Jugendstil - Dalos, György

György Dalos 

Jugendstil

Roman

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Jugendstil

Während einer Geschäftsreise in seine Geburtsstadt Budapest begegnet Robert Singer, der als Exilungar in Wien lebt und dort stellvertretender Direktor des Instituts für Jugendstil ist, einem ärmlich gekleideten älteren Mann, der ihn anspricht. Robert kann den »Fremden« zunächst nicht identifizieren und lädt ihn aus Verlegenheit ins Restaurant ein, wo er sich als sein alter Schulkamerad Feri K. entpuppt. Das flüchtige Wiedersehen nach 40 Jahren lässt in Robert eine tiefverwurzelte Geschichte wiederaufleben, Bilder aus einer längst vergangenen Zeit werden wieder lebendig Robert Singer sieht sich zurückversetzt in den Herbst 1961: In die kleinbürgerliche Enge und Armut seiner Familie, der er entfliehen will. Der Traum von seiner großen Liebe zu dem Mädchen Ilona wird wieder fühlbar ebenso wie der Konflikt mit seinem Schulkameraden Feri K. und dessen Worte bei dem letzten Gespräch, bevor sich ihre Wege trennten: »Merkwürdig hätte ich dich als Juden und Kommunisten nicht gehasst, könnten wir als Menschen sogar Freunde sein«


Produktinformation

  • Verlag: Rotbuch Verlag
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 172 S.
  • Seitenzahl: 160
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 126mm x 22mm
  • Gewicht: 284g
  • ISBN-13: 9783867890014
  • ISBN-10: 3867890013
  • Best.Nr.: 22615278

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Tobias Heyl ist von diesem kurzen Roman, der im Budapest der frühen 60er Jahre spielt, höchst angetan und spricht ihm gleichermaßen moralische Tiefgründigkeit wie große "literarische Kraft" zu. Es geht um den jüdischen Oberschüler Robert Singer, der sich als eher opportunistischer Kommunist trotzdem dem als bürgerlich geächteten Jugendstil verschrieben hat. Eine Aufsichtsverletzung als Ordner auf einem Schulfest ruiniert seine Parteikarriere und lässt ihn zudem die ganze antisemitische Ablehnung des Systems spüren. Dalos verlässt sich in seinem Buch auf die traditionelle Novellenform und der Rezensent erkennt darin auch eine "eminent politische Geste". Es wirft Fragen nach Schuld und Verantwortung auf und hält nicht zuletzt die Erinnerung an Orte und Menschen fest, die in der Geschichtsschreibung keinen Widerhall finden, lobt Heyl.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.12.2007

In der Dunkelkammer
Budapest, Sommer 1961: György Dalos’ Roman „Jugendstil”
György Dalos nennt sein neues Buch einen Roman. Der Untertitel Novelle hätte ebenso gut gepasst: Handelt es sich doch um ein knappes, streng komponiertes Stück Prosa, in dem der jugendliche, meist verliebte Held vor seinem Gewissen manch komplizierte Entscheidung zu verantworten hat, bis sich nach einer unerwarteten Wendung die Handlung in einem höchst ambivalenten Schluss auflöst. Das klingt nach Kunsthandwerk, bei Dalos jedoch verbirgt sich hinter diesem Rückgriff auf traditionelle Erzählweisen eine eminent politische Geste.
Denn die Geschichte spielt in Budapest, Anfang der Sechzigerjahre. Nach dem gescheiterten Aufstand von 1956 kennt das kommunistische Establishment keine Rücksichten mehr. Wer sich gegen die Sowjetisierung des Landes sträubt, bekommt es mit Partei und Staat zu tun. Sowjetisierung bedeutet auch, alle Überlieferungen der bürgerlichen Kultur zu kappen – und Budapest ist reich an solchen Überlieferungen. Dazu gehören bestimmte Formen urbaner Geselligkeit genauso wie die Jugendstilfassaden, hinter denen dieses Bürgertum lebt. Überhaupt der …

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György Dalos, geb. 1943 in Budapest in einer jüdischen Familie, gehörte zur demokratischen Opposition Ungarns und lebte in den achtziger Jahren nach Aufenthalten in Berlin in Wien und Budapest. György Dalos wurde vielfach in Deutschland und Ungarn ausgezeichnet und war bis 1999 der Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin und im selben Jahr literarischer Leiter des Ungarn-Schwerpunkts während der Frankfurter Buchmesse. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1995 der "Adelbert-von-Chamisso-Preis", 2000 die "Goldene Plakette der Republik Ungarn" und 2010 der "Preis der Leipziger Buchmesse für Europäische Verständigung".
György Dalos lebt als Autor in Berlin.

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