Nemesis - Roth, Philip

Philip Roth 

Nemesis

Roman

Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Gebundenes Buch
 
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Nemesis

Eine schreckliche Epidemie bedroht im brütend heißen Sommer von 1944 die Einwohner von Newark: Polio. Der Sportlehrer Bucky Cantor kümmert sich hingebungsvoll um seine Schüler. Nach Ausbruch der Krankheit versucht er, in einer von Angst, Panik und Leid gezeichneten Situation die Ruhe zu bewahren, doch vergeblich. "Nemesis" ist die Geschichte eines jungen Mannes in Amerika mit besten Absichten, der einen aussichtslosen Kampf führt. In seinem neuen Meisterwerk zeichnet Roth mit bestechender Präzision und großer Einfühlungsgabe jeden Schritt von Cantors Weg in die persönliche Katastrophe.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 218 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Best.Nr. des Verlages: 505, 505/23642
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 245mm x 8mm
  • Gewicht: 424g
  • ISBN-13: 9783446236424
  • ISBN-10: 3446236422
  • Best.Nr.: 32522289

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Philip Roth' jüngster Held hat alles, was eine geradezu klassische Heldenfigur ausmacht, und ist dennoch nicht stark genug, findet Christopher Schmidt, der deshalb bei aller "Begeisterung" Vorbehalte gegen den Roman "Nemesis" hat, dessen Inhalt er von Anfang bis Ende erzählt. Erzählt wird die Geschichte von Bucky Cantor, der wegen seiner Kriegsuntauglichkeit große Schuldgefühle hegt und als Sportlehrer in Newark allenfalls den Kampf gegen eine grassierende Polio-Epidemie führen kann. Als "Gegenfigur" zu Theodor Roosevelt, der bekanntlich in der Bekämpfung von Nazideutschland und Polio erfolgreich war, endet Bucky in totaler Verbitterung. Eine klassische Tragödie also, die meisterlich Roths Hauptthemen, autobiografische Wurzeln und die großen historisch-politischen Fragen in Amerika, verknüpft, wie der Rezensent preist. Allerdings möchte er bei aller Eingenommenheit anmerken, dass ihn die "literarische Motivation", die dem Helden ein derart übersteigertes Pflicht- und Schuldbewusstsein zuschreibt, nicht überzeugt und hier sieht er einen entscheidenden Makel des Romans, weshalb er selbst erstaunt ist, warum er von "Nemesis" so mitgerissen ist.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.02.2011

Die schwarze Ader unseres Schicksals

Hinter dem Rücken seines Erzählers gibt der amerikanische Großmeister Philip Roth in seinem neuen Roman "Nemesis" auf die Frage nach Gott und dem Leiden des Menschen seine entsetzlichste und tröstlichste Antwort zugleich.

Ohne ihn gäbe es keinen Impfstoff, und ganz Europa spräche Deutsch: Als der von Kinderlähmung versehrte Franklin Delano Roosevelt, Hitlers künftige Nemesis auf Krücken und in Beinschienen aus Stahl, 1924 die Heilquelle Warm Springs in Georgia für sich entdeckte und als Poliokranke aus allen Teilen der Vereinigten Staaten nach Georgia pilgerten und die gesunden Kurgäste sich bei der Verwaltung über "die unbekömmlichen Krüppel" um sich her beschwerten, kaufte Roosevelt in heiligem Zorn die gesamte Anlage auf und baute sie zu einem Rehabilitationszentrum für Opfer der Kinderlähmung aus. Von solchen Millionärsmanövern, die Rettung und Rache in einem sind, kann ein Durchschnittsmensch wie Philip Roths Held Eugene "Bucky" Cantor nur träumen.

Und doch ist FDRs Amtsantrittsmaxime "Wir haben nichts zu fürchten außer der Furcht" auch das Credo des dreiundzwanzigjährigen Sportlehrers …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.02.2011

Krieg gegen Gott
In „Nemesis“ verknüpft Philip Roth abermals die Geschichte eines jungen Mannes mit einer politischen Parabel
Bucky Cantor glaubt eigentlich nicht an Gott, doch das hindert ihn nicht daran, wie Hiob zu hadern. Denn das, was Menschen zu ertragen haben, ist so grausam, dass es nicht einfach nur Zufall sein kann. Es muss ein Plan dahinter stecken, ein Plan, den sich ein allmächtiges Wesen ausgedacht hat, um ihn, Bucky Cantor zu prüfen. Und dieses Wesen stellt er sich nicht als heilige Dreifaltigkeit vor wie im Christentum, sondern als „eine Zweifaltigkeit – die Vereinigung eines perversen Arschlochs mit einem bösartigen Genie“, schreibt Philip Roth in seinem neuen Roman „Nemesis“.
Als eine Polio-Epidemie in seiner Heimatstadt Newark ausbricht, sieht der 23-jährige Sportlehrer Bucky Cantor darin eine Heimsuchung. Tatenlos muss er mitansehen, wie die Kinderlähmung immer mehr Opfer fordert. Auch zwei der ihm anvertrauten Jungen sterben, und deren Eltern geben ihm die Schuld an ihrem Tod. Vollends greift die Paranoia um sich, als die Infektion von den ärmeren Vierteln in das bessere Weequahic vordringt, wo Bucky an den glutheißen …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Bei diesem Hörbuch weiß man gar nicht, wo man mit dem Schwärmen anfangen soll. Sprecher, Bearbeitung, die Geschichte selbst: Alles eine glatte eins. Philip Roth nimmt sich das Städtchen Newark im Sommer '44 vor, in dem mitten in der unerträglichen Schwüle und Langeweile der großen Ferien eine Polioepedemie ausbricht. Aber natürlich geht es dem großen amerikanischen Erzähler nicht bloß um die Chronik einer Krankheit, die heute fast vergessen ist. Tatsächlich verlor die Polio ihren Schrecken aber erst durch Einführung eines Impfstoffes in den 1960er-Jahren und ist bis heute ohne Gegenmittel. Wie ihr deutscher Name Kinderlähmung schon verrät, befällt sie hauptsächlich die Jüngsten und verkrüppelt sie. Der Verlauf kann auch tödlich enden und tut das in Roths neuem Meisterwerk mehrfach. Äußerlich unberührt von der Krankheit bleibt Bucky, ein junger Sportlehrer, Jude wie alle in seinem Viertel, kernig, gesund, mit hohen Moralvorstellungen und eisernem Ehrgeiz ausgestattet. Nur seine Kurzsichtigkeit hat ihn abgehalten, mit den Freunden in den Krieg zu ziehen. Darunter leidet er fast so sehr wie an seinen Zweifeln, was die Existenz Gottes angeht und versucht umso …

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"Die Handlung setzt ein im Sommer 1944: In Europa und Asien tobt der Zweite Weltkrieg, im amerikanischen Newark eine Polioepidemie. Roths Held ist ein junger Sportlehrer, ein moderner Hiob, der sich in diesem raffiniert erzählten Roman fragt, wie Gott es zulassen kann, dass kleine Kinder sterben, dass unser Leben von sinnlosen Krankheiten, Verlusten und Qualen bestimmt ist, dass Unschuldige leiden und wir schuldlos Leid zufügen. "Nemesis" ist ein tröstendes Buch in einer trostlosen Welt - Weltliteratur." (Denis Scheck, ARD druckfrisch, 27.02.11)
Philip Roth wurde 1933 in Newark, New Jersey, geboren. Für sein Werk wurde er mit allen bedeutenden amerikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Im Jahre 2001 erhielt er die höchste Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters, die Goldmedaille für Belletristik, die alle sechs Jahre für das Gesamtwerk eines Autors verliehen wird. 2006 wurde Philiph Roth mit dem "Pen/Nabokov-Preis" ausgezeichnet, 2007 erhielt er den "Saul-Bellow-Preis" des Schriftsteller-Verbands, 2009 den "Welt"-Literaturpreis und 2011 wurde er mit dem "Man Booker International Prize" ausgezeichnet. Im Jahr 2012 wurde ihm der Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Literatur verliehen.

Leseprobe zu "Nemesis"

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Kundenbewertungen zu "Nemesis" von "Philip Roth"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** sehr gut)
***** ausgezeichnet
 
(1)
***** sehr gut
***** gut
***** weniger gut
 
(1)
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Bewertung von Borux aus München am 27.03.2013 ***** weniger gut
Ein Roman aus dem Klischee-Baukasten

Als hoch gepriesener US-amerikanischer Schriftsteller liefert Philip Roth mit «Nemesis» seinen, wie er selbst beteuert hat, letzten Roman ab. Die Idee dazu kam ihm durch eine Freundin, die Filmschauspielerin Mia Farrow, die als junges Mädchen an Kinderlähmung erkrankt war. Aber auch die Lektüre von «Die Pest», dem grandiosem Roman von Albert Camus, hat ihn wohl inspiriert. Schon lange als nobelpreiswürdig angesehen, ist ihm, wie auch vielen seiner erfolgreichen nordamerikanischer Kollegen, diese höchste Ehrung bisher versagt geblieben, und zwar wegen der Trivialität ihrer Literatur, so der pauschale Vorbehalt der Jury. Ist diese Kritik denn zutreffend, fragen wir uns.

Die Rachegöttin Nemesis dient dem Miesepeter aus New Jersey, wie der Autor wegen seiner eher trübsinnig machenden Romane mal genannt wurde, als aussagekräftiger Titel für seine düstere Geschichte einer Polio-Epidemie, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, als man der heimtückischen Krankheit also noch weitgehend hilflos gegenüberstand. Durch eine raffinierte Konstruktion in drei Kapiteln gelingt es Roth, seiner eher langweiligen Story eine gewisse Dramatik zu verleihen, die vermutlich manche Leser zu fesseln vermag. Arnie Mesnikoff, der Ich-Erzähler und überzeugte Atheist, steht dabei in krassem Gegensatz zur jüdischen Hauptfigur Bucky Cantor, einem blitzsauberen, hehren Sportmenschen, der leibhaftige Idealtypus des American Hero. Beide erkranken an Poliomyelitis, gehen aber, wie man in einer Art Showdown erst ganz am Ende der Geschichte erfährt, völlig unterschiedlich mit ihrem Schicksal um

Warum lässt Gott uns leiden, warum lässt er grausame Kriege zu, warum überzieht er uns mit solch verheerenden Epidemien? Alles Fragen, an denen sich die Theologen aller Religionen seit Jahrhunderten abarbeiten, ohne auch nur ansatzweise eine überzeugende Antwort zu finden. An genau dieser Frage scheitert auch der gläubige Romanheld, der nicht nur mit seinem Schicksal hadert, sondern, schlimmer noch, an seinen Selbstzweifeln leidet und sich eine Mitschuld an der Ausbreitung der Epidemie einredet. Was für den lebensklugen Ich-Erzähler die Tyrannei der Umstände ist, aus denen man pragmatisch das Beste machen muss, das ist für den vor lauter Moral- und Ehrgefühlen geradezu mystisch überhöhten Helden die pure Theodizee. Er steht der unheilvollen Melange von Schicksalsschlägen und nicht verifizierbaren Selbstvorwürfen jedenfalls völlig ratlos gegenüber.

Ein Abgrund des Trivialen tut sich auf in diesem Roman, Klischees im Übermaß jedenfalls, vom kriminellen Vater, im Kindbett gestorbener Mutter, wahren Gutmenschen als Großeltern, makellosem Doktor als Schwiegervater, bösen Italienern und guten Juden, idyllischem Indianercamp, selbstlosem Liebesverzicht bis hin zum göttergleichen Speerwerfer, der uns am Ende des Buches vorgeführt wird. Hollywood lässt grüßen! Schade eigentlich, denn der Stoff gäbe einiges her, erinnert in seiner Tragik ja durchaus an griechische Dramen. Erzählt ist diese holzschnittartige Geschichte von Idealen, Moral, Verantwortung, Vorurteilen, Schuld und Sühne in einer einfachen, knappen, humorlosen Sprache ohne Raffinesse und Esprit. Lesevergnügen sieht anders aus! Und was die künstlerische Qualität solcher literarischen Produkte anbelangt, hat das Nobelkomitee wohl ausgesprochen weise geurteilt.

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Bewertung von leserattebremen aus Bremen am 18.02.2012 ***** ausgezeichnet
Bucky Cantor ist im Jahr 1944 erst 23 Jahre alt und kommt als Sportlehrer direkt vom College, als er die Aufsicht über den Sportplatz einer Highschool während der Sommerferien in Newark übernimmt. Als es in der Stadt zu einer Polioepidemie kommt, versucht er Ruhe zu verbreiten, auch noch als einer seiner Lieblingsschüler zu Tode kommt. Als weitere Schüler sterben und er von Eltern beschimpft wird, das Rennen in der Hitze hätte die Polioepidemie ausgelöst, verlässt er Newark und fährt zu seiner Verlobten Marcia, die als Lehrerin in einem Sommercamp in Indian Hill arbeitet. Als es auch dort zu einem Fall von Polio kommt, bricht Buckys heile Welt endgültig auseinander.
Philip Roth benennt seinen Roman nach der griechischen Rachegöttin „Nemesis“ und so hadert auch die Hauptfigur Bucky Cantor in diesem bewegenden Roman immer wieder mit seinem Gott, der neben dem Zweiten Weltkrieg auch noch die Kinderlähmung in die Welt gebracht hat. Was Bucky als bösen Willen seines Gottes ansieht, bezeichnet der Erzähler aber als „Tyrannei der Umstände“ in die Bucky verwickelt wird und die sein Leben prägen. Der Roman ist bis in die kleinen Details wunderbar geschrieben und das Schicksal von Bucky, dessen Leben durch sein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl vorgezeichnet scheint, lässt einen als Leser betroffen und traurig zurück.
Eine bewegende Geschichte, die einen auch nach dem Lesen des Buches noch gefangen hält und zum Nachdenken bringt.

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