Zurück in die Zukunft
Wenn wir nur über CO2-Bilanzen, Vor- und Nachteile von Sonne, Wind
oder Atom sprechen, dann verpassen wir es, über wirkliche
Alternativen zu sprechen. Eine solche Alternative könnte eine
gerechtere Gesellschaft sein, in der die Starken weniger Macht
hätten und die Schwachen weniger marginalisiert würden; eine
Gesellschaft, in der die Menschen weniger konsumieren, aber mehr
Zeit und Raum für sich haben; eine Gesellschaft mit teureren
Lebensmitteln, aber weniger Hunger; eine freiere
Gesellschaft.
Dass das Verbrennen von Erdöl die Umwelt schädigt, wissen
mittlerweile alle. Der hohe Energieverbrauch unserer Gesellschaft
indes wird kaum je infrage gestellt: Wird Energie nur
"sauber" produziert, gilt sie als unproblematisch.
Marcel Hänggi hinterfragt diesen Konsens und zeigt auf, dass wir
den Klimawandel nur dann stoppen können, wenn wir unser Verhältnis
zur Energie ändern. Denn Energie prägt die Art, wie wir Nahrung
produzieren und uns ernähren; wie wir uns bewegen; wie wir
konsumieren; wie die Macht in Wirtschaft und Politik arbeitet.
Interessant, aber auch ein wenig widersprüchlich klingt, was Rezensent Harald Welzer über dieses Buch schreibt. Der Schweizer Journalist Marcel Hänggi betrachtet das Energieproblem von zwei Seiten: Zum einen beschreibt er den Energieverbrauch als soziale Praxis, die von der Frühzeit bis heute unterschiedliche "Energieregime" herausgebildet hat. Wobei das neuere das ältere in der Regel nicht abgelöst, sondern ergänzt hat, erklärt Welzer. Das versetze Anhängern alternativer Energien, die auf eine umfassende Rettung der Umwelt hoffen, einen empfindlichen Dämpfer. Zum zweiten untersucht Hänggi soziale Praktiken des Energieverbrauchs am konkreten Beispiel, etwa dem Individualverkehr. Am Ende steht für Hänggi und Welzer fest: Wir brauchen nicht nur alternative Energien, der Energieverbrauch muss gesamtgesellschaftlich eingeschränkt werden. So weit, so logisch. Wenn Hänggi uns aber verspricht, wir müssten zwar auf den Individualverkehr verzichten, deshalb aber nicht weniger mobil sein, fragt man sich, wie das gehen soll. Der Rezensent beantwortet diese Frage auch nicht. Und so ist man nach Lektüre der anregenden Rezension genauso ratlos wie vorher.