In "Pius XII." spielte sie nur eine Nebenrolle, diesmal ist sie die Heldin: Die bayrische Ordensschwester Pascalina steht im Zentrum des ARD-Osterzweiteilers.
"Gottes mächtige Dienerin" ist das unerwartet fesselnde Porträt einer Nonne, die Großes geleistet hat und doch beinahe an der Kleinmütigkeit ihrer Ordenskolleginnen gescheitert wäre. Es ist vor allem die Kombination von Menschlichkeit und Historie, die den Zweiteiler auszeichnet: Ohne die Zeitgeschichte je als schlichte Folie für ein Emotionsdrama zu missbrauchen, erzählt das Autorentrio Marcus O. Rosenmüller (auch Regie), Henriette Piper und Gabriele Scheidt aus dem Leben von Pascalina Lehnert, die es von der bayerischen Bauerntochter bis zur Ratgeberin von Papst Pius XII. brachte.
Christine Neubauer ist eine treffende Besetzung für diese Rolle; sieht man mal davon ab, dass die junge Josefine nach einem Zeitsprung plötzlich wie die Mutter ihrer älteren Geschwister aussieht, weil Neubauer (48) auch die gut zwanzigjährige Novizin spielt. Der rustikale Charme der Schauspielerin aber passt ausgezeichnet zu der resoluten Frau, die sich durch das eifersüchtige Mobbing ihrer Mitschwestern nur kurzzeitig beirren lässt. Pascalina ist genau die richtige, um Eugenio Pacelli (Remo Girone), dem apostolischen Gesandten in München, den Haushalt zu führen. Rasch stellt der Nuntius fest, dass die pragmatische Schwester auch ein kluger Kopf ist. Sie wird zu seiner Sekretärin, die sogar die Texte redigiert. Als Pacelli zum Kardinalstaatsekretär befördert wird, gelingt der zielstrebigen Pascalina der Einzug in den inneren Zirkel des naturgemäß von Männern dominierten Vatikans. Sogar als Papst kann Pacelli nicht auf seine Ratgeberin verzichten kann.
Selbst wenn das Drehbuch im zweiten Teil nahe legt, Pascalina habe die römischen Juden quasi im Alleingang gerettet: "Gottes mächtige Dienerin" ist auch über die Länge von 180 Minuten ein Film, der nie im Sentiment ertrinkt und religiösen Kitsch konsequent vermeidet. Der Kern der Geschichte einer Frau, die sich in einer Männergesellschaft behauptet, ist zudem auch im 21. Jahrhundert ein aktuelles Thema. Die moderne Anmutung dürfte vor allem das Verdienst von Marcus O. Rosenmüller sein, ein Spannungsspezialist, der Christine Neubauer kürzlich schon erfolgreich durch den Thriller "Die Minensucherin" (ZDF) geführt hat.
Reizvoll ist auch der Vergleich zu dem im vergangenen November ausgestrahlten ARD-Zweiteiler "Pius XII.", der die gleiche Geschichte aus Sicht Pacellis erzählte. Beide Werke beginnen mit der Bombardierung Roms und blenden dann zurück. Christine Neubauer wirkte in einer Nebenrolle ebenfalls mit: als Schwester Pascalina. tpg.
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Christine Neubauer wurde in München geboren. Nach dem Abitur und einigen Semestern Psychologie nahm sie Schauspielunterricht bei Ruth von Zerboni. Danach besuchte sie Workshops in New York. Sie spielte ab 1982 Theater u.a. in München und Ingolstadt. Christine Neubauer wurde zweimal mit dem Grimme-Preis ("Löwengrube" und "Krambambuli"), dem Bayerischen Fernsehpreis ("Frische Ware") und einem Telestar ("Solange es die Liebe gibt") ausgezeichnet. Die Schauspielerin hat einen Sohn und lebt mit Ehemann Lambert Dinzinger in München.