Auf ihren ersten beiden Alben überzeugte die norwegischen Geigerin
Vilde Frang bereits mit einer Mischung aus jugendlicher
Begeisterung und überzeugender Perfektion. Nun erscheinen auf ihrem
dritten Album mit den Violinkonzerten von Peter Tschaikowsky und
Carl Nielsen zwei Werke der Romantik, die ihr besonders am Herzen
liegen. Auf der einen Seite steht das bekannte russische Werk, das
als Pflichtrepertoire für jeden Geiger gilt. Vilde Frang schwankt
hier zwischen der sentimentalen Sehnsucht einer geigenden Elfe und
dramatischem Virtuosentum, womit sie ihre ganze Wandlungsfähigkeit
in den vielen Facetten dieses Konzerts einbringen kann. Mit
verspielter Eleganz und einem brillanten Ton meistert sie fast
unbeschwert die halsbrecherischen Passagen und schwierigen
Doppelgriffe vor allem im dritten Satz des Tschaikowsky-Konzerts.
In der Kadenza entfaltet sie eine meditative Kraft, wie es nur
wenigen Musikern in diesem Werk gelingt. Verbundener fühlt sich die
junge Geigerin, die bereits mit zwölf Jahren mit Mariss Jansons und
dem Philharmonischen Orchersters Oslo auf der Bühne konzertierte,
allerdings dem Konzert des dänischen Komponisten Carl Nielsen.
Vielleicht liegt es an der "nordischen Seele", die beide
verbindet. Vilde Frang saugt die lyrische Kraft Nielsens spürbar
auf und gibt sie mit kräftigem Bogen und tiefem Verständnis wieder.
Sorgsam begleitet wird sie vom Danish Radio Symphony Orchestra
unter der Leitung von Eivind Gullberg Jensen, das sie im
Nieslon-Konzert als tragende aber nicht zu dominante Säule
unterstützt. Birgit Schlinger
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