Ruhestörung - Yates, Richard

Richard Yates 

Ruhestörung

Roman

Übersetzung: Anette Grube
Gebundenes Buch
 
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Ruhestörung

John Wilder ist erfolgreich und mit einer liebevollen Familie gesegnet. Aber etwas scheint nicht zu stimmen in seinem Leben, und mit der Unzufriedenheit steigt auch sein Alkoholkonsum, bis er eines Abends vor dem Abgrund steht - und seiner Frau telefonisch mitteilt, es sei sicherer für sie, er käme nicht nach Hause... Ein eindringlicher und unvergesslicher Blick in die dunklen Winkel der Psyche, von einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.John Wilder führt das perfekte Leben: Im trauten Eigenheim wartet eine ihn liebende Frau täglich auf seine Rückkehr aus dem Büro, wo er sich eine vielversprechende Karriere als Anzeigenvertreter aufgebaut hat. Seine Abende verbringt er auf Cocktailpartys und die Wochenenden mit der Familie auf dem Lande. Alles scheint gut. Doch wenn John ehrlich zu sich ist, dann weiß er, dass tief in ihm schon seit Langem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist - etwas droht, die Ruhe zu stören.

''Ruhestörung' ist, wie alle Romane Yates', die inzwischen auf Deutsch erschienen sind, phantastisch erzählt und übersetzt: mit sanfter Unerbittlichkeit, sardonischem Humor und gerade so viel Überraschungen, wie Fatalität sie erträgt. Wer zu lesen anfängt, sollte für die nächsten Stunden keine Termine haben. Es ist ziemlich sicher, dass er sie vergisst.' Der Spiegel "Das Psychiatriekapitel könnte von Franz Kafka abgesegnet sein. Und man kann ermessen, wie wenig der glasklare Stilist Richard Yates, der notorisch für seine ätzenden Gesellschafts- und Milieuschilderungen gerühmt wird, in Wahrheit mit der Schule des Sozialromans zu tun hat. Wie viel dagegen mit den großen Existenzialisten und Fatalisten der Moderne." -- Die Zeit, Ursula März

"Richard Yates ist die wichtigste Wiedentdeckung der amerikanischen Literatur. Er beherrscht die Kunst, Lieblosigkeit und scheiternde Kommunikation im Umgang nah vertrauter Menschen darzustellen, in einem unaufgeregten, präzisen Erzählton und mit einer meisterhaften Lakonik. Man muss lange suchen, um einen solch faszinierenden Helden wie John Wilder zu finden." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 315 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 134mm x 32mm
  • Gewicht: 460g
  • ISBN-13: 9783421043931
  • ISBN-10: 3421043930
  • Best.Nr.: 27946864
"Eine verheerende Geschichte, die einen nicht mehr loslässt." (Boston Globe)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.04.2010

Mad Man
Richard Yates’ Roman „Ruhestörung” schildert den Höllensturz eines New Yorker Werbers in den sechziger Jahren
Schon der Titel von Richard Yates’ Roman „Ruhestörung” („Disturbing the Peace”) ist purer Sarkasmus. Ob es nicht besser für ihn hier sei, als draußen durch die Straßen zu laufen, bis ihn die Polizei wegen Ruhestörung einbuchte, fragt der junge Arzt von der Nachtschicht. Als sei es wichtiger, die Nachtruhe friedlicher Bürger zu schützen, als einen Mann vor dem Höllensturz zu bewahren.
Denn mit „hier” ist gemeint: die Station für gewalttätige Männer in der geschlossenen Psychiatrie des Bellevue Hospital, in die John Wilder im Jahr 1961 eingeliefert wird, nachdem er sich nach einer Dienstreise nicht mehr nach Hause traut. Übernächtigt und volltrunken hockt er in einer Bar von Manhattan und ruft seine Frau Janice an, um ihr zu sagen, dass er in Chicago eine Kollegin aus der PR-Abteilung einer Whiskey-Brennerei „fünfmal gevögelt” hat. Jetzt fürchtet er, er könne Janice und seinen zehnjährigen Sohn Tommy umbringen, sobald die Wohnungstür hinter ihm zuschlägt.
John Wilder wird ganze fünf Tage im …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die Gnadenlosigkeit des Autors mit seinen mittelmäßigen Helden, denen er nach psychologisch und stilistisch gekonnter Beobachtung einigermaßen ungerührt den letzten Stoß versetzt, stößt Werner von Koppenfels nicht ab. Allerdings hält der furiose Auftakt dieses Romans, bei dem die Hauptfigur sternhagelvoll abstürzt, nicht, was er verspricht. Das ausgekugelte Leben renkt Richard Yates dabei gar nicht, den Plot nur dramaturgisch ächzend ein. Und liegt in Whisky und Wahnsinn auch Wahrheit und in diesem Buch für Koppenfels die berühmte Yates'sche Stilsicherheit und verbale Schärfe, so verdirbt eine undifferenzierte Übersetzung dem Rezensenten doch so manchen Satz.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.07.2010

Und der Haifisch, der hat Pläne

Richard Yates ist die wichtigste Wiederentdeckung der amerikanischen Literatur: Mit seinem autobiographisch eingeschwärzten Trinker-Drama "Ruhestörung" liegt ein weiteres Hauptwerk erstmals auf Deutsch vor.

Vorgeplänkel gibt es bei diesem Autor nicht. Es ist, als würde eine Faust aus dem Buch kommen und den Leser hineinziehen: "Im Spätsommer 1960 begann für Janice Wilder alles schiefzugehen. Und das Schlimmste daran war, sagte sie später immer wieder, das Schreckliche daran war, dass es aus heiterem Himmel zu geschehen schien."

Was ist geschehen? John Wilder war eine Woche auf "Geschäftsreise". Er hat durchgesoffen, kaum geschlafen und mit seinem Leben gehadert. Jetzt sitzt er am Flughafen La Guardia in einer Kneipe und trinkt weiter. Von dort ruft er seine Frau an: Er könne nicht nach Hause kommen. Aber warum denn nicht, Schatz? Weil er Angst habe, dass er sie dann umbringen würde, sie und den Jungen. Und weil er eine kleine, schmuddelige Affäre hatte, mit der PR-Frau aus einer Whisky-Brennerei. Nach "heiterem Himmel" klingt das alles nicht.

Auf Rat eines Freundes lässt Wilder sich ins …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Samuel Beckett sagte einst: "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better." Das Scheitern beziehungsweise das bessere Scheitern spielt auch im Leben von John Wilder eine Rolle. In seiner Kindheit scheiterte er an seinen Eltern, an der Umsetzung seines Traums vom Filmemachen, im Kampf gegen den Alkohol, gegen die Untreue sowieso. Nach außen hin ist die Fassade jedoch unversehrt, nichts stört die Ruhe. Wilder arbeitet als Anzeigenverkäufer beim American Scientist, ist verheiratet, hat einen Sohn - und wenn ihn das noch nicht genug ausfüllt, nimmt er sich eine Geliebte. So auch auf einer Geschäftsreise, von der er nicht mehr nach Hause kommen kann. Hier beginnt das Buch. Janice telefoniert mit ihrem Mann, der kurz vorm Nervenzusammenbruch steht. Wilder bricht zum ersten Mal zusammen, kommt ins Bellevue, auf eine geschlossene Station für gewalttätige Männer. Die Situation wäre wahrscheinlich erträglicher, wenn er wirklich verrückt wäre. Ist er aber nicht - noch nicht. Richard Yates tritt an Wilder heran, wechselt zwischen detaillierter Beschreibung der Gedanken des Protagonisten und einer distanzierten Haltung. Gerade letztere trägt eine Ironie ins sich, die den Wahnsinn des Alltäglichen entlarvt. Ein Buch vom Scheitern. Vom erneuten Scheitern. Ein Buch, das man besser lesen sollte. (kmr)

"Richard Yates ist die wichtigste Wiedentdeckung der amerikanischen Literatur. Er beherrscht die Kunst, Lieblosigkeit und scheiternde Kommunikation im Umgang nah vertrauter Menschen darzustellen, in einem unaufgeregten, präzisen Erzählton und mit einer meisterhaften Lakonik. Man muss lange suchen, um einen solch faszinierenden Helden wie John Wilder zu finden."
Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Kalifornien. Er war einige Jahre als Werbetexter beschäftigt und in den späten Sechzigern kurzzeitig als Redenschreiber für Senator Robert Kennedy tätig. Hauptsächlich jedoch arbeitete Richard Yates als Schriftsteller: Er war der Autor von sieben Romanen und zwei Erzählungsbänden, die zu seinen Lebzeiten kaum Beachtung fanden heute jedoch zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören.

Leseprobe zu "Ruhestörung" von Richard Yates

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Kundenbewertungen zu "Ruhestörung" von "Richard Yates"

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 22.04.2010 ***** ausgezeichnet
Der Autor dieses Buches ist seit fast zwei Jahrzehnten tot. Das Buch ist vor 35 Jahren geschrieben worden. Es ist sozusagen ein alter Schinken. Das völlig verblüffende jedoch ist, dass es so aktuell wie am ersten Tag ist, als es in Amerika die Druckerei verlies.

John steht in einer Telefonzelle und ruft seine Frau an. Er sagt ihr, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Alkohol und Frauen, vielleicht auch die Schlaflosigkeit haben ihn kaputt gemacht. Sein Freund , der Anwalt Borg, bringt ihn in ein Krankenhaus.

Als John aus der Klapse entlassen wird, kehr er heim ins Gemütliche. Seine Frau mag das Gemütliche. John der Anzeigenvertreter rast von Arbeit zu Therapiesitzungen, von Alkoholikertreffen der Anonymen und kommt nie bei sich selber an.

Langsam frage ich mich, was macht Richard Yates hier eigentlich? Erzählt er mir die Geschichte von John? Oder erdreistet er sich mich aus meiner Gemütlichkeit in meinem Lesesessel herauszuholen? Ich verdächtige ihn, dass er mir und meiner Gesellschaft in der ich lebe seinen Spiegel vor meine Augen halten will.

Yates tut dies sehr gut. Seine Sprache ist nicht alt, eher direkt. Der Schriftsteller tut das, was sein Beruf ist. Mit seinem Roman holt er uns aus der alltäglichen Routine, spielt ein wenig John mit uns. Wir sollten uns herausreißen lassen aus der Routine, damit wir nicht so enden wie John.

Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

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