Zeiten des Aufruhrs - Yates, Richard

Richard Yates 

Zeiten des Aufruhrs

Roman. Nachw. v. Eva Menasse

Aus d. Amerikan. v. Hans Wolf
Buch mit Leinen-Einband
 
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Zeiten des Aufruhrs

In den Vereinigten Staaten ist"Zeiten des Aufruhrs"längst ein Klassiker des 20. Jahrhunderts. Am Beispiel von Frank und April Wheeler schildert Richard Yates die Kehrseite des amerikanischen Traums der fünfziger Jahre. Mit feinem Witz und psychologischer Unerbittlichkeit protokolliert er das Unvermögen seiner Figuren, der saturierten Einförmigkeit des Vorstadtlebens zu entfliehen.

Hinter der pastellfarbenen Fassade der amerikanischen Vorstadthäuser an der "Revolutionary Road" (so der ironische Originaltitel des Romans) lebt das junge Ehepaar Wheeler genau das Leben, das es niemals gewollt hat: Zwei ungeplante Kinder scheinen den Lebensentwürfen der beiden ebenso im Wege zu stehen wie die Beengtheit der Suburbia, die einfältigen Nachbarn oder Franks sinnentleerte Tätigkeit in einem Großraumbüro. April, eine mäßig begabte Schauspielerin, träumt von einem Dasein fernab der Gewöhnlichkeit - von einem Künstlerleben in Paris. Das Paar gibt sich völlig wirklichkeitsfremden Illusionen über die eigenen Möglichkeiten hin und rutscht dabei, ohne es zu merken, tiefer und tiefer in die Spießbürgerlichkeit ab. In ihrem doppelten Egoismus entfremden sich die beiden immer weiter voneinander, ihre Wunschphantasien erweisen sich als Farce. Suggestiv beschreibt Yates den Abgrund, der hinter den Verkleidungen der Wohlanständigkeit lauert, und fördert hellsichtig die fatalen Folgen moderner Lebenslügen zutage.

"Die 'Zeiten des Aufruhrs' fordern uns auf, aufmerksam, umsichtig und wachsam zu sein, das Leben so zu leben, als hinge alles davon ab, was wir tun - denn täten wir es nicht, so setzten wir alles aufs Spiel", schrieb Richard Ford, der in Yates das künstlerische Vorbild der gesamten nachfolgenden Schriftstellergeneration Amerikas verehrt.


Produktinformation

  • Verlag: Manesse
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 569 S.
  • Seitenzahl: 569
  • Manesse Bibliothek der Weltliteratur
  • Deutsch
  • Abmessung: 157mm x 90mm x 24mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783717520863
  • ISBN-10: 3717520865
  • Best.Nr.: 20752074

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Als "Klassiker der amerikanischen Moderne" würdigt Rezensent Gustav Seibt den amerikanischen Schriftsteller Richard Yates (1926-1992), dessen berühmtester Roman "Zeiten des Aufruhrs" nun in einer "vorzüglichen" deutschen Übersetzung vorliegt. Dass sich Yates trotz der positiven kritischen Resonanz und der Hochachtung durch Kollegen wie Richard Ford oder Joyce Carol Oates nie wirklich durchsetzten konnte, schreibt Seibt auch der bedrückenden Trostlosigkeit seiner Geschichten zu. Auch dem vorliegenden Roman über das Scheitern eines Ausbruchs aus spießiger Umgebung attestiert er eine "erdrückende Unvermeidlichkeit". Doch Seibt findet diesen Roman nicht nur "trostlos", sondern ebenso "bewegend schön". Der Rezensent hebt die "Gegenständlichkeit" von Yates’ Erzählen hervor, die er nicht mit einer realistischer Erzählhaltung verwechselt wissen will. Er umschreibt diese Erzählhaltung als "das Homerische unter modernen Bedingungen", nimmt Gustave Flaubert als Beispiel und schwärmt von der "gläsernen, farbigen, sinnlichen Deutlichkeit dieser Kunst", die vieldeutig schillernd und mehrschichtig daherkommt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.04.2006

Homer des Mittelstandes
Richard Yates und die Kunst der Gegenständlichkeit
„Elf Arten der Einsamkeit” - der Titel von Richard Yates’ Geschichtensammlung ist ungewöhnlich treffend. Dieser Band von Shortstorys, in den Vereinigten Staaten 1962 erschienen, aber erst jetzt ins Deutsche übersetzt, wirkt wie nach einem Plan geschrieben. Seine Kasuistik menschlicher Verlorenheit ist reich und erdrückend. Ein neuer Schüler in einer mittelständischen Schulklasse, der sich durch Armut, Unwissenheit und Verlogenheit blamiert; ein keusches, aber erwartungsvolles Brautpaar, dessen erste erotische Annäherung am Vorabend der Hochzeit traurig misslingt; ein pedantischer Armee-Ausbilder, dessen hingebungsvolle Arbeit mit einer sinnlosen Versetzung zerstört wird; ein Tuberkulose-Kranker, dessen Frau fremdgeht, während er eine endlose Kur im Krankenhaus absitzt; ein angestellter Versager, dem nichts anderes bleibt, als seine Entlassung mit schicksalhafter Ergebenheit anzunehmen - so sehen die Arten der Einsamkeit bei Yates aus.
Seine Geschichten sind bitter und schön, ihr Stil ist deutlich und durchsichtig, ihr Milieu durchschnittlich und zugänglich, ihre Poesie ist …

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"Dieser Roman trifft beim Erscheinen ins Herz der Gesellschaft, er ist präzis im Detail, aber nicht so spöttisch wie Updike und nicht so fatalistisch-lakonisch wie Carver." (Neue Zürcher Zeitung)

"Mit 9Zeiten des Aufruhrs: wurde Richard Yates, was er sich als junger Mann so demütig wie größenwahnsinnig gewünscht hat: der Fitzgerald seiner Zeit." Eva Menasse

"Mit 'Zeiten des Aufruhrs' wurde Richard Yates, was er sich als junger Mann so demütig wie größenwahnsinnig gewünscht hat: der Fitzgerald seiner Zeit." Eva Menasse

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.02.2003

Mannsein als Wille und Wahn
Richard Yates zerlegt den amerikanischen Traum der Fünfziger

Es ist Charme und Schmerz dieses Alters, daß sich das Wollen und das Wissen noch die Waage halten. Der Rasen ist naturgrün und recht kurz geschnitten; der Hang senkt sich dabei schon ein wenig zur Straße hin; der Stein wiegt schwer in den Händen. Eigentlich braucht hier niemand einen Weg, aber was soll's: Das Land ist Amerika, der Job ist in der Stadt, die Ehefrau steht mit einem Glas Sherry in der Küche, die Kinder hüpfen in der Sonne herum, und überhaupt hat man sich schon lange nicht mehr so stark gefühlt. "Die Schläfen schmerzten ihm vor Begeisterung und Triumph, als er einen Felsbrocken aus seinem von weißen Würmern durchwimmelten Bett hob und ihn kopfüber durch das erzitternde Laubwerk rollen ließ, denn er war schließlich ein Mann." Darum geht es. Aber was ist ein Mann?

Und wie faßt man das an, was die anderen Leben nennen; wie fühlt sich das an? Im Grunde ist Frank Wheeler jemand, der auf so eine simple Frage eine Antwort hätte - oder jedenfalls jemand, der auf so eine Frage hin zu einem Monolog ansetzen würde, an dessen spätem Ende …

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"Amerika in den fünfziger Jahren. In einer Vorstadt von New York leben April und Frank Wheeler einer rosigen Zukunft entgegen. Er arbeitet in der City, sie, erfolgreiche Schauspielschülerin, widmet sich vorerst den Kindern. Während beide noch vom sozialen Aufstieg träumen, bröckelt die Welt hinter der pastellfarbenen Fassade. Der Absturz scheint unvermeidlich. Richard Yates lässt eine Epoche besichtigen und dabei Böses ahnen. Sein prophetischer Gesellschaftsroman von 1961 ist in den USA ein Klassiker und jetzt auch auf Deutsch zu entdecken." (Hörzu)

»In seinem 1961 erschienenen Roman Zeiten des Aufruhrs , der in Amerika bis heute Kultstatus genießt, zeichnet Richard Yates das eindringliche Psychogramm einer Ehe, die von Beginn an den Virus des Scheiterns in sich trägt. Mit scharfem Blick registriert er die Demütigungen, das vielsagende Schweigen und die Abgründe. Eine Tragödie hinter pastellfarbenen Fassaden.« Brigitte
Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Kalifornien. Er war einige Jahre als Werbetexter beschäftigt und in den späten Sechzigern kurzzeitig als Redenschreiber für Senator Robert Kennedy tätig. Hauptsächlich jedoch arbeitete Richard Yates als Schriftsteller: Er war der Autor von sieben Romanen und zwei Erzählungsbänden, die zu seinen Lebzeiten kaum Beachtung fanden heute jedoch zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören.

Leseprobe zu "Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates

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Leseprobe zu "Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates

Als die letzten Geräusche der Generalprobe verklungen waren, blieben die Laurel Players noch eine Weile stumm und hilflos stehen und schauten blinzelnd über das Rampenlicht in den leeren Zuschauerraum. Sie wagten kaum zu atmen, als die gedrungene Gestalt des Regisseurs zwischen den verwaisten Sitzreihen auftauchte und gemessen zu ihnen auf die Bühne trat; scheppernd zog er eine Trittleiter aus der Kulisse, erstieg sie auf halbe Höhe und wandte sich den Schauspielern zu, um ihnen unter mehrfachem Räuspern zu sagen, daß sie eine verdammt talentierte Truppe seien, eine wundervolle Truppe, mit der sich arbeiten lasse.

"Es war ja nicht grade leicht", sagte er mit aufblitzenden Brillengläsern. "Wir hatten hier eine Menge Probleme, und ehrlich gesagt, hatte ich mich schon mehr oder weniger damit abgefunden, meine Erwartungen zurückschrauben zu müssen. Schön, nun hört mal zu. Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber irgendwas ist hier heute abend passiert. Als ich heute abend hier gesessen habe, ist mir plötzlich zutiefst klar geworden, daß ihr zum erstenmal mit ganzem Herzen dabei wart." Er legte die rechte Hand mit gespreizten Fingern auf die Brusttasche seines Hemds, um zu zeigen, was für ein einfaches, greifbares Ding das Herz war, dann ballte er die Hand zur Faust, bewegte sie in einer langen Kunstpause bedächtig und stumm hin und her, kniff ein Auge zu und formte die feuchte Unterlippe zu einem triumphierenden, stolzen Ausdruck. "Morgen abend noch mal so", sagte er, "und wir liefern eine Wahnsinnsvorstellung ab."

Vor Erleichterung hätten sie heulen können. Statt dessen brachen sie in Hurrarufe und Gelächter aus, schüttelten einander die Hände und küßten sich, einer ging einen Kasten Bier holen, und wenig später scharten sie sich im Parkett ums Klavier und sangen Lieder, bis man sich schließlich einhellig darauf einigte, nun lieber Schluß zu machen und sich einem erholsamen Schlaf zu überlassen.

"Bis morgen!" riefen sie, glücklich wie Kinder; auf der Heimfahrt im Mondschein kurbelten sie die Fenster ihrer Wagen hinunter und ließen die Luft mit ihren erquickenden Düften nach Lehmerde und frischen Blüten herein. Für manche der Laurel Players war es das erste Mal, daß sie die Ankunft des Frühlings bewußt zur Kenntnis nahmen.

Das war im Jahr 1955, und der Ort lag in Westconnecticut, wo man drei inzwischen gewachsene Siedlungen unlängst an einen breiten, tosenden Highway, die sogenannte Route Twelve, angebunden hatte. Die Laurel Players waren Laiendarsteller, eine durchaus ansehnliche und ernsthafte, sorgsam aus jüngeren Erwachsenen der drei Ortschaften zusammengestellte Truppe, und dies sollte ihr erster Auftritt werden. Den ganzen Winter über hatte man sich in den Wohnzimmern der Mitspieler zu begeisterten Gesprächen über Ibsen, Shaw und O'Neill getroffen, und in einer Abstimmung hatte sich eine praktisch denkende Mehrheit schließlich für den "Versteinerten Wald" entschieden; die Rollenverteilung war vorab festgelegt worden, und alle konnten spüren, daß ihr Eifer mit jeder Woche zunahm. Insgeheim mochten sie ihren Regisseur für einen komischen kleinen Vogel halten (was er in gewisser Hinsicht auch war - er konnte offenbar nur in tiefernstem Ton reden und beendete seine Sätze oft mit einem leichten Kopfschütteln, das seine Wangen in Bewegung setzte), aber sie hatten ihn gern, respektierten ihn und glaubten fest an nahezu alles, was er äußerte. "Jedes Stück verdient, daß der Schauspieler sein Bestes gibt", hatte er ihnen einmal gesagt, und ein andermal: "Denkt immer dran. Wir führen hier nicht bloß ein Stück auf. Wir gründen ein öffentliches Theater, und das ist schließlich was ganz Besonderes."

Das Problem war, daß sie von Anfang an befürchteten, sich zu blamieren, und diese Furcht war, weil sie sie nicht zugeben wollten, noch schlimmer geworden. Die Proben fanden zunächst samstags statt - immer, so schien es, an jenen windstillen Februar- oder Märznachmittagen, wenn der Himmel weiß und die Bäume schwarz erscheinen und die braunen Äcker und Hügel nackt und zaghaft unter den zurückweichenden Schneefeldern hervorscheinen. Sooft die Players vor ihre Häuser traten und einen Moment innehielten, um sich die Mäntel zuzuknöpfen oder die Handschuhe überzustreifen, erblickten sie eine Landschaft, zu der eigentlich nur ein paar sehr alte, verwitterte Häuser paßten; dies ließ die eigenen Wohnstätten bedeutungslos, vergänglich und so lächerlich deplaziert erscheinen, als hätte man eine große Menge nagelneuen Spielzeugs über Nacht draußen liegen und naß werden lassen. Auch ihre Autos waren irgendwie unpassend - unnötig groß, schimmerten sie in Bonbon- oder Eiscremefarben, schienen vor jedem Schlammspritzer zusammenzuzucken und krochen schüchtern die holprigen Straßen hinab, die aus allen Richtungen zu dem tiefen, ebenen Betonstreifen der Route Twelve führten. Dort angelangt, schienen die Wagen sich endlich entspannen zu können, in ihrem ureigenen Element, einem langgezogenen lichten Tal aus buntem Plastik, Spiegelglas und rostfreiem Stahl - King Kone, Mobilgas, Shoporama, Eat -, doch irgendwann mußten sie der Reihe nach abbiegen und die gewundene Landstraße hinauffahren, die zur zentralen High School führte; sie mußten bremsen und auf dem friedlichen Parkplatz vor der Aula anhalten.

"Hallo!" riefen die Players einander zaghaft zu.

"Hallo! ..." - "Hallo! ..." Widerstrebend betraten sie das Gebäude.

Mit ihren schweren Schuhen stapften sie über die Bühne, tupften sich die Nase mit Kleenex ab und studierten stirnrunzelnd ihren unsauber abgezogenen Text; ein durch den Raum gehendes, erleichtertes Lachen konnte schließlich die Situation entspannen, und man einigte sich wiederholt darauf, daß noch viel Zeit bleibe, um die Probleme zu lösen. Doch viel Zeit blieb in Wirklichkeit nicht mehr; alle waren sich darüber im klaren, und auch verstärkte Probenarbeit schien die Sache nur noch schlimmer zu machen. Lange nachdem es an der Zeit gewesen wäre, "das Ding", so der Regisseur, "endlich auf die Beine zu stellen, zum Laufen zu bringen", war das Ganze nach wie vor eine steife, formlose, unmenschlich schwere Bürde; die Players registrierten immer wieder in ihren gegenseitigen Blicken die Vorahnung des Scheiterns, im kleinlauten Nicken und Lächeln beim Abschied, in der hektischen Eile, mit der sie zu ihren Wagen aufbrachen und nach Hause fuhren, wo vielleicht noch ältere, weniger deutliche Vorahnungen des Scheiterns auf sie lauerten.

Doch nun, heute abend, vierundzwanzig Stunden vor der Premiere, hatten sie es irgendwie geschafft.

Leseprobe zu "Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates

Das Problem war, daß er den ganzen Nachmittag über in der Stadt, wie gelähmt von dem, was er als den "denkbar ödesten Job" bezeichnete, seine Kraft aus der Vorstellung von Szenen bezogen hatte, die an diesem Abend ablaufen sollten: wie er nach Hause eilen, lachend seine Kinder in die Luft schwingen, einen Aperitif hinunterkippen und bei einem frühen Abendessen mit seiner Frau plaudern würde, wie er sie anschließend, seine beruhigende Hand auf ihrem straffen, warmen Schenkel ("Wenn ich doch bloß nicht so nervös wäre, Frank!"), zur High School fahren würde, wie er gebannt und stolz dasitzen, dann aufstehen und bei fallendem Vorhang in den donnernden Beifall einstimmen würde, wie er sich begeistert und aufgelöst durch die jubelnde Menge hinter der Bühne durchkämpfen und seiner Frau den ersten tränenreichen Kuß abfordern würde ("War es wirklich gut, Liebling? War es wirklich gut?") und wie sie schließlich beide, in der bewundernden Gesellschaft von Shep und Milly Campbell, irgend wo auf einen Drink Station machen und, unter dem Tisch einander die Hände haltend, das Ganze noch einmal durchsprechen würden. Nirgends in diesen Vorstellungen hatte er das Gewicht und den Schock der Realität vorausgesehen; nichts hatte ihn davor gewarnt, daß er von dem faszinierenden, strahlenden Anblick eines Mädchens, das er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, überwältigt sein würde, daß dessen Blicke und Gebärden ihm vor Sehnsucht die Kehle zuschnüren würden und daß dieses Mädchen vor seinen Augen dann wieder vergehen und sich in das reizlose, leidende Geschöpf verwandeln würde, dessen Existenz er jeden Tag seines Lebens zu leugnen versuchte, das er jedoch ebenso gut und schmerzlich kannte wie sich selbst, eine magere, verklemmte Frau, deren gerötete Augen vorwurfsvoll blitzten, deren falsches Lächeln ihm so vertraut war wie seine Füße, seine klamme, immer nach oben rutschende Unterwäsche und sein herber Geruch.

Kundenbewertungen zu "Zeiten des Aufruhrs" von "Richard Yates"

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Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 10.05.2012 ***** ausgezeichnet
Richard Yates erfolgreicher Roman "Zeiten des Aufruhrs" ist eine minutiös durchgeführte Psychoanalyse der Ehe zwischen April und Frank.

Die beiden Hauptprotagonisten, verheiratet, jung, gutaussehend, zwei Kinder, Vorstadthäuschen, scheinbar eine vorbildliche Familie, die den amerikanischen Traum leben. Frank arbeitet in der Werbeabteilung einer Computerfirma, langweilt und unmotiviert, wartet er untätig auf den Feierabend. April versucht sich als Darstellerin einer Laienschauspielgruppe um aus ihrem Alltag zu entfliehen. Nach einem katastrophalen Auftritt beginnt die scheinbar perfekte Ehe ins wanken zu geraten. April zieht sich verletzt zurück, Frank beleidigt, begeht mit einer Kollegin einen Seitensprung und die Ehe scheint zu scheitern, als April einlenkt. Sie träumt von einem beruflichen Durchbruch in Europa und unter dem Vorwand, Frank die Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen zu bieten, plant sie die Umsiedlung. Da wird April schwanger und Frank klettert rapide die Karriereleiter hoch. Der Umzug wird verschoben und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

"Zeiten des Aufruhrs" ist ein beklemmender, emotionaler Roman. Durch die unverhohlene Sprache wird er von jeglicher Art von Kitsch und Gefühlsduselei verschont. Richard Yates hat, wie kaum ein anderer, ein extrem subtiles Gefühl für die feinen Missstimmungen zwischen Frau und Mann, das erlaubt ihm, schonungslos und offen über bittere Stunden zu berichten. Das schönste: er tritt kein einziges Mal wertend, oder gar moralisierend rechtfertigend für oder gegen seine Figuren ein.

Mir tat dieses Buch gut!

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Bewertung von Elli am 17.08.2007 ***** ausgezeichnet
Es hat lange gedauert, bis Yates auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Eine Perle der amerikanischen Erzählkunst! Unbedingt Lesen!!!
Nebenbei bemerkt: Die schöne Manesse-Aufmachungen steigert den Lesegenuss zusätzlich.

Ich freue mich schon heute auf den nächsten Yates.

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