Anna und die Liebe - Box 12, Folgen 331-360 (4 DVDs)
Bildformat: 16:9 (1.78:1)
Sprache / Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Ländercode: 2
Extras: Outtakes
Verhuschtes Aschenputtel heuert in Berliner Erfolgsfirma an,
verguckt sich in den Juniorchef, hat brillante Ideen, traut sich
aber nicht aus der Deckung: Ganz klar, das ist die Grundhandlung
von "Verliebt in Berlin", jenem Superknüller, der Sat.1
vor drei Jahren mit Marktanteilen von teilweise über 25 Prozent ein
komplettes Geschäftsjahr rettete. Das Muster passt aber auch exakt
auf die neue Telenovela des Berliner Senders, der sich schon
geraume Zeit verzweifelt um eine Rückkehr in die einstige
Erfolgsspur bemüht.
Jeanette Biedermann soll's nun richten: Sie spielt in
"Anna und die Liebe" (ab 25. August, montags bis freitags
um 19 Uhr) die Titelrolle. Die singende Schauspielerin hat
Erfahrung mit langlaufenden Serien, schließlich wirkte sie fünf
Jahre lang (1999 bis 2004) im RTL-Dauerbrenner "Gute Zeiten,
schlechte Zeiten" mit.
Ähnlich wie Alexandra Neldel, Hauptdarstellerin aus "Verliebt
in Berlin", ist Biedermann allerdings alles andere als ein
Mauerblümchen. Neldel hatten die Produzenten damals Perücke,
Zahnspange und eine klobige Brille verpasst. Für Biedermann hat man
sich nun was anderes einfallen lassen. Annas Nachname (Palauke) ist
zwar ebenso wenig glamourös wie der von Lisa Plenske, doch davon
abgesehen gibt es einen gewaltigen Unterschied: Anna ist krankhaft
schüchtern; bei Fremden kriegt sie buchstäblich keinen Ton raus.
Der Rest ist Aschenputtel pur, zumal die Figuren der
Telenovela-üblichen Typisierung entsprechen: Für den bösen
Stiefvater ist Anna Luft, ihre etwas weltfremde Mutter sucht
ständig irgendwas, und sei es den Überblick; und dann ist da ja
noch die gemeine Stiefschwester. Katja (Karolina Lodyga) ist der
konsequente Gegenentwurf zu Anna: Erst klaut sie Anna die
Namensidee für ein neues Parfüm und schnappt ihr damit den Traumjob
als Texterin in der erfolgreichen Werbeagentur Broda & Broda
weg, und schließlich schmeißt sie sich auch noch hemmungslos an
Annas Schwarm Jonas Broder (Roy Peter Link) ran.
Dank immer wieder neuer Anläufe der jungen Frau, die zumindest
einen Job als Aushilfe bei Broa & Broda ergattert, und diverser
kaltschnäuziger Konter Katjas ist "Anna und die Liebe"
durchaus unterhaltsam und abwechslungsreich. Ob Sat.1 tatsächlich
an den Erfolg von "Verliebt in Berlin" anknüpfen kann,
ist jedoch fraglich. Selbst wenn im "Ersten" der
Doppelpack "Rote Rosen" und "Sturm der Liebe"
(seit September 2005 bereits mit dem dritten Liebespaar) schon
geraume Zeit mit Erfolg läuft und sich auch die ZDF-Serie
"Wege zum Glück" (seit November 2004) mittlerweile Folge
800 nähert: Der Boom des Genres ist wohl vorbei, ein Neustart ist
schon lange keine Sensation mehr. Dafür haben deutsche Sender die
Telenovela um eine Besonderheit bereichert: Hierzulande finden die
eigentlich auf eine bestimmte Anzahl von Folgen begrenzten Serien
kein Ende mehr. Das klappt jedoch nicht immer: Der Versuch von
Sat.1, "Verliebt in Berlin" einfach mit einer männlichen
Hauptfigur fortzusetzen, ging völlig daneben. tpg.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Mathieu Carrière, geb. 1950 in Hannover, ist Schauspieler und essayistischer Autor. Sein Leinwanddebüt gab er im Alter von 13 Jahren in der Thomas-Mann-Verfilmung 'Tonio Kröger'. International bekannt machte ihn 1966 die Rolle des Törless in 'Der junge Törless' von Volker Schlöndorff. Seither zahlreiche Rollen in Spielfilmen und Serien.