Leben! Nicole Dill wird Opfer einer brutalen Gewalttat. Der Täter:
ihr Lebensgefährte. Sie überlebt die Nacht, in der er über sie
herfällt, nur knapp. Einigermaßen genesen, erfährt sie, dass ihr
Lebensgefährte ein verurteilter Mörder ist, der nach seiner
Haftentlassung mehrfach gegen Auflagen verstoßen hat. Schlimmer
noch: Das Drama hätte verhindert werden können, aber diejenigen,
die um seine Vergangenheit wussten, haben geschwiegen ...
Opfer von schweren Gewaltverbrechen verschwinden meist in
Statistiken. Und jene, die überleben, bleiben meist stumm. Die
Autorin wählte einen anderen Weg. Sie, die im Jahr 2007
vergewaltigt, stundenlang gefoltert und dann niedergeschossen
wurde, will mit ihrer Geschichte dem Unfassbaren ein Gesicht und
einen Namen geben. Dies in der Hoffnung, dass sich dadurch,
'ein ähnliches Drama verhindern lässt'. Schonungslos
erzählt die heute 41-Jährige die Geschichte ihrer Vernichtung durch
ihren ehemaligen Partner. Die schreckliche Nacht, das
schwerverletzte Überleben, der schwierige Weg zurück ins Leben.
Unterstützt durch die Ghostwriterin Franziska K. Müller, fand eine
akribische Aufarbeitung des Dramas statt.
Der Unglücksnacht gingen eine Reihe von Zwischenfällen voraus,
welche sie stutzig machten. Sie wollte sich informieren, fragte
beim Arzt ihres Partners nach. Dieser verwies sie an die Polizei.
Aber auch diese redete - aus datenschutztechnischen Gründen -
nicht. Erst als sie das Krankenhaus schwer traumatisiert verlassen
kann, wird ihr eine Information gegeben, die sie, wenn sie sie
früher bekommen hätte, vor dem Schrecklichen hätte bewahren können:
Ihr Partner ist ein verurteilter Mörder, der nach seiner
vorzeitigen Haftentlassung zigmal auffällig geworden ist und gegen
verordnete Auflagen verstoßen hat. Im Nachhinein ist klar, dass ein
dicht gewobenes Netz aus Mitwissern mitverantwortlich ist an diesem
angekündigten Drama, das, so die Autorin: 'wenn nicht mir -
dann mit Sicherheit einer anderen Frau das Leben gekostet
hätte'.
Das Buch wirft in den Bereichen Opferschutz, Strafrecht, Verwahrung
und psychiatrische Risikoanalyse brennende Fragen auf. Um diese zu
beantworten, wird die Ghostwriterin Franziska K. Müller zur
interessierten und kritischen Journalistin. Sie lässt das Buch mit
drei ausführlichen Gesprächen enden. Im ersten nimmt der
renommierte forensische Psychiater Frank Urbaniok Stellung zum
Fall, im zweiten spricht der legendäre Münchner Mordermittler Josef
Wilfling, über Erfahrungen aus der Praxis, und im dritten Gespräch
erklären der Strafrechtsprofessor Marcel Alexander Niggli und die
Luzerner Oberrichterin Marianne Heer-Henseler die Schwierigkeiten
bei der Umsetzung der Verwahrungsinitiative.
Nicole Dill, geb. 1969, wuchs in einer Familie mit zwei Brüdern auf, wovon einer ihr Zwillingsbruder ist. Nach ihrer Berufslehre in der Verkaufsbranche lebte sie über zwei Jahre im Südosten Chinas. Im Jahr 2007 wurde sie von ihrem damaligen Partner entführt, vergewaltigt, stundenlang gefoltert und dann niedergeschossen. Sie überlebte die Nacht, in der das Unfassbare geschah, nur knapp. Bald schon war für sie klar, dass sie nicht in einer Statistik verschwinden, sondern dem Schrecklichen ein Gesicht und einen Namen geben will. Dies auch in der Hoffnung, dass sich die Begebenheiten, die das Drama provozierten, nicht wiederholen. Dass sie das Unmögliche geschafft und einen Weg zurück ins Leben gefunden hat, ist unter anderem auch folgender Einsicht zu verdanken: "Ich wollte mit aller Kraft verhindern, dass mein Mörder die Macht über mich behält."
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