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| Bewertung von F.A.H. aus Wien am 01.07.2008 | |
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Eine Venedig-Geschichte, in der ein jüdischer Kaufmann eine Hauptrolle spielt? Ganz schön mutig: Nicht nur, weil so viele Werke in der Lagunenstadt angesiedelt sind, allen voran Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, sondern bei einem deutschen (österreichischen?) Autor auch aus historischen Gründen. Allerdings spielt der Autor nur an einer Stelle auf Shylock an; ansonsten scheint er jedes antisemitische Element geradezu ängstlich zu vermeiden. Im Zentrum der Novelle steht aber ein Liebespaar: Luca, Sohn eines hochangesehenen Senators, sowie Lea, Meisterschülerin Vivaldis im Ospedale della Pieta: Eine unmögliche Verbindung, selbst im leichtlebigen Venedig des Jahres 1716! Die beiden wollen eigentlich nur ihr Glück genießen, aber ihre Umwelt macht ihnen das alles andere als einfach: Sowohl Vivaldi wie Lucas Vater und Onkel, ein einflussreicher Abt, mischen sich ein, und auch der jüdische Kaufmann wird in die Affäre verwickelt. Das Intrigenspiel, das sich daraus entwickelt und in dem auch eine drohende Pestepidemie eine Rolle spielt, ist bemerkenswert komplex für eine Geschichte von knapp 150 Seiten; es bleibt stets nachvollziehbar, vor allem aber spannend. Bis zum überraschenden, dramatischen Ende entfaltet sich ein buntes Panorama vom Leben (und Sterben!) im Venedig des Rokoko. Gelegentlich neigt der Autor dazu, die Ergebnisse seiner offenbar umfassenden Recherchearbeit hervorzustreichen, aber zum Gutteil sind diese in einigen Anmerkungen am Ende des Textes untergebracht. Dort wird allerdings ist eine etwas überraschende Inspirationsquelle nicht erwähnt: Nämlich George Lucas’ „Star Wars“-Filme, von denen sich u.a. in der Namensgebung eindeutige Spuren finden. Aber Achtung, solche Anspielungen können auch in die Irre führen! Alles in allem: Eine spannende, unterhaltsame, oft satirische, manchmal auch melancholische Geschichte, nicht nur, aber natürlich auch für alle Venedig-Fans geeignet. Ein kleiner historischer Roman, der aber auch Bezüge zur Gegenwart herstellt, siehe etwa die Commedia dell’arte-Szene. |
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