Gott schütze Amerika - Ellis, Warren

Warren Ellis 

Gott schütze Amerika

Roman. Deutsche Erstausgabe

Aus d. Engl. v. Conny Lösch
Broschiertes Buch
 
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Gott schütze Amerika

Der total verrückte Kultbestseller aus den USA
Willkommen zu einem Roman, wie Sie ihn noch nie gelesen haben! Ein Buch, bei dem das Prädikat KULT groß geschrieben wird. Und das perfekt zu einer Zeit er scheint, in der sich Amerika im Wandel befindet. "Gott schütze Amerika" ist ein gnadenlos wilder Mix aus Krimi und durchgeknallter Gesellschaftssatire, wenn Sie so wollen Raymond Chandler meets Douglas Adams. Ein Privatdetektiv erhält vom Stabschef des Präsidenten den Auftrag, die "Geheime Verfassung" des Landes aufzuspüren. Mit ihr will sie den moralischen Verfall des Landes aufhalten. Freuen Sie sich auf eine unvergessliche Reise durch die Abgründe Amerikas.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 302 S.
  • Seitenzahl: 304
  • Heyne Bücher Nr.40655
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 135mm x 24mm
  • Gewicht: 240g
  • ISBN-13: 9783453406551
  • ISBN-10: 3453406559
  • Best.Nr.: 25555567
"Ein herzzerschredderndes Werk voll derber Brillanz, das herrlich alle Detektivklischees auf die Schippe nimmt." (Los Angeles Times Book Review)

kulturnews - RezensionBesprechung
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(c) bunkverlag
Der lausige Privatdetektiv Michael McGill bekommt von der US-Regierung den Auftrag, die "Geheime Verfassung des Landes" aufzuspüren. Diese soll den moralischen Verfall der pornografisierten Bevölkerung stoppen und so eine Zeit einläuten, in der Gottesfurcht und Anstand wieder "in" sind. Mit 500 000 Dollar und seiner polyamorphen Partnerin Trix im Schlepptau macht sich der selbsternannte Pechmagnet auf eine Reise durch die Abgründe Amerikas. Dank seines neuen, heroinsüchtigen Vorgesetzten im Weißen Haus, findet McGill neben kackgeilen Politikern und Kinofreaks mit Echsenfetisch auch ziemlich schnell die ersehnte heiße Spur - und erfährt auf diese Weise viel mehr von der Welt der Perversionen als ihm lieb ist. Wer einen niveauvollen Detektivroman erwartet, wird enttäuscht sein. "Gott schütze Amerika" ist vielmehr eine Auswahl der im Netz bereitgestellten Absurditäten, die Warren als Grundlage für seinen teilweise stumpfen, aber doch recht amüsanten Debütroman dienten. (mf)

"Die perfekte Lektüre für den leicht sadistischen Strandtag."
Warren Ellis ist einer der produktivsten, meist gelesenen und innigst geliebten Graphic novelists weltweit, sowie Urheber beliebter Serien wie Transmetropolitan und The Authority. Er gewann zahlreiche Preise und wurde für viele weitere nominiert. Ellis hat über 50 Graphic novels, Fernsehdrehbücher und Videospiele geschrieben. Er schickt seinen Freunden und seiner Familie ununterbrochen aus der Kneipe Nachrichten per SMS zu. Mit seiner Frau Niki und der gemeinsamen Tochter Lilith lebt er in Südengland. Er schläft nie.

Leseprobe zu "Gott schütze Amerika" von Warren Ellis

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Leseprobe zu "Gott schütze Amerika" von Warren Ellis

Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste. Ein riesengroßes braunes Mistvieh mit dem Körper einer Kackwurst auf Beinen und schwarz glänzenden Augen, aus denen geheimes Rattenwissen sprach. Mit einem hochnäsigen Schnaufen stürzte sie sich vom Tisch auf den Boden und tippelte wieder zurück zu dem Wandloch, in dem sie die letzten drei Monate gesessen und Pläne ausgeheckt hatte, um mich nach Strich und Faden zu verarschen. Ich hatte versucht, ein Brett über die Lücke in der Holzverkleidung zu nageln, aber sie fraß sich durch und kotzte die feuchten Holzspäne in meine Schuhe. Ich versetzte Köder mit Rattengift und legte sie aus, aber irgendwie wurde sie durch das Gift zur Superratte. Einmal zog ich ihr den Kolben meiner Knarre über, aber sie stand wieder auf und kackte auf mein Telefon.

Ich rollte auf meinem Bürostuhl vorwärts. Der Gestank der dampfenden, gärenden Rattenpisse in meinem Becher versetzte mich schlagartig in einen unerwünschten Wachzustand, dabei hätte ich denselben Effekt viel lieber durch Kaffeetrinken erreicht. Ich löste meinen Rücken vom verschwitzten Kunstleder des Stuhls, zwang mich in eine aufrechte Position und stakste steifbeinig in das an mein Büro angrenzende Badezimmer. Ich wusste, dass eines Tages jemand unangemeldet ins Büro platzen und den hinter einer weit geöffneten Klotür pinkelnden Privatdetektiv vorfinden würde. Es hatte Zeiten gegeben, in denen ich mir wegen solcher Dinge Sorgen machte. Das musste gewesen sein, bevor das Büro mein einziges Zuhause geworden war.

Mein Anzug und mein Hemd lagen in einem Haufen auf dem Plastikstuhl, den ich sonst meinen Kunden anbot. Damals, als ich noch professioneller Säufer war, hatte ich ihn aus einem 24-Stunden-Imbiss um die Ecke vom Union Square geklaut. Ich nahm das Hemd und schnupperte versuchsweise daran. Mir schien, als wäre es noch einen weiteren Tag brauchbar, bevor es in die Wäsche musste - obwohl mir der quälende Gedanke keine Ruhe ließ, dass es in Wirklichkeit vielleicht erbärmlich stank und mein Geruchssinn längst im Eimer war. Ich hob den Ärmel und untersuchte die Achseln. Leicht gelblich. Andererseits galt das auch für alles andere im Büro. Und mit dem Jackett darüber würde es sowieso niemand sehen.

Ich tastete das Jackett nach Zigaretten ab, fand eine und ging zurück zu meinem Stuhl. Mit der Handkante wischte ich den Nikotindreck vom Fenster hinter dem Stuhl und blickte auf das kurzes Stück der Manhattaner Straße hinunter, das ich von hier erkennen konnte. Die Stadtteilsanierung hatte wenige Häuser westlich von mir haltgemacht. Die Grenze war deutlich erkennbar. Auf der anderen Seite biafrische Küche, Wohneinheiten mit quietschsauberen Sicherheitsfenstern aus Plastik, Frauen, die Imogen oder Saffron hießen, Männer mit Namen wie Josh und Morgan. Auf meiner Seite Crackhuren, ausgebrannte Autos, Schusslöcher in den Türrahmen und Männer namens Arschloch. Es ist schon fast Ehrensache, ein Crackhaus in der Nähe zu haben, so als würde man in einem Viertel vor der Zeit von Rudy Giuliani wohnen, in einem Teil des alten New York.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich das alte Gebäude, gegen das die Polizei vor fünf Jahren mit Panzern vorging, um die Hausbesetzer zu vertreiben. In den Medien kam nie etwas über die Typen im Crackhaus die Straße weiter runter, die sich aus den Fenstern hängten, den Schorf von den Gesichtern kratzten und auf die Köpfe der Gaffer rieseln ließen, die der Polizei zujubelten, weil die die Hausbesetzerärsche aus dem Viertel jagten. Sie glauben, die Panzer wären gegen das Crackhaus gerollt? Einen Teufel haben sie getan.

Damals war ich noch neu hier. Noch ganz kribbelig vor Aufregung, als Privatdetektiv in der großen Stadt anzufangen. Ich war fünfundzwanzig Jahre alt und bildete mir noch schwer was darauf ein, seit meinem zwanzigsten Lebensjahr in der Hauptfiliale von Pinkerton in Chicago als Wunderkind gegolten zu haben. Aber jetzt wollte ich es im Alleingang versuchen, etwas Eigenes aufziehen, wollte mein Leben verändern. Schon am zweiten Tag ging alles schief, als der Schildermaler, der meinen Namen an der Bürotür anbringen sollte, einen Fehler machte und sich verdünnisierte, bevor ich es merkte. In den Augen der Welt bin ich jetzt MICHAEL MGIL PRIVAT DETEK IV. Seitdem beginnt jedes Beratungsgespräch mit: "Nein, ich heiße McGill."

Irgendein Arsch hatte vor sechs Monaten mit einem Schlüssel das T aus dem D E T E K T IV entfernt. Ich konnte mich einfach nicht aufraffen, es in Ordnung bringen zu lassen. Bei meinem Auftragsvolumen konnte ich genauso gut als DETEK IV weitermachen. Alle zwei Tage ging ich runter zum Münztelefon an der Ecke, rief mich selbst an und hinterließ eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter, nur um sicher zu sein, dass er noch funktionierte.

Ich hatte keine Sekretärin. Manchmal schaltete ich den Stimmumwandler ein, den ich für fünf Mäuse bei eBay ersteigert hatte und tat so, als wäre ich meine eigene Sekretärin. Echt erbärmlich.

Ich blies schalen Zigarettenrauch an die Fensterscheibe, sah auf die Leute herab, die sich unten über die Straße bewegten und überlegte, was ich machen sollte. Ich war ziemlich sicher, dass es Samstag war, also musste ich nicht so tun, als hätte ich einen Beruf. Der Haken war natürlich der, dass ich nirgendwo anders hingehen konnte. Ich hätte versuchen können, meinem alten Laptop Leben einzuhauchen und im Netz über das Leben anderer Leute zu lesen, aber ich fürchtete mich vor meinen E-Mails.

Vielleicht, dachte ich, wurde es Zeit, das Büro zu verlassen und in die Sonne zu ziehen.

Auf der Straße spielten Kinder, ein Anblick, den ich von meinem Fenster nicht allzu oft zu sehen bekam. Ich überlegte und beobachtete, griff reflexartig nach meinem Kaffeebecher, während ich träge meinen Gedanken nachhing.

Jetzt wurde mir klar, dass ich, hätte ich nicht in genau dieser Sekunde den Geheimagenten am hinteren Ende der Straße entdeckt, meine Hände wahrscheinlich immer noch in Unschuld waschen würde.

Aber ich hatte ihn gesehen. Einen typischen Geheimagenten: schwarz gekleidet, Sonnenbrille, Knopf im Ohr, versteinerter Gesichtsausdruck.

Ein zweiter die Straße noch etwas weiter runter. Ich lehnte mich aus dem Fenster. Der dritte stand vor der Haustür zu meinem Gebäude. Und alle drei sahen sie zu meinem Fenster hoch.

Kundenbewertungen zu "Gott schütze Amerika" von "Warren Ellis"

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Bewertung von tassieteufel am 12.09.2011 ***** ausgezeichnet
Privatdetektiv Mike McGill ist einer, der Probleme, durchgeknallte Typen und bizarre Situationen geradezu anzieht, somit ist er genau der richtige Mann für den Stabschef des Präsidenten, der ihn beauftragt, die geheime Verfassung des Landes aufzuspüren, die schon lange als ver schollen gilt. Als Mike den Auftrag annimmt, beginnt für ihn eine aberwitzige Reise quer durch die Staaten, dabei begegnet er den skurilsten und durchgeknalltesten Typen die man sich vor stellen kann.
Na ja, ein bißchen absonderlich ist das Buch schon, voll von durchgeknallten, makaberen Ge stalten, da ist Michael McGill noch der Harmloseste. Ich kenne jetzt sexuelle Praktiken bzw. Neigungen, von denen ich noch nie gehört, oder überhaupt geahnt habe, das es sie gibt. Über haupt werden da Dinge praktiziert, die einen leicht das Gruseln lehren können (enthäuten mit dem Staubsauger brrrrr). Das Ganze wird vom Autor auf recht schräge, witzige Weise erzählt, so daß man sich ein breites Grinsen oft nicht verkneifen kann, denkt man genauer drüber nach, dann stellt sich allerdings wieder der Gruseleffekt ein, besonders wenn man im Nachwort liest, das fast alles auf realen Begebenheiten beruht.
Eine ausgefeilte Handlung und gewählte Sprache darf man hier nicht erwarten, das würde auch gar nicht zum Buch passen und ist somit nichts für Zartbesaitete, vielmehr sollte man schon ein Faibel für schwarzen Humor und das morbide haben.

Fazit: aberwitzig-witzige, schwarzhumorige Geschichte voll schräger Gestalten, sowas kann es nur in Amerika geben, das ja vorne rum immer so zugeknöpft und prüde erscheint, wie's hinten rum aussieht, ist hier auf äußerst unterhaltsame Weise mit leichtem Gruseleffekt nachzulesen. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß dabei!

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