Venedig für Fortgeschrittene - Tötschinger, Gerhard

Gerhard Tötschinger 

Venedig für Fortgeschrittene

Bon di, Venezia cara

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Produktinformation


  • Verlag: Amalthea
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 248 S. m. 109 meist farb. Abb.
  • Seitenzahl: 248
  • Deutsch
  • Abmessung: 251mm x 179mm x 34mm
  • Gewicht: 815g
  • ISBN-13: 9783850026956
  • ISBN-10: 3850026957
  • Best.Nr.: 26396506

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Kundenbewertungen zu "Venedig für Fortgeschrittene" von "Gerhard Tötschinger"

Durchschnittliche Kundenbewertung 2.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** gut
(aus 2 Bewertungen)

Bewertung von mosaik aus Anif bei Salzburg am 28.02.2011 ***** gut
Ein Buch über vieles andere, nur Venedig selbst kommt zu kurz

Was mich eigentlich bei diesem Buch sehr irritiert, sind der Titel „Venedig“, also wohl die Stadt gemeint, der Untertitel „Bon di, Venezia cara“, also ein deutlicher Hinweis, dass sich das Buch wohl mit venezianisch-italienischen Dingen beschäftigen wird und die Erkenntnis nach dem Lesen, dass sich zwischen einem Drittel und der Hälfte des Inhalts mit Österreich und Österreicher sowie Deutschen und Deutschland befasst. Das habe ich so in der Form eigentlich aufgrund des Titels nicht erwartet. Das fällt auch gleich im Namensregister auf – rund 500 Namen, mindestens die Hälfte, wenn nicht mehr, die nicht Italienisch sind. Und etliche Seiten beziehen sich nicht auf die Stadt Venedig, wie der Titel suggeriert, sondern auf das Festland, also das Veneto! Beispiel – Kapitel „Bergamo“. Oder bei „die Bohne und der Papst“ schreibt Tötschinger selbst „…aber weil das mit dem Veneto nichts zu tun hat, wollen wir auch nicht mehr davon sprechen…“

Dazu kommt aus meiner Sicht, ein gewisses planloses Schreiben Tötschingers. Er fängt mit einem Kapitel oder Text an, kommt dann vom hundertsten ins tausendste, setzt sehr oft voraus, dass der Leser mit einem hingeworfenen Satz etwas anfangen kann, was aber sehr oft dann doch nicht der Fall ist. An etlichen Stellen hatte ich das Gefühl, da fehlt jetzt aber eine Ergänzung, eine Klärung des Geschriebenen – die eben nicht erfolgte. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, Tötschinger fand ein paar Notizen oder einen Artikel zu einem Thema, dass irgendwie mit Venedig (oder eben dem Veneto) zu tun hat („Albrecht Dürer“, „Der Retter von Wien“ u.a.) und schrieb halt‘ dann ein Kapitel dazu. Irgendwie manchmal nicht ganz nachvollziehbar, nicht zusammenhängend. Und eben im Grunde sehr viel, was mit dem Titel „Venedig“ nur im Entfernten zu tun hat, oft mit dem Veneto. Aber das Veneto, das Festland, ist nicht Venedig – dann hätte Tötschinger einen anderen Titel wählen müssen.

Auch sind mir auf den ersten Blick einige Fehler aufgefallen: Die Adria hat den Namen nicht von Kaiser Hadrian, sondern, vereinfacht, er hat ihn von dem bereits bestehenden Namen Adria erhalten; die doppelte Buchhaltung ist erstmals in Genua nachgewiesen und vom Toskaner Dantini verfeinert worden – Venedig kommt in der Entstehungsgeschichte gar nicht vor; Belluno war seit Anfang des 15. Jahrhunderts zu Venedig gehörend und nicht, wie Tötschinger meint, „einst zum Veneto gehörend“; auch nicht zutreffend, dass der Ausdruck Bankrott, ital. Banca rotta, seine Ursprung in Venedig gehabt hätte; aus dieser, sage ich mal, schlampigen Recherche des Autors schließe ich, dass weitere Ungenauigkeiten in diesem Buch nicht auszuschließen sind und es daher deutlich an Glaubhaftigkeit einbüßt.

Was das Schönfärbeln anbelangt, bin ich schon vorsichtiger mit meiner Meinung. Denn die Geschichte zeigt, dass je nach dem, von welcher Seite aus man Dinge betrachtet, es für den einen „rot“ und für den anderen „schwarz“ erscheinen mag. Was ich aber dem gesamten Buch sicher nicht abstreite, ist eine gewisse sprachliche Färbung des Wiener Autors. Möglich, dass man in Wien Venedig als Vorzimmer oder Salon der k.k. Österreicher sah (oder noch sieht) – ich bin Salzburger und da liegen 300 Kilometer und Mentalitäten dazwischen! Schade, denn ich weiß aus anderen Büchern Tötschingers, dass er sehr wohl gut und fundiert schreiben kann.

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Bewertung von http://lotharpawliczak.blog.de/ aus Berlin am 29.03.2010 ***** weniger gut
Vorausgeschrittene Erwartungen - leider etwas enttäuscht

Das vorausgegangene Venedig-Buch von Gerhard Tötschinger, der anspruchsvolle Titel und die gelungene Aufmachung seines neuesten Venedig-Buches wecken hohe Erwartungen. Das Einleitungskapitel (S. 7-20) bietet zunächst auch einen kurzweiligen Parfoceritt durch die venezianische Geschichte und kommt zu einem Schluß, dem man nur Beifall spenden kann: "Je weniger Ahnungslose sich durch Weltsensationen drängen, desto mehr Platz bleibt für Ahnungsvolle, die Venedig seine Würde lassen, der Serenissima die Ehre erweisen." (S. 20)

Aber erweist Tötschinger der Allerheitersten (Das scheint mir die einzig richtige Übersetzung von "Serenissima" zu sein.) die ihr gebührende Ehre? Von einem Theatermann erwarte ich Geistesblitze, Dramatik, Komik, Unterhaltung - nicht unbedingt Ehrungen. Vielleicht liegt es ja allein an meinen Erwartungen, daß es mir nicht so recht gelingt, an diesem Buch Gefallen zu finden. Unzufrieden bin ich, weil mir das alles nicht interessant genug erzählt ist, und das, gerade weil Tötschinger interessanter erzählen kann (Das beweist z.B. das Einleitungskapitel.). Und vielleicht sollte es auch "heiter/sereno" erzählt sein.

Absolut unversöhnlich muß ich aber auf Geschichtsschönfärberei reagieren! Auch bei anderen österreichischen Gegenwartsautoren kann man eine sehr rosarote, mindestens auf einem Auge blind machende, k.u.k.-nostalgische (so deute ich jedenfalls "...die uns vertrauten Adelstitel..." S. 241) Brille ausmachen. Stimmt hier etwas im landläufigen österreichischen Geschichtsverständnis nicht? Es ginge ja noch an, wenn Tötschinger naiv einer beschönigenden Sicht auf die österreichische Vergangenheit folgte. Aber er ist sich durchaus dessen bewußt, daß die österreichische Herrschaft über große Teile Italiens im 19. Jahrhundert von anderen anders - sehr anders! - gesehen wird. Das wird deutlich, wenn er gegen die Bezeichnung Österreichs als Besatzungsmacht in Italien polemisiert. Gewiß, "nach dem Wiener Kongreß und mit dem Lombardo-Venezianischen Königreich war ein österreichischer Soldat in Venedig, Padua, Verona, Milano, Bergamo, nicht Soldat einer Besatzungsmacht" (S. 154, vgl. auch S. 150, 200). Er war Soldat einer Kolonialmacht!
Natürlich hatte Österreich auch in Venedig, wie jede Kolonialmacht, seine Hilfswilligen. Und natürlich haben talentierte Venezianer - das ist Tötschinger besonders wichtig - auch in Österreich und Wien Karriere gemacht. Wo sollten sie denn auch sonst in dieser Zeit Karriere machen? Über die, die etwa nach Frankreich emigrierten oder ausgewiesen wurden, schreibt Tötschinger aber kein Wort. Ich korrigiere mich wie folgt: "10 Worte", denn Daniele Manin wird ein mal S. 80 beiläufig in einem Nebensatz erwähnt.
Die Interpretation, die Tötschinger dem Gedenken Rainer Maria Rilkes - "Wenn man bedenkt, wie viele Bomben, ruchlos, darüber ausgeworfen worden sind..." - gibt, scheint mir geradezu perfide. Rainer Maria Rilkes Bemerkung in einem Brief aus dem Jahre 1920 bezieht sich ganz offensichtlich auf die Bombardements gegen die 2. Markusrepublik und im I. Weltkrieg, jeweils österreichische Bomben, "nicht eine einzige Bombe wurde 'darüber ruchlos ausgeworfen'" und "hier irrt Rilke", kommentiert dTötschinger (S. 200).

Der Österreicher hat ganz offensichtlich sein Buch allein für Österreicher geschrieben: Ganz klar spricht er von den "wenigen Schweizer(n), die dieses Buch lesen" (S. 155). Es mag ja verkaufsträchtig sein, wenn man seinem bevorzugten Publikum bauchpinselt. Er hätte aber vielleicht besser ein Buch "Österreicher aus, in und nach Venedig" schreiben sollen, das vielleicht auch "Von Venedig Fortgeschrittene" betitelt werden könnte. Er deutet immer wieder an, daß es da eine Menge zu erzählen gibt, führt es aber nicht wirklich aus. Und etwas kritisch-ironische Distanz (nochmal: sereno ist zu deutsch "heiter") wäre dabei sicher auch hilfreich.

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