Die Kreutzersonate - Tolstoi, Leo N.

Leo N. Tolstoi 

Die Kreutzersonate

Ehegeschichten. Das Buch zum Film

Hrsg. u. mit e. Vorw. v. Margit Bräuer. Aus d. Russ. v. Hermann U. Asemissen
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Produktbeschreibung zu Die Kreutzersonate

»Zu lieben ist ein Segen, geliebt zu werden Glück.« Lew Tolstoi Auf einer langen Bahnfahrt erzählt ein Gutsbesitzer einem Mitreisenden die Geschichte seiner Ehe, die trotz bester Absichten in einer Katastrophe endete. Ein junges Paar erfährt, wie aus leidenschaftlicher Liebe mit den Jahren ein ruhigeres Familienglück wird. Ein glücklich verheirateter Mann kommt nicht los von der Frau, die er vor seiner Ehe liebte. Lew Tolstois drei Ehegeschichten sind nicht autobiographisch, aber hinter dem fiktiven Geschehen spürt man die Betroffenheit des Autors, der vieles von dem Geschilderten selbst durchlebt und durchlitten hat. »Die Kreutzersonate ist eines der Wunder des Zeitalters.« Heinrich Mann »Tolstoi ist einer der größten Psychologen.« Daniel Kehlmann

"Zu lieben ist ein Segen, geliebt zu werden Glück." Lew Tolstoi

Auf einer langen Bahnfahrt erzählt ein Gutsbesitzer einem Mitreisenden die Geschichte seiner Ehe, die trotz bester Absichten in einer Katastrophe endete. Ein junges Paar erfährt, wie aus leidenschaftlicher Liebe mit den Jahren ein ruhigeres Familienglück wird. Ein glücklich verheirateter Mann kommt nicht los von der Frau, die er vor seiner Ehe liebte. Lew Tolstois drei Ehegeschichten sind nicht autobiographisch, aber hinter dem fiktiven Geschehen spürt man die Betroffenheit des Autors, der vieles von dem Geschilderten selbst durchlebt und durchlitten hat.

Produktinformation


  • Verlag: Aufbau Tb
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 309 S.
  • Seitenzahl: 307
  • Aufbau Taschenbücher Bd.6126
  • Deutsch
  • Abmessung: 196mm x 126mm x 25mm
  • Gewicht: 325g
  • ISBN-13: 9783746661261
  • ISBN-10: 3746661269
  • Best.Nr.: 25576161
"Die Kreutzersonate ist eines der Wunder des Zeitalters." (Heinrich Mann)

"Tolstoi ist einer der größten Psychologen." (Daniel Kehlmann)
Leo N. Tolstoj, geb. am 9. September 1828 in Jasnaja Poljana bei Tula, starb am 20. November 1910 in Astapowo, heute zur Oblast Lipezk an einer Lungenentzündung. Tolstoj entstammte einem russischen Adelsgeschlecht. Als er mit neun Jahren Vollwaise wurde, übernahm die Schwester seines Vaters die Vormundschaft. An der Universität Kasan begann er 1844 das Studium orientalischer Sprachen. Nach einem Wechsel zur juristischen Fakultät brach er das Studium 1847 ab, um zu versuchen, die Lage der 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Landreformen zu verbessern. Er erlebte von 1851 an in der zaristischen Armee die Kämpfe im Kaukasus und nach Ausbruch des Krimkriegs 1854 den Stellungskrieg in der belagerten Festung Sewastopol. Die Berichte aus diesem Krieg (1855: Sewastopoler Erzählungen) machten ihn als Schriftsteller früh bekannt. Er bereiste aus pädagogischem Interesse 1857 und 1860/61 westeuropäische Länder und traf dort auf Künstler und Pädagogen. Nach

Leseprobe zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

FAMILIENGLÜCK (S. 11-12)

Erster Teil 1


Wir trugen Trauer um unsere Mutter, die im Herbst gestorben war, und verlebten den ganzen Winter einsam auf dem Lande – Katja, Sonja und ich. Katja gehörte von alters her zum Hause, sie war unsere Gouvernante, die uns beide großgezogen hatte und der ich seit meiner frühesten Kindheit in Liebe anhing. Sonja war meine jüngere Schwester. In unserem großen Hause in Pokrowskoje verbrachten wir einen traurigen, finsteren Winter.

Das Wetter war kalt und stürmisch, so daß die Schneewehen oft bis über die Fenster reichten; die Fensterscheiben waren meist zugefroren und undurchsichtig, und während des ganzen Winters gingen oder fuhren wir kaum einmal aus. Besuch kam selten; und wenn sich doch jemand bei uns einfand, wurde die Stimmung im Hause dadurch auch nicht heiterer und froher. Alle Besucher machten ernste, traurige Gesichter, sprachen so leise, als fürchteten sie, jemand zu wecken, seufzten und weinten auch oft, wenn sie auf mich und namentlich auf die kleine Sonja in ihrem schwarzen Kleidchen blickten.

Es war, als ginge im Hause noch der Tod um; der Schrecken und Kummer, den er mit sich gebracht hatte, lag in der Luft. Die Tür zu Mamas ehemaligem Zimmer war verschlossen, und wenn ich abends beim Schlafengehen daran vorbeikam, wurde ich jedesmal von einem seltsamen, mit Schauder gemischten Verlangen ergriffen, einen Blick in diesen kalten, leeren Raum zu werfen. Ich war damals ein siebzehnjähriges Mädchen, und gerade in dem Jahr ihres Todes hatte Mama vorgehabt, in die Stadt zu übersiedeln, um mich in die Gesellschaft einzuführen. Der Verlust meiner Mutter war für mich ein großer Schmerz, doch muß ich bekennen, daß dazu auch etwas der Umstand beitrug, daß ich, ein junges und, wie mir allgemein gesagt wurde, hübsches Mädchen, nun schon den zweiten Winter einsam und freudlos auf dem Lande verbringen mußte.

Gegen Ende des Winters steigerte sich bei mir dieses Gefühl der Einsamkeit und drückenden Langeweile bis zu einem solchen Grade, daß ich kaum noch mein Zimmer verließ, nie das Klavier aufschlug oder ein Buch zur Hand nahm. Wenn Katja mich überreden wollte, das eine oder andere zu unternehmen, erklärte ich, es nicht zu können oder keine Lust zu haben, und fügte im stillen hinzu: Wozu? Wozu soll ich etwas unternehmen, da meine besten Jugendjahre ja doch unnütz vertan werden? Wozu also? Und auf dieses »Wozu« gab es keine andere Antwort als Tränen. Man sagte mir, daß ich im Laufe des Winters abgemagert sei, daß mein Aussehen gelitten habe; aber darüber war ich nicht sehr bekümmert.

Warum denn auch? Für wen? Mir schien, als sei mir bestimmt, mein ganzes Leben in dieser Einöde und ausweglosen Trübsal zu verbringen, der ich aus eigener Kraft nicht entfliehen konnte, ja nicht einmal wollte. Als der Winter seinem Ende entgegenging, begann sich Katja meinetwegen ernstlich Sorgen zu machen und faßte den Entschluß, mit mir unter allen Umständen ins Ausland zu fahren. Doch dazu war Geld nötig, und wir wußten noch so gut wie gar nicht, was uns nach dem Tode der Mutter verblieben war, und warteten von Tag zu Tag auf den Vormund, der herkommen und unsere Verhältnisse klären sollte.

Leseprobe zu "Die Kreutzersonate"

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