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Jugendstil
Produktinformation
- Verlag: Rotbuch Verlag
- 2007
- Ausstattung/Bilder: 2007. 172 S.
- Seitenzahl: 172
- Deutsch
- Abmessung: 213mm x 126mm x 22mm
- Gewicht: 287g
- ISBN-13: 9783867890014
- ISBN-10: 3867890013
- Best.Nr.: 22615278
Leseprobe
Produktbeschreibung zu "Jugendstil"
Beschreibung
13.12.2007
In der Dunkelkammer
Budapest, Sommer 1961: György Dalos’ Roman „Jugendstil”
György Dalos nennt sein neues Buch einen Roman. Der Untertitel Novelle hätte ebenso gut gepasst: Handelt es sich doch um ein knappes, streng komponiertes Stück Prosa, in dem der jugendliche, meist verliebte Held vor seinem Gewissen manch komplizierte Entscheidung zu verantworten hat, bis sich nach einer unerwarteten Wendung die Handlung in einem höchst ambivalenten Schluss auflöst. Das klingt nach Kunsthandwerk, bei Dalos jedoch verbirgt sich hinter diesem Rückgriff auf traditionelle Erzählweisen eine eminent politische Geste.
Denn die Geschichte spielt in Budapest, Anfang der Sechzigerjahre. Nach dem gescheiterten Aufstand von 1956 kennt das kommunistische Establishment keine Rücksichten mehr. Wer sich gegen die Sowjetisierung des Landes sträubt, bekommt es mit Partei und Staat zu tun. Sowjetisierung bedeutet auch, alle Überlieferungen der bürgerlichen Kultur zu kappen – und Budapest ist reich an solchen Überlieferungen. Dazu gehören bestimmte Formen urbaner Geselligkeit genauso wie die Jugendstilfassaden, hinter denen dieses Bürgertum lebt. Überhaupt der …
13.12.2007
Tobias Heyl ist von diesem kurzen Roman, der im Budapest der frühen
60er Jahre spielt, höchst angetan und spricht ihm gleichermaßen
moralische Tiefgründigkeit wie große "literarische Kraft"
zu. Es geht um den jüdischen Oberschüler Robert Singer, der sich
als eher opportunistischer Kommunist trotzdem dem als bürgerlich
geächteten Jugendstil verschrieben hat. Eine Aufsichtsverletzung
als Ordner auf einem Schulfest ruiniert seine Parteikarriere und
lässt ihn zudem die ganze antisemitische Ablehnung des Systems
spüren. Dalos verlässt sich in seinem Buch auf die traditionelle
Novellenform und der Rezensent erkennt darin auch eine
"eminent politische Geste". Es wirft Fragen nach Schuld
und Verantwortung auf und hält nicht zuletzt die Erinnerung an Orte
und Menschen fest, die in der Geschichtsschreibung keinen Widerhall
finden, lobt Heyl.
© Perlentaucher Medien GmbH
Autorenporträt zu "György Dalos"
György Dalos, geboren 1943 in Budapest in einer jüdischen Familie, gehörte zur demokratischen Opposition Ungarns und lebte in den achtziger Jahren nach Aufenthalten in Berlin in Wien und Budapest. György Dalos wurde vielfach in Deutschland und Ungarn ausgezeichnet und war bis 1999 der Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin und im selben Jahr literarischer Leiter des Ungarn-Schwerpunkts während der Frankfurter Buchmesse. Er lebt als Autor in Berlin.
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