Menschen - und zugleich auch die
Geschichte einer Liebe erzählen, einer Liebe, die die Angst
überwinden half.
TEOFILA UND MARCEL REICH-RANICKI haben gemeinsam die deutsche Okkupation in Warschau überlebt. Aus ihren Bildern und Texten hat Hans-Joachim Simm eine Auswahl getroffen und zu einem Buch zusammengestellt. Der Titel zitiert Erich Kästners "Eisenbahngleichnis", das mit den Worten endet: "Wir sitzen alle im gleichen Zug, / Doch manche im falschen Coupé". Enthalten ist dieses Gedicht in der "Lyrischen Hausapotheke", die Teofila Reich-Ranicki 1941 für ihren künftigen Ehemann von Hand abgeschrieben und illustriert hat. Zusammen mit den Erinnerungen, die vornehmlich aus Reich-Ranickis Autobiographie "Mein Leben" stammen, ist ein Buch entstanden, das - wie Simm schreibt - Zeugnis ablegt von der Barbarei und vom Leid der Menschen und zugleich die Geschichte einer Liebe erzählt, "die die Angst überwinden half". (Teofila Reich-Ranicki / Marcel Reich-Ranicki: "Wir sitzen alle im gleichen Zug". Bilder und Texte. Ausgewählt von Hans-Joachim Simm. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2003. 125 S., geb., 12,80 [Euro].)